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Daß die Lüfte leben,

Daß in höherem Rot die Rosen leuchten vor, Lang hielt ich staunend, luftbellommen- Wie ich hinaus vors Tor gekommen, Ich weiß es wahrlich selber nicht. Ach, hier, wie liegt die Welt so licht! Der Himmel wogt in purpur'nem Gewühle, Rückwärts die Stadt in goldenen Rauch: Wie rauscht der Erlenbach,

Wie rauscht im Grund die Mühle; Jch bin wie trunken, irregeführt- O Muse, du hast mein Herz berührt Mit einem Liebeshauch!

Das Fahrrad als Revelutionär.

( Schluß aus Nr. 71.)

Leider glaubte auch die Polizei das Auto des kleinen Mannes" nicht mehr beachten zu brauchen. Man versucht aufs Neue, ihm Fesseln anzulegen und die Interessen des auf eigene Kraft angewiesenen Radfahrers den Interessen der mit Mo­torenkraft die Stadt durcheilenden Gefährte zu opfern. Man verleugnet mit diesen Maßnahmen nicht nur die Rolle des Fahrrades als Bahnbrecher, sondern auch seine Mission, den Unbemittelten und den auf eigene Kraft stolzen Mitmenschen ein Freund zu sein. Man vergißt, welche hohen Eigenschaften das Fahrrad besitzt und welch ein unschäzbares Gut es für die Volksgesundheit ist. In England erzählt man sich von einem Großindustriellen, der seine Gesundheit in den Tropen ver­loren hatte, und nach jahrelangen vergeblichen ärztlichen Be­mühungen, durch das Radfahren geheilt wurde Aus Dankbar­keit erwarb er die dem Untergang nahe Fahrradfabrik, aus der sein Fahrrad hervorgegangen war und machte sie zu einem der größten Fahrradwerke des Kontinents. Wer den Fahrradverkehr Englands fennt, weiß welche Rolle das Fahrrad dort als Volks­gesundheitsmittel und als Verkehrswerkzeug spielt. Die deutsche Industrie hat sich stehts bemüht, mit ihren Fabrikaten gleichen Schritt mit dem Auslande zu halten; daß es ihr gelungen ist, zeigt der Ruf des deutschen Fahrrades.

Die Zahl der Radfahrer wächst von Tag zu Tag. Das Kraftfahrzeug hat die Liebe zum Fahrrad nicht zerstören kön­nen. Im Gegenteil, es hat den Wunsch, in Gottes freier Natur die Sorgen zu vergessen, reger gestaltet und denen Flügel ver­liehen, die sich noch kein Auto zu leisten vermögen. Das Fahr­rad ist als Kamerad bei Sport und Spiel und als Freund im Beruf Allgemeingut geworden und die Vorurteile sind längst gewichen. Das Fahrrad ist ein Arzt am Krankenlager des Volkes. Es verschafft uns Bewegung, es trägt uns in die Na­tur, es spart Zeit und Geld und erleichtert uns den Kampf ams Dasein. Diesen Tugenden haben sich auch die schärfsten Gegner des Fahrrades in der Revolutionszeit nicht verschließen fönnen und aus manchem Saulus ist ein Paulus geworden.

Scharfer Protest des Hansa- Bundes

gegen die Steuerzinsgebarung.

Mit den Steuernotverordnungen sind für alle Steuerrüd­stände und Steuerstundungen die außergewöhnlichen Zinssäke von 5 Prozent für den halben Monat übernommen worden, die im vorigen Jahre mit Recht von der Steuergesetzgebung während der Inflationsperiode bei dem fortschreitenden Verfall der Kauf­fraft der Steuereingänge erhoben wurden. Der Hansa- Bund für Gewerbe, Handel und Industrie hat mit allem Nachdruck in einer Eingabe an das Reichsfinanzministerium jetzt die Forde­rung erhoben, daß unbedingt mit sofortiger Wirkung die für die heutigen Verhältnisse durch nichts mehr gerechtfertigten Steuer­zinssätze wesentlich herabgemindert werden. Dabei hat der Hansa- Bund in seiner Eingabe mit Recht darauf aufmerksam gemacht, welche gefahrvollen Wirkungen für Staat und Wirt­schaft sich daraus ergeben, daß angesichts der bevorstehenden neuen schweren politischen und wirtschaftlichen Belastungsproben die Wirtschaft im Staat nur den rigorosen Steuereintreiber sehen muß, der keinerlei Verständnis für die sonst von allen Seiten

anerkannte Kapitalnot der Wirtschaft zeigt. Die Vorschläge des Hansa- Bundes gehen dahin, den Steuerzins in ein bestimmtes Verhältnis zum jeweiligen Reichsbankdistontsag zu bringen, und zwar derart, daß der Diskontsaz zuzüglich 50 Pro­zent den Jahreszinssaz bei Steuerrückständen bilden soll, wobei dem Fiskus überall da, wo eine Unwilligkeit des Steuerzahlers bei Zahlungsfähigkeit nachweisbar ist, das Recht zu erheblichen Strafzuschlägen verbleiben soll. Der Hansa- Bund hat auch bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, welche engen Zusammen­hänge zwischen der gegenwärtigen Kapitalnot und der gleichzei­tigen Ueberteuerung der Warenpreise einerseits und dem falschen gegenwärtigen Steuersystem andererseits bestehen und nach dieser Richtung hin Abänderungen der Umsatzsteuer, der Kapitalver­fehrssteuern und der Vorauszahlungen für die Einkommen- und Körperschaftssteuer gefordert. Der Hansa- Bund hat stets in außergewöhnlichem Umfange die Staatsnotwendigkeiten aner­kannt und den Dienst der Wirtschaft für den Staat in seinen eigenen Reihen gefordert, sodaß seine gegenwätigen dringlichen Vorstellungen bei der Reichsregierung hoffentlich das Gehör finden werden, das ihnen angesichts der großen volkswirtschaft­lich gefahrvollen gegenwärtigen Notzustände gebührt.

Finanzwirtschaftliche Bedenken werden seitens des Finanz­ministeriums nicht geltend gemacht werden können, nachdem dieses in den letzten Monaten durch einen Ueberschuß aus den Steuereingängen die Möglichkeit für eine außergewöhnliche Thesaurierungspolitik, insbesondere für einen erheblichen Rück­kauf der Goldanleihe, gewinnen konnte.

Von der Jahrtausendausstellung in Köln.

Der 500 000fte Besucher. Das Juliprogramm.

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Die Jahrtausendausstellung der Rheinlande in Köln hält jetzt 6 Wochen ihre Pforten geöffnet und kann bereits melden, daß der 500 000ste Besucher eine auswärtige Lehrerin, die mit ihrer Klasse nach Köln gekommen war die Ausstellung durchwandert hat. Von der gesamten öffentlichen Meinung glänzend beurteilt und von Mund zu Mund weiter empfohlen, zieht diese Schau über 1000 Jahre rheinisch- deutscher Kultur und Wirtschaft immer weitere Besucher aus ganz Deutschland an. Wöchentlich treffen mehrere Sonderzüge aus allen Rich­tungen des Reiches ein. Der Rhein ist wieder ein Hauptreise­ziel Deutschlands geworden und wenige Rheinreisende ver­sagen sich wohl den Besuch dieser Ausstellung, in der sie die herrlichsten Kunstschätze des Rheinlandes vereinigt finden, eine Gelegenheit, wie sie kaum je wiederkehren wird. Köln ist wie­der Fremdenstadt wie in der belebtesten Zeit vor dem Kriege. Neben der Jahrtausendausstellung finden im Juli zahlreiche sonstige Veranstaltungen von Bedeutung statt. Als Sonder­ausstellungen seien erwähnt: Die Rheinische Grüne Messe, ver= anstaltet vom landwirtschaftlichen Verein für Rheinpreußen und dem Messeamt Köln vom 4. bis 12. Juli, eine Schuhmacher­Fachausstellung in Verbindung mit einer Tagung des Bundes Deutscher Schuhmacher- Innungen vom 4. bis 7. Juli, eine Hand­werksausstellung der Kölner Handwerkskammer aus Anlaß ihres 25jährigen Bestehens vom 19. Juli bis 23. August. Im Opernhaus findet vom 1. bis 7. Juli ein Gastspiel der Wiener Staatsoper und des Wiener Staatsopernballetts statt, im Kam­merspielhaus ein Gastspiel der Direktion H. Kuhnert, Berlin. Aus dem Sport- Programm seien folgende Veranstaltungen er= wähnt: Als Jahrtausendfeier der Sportstadt Köln: Vaterlän dische Festspiele und Reichsjugendwettkämpfe am 4. und 5. Julk im Kölner Stadion, der größten Kampfbahn des Festlandes mit Mustersportplägen für alle Sportarten, eine Rhein- Segelwoche vom 3. bis 9. Juli, der Kreissporttag der Deutschen Jugend­kraft am 19. Juli im Stadion, ein Internationales Radrennen des Bundes Deutscher Radfahrer( Vorkämpfe zur Weltmeister­schaft) am 26. Juli gleichfalls im Stadion. Wie im Juni fin= den auch in diesem Monat zahlreiche Kongresse in Köln statt.

Literarisches.

In der Junisonne" heißt das Leitmotiv, das durch alle Bildseiten des neuesten Heftes der Eleganten Welt, Nr. 12, hin= durchklingt.