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Samstag, den 16. August 1924
Auch die Vereine der Wohnungsuchenden fordern Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft.
In den verschiedensten Städten ist eine mächtige Bewegung unter den Wohnungsuchenden entstanden. In Hamburg, Magdeburg, Nürnberg und anderen Städten sind bereits Vereine gebildet, deren Ziele sich auf die Aufhebung der Zwangs= wirtschaft im Wohnungswesen erstrecken. Wir bringen nachstehend eine Entschließung des Vereins der Wohnungsuchenden in Magdeburg zum Abdruck, aus der hervorgeht, daß man die richtigen Ursachen der immer katastrophaler werdenden Lage erfaßt hat und gesonnen ist, sie zu beseitigen.
,, Die Hunderttausende von Wohnungsuchenden im Reiche, die den Kern des deutschen Volkes ausmachen und die berufen sind, das Deutsche Reich wieder aufzubauen, haben nach der Verfassung Anspruch auf eine Wohnung; sie haben ferner Anspruch auf die Freizügigkeit innerhalb des Reiches. Der erste Anspruch wird weder erfüllt noch gewährleistet, der lektere ist praktisch unterbunden und dadurch illusorisch ge macht. Diese verbrieften Rechte wurden und werden von den durch die Gesetzgebung auf dem Gebiete des Wohnungswesens geschaffenen Institutionen, die mit früher ungeahnten und nie dagewesenen Rechten ausgestattet worden sind, vernichtet. Es wird dadurch die Lebensmöglichkeit der Wohnung suchenden in diesen an sich schon äußerst schweren Zeiten bis zur Unerträglichkeit beschränkt. Um die produktiven Kräfte unseres Volkes wieder voll zur Entfaltung zu bringen, ist es notwendig, daß jeder Deutsche, so wie früher, sich seine Wohnung selbst suchen und wählen kann.
Durch den ungeheuren Druck der Gesetzgebung auf dem Gebiete des Wohnungswesens ist eine Unsicherheit in der Herstellung von Mietshäusern hervorgerufen. Dieser Druck hat Jowohl das Unternehmertum, als auch das private Kapital, welches berufen und allein fähig ist, dem Wohnungsbedürfnis des Volkes Rechnung zu tragen, ausgeschaltet, und dadurch ist das Wohnungswesen dauernd gefährdet und das Wohnungselend wird eine dauernde Geißel des deutschen Volkes werden. Der Verfall und der Untergang zahlreicher Mietshäuser ist heute schon Tatsache.
Die Erfahrung der letzten Jahre mit der Zwangswirtschaft und deren Organen haben bewiesen, daß durch die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen dem Wohnbedürfnis des deutschen Volkes nicht Genüge geleistet werden kann. Darum ist an deren Stelle wieder die freie Wirtschaft zu setzen, die in der Vorkriegszeit den Beweis erbracht hat, daß ste die Erstellung und Unterhaltung genügenden Wohnraums fichern konnte und die auch diese Sicherung in der Zukunft verbürgt.
Das Vertrauen in eine gerechte und unparteiische Behandlung der Wohnungsuchenden und der Vermieter, denen der Besitz und die Verwaltung der Häuser durch die Zwangswirtschaft verleidet wurde, ist erschüttert. Aus diesem Grunde
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37. Jahrg.
ist bereits ein großer Teil des deutschen Hausbesizes in ausländische Hände übergegangen und das deutsche Nationalvermögen vermindert worden.
Die Wohnungsämter haben durch ihr langsames bureaufratisches Eingreifen die sofortige Besetzung leergewordenen Wohnraumes vielfach verzögert oder ganz verhindert; es stimmt bedenklich, daß verschiedentlich Korruptionserscheinungen zutage getreten und aufgedeckt worden sind. Die Wohnungsämter leisten und können nach Lage der Sache nur unproduktive Arbeit leisten; die Kosten für ihre Unterhaltung, die in die Millionen Goldmark gehen, konnten und können besser für Wohnungsneubauten verwandt werden. Das Bedenklichste ist die Erscheinung, die in allen Großstädten des Reiches, hervorgetreten ist, daß die Wohnungsämter Ausländern Wohnung zuweisen oder sie darin dulden, wenn sie Geldzuweisungen dafür einheimsen können; durch diese Praxis ist ein verwerflicher Wohnungsschacher großgezogen worden, der das deutsche Volk in seinen berechtigten Belangen schädigt und den Ausländern gegenüber zurücksetzt. Dieses Verfahren der Wohnungsämter ist unter allen Umständen auszurotten.
Die Mieteinigungsämter haben durch ihre bisherige Spruchpraxis gezeigt, daß sie ihre Aufgabe, die darin bestehen sollte, Differenzen zwischen den Parteien auszugleichen oder zu schlichten, nicht erfüllt haben. Das Gegenteil ist oft erreicht worden: statt versöhnend zu wirken, haben sie das Mietverhältnis unerquicklich gestaltet. Aus einer gemeinnützigen Einrichtung, wie sie ursprünglich gedacht war, ist ein fostspieliges Instrument geworden.
Aus allen diesen Gründen verlangt die heutige Versammlung die sofortige Beseitigung der gegenwärtigen Zustände im Wohnungswesen durch Aufhebung der Zwangswirtschaft und Rückkehr zur altbewährten freien Wirtschaft. Die Wohnungsuchenden erblicken hierin die einzige Möglichkeit, ihr stark gefährdetes Familienleben und Familienglück in geeigneten Wohnräumen zu finden."
Die Steuerinflation.
Von G. Ziegler, Darmstadt.
Geldwesen und Staatsfinanzen stehen in engstem Zusammenhang. Die Währungskatastrophe des letzten Jahres hat auf unser Finanz- und Steuerwesen einen verhängnisvollen Einfluß ausgeübt. Die Währungsinflation hat eine Steuerinflation mit sich gebracht, die in ihren Auswirkungen nicht minder zerstörend auf unsere Wirtschaft einwirkt, wie die Geldinflation.
Nestle s Kindermehl, das gib Deinem Kind, haft du es lieb!


