Mieten kommt die Leistungsfähigkeit nicht mehr in Betracht. In den beiden Monaten Mai und Juni ist es dem Wohnungsamt Neustrelitz gelungen, zwei Wünschen zur„ Vergrößerung" gerecht zu werden. Die übrig gebliebenen 351 Bewerber müssen demnach bei gleichbleibendem Tempo noch 29 Jahre warten, bis ihr Wunsch nach einer größeren Wohnung in Erfüllung geht. Auf der einen Seite verschaffen die segensreichen Einrichtungen der Zwangswirtschaft dem einen ein Privileg auf Raumluxus, dem andern aber nehmen sie die Freiheit der Raumbeschaffung. Wie in Neustrelitz, so liegen die Verhältnisse im ganzen Lande Mecklenburg- Strelitz. Wir haben keine objektive Wohnungsnot im Lande, wohl aber eine durch die Zwangswirtschaft herbeigeführte unwirtschaftliche Verteilung des vorhandenen Wohn
raums.
Andererseits bedürfen aber auch die Aufzeichnungen des Wohnungsamts Neustrelitz hinsichtlich der 182 Wohnungslosen der Nachprüfung. Es ist die eigene Sache der Woh nungslosen, an die Stadtverordneten heranzutreten, damit diese einmal die Listen einer Nachprüfung dahin unterziehen, ob die aufgezeichneten Bewerber auch tatsächlich alle für eine Wohnungsbeschaffung noch in Betracht kommen. Wo sind die 80 Wohnungslosen jetzt untergebracht? Baracken haben wir nicht in Neustrelitz, Notwohnungen meines Wissens auch nicht. Ein Dach über dem Kopfe haben sie. Sollten sie demnach alle möbliert wohnen und 20 Jahre warten, bis ihnen vom Wohnungsamt eine eigene Wohnung zugewiesen wird?
Aus der Statistik geht mit krassester Deutlichkeit hervor, daß die Neuanmeldungen des Wohnungsbedarfs bedeutend größer an Zahl sind als die erledigten Wohnungsvermittlungen. 21 erledigten Fällen stehen 48 Neuanmeldungen gegenüber. Wo dies hinführen soll, mögen die Götter wissen. Es wird wohl nirgends mehr gebaut als in Neustrelitz. Es sind seit Jahresfrist über 20 neue Häuser in dem verhältnismäßig kleinen Städtchen errichtet worden.
Es muß der Allgemeinheit mittlerweile klar werden, daß nur die freie Wirtschaft die Beschaffung des Wohnraums und seine richtige Verteilung wieder in gesunde Bahnen lenten tann.
Eine sonderbare Sommerfrische.
Von Waschmann.
Jm vorigen Jahre war ich an der See. Diesmal wollte ich eigentlich ins Gebirge. Da tam mir jenes kleine Inserat zu Gesicht, worin ein Heidebauer tief hinten in der Lüneburger Natureinsamteit für drei Mart( inklusive!) eine prima Sommerfrische anbot.
Das„ prima" imponierte mir umsomehr, als es mit einem langen ,, h" in der Mitte geschrieben war.„ Aha!" sagte ich mir, „ das ist das Rechte," und indem ich es mit der gebührenden Dehnung vor mich hin sprach, sanken die Gebirgsillusionen, die seit Wochen meine Träume beherrscht hatten, zu einem winzigen Hügelchen zusammen.
Ich schrieb an den Heidjer, daß ich von seinem Angebot Gebrauch machen und am 1. August prompt bei ihm landen würde. Aus einem Antwortbrief, den ich bekam, war so viel zu entziffern, daß man mich pünktlich erwarte. Unverständlich blieb mir der Zusaz, man hoffe, es mit einem ordentlichen, nüchternen und arbeitsamen Menschen zu tun zu haben, Eigenschaften, die der Vorgänger leider nicht besessen habe.
Heidebauern sind seltsame Menschen. Fernab vom Treiben der Welt leben sie ihren eigenen grillenhaften Gedanken. Der Brief zeigte es. Aber da ich Originale besonders schätze, konnten mich die an sich gewiß sonderbaren Bedingungen für meine Einreise nicht besonders infommodieren. Ich wollte mit dem Manne schon fertig werden. Schließlich hatte ich mir ja auch nichts vorzuwerfen. Meine Frau behauptet zwar immer, ich sei der unordentlichste Mensch unter Gottes Sonne. Aber das ist Auffassungssache Wer mich nicht näher kennt, ist leicht vom Gegenteil zu überzeugen. Und was die Nüchternheit angeht, du lieber Himmel! man möge morgens gegen 6 Uhr bei mir enklingeln; ich glaube kaum, daß man einen nüchterneren Menschen finden wird als mich. Im übrigen: was ging das den Heidjer an!
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Die Arbeitsamkeit, die man erwartete, konnte sich, da ich als Pensionsgast kam, nur auf die Leistung am Tisch beziehen. Na, in dieser Hinsicht stehe ich meinen Mann. Darin sollte mein Hospes keine Enttäuschung erleben.
Ich fuhr also ab. Diesmal ohne mein Gepäck voraus: zusenden. Und erfuhr gottseidank nicht die Enttäuschung, die mir im vorigen Jahre in Borkum beschieden war, als der drei Tage vor meiner Abreise als Drucksache aufgegebene Brief, der meine Badehose enthielt, erst acht Tage nach meiner Ankunft, mit 20 Pfennig Strafporto beschwert, aber ohne Badehose, mich erreichte.
In der Heide braucht man glücklicherweise keine Badehose. Mein Dreß war ein facher, grün- loderner Sauerländer. Einfach, aber für die Verhältnisse durchaus passend. Zumal er schon etwas verschossen war.
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Das Dorf, in dem meine Sommerfrische lag, steht auf keinem Globus. Aber es existiert trotzdem. Zunächst fuhr ich mit der Bahn. Dann mit der Elektrischen. Dann in einem Omnibus, der unterwegs nur dreimal umkippte. Und schließlich ging ich zu Fuß. Mit dem Erfolg, daß ich nachts gegen zwölf Uhr ankam. Mein Wirt- er schrieb sich Müller- Meier hieß mich etwas seltsam willkommen., Wu heeten Se met Vörnam'? fragte gleich er bei meiner Ankunft. Hieronimus!" gab ich zur Antwort.„ Hieronimus?" Er lachte.„ Nee, mien leewe Jung, damit schall'n wi woll hier nich to Rand kamen! Da möten Se sid of Krischjohn döpen laten!"
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Ich bin von Hause aus friedfertiger Natur. Wenn es dem Manne Spaß machte warum nicht! Ich erklärte mich also mit meiner Wiedertaufe einverstanden. Und hieß demgemäß von Stund' an Krischjohn. Ausgerechnet Krischjohn. Obwohl ich gerade diesen Namen ebensowenig schäze wie beispielsweise Kaspar, Nepomuk und Sebastian.
Das Zimmer, das mir Müller- Meier anwies, war nicht nur schräggiebelig, sondern in seiner Ausstattung auch äußerst primitiv, aber es enthielt drei Betten, von denen zwei bereits eine melodische Schnarchmusik von sich gaben. Eine halbe Stunde später schnarchte auch das dritte.
Wer vier Stunden mit dem D- 3ug, eine Stunde mit der Straßenbahn, drei Stunden mit dem Omnibus und außerdem vier Stunden zu Fuß gefahren ist, dem ist nachts gegen zwölf Uhr so ziemlich alles gleich. Selbst wenn er wider allem Geschmac zwangsweise den Namen Krischjohn bekommt.
Ich schnarchte. Schnarchte wie die beiden andern. Schnarchte wunderbar. Schnarchte bis ein Uhr. Bis zwei Uhr. Bis drei Uhr. Bis vier Uhr. Dann hatte das Schnarchen ein Ende. Kaum blinzelte die Sonne, selbst noch ein wenig müde, ins Zimmer, als die Tür aufgerissen wurde. Müller- Meier schob seinen Kopf herein und kommandierte:„ Opstohn!"
Aus den beiden anderen Betten erhoben sich unwirsch zwei struppige Gestalten, die mit verdrießlichem Prusten und Hujahnen in ihre Kleider krochen und knurrend den Raum ver ließen. Draußen höte man die Püttrolle janken, Wassereimer klirren und Räder knarren. Der derbe Geruch frischen Stalldüngers drang mit der Morgenluft durchs Fenster. Von den Ställen her brummelte das Muhen des Hornviehes. Ein eifriger Spitz bellte mit tenorigem Fistellaut. Dazwischen ficherten Mädchenstimmen.
Jch lag in jenem angenehmen Halbschlummer, der uns be sonders in Ferientagen den Pfühl außerordentlich schäzenswert erscheinen läßt, und duselte angenehm vor mich hin, als polternde Tritte nahten und harte Fäuste an der Tür der Kammer rumorten. He, Krischjohn, upstahn!" rief eine rauhe Stimme. ,, Upstahn! Et werd Tiet!"
Aus der Beschreibung eines Afrikareisenden weiß ich, daß man in fremden Weltteilen am besten fortkommt, wenn man sich den Gewohnheiten der Ureinwohner nach Möglichkeit anpaẞt. Nun ist es zwar im allgemeinen nicht meine Art ,,, unserm Herrgott den Tag schon so früh am Morgen zu stehlen. Aber eingedenk der Lehre des Afrikaners beschloß ich doch, dem freundlichen Lockruf zu folgen. Da ein Waschbecken im Zimmer fehlte, war die Toilette rasch beendet. Ungekämmt, aber sonst frohgelaunt, betrat ich den Hof.
( Fortsetzung folgt,)
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Asthma-, BE Fieber-, Fra Nerven-, Ni Spezialtees Fettsucht-,
und viele losen Fälle
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