auf unsere vorgeschobene Feldwache, die in einem Kirchhof lag, los. Handgranatenkampf. Erbittertes Hin- und Herwogen. Feind abgeschlagen.
Nun 3 Tage Ruhe, abgesehen von der üblichen Artilleriebeschießung. Die Leute haben sich großartig gehalten. Von Gräben konnte keine Rede sein. Postenlöcher, hier und da verbunden zu einem Nest für 4 bis 5 Mann. Dazwischen Erdklöze, also kein durchlaufender Graben. Davor eine Reihe Drahtzaun als Hindernis. Verbindung zwischen den Gruppennestern war nur bei Nacht möglich. Bei Tage absolute Ruhe. Verbindungsoder gar Annäherungswege keine vorhanden. Bei Nacht spielte sich der ganze Verkehr übers freie Feld ab. Da wurde Essen vorgetragen, Verpflegung, Post. Nachts wurden Arbeitskräfte non den Reservezügen vorgezogen, um die Stellung zu verbessern. Doch was fonnten die wenigen Spaten ausrichten, da die Arbeitsmasse zu groß!
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Auf Befehl meines Kommandeurs hatte ich in der Nacht noch einmal Verbindung mit den Vorpostenkompagnien aufgenommen und kehrte denn gegen 4 Uhr morgens mit 2 ge= fangenen Engländern mittelgroße Figuren, wenig fraftstrozzend, ängstlich, die nur immer rauchen wollten zurück. Unsere erste kriegerische Beute! Ich wollte mich etwas ausruhen, las meine Post und war gerade an der Stelle der Karte eines Bruders:„ Hattest Du für die Feiertage keinen Urlaub eingereicht?"( unsere Abreise war urplötzlich gekommen), als das feindliche Feuer einschte. Postlesen Schluß, wir machen Krieg. Die Engländer hatten es auf unsere vorspringende Nase ahgesehen. Sie sollte bei stärkerem Andrängen befehlsgemäß geräumt werden. Der Feind hatte sich in der diesigen Luft ziemlich unbemerkt vorgearbeitet, lief in seine Feuerglocke hinein und stand vor uns. Da erwachte in unsern Jüngsten der Groll gegen den Feind, der den Krieg in die Welt gerufen, und jeder stellte seinen Mann voll und ganz. Handgranaten fliegen, Maschinengewehre mähen, Infanteriefeuer streckt hin, Granatwerfer schaffen ihre furchtbare Arbeit, Minenwerfer speien aus ihren ehernen Schlünden Tod und Verderben. Sie werfen den Gegner. Er drängt jedoch stark nach, und nach rechts ist die Verbindung abgerissen. Der Reservezug wird hineingeworfen. Die„, Strippe" ist längst entzwei. Die Telefonisten der Vermittlung hat ein Volltreffer erschlagen. Letzte Nacht hatte ich sie noch in ihrem Hauskeller, wo das Haus noch stand, weshalb die Artillerie sich wohl angezogen fühlte, besucht. Nun heran, ihr Meldeläufer, ihr Träger des Nachrichtendienstes in der gespanntesten Gefechtslage. Manche wichtige Meldung von vorn, manch wichtigen Befehl von hinten habt ihr überbracht, mancher mußte sein Herzblut lassen, er tat es in der Erfüllung seiner schweren Pflicht.
Das Gefecht schreitet weiter, der Kampf wogt hin und her, wir halten unsere alte Stellung noch. Es ist alles guter Dinge. ,, Halblinks vor uns im Dorf schwerer Dorfkampf-" kommt als Mitteilung von oben. Für uns äußerst wichtig. Nach kurzer Zeit:„ Das Dorf( ein Trümmerhaufen der großen Wüste vor uns) von den Engländern genommen." Schon biegen wir unsern linken Flügel zurück. Da er nun links in der Luft hängt, verlängern wir durch einige Züge, verstärken wir durch einige Maschinengewehre. Nun sind wir das allein kämpfende Bataillon, rechts und links keinen Anschluß mehr. An einem kleinen Wäldchen steht die letzte Reserve mit 2 Zügen einer Kompagnie eines anderen Bataillons, das wir bereits vorgezogen hatten.
Deutscher Mut, deutsches Selbstvertrauen und der deutsche Gott werden schon helfen!
Wir sind zum Bewegungskrieg übergegangen. Wir graben uns rasch ein, um einigermaßen Deckung zu gewinnen. Doch die unbarmherzige Artillerie findet uns doch. Unablässig reißen ihre Geschosse den Leib der Erde auf. Sofort wird der tiefe Granattrichter von uns besetzt. Maschinengewehre hämmern und rattern. Infanterieschüsse peitschen durch die Luft. Die Meldungen von vorn lauten günstig. Da gelingt es einer stärferen feindlichen Abteilung gegen Mittag durch eine Mulde unserem rechten Flügel in die Flanke zu fallen. Er muß Druck von beiden Seiten aushalten. Da weicht er zurück in die vorbereitete Aufnahmestellung. Die andern Kompagnien halten sich lange auf ihrer Höhe, vertreiben noch manche an=
marschierende Kolonne. Nachmittags kommt der Befehl:„ Das Bataillon geht auf die X- Stellung zurüd." Allmählich vollzieht sich dieses Loslösen vom Feinde. Viele möchten gern liegen bleiben, denn mit den„ Tommys" in unmittelbarer Berührung zu sein, macht ihnen unsagbares Vergnügen. Doch Befehl ist Befehl.
Der Gefechtslärm ist etwas verstummt. Ich stehe auf der großen Heeresstraße, die einst Napoleon hat bauen lassen. Sie schneidet unsere Stellung, die hier etwas vorspringt. Unsere Pioniere haben an ihr gründliche Arbeit geleistet. Ihr Leib ist zerrissen durch eine Anzahl haushoher Sprengtrichter. Für den Gegner, wenn er sie mal befizen sollte, dürfte sie daher von wenig Wert sein. Einige starke Pappeln säumen sie ein; ihnen ist nun auch das Los des Sterbens beschieden.
Ich setze mein Glas an und schaue nach der großen Stadt. Jhr Todesurteil ist auch gesprochen. Granate auf Granate heult in sie hinein. Mächtige Rauchsäulen wälzen sich empor. Troz der Entfernung ist der scharfe Knall, verstärkt durch den mehrfachen Widerhall, noch kräftig vernehmbar. Flammen schießen empor. Jeden Tag kommt ein anderer Stadtteil dran. Ueberall dem grausen Jammer unbarmherziger Zerstörung steht tränenden Auges, wie eine vor Schmerz zuckende Witwe, die jetzt noch in dem Gang ihrer Vernichtung stolze Kathedrale. Manche Wunde hat man ihr geschlagen. Doch sie steht. So leicht läßt sie sich nicht unterkriegen. Frankreichs Waffenbrüder haben ihr und der Stadt Vernichtung geschworen. Die englischen Kanoniere müssen wohl eine besondere Lust daran finden, ihre Rohre auf die einst so vornehme Stadt zu richten, um sie in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Was fümmert es sie, es ist ja französisches Kapital. Es schmerzt in der Seele, wenn man solche Werte in Staub sinken sieht. Zum Glück haben wir„ Hunnen" alle Kunstschätze vorher geborgen.
Sonnenglanz liegt über der dem Tode geweihten Stadt. Sie trinkt sich noch einmal voll von Sonne. Wie oft wird sie es noch können? Es ist ein stolzes Sterben, das verdiente, auf der Leinwand festgehalten zu werden.
Unaufhörlich gurgeln die schweren Kaliber über unsere Köpfe, in die sterbende Sadt. Das Eisen, was sie schlucken muß, bleibt unseren schwachen Leibern erspart. Deshalb auch Freude unsererseits.
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Ein neues Bild!
In Marschkolonne kommen die Engländer in einen Ort vor unserer Linie gezogen. Rechtzeitig sind sie erkannt. Das ist ein Fressen für unsere Artillerie. Mit Mörsern haut sie in den Trümmerhaufen des ehemaligen Dorfes. Entsetzt ob dieses wenig freundlichen Empfanges zerstoben sie in alle vier Winde. Ja, Tommy, wir sind auf der Hut!
In der Dämmerung werden unsere Sicherungen vorgeschoben. Die Nacht verläuft außerordentlich ruhig. Gegen Morgen 4 Uhr seht wahnsinniges Feuer auf unsern rechten Flügel ein. Sie müssen erkannt haben, daß sich da eine Kompagnie von uns einschanzt. Sie weicht auf die Hauptlinie zurück. Dem Feuer folgt eine stärkere englische Patrouille mit einer Menge von Maschinengewehren. Schon sitzen sie der Schleier der Dämmerung deckt sie wunderbar- in einem Sprengtrichter und befeuern die ganze Straße, wo unser Gefechtsstand liegt. Ich erhalte den Auftrag festzustellen und anzugreifen. Durch die Feuergarben der Maschinengewehre arbeite ich mich nach der Stelle durch den Chausseegraben. Unterwegs muß ich noch Verständigung herbeiführen. Eigene Truppen hatten sich beim werdenden Tag gegenseitig beschossen. Ich komme glücklich an eine Mulde. Hier liegt der Truppenverbandsplay. Entgeistert sieht mich der Arzt an, denn schwere Stunden liegen hinter ihm. Er erklärt mir das Mißliche seiner Lage. Nur einen Rat: zurückverlegen. Ich reiße die Kompagnie vor, setze sie auf einer Höhenwelle an, rechts flankierend. Nun fassen wir den Feind mit unserm Feuer. Ein schneidiger Gegenstoß setzt ein, wobei leider zwei tapfere Offiziere den Heldentod finden. Ein anderer, der ,, wie ein Löwe" tämpft so schilderte ich später meinem Kom mandeur wird schwer verwundet. Der Sprengtrichter ist in unserer Hand. Die englische Patrouille ist fast aufgerieben. Ein Maschinengewehr ist erbeutet. Der Rest, der sich durch eine
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