ein, daß den Bitten, Wünschen und Beschwerden von Landwirten seitens der Finanzämter immer noch zu wenig Verständnis entgegengebracht wird. Bedauerlicher Weise herrscht bei sehr vielen Finanzämtern nicht das nötige Verständnis für die große Notlage, in der sich die gesamte Landwirtschaft befindet.
Forstwirtschaft. Die Trocknis hat auch in der Forstwirtschaft teilweise größeren Schaden namentlich bei den heurigen Saaten und Pflanzungen angerichtet.
Arbeitsmarkt. Der Bedarf an männlichen Arbeitskräften kann im allgemeinen gedeckt werden. an weiblichen Arbeitskräften hingegen besteht immer noch Mangel.
Düngemittel. Das Kalisyndikat teilt mit, daß sich die Kalipreise vorerst nicht ändern werden. Das Kalisyndikat gewährt für Juli- Abrufe bei Barzahlnug außer den üblichen Kassenskonto eine Sondervergütung von 2½% und für AugustAbrufe eine solche von 1½%.
Ausland. In Ungarn hat die Einbringung der Ernte begonnen, deren Ertrag als außerordentlich gut bezeichnet wird. Rumänien hat in Anbetracht der zu erwartenden guten Ernteergebnisse die Ausfuhr von Weizen und Getreide im allgemeinen freigegeben. Die diesjährige Ernte in Bulgarien gilt als die beste seit 8 Jahren. Jm allgemeinen wird mit einem um 50% höheren Ernteertrag gerechnet, wie im Vorjahr. Die italienische Getreideernte wird auf 62 Mill. Zentner gegenüber 46 Mill. im Vorjahre geschätzt. Aus Amerika, Kanada, Indien, Argentinien wird gemeldet, daß sich die Aussichten für die Ernte bedeutend gebessert haben.
Die deutsche Eigenheim- Bewegung.
Seit dem ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts ist als Folge des Anwachsens unserer Großstädte eine Eigenheim- Bewegung entstanden. In ihrem Anfang bildeten sich in verschie= denen Orten und Gegenden Deutschlands sogenannte Gartenstadtsiedlungen, die gewöhnlich durch Baugenossenschaften oder Bauvereine finanziert und gebaut wurden. Einen wesentlichen Anteil trug im Entstehen solcher Unternehmen die Bodenreform bezw. der Bund Deutscher Bodenreformer, der wohl richtiger und verständlicher als der Bund Deutscher Bodenrechtsreformer zu bezeichnen war, bei. Er ist es, der auf Grund jenes oben erwähnten Wachsens der Großstädte den Gedanken des Eigenheims beträchtlich förderte, wenngleich er als praktisch nicht in die Bewegung eingriff.
Trot einer mehreren Jahrzehnte umfassenden Tätigkeit des erwähnten Bundes ist nun das deutsche Volk noch immer als das Mietvolk unter der Gesamtheit aller Völker zu bezeichnen, denn nahezu 90% aller deutschen Familien wohnen zu Miete. Dieses Mißverhältnis zwischer der Zahl der Grund- und Hausbesitzenden und der Zahl der Mieter ist nun durch die über uns hereingebrochene Wohnnot in besonderers schmerzlicher Weise in Erscheinung getreten. Während des ganzen Krieges wurde nicht nur nichts gebaut, sondern ungeheuere Mengen von Baumaterialien aller Art wurden in langjährigen Schüßengrabenund Unterstandskämpfen der Vernichtung preisgegeben. Trotz aller Mühe des Reiches, des Staates, der Städte und Gemeinden war es nun ganz unmöglich, dieser Wohnnot Herr zu werden, denn wir haben nicht nur in unserem völlig verarmten Zustand keine Mittel, es fehlt auch an den nötigen Bauhandwerfern, zum Teil auch am Material, um auf schnellstem Wege die Frage der Wohnnot zu lösen.
Das Mieterschutzgesetz oder das Zwangsmietegesez, wie es von nicht wenigen bezeichnet wird, war und ist nun einmal ein notwendiges Uebel, das zum Teil in allerdings verheernder Weise sich auswirkt, denn es täuscht durch die Zwangsmietesätze über die Tatsächlichkeit hinweg, es hat so viele unerquickliche, eckige und kantige Verhältnisse zwischen den Mietern selbst und zwischen Hausbesitzern und Mietern geschaffen, daß nun in weiten Kreisen die Sehnsucht nach dem Eigenheim, nach dem Wohnen im eigenen Haus und auf eigene Scholle geradezu außerordentlich groß geworden ist und sie wäre jedenfalls noch viel nachdrücklicher
vorhanden, stünden nicht die meisten vor dem Nichts, nachdem
alle Ersparnisse der großen Masse des deutschen Volkes wie mit einem Zauberstab vernichtet worden sind. Da hat nun seit Jahresfrist die Eigenheim- Bewegung in einer ganz neuen Form eingesetzt. Es hat sich eine Vereinigung gebildet, entstanden aus rein philantropischen Gründen, um auf einem durchaus gemeinnütigen Wege die Finanzierungsfrage, die Frage der Geldbe= schaffung zum Bau von Eigenheimen zu lösen. Der Weg hierzu besteht darin, daß die Sparmöglichkeiten kleiner und mittlerer Sparer zusammengefaßt, organisiert und dann wieder nach einem gerechten System den einzelnen Sparern zufließen, daß der Einzelne unter gleichzeitiger Ausnutzung einer Reihe finanztechnischer Möglichkeiten ganz bedeutend schneller zum Baugeld für ein eigenes Heim kommt, als wollte er auf sich allein ge= stellt die Bausummen für ein eigenes Heim sparen. Es ist die Gemeinschaft der Freunde, deren Sitz in dem kleinen württembergischen Waldort Wüstenrot in der Nähe von Heilbronn a. N. ist, die mit einem geradezu außerordentlichen Erfolg diesen Weg beschritten hat. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, auf die Einzelheiten dieses Systems einzugehen; wer an der Beschaffung eines Eigenheims auf diesem vorteilhaften Weg Interesse hat, möge sich an die genannte Gemeinschaft selbst wendne. Aber es mag doch erwähnt werden, welche Erfolge diese Gemeinschaft, bei der von Seiten der Gründer und Leiter auf jegliche Eigengewinne oder geldliche Vorteile in jeder Form sazungsgemäß Verzicht geleistet ist, bisher erzielt hat. Nach einer Zeit der Vorbereitung im vergangenen Jahr konnten in diesem Jahr von der Gemeinschaft der Freunde bereits 31 Bausummen mit einer Gesamthöhe von rund 400 000 Mart. finanziert werden und zwar handelt es sich um Bauten nicht nur in Württemberg, auch für Bausparer in Hessen, Provinz Hessen und Bayern konnten be= reits Bausummen bewilligt werden. Dabei ist besonders zu be= rücksichtigen, daß infolge einer zielbewußten Zinsdrosselung diese Baugelder für unsere Verhältnisse zu einem abnorm billigen Zins von nur 5% zuzüglich 1% Tilgungszins von der Gemeinschaft der Freunde immer gegeben werden. Von Monat zu Monat erfolgt jetzt in stetig steigender Höhe die Hergabe weiterer Baugelder; denn es haben sich bis Anfang Juli dieses Jahres bereits rund 2000 Bausparer der Gemeinschaft der Freunde angeschlossen, die sich vertragsmäßig verpflichtet haben, ein Baukapital von bis jetzt 30 Millionen Goldmark aufzubringen. Infolge der verschiedenen Arten von Bausparverträgen und durch Ausnutzung aller in Frage kommenden finanztechnischen Möglichkeiten wird es möglich, den einzelnen Bausparern unter Umständen schon 1-1% Jahre nach Beginn ihrer Einzahlungen zur Verfügung zu stellen. Spätestens wird dies aber auf Grund der heutigen Verhältnisse auch für die Leute geschehen können, wenn von diesen etwa ½ der gewünschten Bausumme selbst aufgebracht ist. Das System, daß von der Gemeinschaft der Freunde angewandt wird, ist so restlos durchgearbeitet, daß es sich eines außerordentlichen Anklangs erfreut, sodaß nicht nur Privatpersonen, sondern auch Gemeinden, Kirchengemeinden und Vercine sich der Gemeinschaft der Freunde in stetig steigender Zahl anschließen, um auf diese Weise Baugelder für ihre Zwecke zu beschaffen. Daß ein solches neuartiges Unternehmen selbstverständlich auch angezweifelt und angefeindet wird, liegt in unserer heutigen sonst rein mammonistisch eingestellten und von Mißtrauen durchseuchten Zeit klar auf der Hand. Es ist wohl niemand heute zu verübeln, wenn er bei der Anlage seiner Ersparnisse äußerst vorsichtig ist. Deshalb wird die Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot von Einzelpersonen und von behördlichen Vertretern vielfach aufgesucht, um am Ort und Stelle am Sitz des Unternehmens, es an seinem ganzen Geschäftsgebaren zu prüfen. So kam auch jüngst unter Führung des Herrn Oberregierungsrat Specht, Karlsruhe und Herrn Direktor Fremeren von der Süddeutschen Diskontogesellschaft in Begleitung einer Anzahl badischer Bürgermeister nach. Wüstenrot, um in aufmerkſamster Weise dieses gemeinnüßige Unternehmen zu prüfen. Nachdem sie schon vorher sich Druckschriften über das Werk der Gemeinschaft der Freunde hatten schicken lassen wollten sie nun an Ort und Stelle feststellen, was denn eigentlich an der ganzen Sache sei. Das Ergebnis ihrer Beobachtung kam dann,
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