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derzeitige wohnliche und wirtschaftliche Elend, sondern es wer­den dadurch auch alle ethischen, hygienischen, sittlichen und mora­lischen, alle kulturellen und künstlerischen, alle völkischen Inter­essen unseres gedrückten Volkes gehoben und neubelebt!

Und darum, ihr wirklichen Volksfreunde, ihr Behörden und Parlamente, aber auch ihr Mieter und Vermieter, die ihr jetzt schon im jahrelangen Kampfe euch das Leben sauer macht, wollt ihr wirklich unser gequältes Volk endlich aus dem jam­mervollen Wohnungselend, aus wirtschaftlichem Druck, aus Er­werbslosigkeit, aus gesunkener Moral und schlechten Sitten, aus volksbedrohender Unfruchtbarkeit und Krankheit, aus Zant, Streit und zehrendem Neid befreien, so ergreift den Schlüssel, der die Tür zu einer besseren Zukunft zu öffnen vermag, hebt und fördert das Baugewerbe! Und wenn ein kluger Volks­freund mit Bezug auf das Fußwandern einmal gesagt hat ,,, es ginge viel besser, wenn man mehr ginge", so sollte heute jeder mann von der Wahrheit des Wortes durchdrungen sein: Es ginge alles besser und es würde gebaut, wenn man endlich die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen beseitigen, d. h. mit einem gründlichen Abbau derselben beginnen würde.

Man braucht sich über die skandalösen Zustände im Frank­furter Wohnungsamt wirklich nicht zu verwundern, denn wie bei vielen, kann man auch hier das Wort anwenden: Alzu viel und allzu lang ist vom Uebel." Genau so wie mit der Länge der Zeit sich bei der Fleisch- und Milchzwangsbewirt­schaftung vielerorts schwere Mißstände einstellten, so sind auch die Frankfurter Zustände zum großen Teil auf das Schuldkonto der allzu langen Zwangsbewirtschaftung zu sehen.

Wahlmanöver.

Von Bad- Nauheim wird uns geschrieben:

Die Wahlschlachten sind längst vorüber, aber ein kleines Intermezzo aus dieser Zeit möchte ich hier wiedergeben, der Handwerker und Hausbesizer kann hieraus sehen, was die großen politischen Parteien für ihn übrig haben:

Es war am 6. Dezember, am Tage vor der Wahl, als der hessische Finanzminister Henrich hier als Redner der Demokra­tischen Partei sprach. Schreiber dieses meldete sich zum Wort und wurde mir aus der Versammlung von verschiedenen Seiten ,, Wirtschaftspartei" zugerufen, wo ich doch nur einige Fragen im Interesse des Handwerk und Hausbesitzers stellen wollte. Jch bat den Redner um Auskunft darüber, wie es möglich wäre, daß für den Staatshaushalt, wie vom Bund der Landwirte be= hauptet, in diesem Jahre mal soviel an Steuer aufgebracht und verbraucht würden, als wie im Jahre 1914. Damals wären wir doch alle wohlhabender gewesen, und heute, wo wir alle arm, müßten wir, besonders der Handwerker und Haus- und Grund­besitzer, das 3-5fache an Steuern zahlen. Hier müßte doch

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etwas faul im Staate sein, es läge jedenfalls an den vielen Arten von Steuern, wozu ein ungeheures Personal gebraucht würde. Heute müßte doch mehr gespart werden, man sollte doch wie 1914 eine Einkommen- und Vermögenssteuer wieder ein­führen, dann könnten die Hälfte der Beamten entlassen werden und könnten produktive Arbeit leisten.

Mit diesen Worten hatte ich in ein Bienennest gestochen, denn von allen Seiten fielen Protestrufe und Lärm, und Fra­gen: was produktive Arbeit sei. Ich sah hieraus, daß die ganze gut besuchte Versammlung aus Beamten, Angestellten und Han­deltreibenden bestand, mit Ausnahme von einze.nen Handwer­kern. Nachdem ich die Frage: was produktive Arbeit sei, be= antwortet und die Ruhe wieder hergestellt, frug ich weiter, wie sich der Herr Referent dazu stellt, daß das bare Geld, die Hoch­finanz usw., heute 10-30% Zinsen nehmen darf, ohne daß | jemand von der Regierung mit der Wimper zuckt, mithin einer. der 50 000 Mausleihen kann, hiervon das ganze Jahr sehr gut leben kann, ohne einen Finger krumm zu machen, andererseits das infestierte Kapital, also derjenige, der vor dem Kriege sein sauer erworbenes gespartes Geld in ein Haus angelegt hat, für dieses angelegte Geld nicht 1% bekommen soll, aber hiervon noch eine Vermögenssteuer bezahlen muß, also, wie sich seine Partei zur Zwangsbewirtschaftung des Hausbesizes stellt, in einem demokratischen Staat dürfte es doch kein Ausnahmegesetz geben. Also für bares Geld 10-30%, für im Hausbesitz fest­gelegtes Geld nichts, das harmoniere doch nicht zusammen.

Meine Anfragen wurden fortwährend mit Zurufen und Ge­lächter beantwortet, ich wurde einfach, wie man sagt, tot ge­schrieen und mußte aufhören. Nach mir sprach ein Herr Schwind von hier von der Deutschen Volkspartei( er handelt und reist in Fette und Dele). Dieser Herr schimpfte in unflätiger Weise über die Hausbesitzer, nannte sie alle Inflationsgewinnler, welche den Mietern das Geld aus der Tasche stiehlten usw. Auch diesen Herrn und seine Partei sollten sich die Hausbesitzer und Handwerker merken. Dann sprach noch gegen mich ein Steuer­beamter, welcher sich dem Herrn Finanzminister wohl als be­deutender Redner vorstellen wollte. Diesem Herrn flossen die Worte aus dem Munde, gerade so, als wenn man einen Wasser­franen aufdreht, und weil ich von Steuervereinfachung und Beamtenabbau gesprochen, was ihm lächerlich vorgekommen war, meinte er, ich wäre nicht ernst zu nehmen.

Der Herr Referent gab mir auf meine gestellten Fragen keine direkten Anworten, sondern entgegnete mehr im allge­meinen, so z. B., daß im diesjährigen Etat die Ausgaben für die Polizei und Schule entfallen seien, und daß die Nieder­haltung der Mieten ein großer Fehler gewesen, und dieselben bald steigen würden usw.

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