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sche Gesichtspunkt ist wichtig, das sieht man an den Verord­nungen, die von Leuten gemacht sind, die alt vorgebildet sind. Der Hausbesizer sagt: ich bin Eigentümer und mache, was ich Ich frage: Soll der Eigentumsbegriff wieder der selbe werden? Nein, es muß Enteignung stattfinden im höheren Interesse. Das seitherige Recht muß geändert werden. Die Sklaverei und die Leibeigenschaften wurden aufgehoben. Das hat zwar gewaltige Umwälzungen hervorgerufen, wir hal­ten dies aber für selbstverständlich. So muß es auch mit der Wohnungswirtschaft gehen. Die Bevölkerung mag sich einmal mit dem Gedanken vertraut machen. Die Instandsetzungskom­missionen müssen energisch eingreifen.

Es sprachen dann noch einige Redner, deren Ausführungen ohne Interesse sind. Zum Schluß wurde noch spöttisch des Schlittschen Landesverbandes mit seinen Ortsvereinen ge= dacht. Die Verhandlungen entbehrten jeglichen höheren Schwungs und standen geistig auf der Höhe einer gewöhnlichen Mieterversammlung. Der Darmstädter Volksfreund" über­schreibt seinen Bericht mit: Beratungen zur Behebung der Wohnungsnot." Ob da nicht eine Verwechselung vorliegt? In der anschließenden nichtöffentlichen Sizung wurde u. a. über die Gemeindewahlen gesprochen

Das deutsche Wanderlied.

Von Dr. Hans Benzmann.

Frisch auf, Kameraden, habt neuen Mut, Tut jetzo die Bündel schnüren,

Herfür nehmt Wanderstab und Hut!

Jetzt wollen wir marschieren!

Das Frühjahr kommt an,

Da reiset man,

Soweit man kann,

Was in der Welt zu probieren

So beginnt ein älteres Wanderlied( in Ditfurths deutschen Volks und Gesellschaftsliedern). Der Trieb, die Welt zu be­schauen, muß dem Deutschen im Blute liegen. Keine andere Volksdichtung, insbesondere keine der romanischen Völker, hat so viele und so vielseitige Wanderlieder aufzuweisen, als das deutsche Volkslied. Kein anderes Volk erzählt mit so fri­scher Lust, mit so vielem frohen Behagen von all den Herrlich­keiten, die dem Wanderer winken.

In die weite, weite Welt wir jeho ziehen Mit Herzenslust und Freuden;

Die Wiesen grünen, die Blumen blühen, Der Wald beginnt sich zu kleiden;

Die Lerche, die schallt,

Die Amsel im Wald,

Der Kudud auch bald,

Die Nachtigall singet von weitem.

Der Wanderer, der dies aus reiner Herzenslust ist, und der trozige Wanderbursch mit dem Ränzel auf dem Rüden und dem derben Stock in der Hand, beide sind nur deutsche Gestalten von altersher. Und man denke weiter zurüd, an die munteren Spiel­leute, die Fahrenden des Mittelalters, die Goliarden, denen wir jene lustigen lateinischen und halb deutschen und halb lateini­schen Weisen verdanken, die noch heute, wie das Gaudeamus igitur", im deutschen Studentenliede erhalten sind. Aus noch früherer Zeit, aus altgermanischer Frühzeit, aus den Jahr. hunderten der Völkerwanderung klingt die Kunde von den wan­dernden Sängern, den Wanderstops, herüber, die von den Go­ten, Longobarden, Sachsen ausgesendet wurden. Auch bei den Angelsachsen kehrt dieser Typus wieder und erhält hier bereits eine eigentümliche balladeste mystische Prägung in dem uralten Widsithliede von Widsith, dem Sänger, der die meisten der Menschenvölker, die Stämme auf Erden, besucht hatte. Unter den Völkern, die er gesehen haben will, werden die Syrier, Meder, Perser, Aegypter und Inder aufgezählt. Es ist dies der Urtypus der mysteriösen, allerfahrenen, schwermüti­gen Sängers, der seine wundervollste romantische Gestaltung in dem Sänger im Wilhelm Meister" und in den bekannten Bal­laden von Goethe und Uhland ,, Der Sänger" und Des Gän­

gers Fluch" erfahren hat. Diese große, tragisch- romantische Stimmung vom rätselhaften, ruhelosen Weltwanderer flingt noch in dem Liede von Georg Philipp Schmidt aus Lübeck wie­der. Des Fremdlings Abendlied", das wie mit dunklen Harfen­afforden anhebt:

Ich komme vom Gebirge her,

Es ruft das Tal, es rauscht das Meer, Jch wandle still und wenig froh, Und immer fragt der Seufzer: Wo? Die Sonne dünkt mich hier so kalt, Die Blüte welk, das Leben alt, Und was sie reden, tauber Schall;

Ich bin ein Fremdling überall...

Doch zwischen dieser melancholisch- sentimentalen Lebens stimmung und jenem sonnigen, heiteren Liede, das anfangs mit­geteilt wurde, liegt von den Spielleuten des Mittelalters her bis zum fahrenden Studenten und Handwerksburschen der deut­schen Romantik und der Biedermeierzeit die ganze Flucht der vielseitig gestimmten, alle Empfindungen der Menschenseele, vor allem aber das tiefe Naturgefühl des Deutschen wiederspiegeln= den Waldpoesie.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

Den schickt er in die weite Welt, Dem will er seine Wunder weisen

In Berg und Wald und Strom und Feld.

So singt Eichendorff.

Und ich könnte noch manches Lied in Erinnerung rufen, bei dem es der deutschen Seele wohl und weh wird, wie Zwischen Frankreich und dem Böhmerwald"( von Hoffmann von Fallers­leben), Alt- Heidelberg, du feine"( Josef Viktor von Scheffel), ,, Bei einem Wirte wundermild"( Uhland), Es zogen drei Bur­schen wohl über den Rhein"( Uhland). Und die einzigartigen, sehnsüchtig- melancholischen, urdeutschen, ganz lyrischen Herzens­flänge ,, Dort unten in der Mühle"( Justinus Kerner) und In einem fühlem Grunde"( Eichendorff). Welch ein märchenhafter Wohllaut, welch ein unsagbarer Klang, welche unendliche, ge­heime Poesie lebt in diesen deutschen Liedern. Die Seele atmet auf, wenn der geplagte und gepeinigte Mensch dieser irrsinnigen Zeit einmal sich ein Stündchen lang diesen alten Klängen hin­geben kann, in einem verschwiegenen Garten, auf einer stillen, Wiese, an einem Sonntagmorgen. Das ist das deutsche Wanderlied, die urdeutsche Poesie an sich, gegen die aller Reich­tum und alle gedankliche Tiefe der Modernen nicht aufkommt. Das ist das Gedicht zeitlos und ewig, das wir, wie die blaue Blume immer wieder suchen müssen. Jedes dieser Gedichte wirkt unmittelbar, so wie es anhebt, ist es aus der Seele gegriffen, und Anschauungen, seelischer Ausdruck, schwingende Melodie und Empfindung, Landschaft, Weite, Bewegung in einem und zu­gleich. Jedes eine geniale Eingebung. Das, was alle Ge­dichte, und jedes so rein, innig und unmittelbar, so ewig lebendig erscheinen läßt, ist ja sofort zu erfüllen...

Und nun nehme man zu dieser unsterblichen Reihe wunder­voller neuzeitlicher Gedichte noch die älteren Volkslieder hinzu, etwa: Innsbruck, ich muß dich verlassen!", Ach, wie ist es mög­lich dann, Wenn ich ein Vöglein wär" und viele andere ähn­liche, so ist es wieder diese gemütvolle Gegenständlichkeit und Naturfreude, die aus diesen alten Liedern, wie aus jenen neue­ren flingt. Eine selig- süße, heiter- schwermütige, sehnsuchtsvolle Harmonie seit alters her. Alle diese ewigen Klänge findet man übrigens gesammelt in dem Büchlein Deutsche Wanderleder" ( Insel- Bücherei) von Fritz Adolf Hünich, dem ich eine so unver geßliche Stunde der Erhebung verdanke. In ihm findet man auch wieder einige der wunderbaren, ganz Wesen und Gefühl gewordenen Gedichte Mörikes.

Auf einer Wanderung.

In ein freundliches Städtchen tret' ich ein, In den Straßen liegt roter Abendschein. Aus einem offenen Fenster eben, Ueber den reichsten Blumenflor Hinweg, hört man Goldglockentöne schweben, Und eine Stimme scheint ein Nachtigallenchor. Daß die Blüten beben,

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