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Wirkungen der Zwangswirtschaft.

Nachdem durch die Anregungen des Zentralverbandes über­all Material für den Beweis der Behauptung zusammengetragen ist, daß vor allem durch die Zwangswirtschaft und die Tätig­keit der Wohnungsämter die Wohnungsnot den Grad angenom­men hat, der an der Oeffentlichkeit mit so lautem Tamtam immer wieder verkündigt wurde, haben viele Gemeinden be= gonnen, statistische Erhebungen in dieser Richtung vorzunehmen. Wie wir vorausgesagt haben, werden überall durch diese Er­hebungen unsere Voraussagungen bestätigt. So ist auch vor furzem wieder in der Hamburger Grundeigentümerzeitung ein Artikel erschienen, der interessantes Beweismaterial bringt. Es liegt uns daran, auch diese Zahlen zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, weil Hamburg als führende deutsche Großstadt be­sonders beweiskräftig für unsere Behauptung ist.

Nach amtlichen Nachrichten waren im Juli 1914 in Hamburg 15 000 leerstehende Wohnungen vorhanden. In den letzten zehn Jahren vom Juli 1914 bis Juli 1924 sind weitere 15 000 Woh­nungen gebaut worden. Die Bevölkerungsziffer hatte sich in demselben Zeitraum um 40 000 Seelen vermehrt. Bei einer Behausungsziffer( Anzahl der Personen, die auf eine Wohnung kommen) von pro Wohnung würden für diesen Bevölke­rungszuwachs von 40 000 Seelen rund 9000 Wohnungen genügen. Dabei müßten in Wirklichkeit 30 000 vorhanden gewesen sein, wenn man die im Juli 1914 leerstehenden( 15 000) zu den neu­hergestellten( ebenfalls 15 000) hinzurechnet.

Bekanntlich hängt die Wohnungsfrage nun nicht von der absoluten Bevölkerungsziffer, sondern von der Zahl der Haus­haltungen ab. Nach den Angaben des Hamburgischen Bezirks­wohnungskommissars haben sich die Haushaltungen durch Ehe­schließungen usw. in dem genannten Zeitraum um 42 000 ver­mehrt, sodaß eigentlich, wenn man obiger Betrachtung folgt, 12 000 Wohnungen zu wenig vorhanden sein mußten, da ja nur 30 000 zur Verfügung standen.

Hierbei ist aber nicht berücksichtigt, was wir stets behauptet haben, daß eine große Anzah von Wohnungen, die früher nor maler Weise durch Sterbefälle usw. auf den Markt kamen, jetzt infolge der Wohnungszwangswirtschaft nicht mehr frei wurden, sondern durch Erbschaft( infolge des famosen Mieterschutzgesetzes) oder durch Untermieter und andere Leute besetzt blieben. Jeden­falls lohnt es sich, die Hamburger Statistik auch auf diesen Um­stand hin zu verfolgen. Nach amtlichen Angaben betrug in den letzten zehn Jahren( 1914 bis 1924) die jährliche Sterblichkeits­ziffer 13,8 pro 1000, das ergibt bei einer Million Einwohner pro Jahr 13 800 und für 10 Jahre 138 000 Todesfälle. Von die sen sind nach Erfahrungen der Statistik mindestens 85 000 ältere Leute über 60 Jahre zu rechnen und ebenso kann man mit etwa 50 000 auf alte Leute mit eigenem Haushalt in Anrechnung bringen. Man hat also nach den Erfahrungen der Friedenszeit mindestens die Hälfte dieser Zahl( 25 000) für Haushaltungen in Anrechnung zu bringen, die wieder aufgelöst und deren Woh­nungen dadurch auf den Markt gekommen wären, in Wirklich­feit tam natürlich unter dem Zeichen der Zwangswirtschaft keine dieser Wohnungen auf den Markt, weil eben kein Mensch ein so wichtiges Erwerbsinstrument, wie es die Wohnung unter der Herschaft der Zwangswitschaft darstellt, aus der Hand gibt.

Wenn wir nun unter Beachtung dieser letzten Ziffer, die doch sicher eine sehr niedrige Schäzung bedeutet, den Wohnungs­bestand, wie er bei freier Wirtschaft hätte sein können, nochmals zusammenstellen, so ergibt sich folgende Rechnung: Leerstehende Wohnungen laut amtlichen Ausweises vom Juli 1914 15 000, dazu neugeschaffene Wohnungen laut amtlichen Ausweises vom Juli 1914-1924 15 000, freigewordene Wohnungen durch Auf­lösung der Haushaltungen, infolge Tod alter Ehepaare 25 000, macht zusammen 55 000, und selbst, wenn wir von dieser Ziffer noch 4000 Wohnungen abstreichen wollen, die von den im Juli 1914 leerstehenden Wohnungen als nicht besonders gut ange= sehen werden sollen, so würde sich ein Gesamtvorrat von 51 000 Wohnungen ergeben.

Wenn wir als Bedarf dieser Zahl gegenüberstellen, 1. die Anzahl der Wohnungen, die durch die 42000 neuen Haushal­tungen und eventuell noch extra für den Bevölkerungszuwachs der in dem letzten Zeitraum von 10 Jahren 40 000 Personen um­

faßt, noch 9000 dazu rechnen, so ergibt dies eine Gesamtziffer von 51 000, sodaß sich also Bedarf und Nachfrage decken müßten, wenn die freie Wirtschaft den natürlichen Ausgleich auf dem Wohnungsmarkt geschaffen hätte. Von einer Wohnungsnot fönne also keine Rede sein.

Aber noch ein weiteres interessantes Schulbeispiel haben wir in einer europäischen Großstadt vor uns, nämlich in Wien. Wien hatte vor dem Kriege 300 000 Einwohner mehr als jetzt. Außerdem ist durch die Fürsorge der Gemeinde eine große Zahl von Wohnungen gebaut worden, sodaß der um 300 000 Köpfe verringerten Bevölkerung heute 12 000 Wohnungen mehr zur Verfügung stehen als im Jahre 1914. Dabei war damals stets ein Leerbestand von 1 bis 2% Wohnungen vorhanden, während jetzt eine ausgesprochene Wohnungsnot herrscht.

Gottseidank dämmert jetzt allmählich die Erkenntnis von dem Wahnsinn, einzelne Wirtschaftszweige aus dem Rahmen der übrigen natürlichen Preisentwicklung herauszunehmen und unter willkürliche Zwangsgesetze zu stellen. Der Bedarf an Wohnungen, die zu den lebensnotwendigen Konsumtionsgütern gehören, hängt ebenso mit den übrigen wirtschaftlichen Gesetzen zusammen, wie der Konsum der Nahrung oder Kleidung. Daß diese aber in erster Linie vom Einkommen abhängig sind, ist allgemein bekannt. Wenn vor dem Kriege eine Miete von 300 bis 400 Mark für eine kleine Wohnung getragen werden sollte, so gehörte dazu etwa ein Einkommen von 1800 bis 2400 Mark. Die entsprechenden Zahlen für eine Miete von 400 bis 500 Mark setzt ein Einkommen von 2400 bis 3000 Mark voraus. Man vergleiche mit diesen Zahlen, wieviel die entsprechenden Einkommen jetzt für Miete aufzubringen haben. Man bedenke dabei, daß die Herabsetzung des zehnstündigen auf den acht­stündigen Arbeitstag eine etwa 20 bis 30prozentige Minder­leistung vor allem im Hinblick auf die Amortisation der An­lagen, die notwendigen Vorarbeiten( z. B. Kesselheizung), die sich nunmehr auf die weniger Arbeitsstunden verteilen, herbei­geführt hat. Man vergegenwärtige sich immer wieder, daß diese Mietsersparnisse sich volkswirtschaftlich in verringerten Lohn­und Gehaltssätzen gezeigt haben, wodurch wohl die Unternehmer vorübergehend billiger arbeiten konnten.

Und im Endeffekt sind die Häuser verfallen oder in Groß­städten an ausländische Besitzer übergegangen. Und schließlich ist ein Wohnungskonsum eingetreten, der weder im gesunden Verhältnis zum Einkommen steht, noch den sozial notwendigen Austausch zwischen größeren und kleineren Wohnungen ermög licht hat. Dr. Altherr.

Die neuen Steuergesehentwürfe.

Von G. Ziegler, Darmstadt.

Die derzeit gültige Steuergesetzgebung stammt aus der Zeit, als es galt, mit der Festigung unserer Währung die zur Auf­rechterhaltung eines geordneten Staatswesens notwendigen Mittel zu schaffen. Es entstanden damals die weniger in ihrem Wortlaut als in ihrer Wirkung bekannten drei Steuer­notverordnungen, die schon ihrem Namen nach nur Auf­gaben erfüllen sollten, die Staatsmaschine in Gang zu halten.

Der einzelne Steuerzahler wie das gesamte Wirtschafts­leben wurden durch diese Notverordnungen der stärksten Be= lastung ausgesetzt. Besonders nachteilig wirkten sich die Vor­auszahlungen bei den verschiedenen Steuerarten aus.

Abgesehen von der Vielheit der Steuern, die in der Zeit der Steuerhochkonjunktur sich bis auf rund 40 Steuerarten aus­dehnten, waren auch die einzelnen Steuersätze derart hoch, daß sie auf die Dauer zur Erdrosselung unserer Wirtschaft führen müssen; mußten doch die Steuern vielfach statt von den laufen­den Einnahmen aus der Substanz gedeckt werden.

Die Uebersetzung der Steuern geht am deutlichsten daraus hervor, das z. B. in den ersten vier Monaten des Rechnungs­jahres 1924 die Einkommensteuervorauszahlungen den Voran­schlag um 47 Prozent überstiegen, das Erträgnis aus der Kör­perschaftssteuer um fast 100 Prozent, das der Umsatzsteuer um 36 Prozent höher war als der veranschlagte Betrag. In den folgenden Monaten stellte sich das Ergebnis noch günstiger. In

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