Sonnabend, den 19. Juni 1926.
Volksentscheid und Mittelstand.
Bon Generaljekretär Dannenberg.
Der am 20. Juni stattfindende Boltsentscheid, durch den nach dem Willen der Linksparteien, besonders der Sozialdemo traten und Kommunisten, die entschädigungslose Enteignung der Fürstenhäuser Gejez werden soll, zwingt auch den deutschen Mittelstand, sich über seine Stellung in dieser Frage flar zu werden. Die sozialistisch- lommunistische Propaganda für den Boltsentscheid beschränkt sich in demagogischer Manier darauf, die rein gefühlsmäßigen Seiten der Angelegenheit hervorzufehren, die in gerissener und außerordentlich gehässiger Weise ausgenutzt werden, um weitere Bollsmassen für die sozialistischen Pläne zu gewinnen. Dagegen werden die moralischen und rechtlichen, wie auch die politischen und wirtschaftlichen Folgen der entschädigungslosen Enteignung vorsichtigerweise überhaupt nicht berührt, und das ist erklärlich.
Der unparteiisch Denkende muß bei seiner Betrachtung der ein unmittelbares Interesse. Er muß bei seiner Betrachtung der Angelegenheit alle gefühlsmäßigen Gründe ausschalten und sich allein zunächst an die rechtlichen Auswirkungen halten. Die Dinge liegen so, daß durch den Bolfsentscheid unmittelbar ber Grundjag von der Erhaltung des Privateigentums angetajtet werden soll. Daß dieses Privateigentum den Fürsten gehört, spielt dabei teine Rolle. Sie werden nur in die Debatte geworfen, weil sich damit eine wunderbare Agitation betreiben läßt und weil sich vor allem dadurch bei der gewijsenlosen Propaganda, die von den Linksparteien betrieben wird, auch even tuell Kreise für die Enteignung begeistern lajien tönnten, bie jonit absolut nicht für eine Antastung des Privateigentums zu haben sein würden. Die gehässige Agitation gegen die Fürsten, die nach der Revolution betrieben worden ist, hat es zuwege gebracht, daß weitere Kreise gegen die Fürsten voreingenommen und ganz vergessen haben, was die deutsche Nation den Fürsten verdankt.
Der deutsche Mittelstand ist vielleicht der treueste Hüter des Privateigentums. In zahllojen kämpfen hat er bewiesen, daß er sich von diesem Grundsatz nicht abbringen läßt. Seiner ganzen Wesensart nach ist er ein Stand der sich nur erhalten kann, wenn für den Bestand des Privatbesizes alle Garantien gegeben sind. Nur, wenn es möglich ist, sich auf Grund persönlicher Arbeit ein fleines oder auch großes Vermögen zusammenzujparen, nur, wenn es möglich ist, durch Arbeit Besiz zu erwerben, kann der Mittelstand bestehen und seine mancherlei politischen, tulturellen und wirtschaftlichen Funktionen erfüllen.
Daraus erhellt allein schon, wie ein großes Interesse der Mittelstand daran haben muß, jedem Versuch, das Privateigentum auszuschalten und zu beseitigen, energisch entgegenzutreten. Man macht die enteigneten fleinen Sparer usw. mit dem Einwand für den Volksentscheid mobil, daß ja auch sie alles ver
,, Gießener Zeitung"
loren hätten und es sei darum nicht einzusehen, warum nicht auch die Fürsten ihr Eigentum verlieren sollten, das ja nur aus dem Boltsvermögen gestohlen sei. Wir warnen den deutschen Mittelstand davor, auf diese Phrase hereinzufaller Ein Unrecht wird dadurch nicht zum Recht, wenn es wiederholt wird! Wenn den Sozialisten die Enteignung des Fürstenbejiges gelingen jollie, so wäre damit auch das Schidjal des übrigen Privateigentums besiegelt. Es würden dann die Kirchen, der Hausbesig. und schließlich auch der Bejiz des Handwerks, des Kleinhandels, des Gewerbes usw. darankommen, denn alle dieje Schichten sind mittelständlerisch und lönnen nur bestehen, wenn die Erhaltung des Privatbesiges garantiert ist! Die Fürsten sollen und wollen nicht besser, aber auch nicht schlechter behandelt jein als jeder andere deutsche Staatsbürger. Es handelt sich nicht um die Frage: Bolt lontra Fürsten, sondern es handelt sich um die Frage: Sozialisierung fontra Privateigentum. Der deutsche Mittelstand geht nicht zur Abstimmung, wenn er anders nicht jeinen Stand und sein Baterland zerstören will!
Die Kölner Herbstmesse
findet vom 12. bis 15. September 1926 statt. Die von der Messeleitung mit führenden Wirtschaftsverbänden und maßgebenden Vertretern der Industrie geführten Verhandlungen über den Aufbau der Messe, die jetzt zur Festlegung ihres Programms geführt haben, lassen schon heute den Schluß zu, daß mit einer ebenjo vielseitigen wie interessanten Schau gerechnet werden kann. In Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft und die besonderen Wünsche der Aussteller hat Köln für seine Messe folgende Richtlinien aufgestellt
1. Keine Massenausstellung, sondern Leistungsschau und Neuheitsausstellung, darum sorgfältige Auswahl der Aussteller;
2. Planvoller Aufbau der Messe und ihrer Hauptgruppen nach bestimmten Leitgedanken;
3. Führende Beteiligung der Fachverbände bei der Organisation der Messe;
4. Herabsetzung der Messespesen auf ein Mindestmaẞ: niedrige Mejjemieten, fertige Einheitsstände;
5. Intensive Einkäuferwerbung in Verbindung mit den Großhandels- und Einzelhandelsverbänden.
Mit dieser Zielsetzung befolgt die Kölner Messe ihren immer wieder betonten Grundsatz, daß sie sich den berechtigten Forderungen der Wirtschaft unterordnen will.
Um der Kölner Jahresschau eine besondere Note zu geben, jollen die Hauptgruppen mit Neuheitenausstellungen verbun den werden. Ferner sind verschiedene Sonderveranstaltungen geplant.
Innerhalb der Technischen Messe werden wieder zwei Gebiete hervorgehoben, Fließarbeit“ und„ Lichttechnik".
Mehrere geschlossene Ausstellergruppen aus dem Ausland werden den internationalen Charakter der Messe betonen.
Köstlichen Schimmer u.seidenweichen Glanz durch Auxolin- Haarwasser F. WOLFF& SOHN
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Die Haftung der Ehefrau
Nr. 25.
für Steuerschulden ihres Mannes. Unter den heutigen
Sonnabend, den 19. Juni 1
gaben, die nur an Sand von Aufzeic Bonnen. Das Finanzamt beha ie beweisen, wenn er mit den Ang verstanden ist. Aber abgesehen d Gründen ist eine Buchführungspflicht Betriebsführung notwendig. Nur an ann eine einwandfreie Raltulation er meis einer richtigen Preisgestaltung Beweis einer richtigen Ralfulation if igen Zeit, in der man das Handwe perantwortlich zu machen sucht, sehr
Wirtschaftsverhältnissen wird der Steuerpflichtige vielfach seinen steuerlichen Verpflichtungen nicht nachkommen fönnen, während seine Ehefrau noch Vermögen befitzt. Es fragt sich, inwieweit das Finanzamt berechtigt ist, die Ehefrau haftbar zu machen.
Nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes wie euch des Vermögenssteuergesetzes wird das Einkommen und Ver mögen von Ehegatten, die nicht dauernd von einander getrennt leben, zusammenveranlagt. Beide Ehegatten haften dann als Gesamtschuldner für die Steuer, so daß das Finanzamt Einkommen sowie Vermögenssteuer in voller Höhe nach seiner Wahl von jedem der beiden Ehegatten fordern kann. Dies gilt selbst dann, wenn einer der Ehegatten Vermögen nicht besessen oder Einkommen nicht gehabt hat.
Lotale Sonntagsged
Das Leben des Menschenherzens if Winschen und Sorgen. Heute m en, welche aufgehen in Gorgen um ad teine Ruhe finden und feine Zei Mathe, du hastender Mensch, wenigste Felt und lag die Welt liegen und feh ich mit dir selbst! In diese Mah Altertums alle Lehren der Weisheit Es gibt in diesem Leben fein ges peritändige Mensch soviel Sorge Seele, feinen inneren Lebensgrund. lagt ein Kleinod verborgen, das von wen jo wenigen treu bewacht wird. K s, ist die in unserem Innern. Wi Gaern lauernd eine Meute habgierig des nächsten Gut an fich zu reißen, so haute deines Herzens Rammer, um da dorthin der Himmel legte. Der Wäd da sorgles bist, wenn du schläfft, kön
Immerhin besteht eine formelle Voraussetzung für die Inanspruchnahme von gewissen Vermögensteilen der Ehefrau. Im allgemeinen ist es nämlich üblich, daß das Finanzamt den Steuerbescheid nur dem Ehemann zustellt. Geschieht dies, so kann in das Vermögen der Ehefrau nur insoweit vollstrect werden, als es der Verwaltung des Ehemannes unterliegt. Will das Finanzamt in das sonstige Vermögen der Ehefrau( Vorbehaltsgut bei dem gesetzlichen Güterstande, bei der allgemeinen Gütergemeinschaft, bei der Errungenschaftsgemeinschaft und bei der Fahrnisgemeinschaft sowie das ganze Vermögen der Ehefrau bei Gütertrennung) vollstreden, so hat es auch dieser einen Steuerbescheid zuzustellen, gegen den sie noch innerhalb der seit der Zustellung laufenden Rechtsmittelfrist von einem Monat Einwendungen im Berufsverfahren( zunächst Einspruch) geltend machen kann.
Einwandfreie Buchführung ist nötig.
Die wirtschaftliche Entwicklung zwingt dazu, daß auch der Handwerker und kleine Geschäftsmann sich immermehr einer ordnungsmäßigen Buchführung bedient. Eine ordnungsmäßige Buchführung ist nicht an ein bestimmtes System gebunden; Vorbedingung ist nur, daß die Auf zeichnungen lückenlos und richtig gemacht werden. Eine Buchführung nach dem besten System wird stets nicht als ordnungsmäßig gelten, wenn die Eintragungen unrichtig vorgenommen worden sind. Eine gewisse Aufzeichnungspflicht wird bereits durch das Umsatzsteuergesetz vorgeschrieben. Für die Umsatzsteuer genügt es, wenn die ver. einnahmten Gelder aufgezeichnet werden. Aber darüber hinaus wird auch aus steuerlichen Gründen es unbedingt notwendig sein, daß der einzelne Hndwerker auch seine Ausgaben fortlaufend auszeichnet. Das neue Einkommensteuergesetz verlangt bei der bevorstehenden Steuererklärung Angaben über die Aus
KARV
AUXOLIN HAARWASSER
Wer mich bekennet.
Von Erwin Gros.
13. Fortsetzung.
Vorab das ist den Frauen sehr bedenklich: ,, Habt ihr's nicht gesehen, sie haben ihn auf der Bahre getragen, auf der der Schreinerfritz die Särge in die Häuser bringt. Ihr Leut', ihr Leut', das bedeutet nichts Gutes. Ihr sollt mal sehen, der arme Mensch muß sterben."
,, Schwätze doch so kein Hädsel, man meint ja gerade, du wärst der Totenvogel!".
Hans Heeger lag in der unteren Stube im Bett seines Meisters, der hinaufzog in die Kammer seines Gesellen. Der Hofmedikus war herbeigeritten und hatte eben die Kugel entfernt.
,, Es ist noch gut abgegangen, hart am Herzen vorbei, aber immerhin- der linke Lungenflügel ist übel lädiert, er muß maxima cum diligentia soigniert, will sagen, mit größter Sorg falt gepflegt werden, wenn er davon kommen soll. Er spricht mir fein überflüssiges Wort! Komme übermorgen wieder und renoviere den Verband. Kopf oben, junger Mann, habt euch bravement präftieret. Werde übrigens dafür Sorge tragen, daß dem Mordgesindel nachgespürt und es hinter Schloß und Riegel gelegt wird. Wollen sie dann nichts manifestieren, so tann man sie ja peinlich befragen."( Folter anwenden.)
Doch, um es gleich vorweg zu nehmen, als die beordneten Landjäger auf die Saalburg tamen, war das Nest leer; eilig war die ganze Horde lahnwärts gezogen.
Nach dem Weggang des Arztes zog sich die Menge enger um das Schuhmacherhaus zusammen. Man mußte doch Näheres erfahren. Da trat Vogelsberger vor die Haustüre:„ Also, Gevatter und Gevatterinnen, es ist ein linker Lungenschuß, aber der Hans kann noch davonkommen, wenn er die nötige Pflege und vor allem Ruhe hat. Darum geht still nach Haus, damit er endlich einmal schlafen kann."
In die Stube zurückgekehrt, jagte der biedere Meister zu Sybille:„ Es kommt mir niemand über die Schwelle, nur du und deine Mutter und der Nachbar Kit und seine Frau. Wenn
ihr mir helfen wollt, so soll mir es recht sein, meine Mutter ist doch schon zu alt und krachig."
Darüber aber erboste sich Mutter Vogelsberger: ,, Du dummer Junge", redete sie flüsternd auf den rotbärtigen Fünfziger ein ,,, du schläfst doch wie ein Dachs wie im Winter; ob ich aber wach in meinem Bett liege oder an dem Hans seinem Bett size, das ist doch eins."
..Pit, pst, ist schon gut, Mutter, du darfst auch einmal mit uns wachen."
Es folgten schlimme Tage und Nächte. Ein schweres Wundfeber setzte ein, oft fabelte" der Kranke und war ohne Bewußtjein.
In einer solchen Nacht war es, daß Sybille an seinem Bette saß und Wache hatte.
,, Mariuschta, Mariuschta, wie kann man so schön und so schlecht sein! Rüde nicht so nahe zu mir her, ich will nichts mit Silfe, sie erschießt mich! Ach, Sybille, gehe nicht fort, du bist doch dir zu tun haben. Sybille, jage das freche Mensch doch weg, meine Herzallerliebste."
Wiederum nach einer Weile begann er im Fieber zu singen; die leisen heiseren Töne zerrissen fast das Herz:
Ja, ja, von Herzen frank, Der Doktor wollt' mir helfen, Gab mir' nen bittern Trank. ..Mein Schätzchen, ich sein frant,
Máj, Doktor, her und hin, Wir hilft fein' Medizin,
Mein Schatz, du fannst mir helfen, Durch dich gesund ich bin.
O loch mich einmal an,
Wit deinen Augen an, Wein Herz, das geht schon leichter, Weil ich geseh'n dich han.
Ein Kuß von deinem Munde,
Von deinem Rosenmund,
Mein Schatz, laß ich erbitten,
Mein Herz ist gleich gefund."
Da stand Sybille leise auf, neigte sich über den Kranken und fügte ihn voll Zärtlichkeit auf den Mund. Daß dabei eine Träne auf Hansens Angesichts fiel, das merkte sie nicht. Merkwürdig aber, von diesem Augenblick an wurde der Krante ruhiger, nur daß er hie und da im Schlafe leise vor sich hinmurmelte.
Der Herr Hofmedilus von Homburg war viele Tage hin durch recht unzufrieden. Die Wage schwankte bedenklich nach der Seite des Grabes hin. Doch endlich bekam das Leben das Uebergewicht. Das Fieber wich, der eiterige Ausfluß der Wunde ließ nach, langsam begann sie sich zu schließen. Von da an aber fam Sybille immer seltener und nur auf einen furzen Augenblick, und sie sah anscheinend nicht, wie Hans mit flehenden Blif fen um ein längeres Verweilen bettelte.
hmlichen Schatz dir rauben. Das sei die Sorge, die dir der Go daf dein Herr und Schöpfer dir eine G and fechten zu können, daß er dir die eine ganze Hölle zu besiegen. Rette de gibt dir Zeit zum Waffengang. Möge or deiner Seele Walstatt fechten, den und an den, der fie dir gab. Nicht de timmt, sondern den Sieg und dein der Sonntag dich zum Sieger über dich gemacht hat, dann werden die Kämpfe tags dir klein erscheinen und du wirst f Mihen und Plagen standhaft zu tragen md dir dann vergänglich erscheinen, d but Unmögliche des Lebens- hier ist
•
Bolizeiamt. Das Polizeiamt fentliche Sammlungen behördlicher Dem Publikum wird daher empfohlen Sammlern stets den polizeilichen Ausu ** Das Genehmigungsverfahren Drordnetenverfamlung am 11. Mai das Rechnungsjahr 1926, ist noch nic scheide können deshalb noch nicht Zahlungspflichtigen die Entrichtung nist zu erschweren, hat der Oberbü angewiesen, Abschlagszahlungen auf de 1. Ziel der Grund- und Gewerbesteue som bebauten Grundbefiz entgegenzu ahlungen fönnen in Höhe der auf d jettel für 1925 für das 1. 3iel festgese
• Große Straßensperrung. Folg 12. Juni ab für die Dauer der darauf welche der Reihe nach vorgenommen afgeführt sind, bis auf weiteres fü tehr gesperrt:
Sybille sant neben ihm in die in feinen Schoß; er aber streichelte d hear und gab ihr Kosenamen, einen Run fich mich doch endlich ein
benn wirklich mein?"
i neben ihn.
Da schaute sie auf, Auge tauchte i lann nahm sie sein Geficht mit einer hingebung zwischen ihre Hände und Darnach erhob sie sich, rüdte ein Was sie sprachen? Du hättest ni buns war eine felige Müdigkeit gefo Bel jutud, das Haupt so geneigt, are fh hatte. Die Augen hielten Bend, fie maten beisammen, sie hatte Hans Heeger wollte einmal vo Eltern sprechen. Doch sie wehrte ihm hoach und mußt dich schonen. Diese Beheimnis für uns, am näiten Son Die Zeit, dann wollen wir alle not beprehen.- Horch, ich höre hier die Sausflur husten. Noch ein Kuß, Herz Mutter Bogelsberger aber war Warte doch wenigstens, bis Rein" sagte Sybille, ich habe bet, daß ich nicht lange bleibe. W immer in böser Laune und ärgert Egerei hat mit der neuen Kirche glaube es, Herzchen, ich gl Sit lange nach Sybillens Weg Begelsberger und Peter Riz. Dies besuchen, und war voller Freud, Vogelsberger aber, unterstützt i- Hans fei lange genug aufg lernen Willen haben, der müsse sich f Memes Rindhen- also er ruhte nic
Es war an einem Sonntag nachmittag; Hans saß im Gor genstuhl seines Meisters, der war über Feld gegangen, Mutter Vogelsberger aber hielt in ihrer Kammer ein Schläfchen; fie wollte das zwar nicht Wort haben, hatte sie doch das offene Ge betbuch auf den Knieen liegen und die Brille vor den geschlos senen Augen. Da öffnete sich leise die Türe, und Sybille trat ein. Sie fuhr wahrhaftig zurüd, als sie Sans allein vor sich jah. Er aber streckte die Hände nach ihr aus, da mußte sie wohl oder übel eintreten und ihn begrüßen. Und als sie nun vor ihm stand und die abgezehrte Gestalt und das bleiche Antlitz und die weißen, schier durchsichtigen Hände sah, alles das war ihr, als er noch zu Bett lag, gar nicht so aufgefallen, doch zugleich dachte, et bleibt am Leben, er wird wieder gejund, da war es mit ihrer Fassung vorbei; aus Leid und Freude gespeist, begann der Tränenquell überzuftrömen. Auch Hans wurden die Augen naß. Er war in jenem wunderjamen Zustande der Genesung: man hört fern die Schritte des Senjenmannes verhallen, die Türen des Lebens find wieder weit offen, seine Kräfte strömen ein wie warme Wogen, wie gerne gibt man sich ihnen hin!
und dann
Sanft zog Hans das weinende Mädchen zu sich nieder: ..Hätte es dir denn so leid getan, wenn ich gestorben wäre, haft du mich denn so gern, Sybille?"
mutreffen.


