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Giessener Zeitung
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( Giessener Cageblatt)
Amts- u. Vereinsnachrichten
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Samstag, den 27. Dezember 1924.
Vor 10 Jahren.
Streng geheim!
,, Streng geheim!"- so stand als Parole über unseren Transport. Die schönen, arbeitsreichen Tage auf dem Truppenübungsplay, den wir anfingen liebzugewinnen, gingen ihrem Ende zu. Wir hatten geschmiedet in der Schmiede des Reiches. Wie sagte doch unser Regimentskommandeur sehr richtig?„ Meine Herren, ich vergleiche hiermit dem Ritter, der sich seine Rüstung selber schmiedet. Genau so Sie. Mit dieser Rüstung, ihrer Truppe, müssen Sie kämpfen, siegen oder sterben!" Im Auftrag seiner Majestät hatte uns eine höhere Exzellenz besichtigt, ihre Anerfennung ausgesprochen; nun waren wir reif.
3 Tage und 3 Nächte wurde verladen. Mann, Roß, Wagen und erste Ration. Ein Zug nach dem anderen rollte den Bahnhof hinaus, der diesen Verkeln allmählich gewöhnt war. Endlich kamen wir daran.
Wohin? Wohin?
Die wildesten Gerüchte liefen um. Der Divisionsstab sollte in M. gesehen worden sein. Man kam auf die tollsten Einfälle. So fuhr unser recht stattlicher Zug in die Nacht hinaus. Deutlicher Singsang hub an, die Begleitungsmusik dazu, überall brüllten unsere Jungen, die zum ersten Male dem Feinde entgegen fuhren, Hurra, Hurra! So fuhren wir denn auf einen Vorstadtbahnhof in unsere Stadt ein. Alles abgesperrt. Kein Soldat durfte allein hinaus. Durch die Fensterscheiben lugten Zivilistenaugen zu uns herüber. Ueberall Posten, Posten. Ah, streng geheim! Hier erfolgte die erste Verpflegung.
Buh, wie blies der Wind so scharf, als wir morgens in stockfinsterer Nacht in einem Städtchen im Harz Halt machten um unsern Kaffee einzunehmen. Wir versuchten das von einem befrackten Ober gebrachte Getränk, sahen uns groß an und ließen es stehen. Wir hielten uns schadlos am Kulmbacher Bier und den belegten Broten. Liebes Harzstädtchen, wenn ich mal wieder durchkomme, dir werde ich nicht Guten Tag sagen. Du hast uns damals zu sehr hereingelegt!
Mit seinem ewig gleichen Rhytmus trug uns der Zug nach Westen, durch das Land der roten Erde nach Dortmund, wo man= che von der Hand der rheinischen Front geschwärzte Hand unsern jungen Seelen zuwinfte. Mit Stolz erfüllte uns die Geschäftigkeit der Industrie jener Gegend: solange eine solche Heimat uns stützt, werden unsere Fronten nicht wankend werden, müssen wir siegen! Dieses Gefühl wuchs um so mehr, je mehr Heimatfront wir erkannten. Gegen Abend überquerten wir das breite Silberband des Rheins. Der nächste Morgen fand uns bereits in Belgiens Hauptstadt mit seiner eleganten Mode. Zum Glück war Sonntag, und so konnte uns allerlei„ geboten" werden.
Rastlos ging es weiter. Unser Zug schnitt durch Belgien durch, nach Frankreich hinein. Am Sonntag abend waren wir an unserer Endstation angelangt. Rasch ausgeladen und nach dem Quartier in Marsch gesezt. Die Beine unserer Leute wollten nicht recht mit, da sie 2 Tage im Abteil gesessen.
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37. Jahrg.
Mancher machte seinem gepreßten Herzen Luft durch einen derben Fluch. Und schon ging es besser.
Wir bezogen in einem hübschen Dörfchen Quartier, um am nächsten Morgen wieder weiterzumarschieren. Unser Tagesziel wurde nicht erreicht, und da noch strömender Regen einsetzte, ließen wir uns von einem Genralkommando Ortsunterkunft anweisen. Ich kam bei einer Witwe in den mitleren Jahren unter. Ihre anfängliche außerordentliche Liebenswürdigkeit war wie weggewischt, als ich ihr auf ihre unverschämte Frage, ob die Franzosen doch siegen werden, zur Antwort gab: ,, Niemals!" Sie wollte von mir nichts mehr wissen, ihre Neugierde war befriedigt.
Weiter zogen wir unsere Straße. Das Bild gestaltete sich immer friegerischer. Unsere Jüngsten sperrten immer mehr Augen und Ohren auf. Gegen Mittag langten wir endlich an unser Bestimmungsziel an. In Holzbaraden. in diesem Waldlager wurden wir untergebracht. Unsere Kerls freuten sich, Dach und Fach über sich zu haben und begannen sich hier einzunisten. Täglich hatten wir Fliegerbesuch, die recht unangenehme Grüße uns übermittelten. Sie suchen wohl die Fliegerstation, die ehedem hier stationiert gewesen war.
Bei unserem Eintreffen waren uns 24 Stunden Ruhe verheißen worden.
24 Stunden Ruhe
Wie freuten sich da unsere jungen Bürschchen! Wie reckten sich ihre Glieder in stolzer Jugendlust! Mancher hatte sich die ganze Sache doch anders vorgestellt. Mit den Anforderungen hatte er wohl nicht grechnet. Manche wollten fast ermatten, doch die älteren halfen ihnen in kameradschaftlichem Zureden wieder auf die Beine. Der Humor leistete erstaunliches.
Bald herrschte überall frisches Leben. Keiner dachte an den Krieg und was er bringen würde. Alles eitel Lust und Leben. Wir erhielten den Auftrag, an einer Stellung weiterzubauen. Mit ausgeübten Kräften widmeten wir uns der Arbeit, und recht erfreuliche Leistungen wurden geschaffen. Gelegentlich schlugen einige Granaten ein. Auf diese Weise gewöhnten sich die Leute an Artilleriefeuer.
Von den Truppen, die vorn auf Vorposten lagen, hörte man allerlei. Sie behielten die ehemalige Sommefront, die nun zurückgenommen werden sollte. Vorfeldkämpfe. Interessante Patrouillen, Gefangene und Ueberläufer. So konnte man sich in diese Atmosphäre eingewöhnen, denn über kurz oder lang mußten wir ja diese Division ablösen. Richtig geschlossen. „ Das Regiment besetzt den und den Abschnitt." Mein Bataillon hatte als erstes das Vergnügen, auf Vorposten zu ziehen.
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Unsere Achselklappen zeigten immer noch verdeckte Nummern. ,, Streng geheim!"
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Im Gefecht.
Die Stellung wurde übernommen und bezogen. Bereits in der ersten Nacht ließen die Engländer eine stärkere Patrouille


