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und fagte: Nun, da seid Jhr ja, Schulmeister, und Euer Johannes lein auch, den der Wolf hat würgen wollen; ja, ja, jo hat's tommen müssen; wehe, meine Schmerzen sind groß!" 3ch ermahnte ihn, an sein Ende zu gedenken, nun sei's rechter Ernst zu beten: Herr Jesu, dir leb' ich, Herr Jesu dir sterb' ich!" worauf er noch nidte, als wollte er Amen" sagen, und dann einen langen Seufzer tat, mit dem seine Seele vom Leibe sich schieb. Unter der Zeit waren mehrere Nachbarn herangetreten, und wir hoben ben Leichnam auf unsere Schultern und trugen ihn hinauf auf das Torhaus.

Mein Söhnlein erzählte, er habe aus dem Weinberghäuslein beim Sinzugehen ein leises Wimmern gehört, und wie er an die Lür gefommen und hineingeschaut, habe Hans Mündlein und sein Sohn Alaus auf dem Boden gelegen. Der Klaus habe einen Stich in der Brust gehabt, sei voll Blut gewesen und habe fein Lebens. geichen mehr von sich gegeben, sein Vater aber sei mit dem Pferde gurt gebunden gewesen, habe auch geblutet und geächst. Neben dem Feuer hätten zwei rote Kroaten gefauert und die Suppe aus. gegessen, die die Weinsbergshüter sich gemacht. Wie sie ihn erblidt, feien fie aufgesprungen, hätten ihn verfolgt und geschossen. Auf beu Schuß wäre aus der Schlucht, welche unter dem Weg nach Binbelbadh liegt, ein Reitertrupp hervorgekommen, fei den Kirchhof weg heraufgesprengt und ihm nachge­eilt. Da er aber einen guten Bor Sprung gehabt, sei er noch vor ihnen ins Tor gelommen, wo der Beit schon auf ihn gewartet. Ich führte ihn schnell nach Hause, fand aber niemand daheim als meine zwei Töchter und mein Weib, die von allem noch nichts wußte, aber in großen Neng ften war, weil sie mich in jolcher Eile hatte die Treppe herunter. stürzen und nachher hatte die Sol­daten vorbeijagen sehen, Balentin war nicht daheim, sondern eben ausgegangen; er wollte sehen, hatte er gesagt, was das fremde Volf im Ort zu tun habe. Ich schärfte ihnen ein, das Haus zu schließen und nicht zu verlassen, meldete im Vorbeigehen dem Weibe meines Nachbars Mündlein das geschehene Unglüd und eilte bann spornstreichs dem Haufen nach zum gräflichen Schloffe.

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Frankenland.

Auf der Straße vor dem Schloß, In dem sich auch die Amtskellerei be­findet, hatte sich wohl derweilen die ganze Bürgerschaft versammelt und chaute erschreckt dem Unfug zu, den fich das Kriegsvolf zu treiben unterfing. Mufgebrochene Risten und zerschlagene Häffer lagen im Hof umher, welche die Solbaten hatten herunterschaffen lassen. Während die einen in ber Amtsfellerei waren, die Schlösser zersprengten und jeden Winkel durchstöberten, standen die andern mit bloßem Degen im Hof, tranfen Wein aus ihren Sturmhauben und ließen dann die Fässer in den Hof auslaufen oder banden die ge­raubten Sachen in Bündel, und dabei fluchten und zanften fte so gotteslästerlich durcheinander, daß der schöne Schloßhof, in dem man sonst nur die Knaben und Mädchen singen und jauchzen hörte, wenn sie unter den großen Linden in den Sommer abenden ihr Spiel trieben, in einen wahren Höllenpjuhl verwandelt zu sein schien. Ich fragte eben meinen Nachbar Gebhart, was das bedeute und wo das alles hinauswolle, als der Hauptmann Bara.

belfer und einige feiner Spießgefellen den Amtsfeller aus dem Hause in den Hof zerrten und dabei jämmerlich mit Fußtritten und Relbenstößen trafierten. Wo ist das Geld? schrien sie durch einander; Wo susb die tausend Taler, die Ihr gestern von Würz burg heimgebracht? Her damit, Ihr alter Leuteschinder, oder, wenn 3hr noch länger Ausflüchte macht, wollen wir Riemen aus Eurer Saut schneiden!" Der Amtsfeller bat um Barmherzigkeit; sie möchten's ihm zugut halten, daß er seine Pflicht tue, das Gelb sei nicht sein, sondern der Herrschaft, das er nimmer und nimmer hergeben dürfe. Der Hauptmann warf ihn aber zu Boden, kniete ihm auf die Brust, zerrte ihm die Halskrause auseinander, und indem er ihm den Degen auf die Rehle setzte, schrie er mit erschred. licher Stimme: Noch ein Baterunjer lang geb' ich Euch Zeit, wollt 3hr dann noch nicht bekennen, fahrt Euch mein Degen in den Hals, sowahr ich Nikol Baradeiser heiße!" Jedermann sah, daß es ernst war; denn an Erbarmen war bei dem Menschen nicht zu denken. Unter dem steifen Schnauzbart quoll ihm der Geifer hervor und tropfte auf den Amtsteller, der totenbleich sich unter seinen Anien wand, und seine Augen fuhren umher wie die Augen eines Tigers, ob ihm jemand seinen Raub zu entreißen wage. Selft, adh, helft ihm, Herr Schulmeister!" rief des Amtstellers Weib,

Fudolf Schießl

die mit ihrem Söhnlein eben in den Hof gerannt tam, helft, er hätt' es Euch auch getan!" Herr Amts feller", rief ich über das Gitter hinüber, gebt in Gottes Namen das Geld her, die Herrschaft will lieber das Geld als einen so treuen Diener verlieren. Wir alle sind Zeugen, daß Ihr Eure Schul­digkeit reblich getan habt!"

Wirklich sagte der Amtsfeller, man folle ihn loslassen, dann wolle er der Gewalt weichen, ging mit dem Haupt­mann ins Haus und gab ihm die Geldfiste, die er in der Eile, als er das Gesindel kommen sab, unter einer aufgehobenen Diele verborgen hatte. Als der Hauptmann das Geld brachte, erhob die Bande ein lautes Freuden­gefchrei, sprang auf die Pferde und war im Nu wieder davon.

Es war das alles so schnell ge­lommen, daß wir gar nicht wußten, wie uns geschehen war. Einige, die das Lärmzeichen nicht gehört hatten, schalten über den Torwart, der ge schlafen haben müsse, weil er die Gol daten nicht die Straße herauffommen sehen und das Tor geschlossen habe, und schrien, jetzt müsse er vom Brot gejagt werden; ich aber sagte ihnen: den Tor wart habe ein Größerer wie sie bereits vom Posten abgerufen und zur Rechen­fdjaft gezogen, worin er meines Erach tens wohl mit Ehren bestehen solle. Gie sollen nur hinauf ins Torhaus gehen, da würden sie ihn finden! Als sie das hörten, tat's ihnen leid, den alten Mann beschuldigt zu haben. Es war offenbar, daß sich die Bande, um nicht von dem Beit erblidt zu werden, wenn sie die Straße heraufziehe, die Nacht hindurch in der Schlucht hinter dem Kirchhof verborgen gehalten und daselbst gelauert hatte, bis das Tor aufgetan würde. Die beiden Weinberghüter hatten sie niedergeschlagen und mein Söhnlein fangen wollen, damit kein Lärm entstünde, bevor sie das Tor überfallen hätten, der Schuß war aber ein Zeichen gewesen für den Haufen, aus dem Hinterhalt hervor. zubrechen, ebe noch der Torwart, von meinem Söhnlein gewarnt, das Tor wieder schließen fönnte. Alles war ihnen nur zu gut gelungen. ( Aus, Der Schulmeister und fein Sohn". Sommerhausen ist am Main.)

Die schöne Frau auf der Neuenburg.

Jit dem Walbe, der sich vom Kloster Triefenstein bis zu ben Höfen von Eichenforst, am Bergesabhange, längs des Maines hinzieht, besonders aber auf dem Platze, wo ehemals das Raubschloß, die Neuenburg, gestanden, läßt sich zu Zeiten eine Frau von außerordentlicher Schönheit sehen. Gewöhnlich ist sie in weißes oben himmelblaues Gewand gekleidet und von einem sehr feinen Schleier umwallt, der aber ihr Mullig frei läßt. Wer absichtlich darauf ausgeht, sie zu sehen, be tommt sie gewiß nicht zu Gesicht; oft aber ist sie schon Armen, un

glüdlichen Leuten, Köhlern, Holzschlägern und Handwerksburichen erschienen und hat ihnen Wohltaten aller Art erzeigt.

Der arme Holzhauer!

Einmal, da wurde in dem Berge Holz gehauen. Unter den Arbeitern befand sich ein alter Mann, der vielen Rummer im Her jen trug, weil er Frau und Kinder zu Hause auf dem Krankenbe wußte. Zu Mittag jezte er sich deshalb etwas von den andern

Flüffe verbinden auch, und mich dünft, der Main Haf Heute eine ganz besondere lebenbige Kraft. Eine einzige Brüde ist er, auf der der Norddeutsche herüberwandert nach Süddeutschland, und der Süddeutsche nach Norden. Im Zeitalter des Kraftwagens und Flugzeugs fallen die Landesgrenzen, wenigftens im Geistigen, und Sie Durchmischung von Nord und Süd vollzieht sich viel leichter. Dennoch tennt der Deutsche den Deutichen noch zu wenig. Er muß feine Bauwerke sehen, seine Berge, den märkischen Sand und den Schwarzwald, die Alpen, die Lüneburger Heide und die Ostsee.

Wie das? Man muß aber Be Dtainbride gehen. Bruderhand hinüberreichen und eine ergreifen.

Man muß elne

So ist uns die Wainbrüde heute Sinnbild und ihr Strom blaues Band, das wir uns erwerben müffen mit Inbrunft. Nicht eingezwängt in unsere Landesgrenzen und voll Dünfels auf unier Erbgut, sondern weiten Auges und immer durstig nach Gottes Natur werden wir den Deutschen aufiuchen und Verständnis ge winnen für ihn, als ob er ein Fremder wäre. Denn er ist unser Bruder.

Main Zauber.

Von Anton Dörfler.

Pangjam beginnen die Weisen der Erdfunde und Geschichte endlich geneigter und gläubiger auf die Stimmen jener zu hören, bie schon seit manchem Jahr wissen und sagen von der Macht der Erde über den Menschen und seine Handlungen. Gerade die Ge schichte Deutschlands ist in besonderem Maße geeignet, Tun und Lassen der Stämme, wie der Volks. führer zutiefst abhängig vom Boden des Landes, seiner Gestalt und Ent widlung zu erweisen. Sind Rhein, Weser, Main, Nedar, Thüringen, Harz oder sonst ähnlich geheiligte Bezirke nicht zunächst Mächte, Schid­sale und erst in zweiter Linie Kunst­werke der Natur?

Dem so vielgebrauchten Worte Dom Zauber einer Landschaft muß mit entschiedenem Wollen zum Glau ben genaht werden. Sonst nennen wir Zauber, alles was den fünf waderen Werktagsdienstleuten unseres Daseins, den fünf Sinnen, nicht gleich flar werden kann. Also! Gibt es in deutschen Landen Bezirke und Gestaltungen, denen Geheimnisvolles innewohnt, daß man von Zauber reden darf? Und worauf mag sidh nun der Main- 3auber gründen?

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Alle politische, strategische, wirt­schaftliche Bedeutung eines Stüdes Natur ist doch letzten Endes nicht bloßes Menschenwert, sondern Schid jal, Macht. Jst also auch mitbeteiligt am Wirken des Zaubers. Die Gloden von Bamberg und Würzburg, der träumerische Mittagsglanz der zahl reichen Weindörfer, deren Lächeln und Heiterleit noch in Hauszieraten und Menscheneigentümlichkeiten durch Kirchgang la Sranken, blidt: all das gehört natürlich ebenso bestimmend dazu. Der Mainzauber war für Karl den Großen ein Aufruf zur Tat, für Bismard eine Mahnung zur Eini gung Deutschlands, für Goethe Erinnerung und Sehnsucht, für Kleist ein Schwärmen. Er ist dem Anwohner des Stromes ein nie mit Namen genanntes Schidjal und dem fremden Wanderer ein Strahl deutscher Seiterfeit und lächelnder Gelassenheit. Zauber wirkt auf jeden Menschen anders. Und dennoch muß es ein Grund­gefühl geben, das von diesem Strom ausgelöst wird in eines jeden Seele.

Ein neuerer Dichter singt dem Main: Allzeit festlicher Strom!

Ben Brüden gegrüßt oder von walbigen Ruppen herabl

Blühender Landstraßen hochzeitlicher Wandergesell! Sonnirunkener Weinbergspiädlein fernbinjauchzender, großer Bruder!

Es laufen jahraus und fahrein

vielhundert Dorfgaffen voller Aderernst wie Schoppenspak

in beine grünfülberne Ewigfelt hinaus wie Rinder burchs Tor eines Feiertag

morgens.

Klöster und Dome

baben felt alters dich zum Bertranten gefürt

und Schenken und Rapellen biellen's wie sie

In der Tat, es ist eine gewiffe Festlichkeit über dem Main. Auch der Rhein hat tro Rohlenschleppern feinen ewigen Sonntag. Trotzdem ist die Festlichkeit des Maines eine eigene, mit Fahnen, Gefang und Mabonnen auf Rofofopostamenten, von weißgefleideten Mädchen getragen.

Böllerstraßen, wie der Main, finb als Schidjale nicht nur aus ben Geschichtsbüchern zu erfennen, sondern viel lebensfräftiger noch aus den zarieren Spuren, aus den Grund. riffen der Glebelungen, aus Saus giebeln und aus ben Gefichtern ber Madonnen und Heiligen.

Es gibt Landschaften, die ihre Menschen gen Himmel jagen, andere die sie ins feifte Behagen mästen. Mainland hat ben wohnlich lieben Himmel auf ganz einzige Art mit Zau­berfäben der ebenso wohnlich lieben Erde anmutig verbunden. Jeb Geräte, jeber Brauch und jedes Träumlein ist auf die natürlichste Weise der Welt gleichzeitig oben und unten beheimatet, gerechtfertigt und auf seinem Posten. Nicht Sturm nod) Maschinenlärm, nicht Heidestille noch 3echer singsang passen in dies Tal. Eines nur tönt feinen Zauber aus besser als jedes Menschenwort: Avegloden!

Rudolf Schief.

So ist auch die föftlichste Segnung des Weines vom Mainland nicht Gesang und Ueberschwang, fondern: Lächeln. Und die Weis heit der Mainfranten ist weber himmelstürmend, noch erbverbiffen, sondern vermittelnd, besonnen, jebem fein Teil laffend. Gott unb alle feine Heiligen fommen so wenig zu furz wie Haus und Hof und Zunge und Schaltsauge.

Allzeit festlicher Strom, felige Frantenjicake!"

Land und Leute um den Main.

Gruß der Heimat.

Bon Josef Englert.

Woket meinen Gruß nehmen, ihr Leute des fränkischen Landes, meinen Gruß der Liebe und Dankbarkeit aus brüderlichem Herzen! Euch zum Ersten grüße ich, ihr Bauern, die ihr die Erde betreut und ihre heilige Frucht.

Hinter den Pflügen her geht ihr mit schwerem Schritt über wartendes Aderland, streut vertrauend und hoffend die Gaat in die branen Furchen, daß sie Reim treibe und Halm. Mit fraftvollem Eung mäht ihr die Frucht, die gelbgereifte, in des Mittags Glut.

Nie schienen mit Gebärden so einfach und groß und zelflos, els wenn ich such jah bei eurer Hanbe schwerem Wert in Ader und Feld.

Wie aus dem Hartholz der Heimat geschnigt bliden eure metter gebräunten herben Gesichter, voll Eden und Ranten. Symielig find eure Hände, jehnig eure Gestalten und voll Bucht und Schwere t der Einjamleit freien Landes.

Aufrecht gehn eure Frauen und stolz, ihr Giun hängt am Allen und Liebgewordenen.