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Amts- u. Vereinsnachrichten
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Telephon Nr. 1362.
38. Jahrg.
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Nr. 89
Donnerstag den 30. Juli 1925
Wirtschaftliche Rundschau.
( Zusammenfassende Uebersicht über die Lage der deutschen Landwirtschaft)
( Nachdruck verboten.) Allgemeine Lage. Die schlechte Lage der Landwirtschaft, in erster Linie verursacht durch die nicht mehr zu tragende, außerordentliche Steuerlast, dauert an. Hand in Hand geht mamit auch die allgemeine Wirtschaftskrise, die fast alle Wirtschaftszweige erfaßt hat, und die sich in den letzten Wochen immer mehr verschärfte. Dadurch, daß die Landwirtschaft nicht mehr fauffräftig ist, fehlt auf dem deutschen Markt der beste Käufer. Nach beiläufigen Schähungen sind ca. 80% der heurigen Ernten heute schon verpfändet. Wie die Kreditaktion durch Siche= rung der Ernte durchgeführt wird, ist vorerst noch nicht zu sagen. Die Reichsbank will sich, soviel bis jetzt bekannt ist, nicht dabei beteiligen. Die Schutzollvorlage ist immer noch nicht verbeschie= den. Die deutsche Regierung hat den spanischen Handelsvertrag gekündigt. Die Zeit bis zum Ablauf der Kündigung soll zur Erstellung eines neuen, geeigneteren Vertrages verwendet werden.
Arbeitskalender. Die Heuernte ist in den meisten Gebieten beendet. Die Wintergerste ist unter Dach und Fach und zum Teil schon ausgedroschen. Die Getreideernte wird dem= nächst beginnen. Rüben müssen infolge der sehr spärlichen Niederschläge immer noch begossen werden. Die Hadarbeiten bei den Kartoffeln und Hackfrüchten sind im vollen Gange. Auf den abgeernteten Wintergerste- und Grünfutterschlägen werden die Stoppeln gestürzt.
Trockenheit
Stand der Fluren. Die herrschende wird von den Wintersaaten am besten überstanden. Sehr stark leiden unter der Trockenheit Sommerfelder und die Rüben. Hier hat zuerst das Unkraut derart gewuchert, daß die Pflanzen sich nicht entwickeln tonnten; jetzt macht die Trockenheit dem Wachstum großen Eintrag. Die Kartoffeln überstehen die Trockenheit verhältnismäßig gut. Aus Mecklenburg wird gemeldet, daß im Sommerkorn infolge der Trockenheit eine Mißernte bevorsteht. Auch aus anderen Gegenden liegen Berichte vor, daß in Sommergetreide keine gute Ernte zu erwarten ist., weil einmal die Dürre andererseits die Entwicklung hintangehalten haben. Unser Berichterstatter hat auf seinen Exkursionen Felder beobachtet, von denen nicht das ausgesäte Saatgut geerntet werden kann. Der Heuschnitt hat in Menge und Güte allgemein befriedigt; aus einigen Gegenden aber liegen doch auch Berichte vor, daß dort das Heu durch ungünstige Witterung stellenweise sehr gelitten hat. Die Aussichten auf die Obsternte werden nach den vorliegenden Berichten nicht besonders günstig beurteilt. Ueber den Stand der Saaten im Reichsdurchschnitt ergab sich zuletzt folgende Begutachtung:
Weizen 2,4( im Vormonat 2,4), Sommerweizen 3,5( 2,7), Winte11cggen 2,5( 2,4), Sommerroggen 2,9( 2.8), Wintergerste
2,5( 2,5), Sommergerste 2,9( 2,6), Safer 3,2( 2,8), Kartoffeln 2,7( 2,7), und Zuckerrüben 2,8( 2,7).
Produktenmarkt. Die ersten Proben der neuen Roggenernte weisen eine gute Qualität auf. Roggen alter Ware wird reichlich angeboten, er ging im Preise etwas zurück; man rechnet mit neuer Andienung; die Umsätze sind ganz gering. Weizen liegt äußerst fest und konnte sogar etwas anziehen. In Wintergerste ist das Angebot groß. Infolge der Geldknappheit besteht aber wenig Interesse dafür. Gefragt hingegen ist sehr stark Hafer bester Qualität. In Mais kommen nur wenig Umsäge zustande. Am Hopfenmarkt ist die Lage unverändert ruhig. Jn Sämereien besteht eine rege Nachfrage nach Grünfutter- und Grundüngungssaaten. In vielen Gegenden hat das Geschäft in Frühkartoffeln eingesetzt. Man kann bereits beobachten, daß die deutschen Kartoffelsorten den ausländischen erheblich Konkurrenz machen. Jm Rheinland und Pommern besteht noch Nachfrage nach alten Kartoffeln, sonst werden diese nicht mehr gehandelt. Die aus Belgien und Holland kommenden Frühkartoffeln, sind gut in Qualität. Vereinzelt finden noch Weinversteigerungen statt, deren Ergebnisse nach den lokalen Berichten nicht gerade ungünstig lauten.
Viehzucht. Die Vorbedingung, unsere gesamte Tierzucht auf jene Höhe zu bringen, die notwendig ist, daß wir in jeder Beziehung mit dem Ausland erfolgreich konkurrieren können, sind vorhanden. Sie sind verankert in dem unbeugsamen Willen unserer Tierzüchter, sowie in dem rastlosen und zielbewußten Arbeiten unserer Tierzuchtgenossenschaften, die von praktisch und theoretisch bestens geschulten Beamten geleitet werden. Hinderlich steht einer rascheren Erreichung des erstrebenswerten Zieles lediglich die große Geldknappheit entgegen, sowie das Fehlen eines vernünftigen Zollschutzes.
Viehmarkt. Während lediglich bei Kälbern eine Zunahme des Auftriebes zu verzeichnen ist, ist bei allen anderen Tiergattungen ein Rüdgang zu bemerken. Die Tendenz an den Märkten ist durchaus ruhig. Am Schweinemarkt zeigt sich etwas lebhaftere Nachfrage, was auch ein weiteres Anziehen der Preise zur Folge hatte. Von den Auslandsmärkten liegen Berichte vor, die ebenfalls von einer ganz ruhigen Lage bei fallenden Preisen melden. Auf den Inlandsmärkten werden für Tiere bester Beschaffenheit immer noch Preise über Notiz bezahlt.
Häutemarkt. Am Rohhäutemarkt blieb die Tendenz weiter durchaus fest. Die letzten Versteigerungen mit mäßigem Angebot nahmen einen glatten Verlauf. Bei ziemlich lebhafter Kauflust setzten die Preise ihre Aufwärtsbewegung für alle Gattungen Häute und Felle etwa in gleicher Höhe wie auf den Vorauktionen fort.
Ausstellungen und Messen. Es finden statt: vom 29.- 31. August die Landwirtschaftliche Ausstellung in Koburg und vom 25. September bis 4. Oktober das Zentrallandwirtschaftsfest in München.
Steuern. Viele Klagen laufen fortwährend noch darüber


