von beiden erhalten haben. Daß ihn zweitens der russische Militärattaché, Artamanow, davon in Unkenntnis gelassen haben konnte, ist ebenfalls ausgeschlossen. Aber selbst, wenn er von allen diesen Seiten nicht benachrichtigt worden wäre, so hat er diese Mitteilung auch von einem serbischen Offizier, dessen Name mir ebenfalls bekannt ist, erhalten. Offen bleibt die Frage, welche amtlichen oder sonst einflußreiche Persönlichkeiten in Petersburg davon verständigt worden sind. Daß aber maßgebende Persönlichkeiten in Rußland um ihre Ansicht gefragt worden sind, ergibt sich aus der Frist, welche Artamanow benötigte, um die Anfrage Dimitrijewitschs zu beantworten, und aus der Art der Antwort selbst."
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Zu derselben Frage, ob und wie weit das amtliche Rußland am Attentatsplan eingeweiht war, macht auch Hermann Luzz in der gleichen Nummer„ Die Kriegsschuldfrage" wertvolle Angaben. Luzz zitiert eine Aeußerung des früheren russischen Diplomaten Eugen von Schelking, der in seinen„ Erinnerungen"*) über einen Besuch Safonows in Konstanza Mitte Juni 1914 also 14 Tage von dem Attentat mitteilt, daß, soweit er aus den Unterhaltungen mit Herren aus der Umgebung Sasonows entnehmen konnte, Sasonow überzeugt war, daß, wenn der Erzherzog aus dem Wege wäre, der Friede Europas nicht gefährdet sein werde". Man hat also zwei volle Wochen vor dem Attentat ganz offen darüber gesprochen, was geschehen würde, wenn der Erzherzog wirklich aus dem Wege geräumt würde. Luz führt dann noch einige andere diplomatische Gespräche über diesen Besuch des Zaren und Sasonows in Konstanza an, die zeigen, daß die russische Politik sich zu jener Zeit schon eifrig mit der Frage beschäftigte, welche Stellung in einem etwaigen öster reichisch- ungarischen Konflikt einzunehmen sei.
Weiter führt Walter Zimmermann in dem gleichen Heft. ,, Die Kriegsschuldfrage" ein Interview des serbischen Ministerpräsidenten Paschitsch mit dem Belgrader Korrespondenten des ,, New York Herald" an, das im„ Standard“ vom 21. Juli veröffentlicht ist. In diesem Interview heißt es:
, Wäre uns die Tatsache einer Verschwörung gegen den Erzherzog Franz Ferdinand und die Herzogin von Hohenberg bekannt gewesen," sagte der Premierminister, so würden wir sicherlich die österreich- ungarische Regierung davon unterrichtet haben."
Paschitsch gibt also hiermit selbst zu, daß eine Warnung von seiten der serbischen Regierung an Oesterreich nicht erfolgt ist.
*) Die Kriegsschuldfrage", Monatsschrift für internationale Aufklärung, Schriftleiter Alfred von Wegerer, zu beziehen durch alle Verlagsbuchhandlungen und Postanstalten, Preis vierteljährlich 3. Mart.
*) Eugène de Schelking, Recollections of a Russian Diplo= mat, The Macmillan Company, New York 1918.
Von den Worten des Seins. Werbeworte zu Gunsten Gunsten des hohen des hohen Alters.
Von Dr. Hanna Gräfin v. Pestalozza.
In berechtigter Schätzung steht bei den Menschen die Arbeit, das Tun. Ist es doch der Inbegriff der sittlichen Weltordnung. Doch nur ein Tun, das des Tätigen Sein erhöht, ist ein wertvolles, wie auch nur aus sittlichem Sein wirklich gute Werke kommen. So vollzieht sich im Rhythmus von Tun und Sein, Sein und Tun aber nicht nur das Leben des sittlich- tätigen Einzelnen, das gleicherweise von ruheloser Hast, wie von unfruchtbarer Ruhe entfernt ist, sondern ähnlich waltet ein Rhythmus auch in der den Menschen zugemessenen Lebenszeit. Kindheit, Jugend und hohes Alter werden vom Sein beherrscht, die Zeit der höchsten werktätigen Kraft vom Tun. Wo innerhalb der Menschen die Jugend am sorgfältigsten vor zweckhafter Einstellung gehütet und das hohe, werfuntätige Alter nicht für wertlos oder bemitleidenswert gehalten, sondern wie ein schönes Menschheitsgut umfriedigt wird, wo also das Sein am meisten blüht und schimmert, da werden auch die blühendsten, leuchtendsten Taten der Werkkraft sein.
Diese Zeilen wollen gute Herzen bewegen, hohes Alter zu umfrieden. Von den 120 000 Veteranen aus den Kriegen 1864, 1866, 1870-71 oder deren Witwen stehen noch allzu viele außerhalb der Fürsorge des Reichsverbandes zur Unterstüßung deutscher Veteranen E. V."( Berlin W. 9, Potsdamerstraße 126). Nicht um unpersönliches. gleichsam intellektualisiertes, sondern um solches Wohltun wird gebeten, das durch persönliche Beziehungen zwischen Gebenden und Empfangenden beide innerlich am Sein reicher macht. Der Reichsverband zeigt in seiner Einrichtung von Patenschaften, über die er z. 3t. in einer Stärke von etwa 2000 verfügt, den sittlich gesunden Weg des Gebens und Nehmens. Beides soll Herzensbeziehung zwischen Menschen sein, wo es die Freuden froher Erwartungen, unverhoffter Ueberraschungen, wo es Dankeslächeln, Dankestränen und strömende Gefühle gibt und der Gebende am meisten schuldig bleibt. Der Verband vermittelt dem Paten einen Veteranen, und nun beginnt für jenen die ihm lebensinhaltlich so wichtige Aufgabe, einem armen, alten Dasein Erleichterung zu bringen, sei es durch eine monatliche Barunterstützung, durch regelmäßige Zuführung von Lebensmitteln, durch Aufnahme in den eigenen Hausstand, durch Einkauf in ein Altersheim,- 1. für diesen ein Aufatmen, der verdiente und seinsollende Friede des Seins. Wer wollte zurückstehen und nicht helfen? Sollte es nicht jedes Mannes, jeder Frau Grundsatz werden, einen fremden, alten Mann, nein, einen alten Menschenbruder, eine alte Menschenschwester noch mit satt zu machen, noch mit zu fleiden, dem weißen Haupt ein sanftes Kissen zu geben?
74 zählen die jüngsten, 96 die ältesten der deutschen Veteranen. Sie haben ein Leben der Arbeit hinter sich und durch die furchtbare deutsche Notzeit jetzt Armut geerntet. Wer fann das hören und nicht helfen wollen?
Stets haben heldenmütige Völker, die Spartaner, die alten Germanen das Altsein geehrt. Mit dem höchsten Heldensinn paart sich höchster Zartsinn, jener hat die Taten, dieser übt Schonung des Seins. Beide werden in Deutschland nicht ge= storben sein.
Daß der Anblick hohen Alters so ergreift, mag daher kommen, daß dieses von den Werken ruhende Sein ein Abbild einStiger
anders henruhe in Gottes Anblick ist. Man kann es nicht
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fühlen, als daß die Werke, so erfüllt auch unser Leben von ihnen sein soll, doch der Vergänglichkeit angehören und nur das bleiben wird, was wir von uns in sie hineinlegten, was wir durch sie wurden, unser, Wesen, unser Sein. Ein Haus, in dem Alte wohnen, ein Zimmer, in dem ein Alter weilt das sind die Stätten der Ewigkeitsnähe, das sind Mahnungen an das entliche. Bringt euch nicht um sie, geht zu den Alten, pflegt sie, macht ihren Lebensabend zu einem Feierabend, laßt vor diesen ruhenden Händen und stillen Augen euer Selbst begehrungslos in Gott versinken. Ewiges muß schon im Zeitlichen erlebt sein.
Ehrt die hohen Werte des Seins. Ein so großzügiges und glückliches Volk dürfen die Deutschen sein, daß sie sich heilige Stätten der Andacht schaffen, daß sie die Zeit des hohen Alters umfrieden.
Kommt alle zum Tempelbau!
Vergünstigung für Kriegsbeschädigte bei Eisenbahnfahrten. Zur Behebung von Zweifeln wird vom Reichsarbeitsministerium darauf hingewiesen, daß die nach der Ausführungsbestimmung zu§ 12 der Eisenbahn- Verkehrsordnung auszustellenden Ausweise für Kriegsbeschädigte nur für die Dauer eines Kalenderjahres gelten und nach Ablauf des Kalenderjahres zu erneuern sind. Die Geltungsdauer durch Stempelaufdruck oder handschriftlichen Zusak zu verlängern ist unzulässig.
Fähnchen und Wimpeln an Kraftwagen und Rädern im be setzten Gebiet verboten. Die Besazungsbehörde hat das Anbringen von Fähnchen und Wimpeln an Kraftwagen und Rädern ohne ihre Genehmigung verboten. Zur Genehmigung bei Festen ist die Kreisdelegation und zur dauernden Anbringung von Fahnen und Wimpeln die Rheinlandkommission zuständig. Zuwiderhandlungen werden durch die zuständigen Polizeigerichte
bestraft.
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