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Expedition: Sudanlage 21.
Redaktion, Druck und Verlag: Albin Klein in Gießen, Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.
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Samstag, den 13. September 1924.
Wohnungszwangswirtschaft und Wohnungsnot.
Von Otto Lange Neustrelit.
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Ein interessanter Beitrag zu unseren Behauptungen, daß die Wohnungsnot zum großen Teil durch die Zwangswirtschaft entstanden ist, wird vom Landesverband Strelik erbracht. Dieser Beitrag ist um so wertvoller, als er auf dem ähnlichen Zahlenmaterial des Wohnungsamts Strelitz beruht. Das Wohnungsamt in Neustrelit veröffentlicht und in der Landeszeitung am 17. Juli folgende Statistik über seine Geschäftstätigkeit im Mai und Juni 1924.
Mel dungen
Davon
Geschäftsgang
aus dem neu vorigen Monat
gu= sammen erledigt
sonstwie erloschen
Wohnungsnachfrage
808
Ueber:
trag
auf den folgenden Monnat
80
102
9
18
Wohnungslos.
67 16 83
Verheiratung
95 10
105
Tausch zur Vergrößerung
345
18 363
14
7
351
Tausch zur Verkleinerung Tausch von auswärts
11
11
15 4
19
581
14
7
560
Wohnungsangebote
9 19 28
15
5
8
1
1
-
Zusammen 533 48
Wohnungsbeschlagnahmen
-
-
Es ist zu begrüßen, daß die Stadt Neustrelitz unseres Wissens die erste im Reiche ist, die es unternahm, eine Statistik über den Wohnungsmarkt zu veröffentlichen. Bisher wurden diese Aufzeichnungen der Wohnungsämter ängstlich geheim gehalten und nur den Stadtverordneten zugänglich gemacht.
An der Statistik interessiert jede Zahl, doch greife ich der Kürze halber nur die heraus, die der Betrachtung und Besprechung am meisten bedürfen, das sind die Zahlen über die Wohnungslosen. Die Statistik ergibt für Anfang Juli 80 Wohnungslose und 102 durch Verheiratung Wohnungsbedürftige, das sind 182 Wohnungslose. Es fehlen demnach in Neustrelitz 182 selbständige Wohnungen.
Neustrelitz hatte nach den Aufzeichnungen des Statistischen Amts im Jahre 1914 11 993 und am Tage der Veröffentlichung der Statistik 12 942 Einwohner. Die Einwohnerzahl ist daher seit 1914 um 949 gestiegen. Rechnet man den Haushalt mit 4,355 Köpfen, so wären für die 949 Mehreinwohner 218 Mehrwohnungen erforderlich gewesen. Die Zahl 4,355 ist nicht willfürlich angenommen, sondern ist einer Statistik des Wohnungsamts in Cassel entnommen, wo im Jahre 1913 4,355 Bewohner auf eine selbständige Wohnung entfielen. Da in Neustrelit amtlicherseits Aufzeichnungen in dieser Beziehung nicht gemacht worden sind, so müssen diese Zahlen als zutreffend angenommen werden, zumal die Wohnbedürfnisse der Residenzstadt Neustrelitz mit denen der Hauptstadt des Regierungsbezirks Cassel übereinstimmend gewesen sein müssen( Behörden, Beamte, wohlhabendere Bevölkerung).
Lokal
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37. Jahrg.
Hiernach waren im Jahre 1914 für die 11 993 Einwohner 2753 selbständige Wohnungen erforderlich und auch vorhanden. Für die jetzige Einwohnerzahl 12 942 würden 2971 Wohnungen erforderlich sein, also bei gleichem Wohnbedürfnis der einzelnen Familien ein Bedarf von 218 Mehrwohnungen vorhanden sein.
Nach dem amlichen Material anderer deutscher Wohnungsämter standen vor dem Kriege infolge der Ueberproduktion an Wohnungen 1,5 Proz. von den vorhandenen leer. Neustrelitz hatte demnach im Jahre 1914 41 leerstehende Wohnungen. Freie Wohnungen sind nach der vorstehenden Statistik dem Wohnungsamt 8 zur Verfügung gestellt worden. Neugeschaffen durch Neubauten sind 71, durch Aufstockung 2, durch Um-, Aus- und Einbauten im Schloß, in der Kaserne, dem großherzoglichen Küchenhaus, dem Kavalierhaus, dem erbgroßherzoglichen Palais, dem früheren Museum, dem Gebäude der Garnisonverwaltung 60 neue Wohnungen.
Es stehen hiernach den 949 Mehreinwohnern 182 Mehrwohnungen zur Verfügung. Wenn in den 60 übergroßen Wohnungen, die in den ehemaligen großherzoglichen Gebäuden neu geschaffen worden sind, je 7 Köpfe untergebracht worden wären, dann hätten die übrigen 529 Mehreinwohner in den Neubauten ( 25 Häuser) unter demselben bequemen Wohnbedürfnis wie im Frieden wohnen können und nicht ein einziger der Mehreinwohner wäre wohnungslos gewesen und kein einziger der AltEinwohner hätte von seinem Wohnraum abzugeben brauchen. In den großherzoglichen Gebäuden sind Wohnungen mit 12-16 Zimmer an einzelne Familien vergeben worden. Wenn man mindestens berücksichtigt, daß neben diesem Raumluxus
36 größere Altwohnungen geteilt worden sind, so dürfte auch nicht ein einziger Neustrelitzer Mehreinwohner wohnungslos sein, auch wenn auf die 60 Neuwohnungen in den ehemaligen großherzoglichen und Staats- Gebäuden die Belegziffer von 4,355 angenomen würde. Eine objektive Wohnungsnot kann in Neustreliz demnach nicht bestehen.
Es entsteht nun die Frage, wie kommt es, daß trotzdem 182 Familien wohnungslos sein sollen? Die Frage beant= worten zunächst die Spalten„ Tausch zur Vergrößerung" und , Tausch zur Verkleinerung" der vorstehenden Statistik des Wohnungsamts. Es liegen 351 Wünsche vor zur Ver= größerung der Wohnung, denen nur 9 zur Ver= fleinerung gegenüberstehen. Das ist ein abnormer Zustand, den es zu Zeiten der freien Wirtschaft nie gegben hat. Der Ausgleich vollzog sich je nach Leistungsfähigkeit, Geschmack und Wohnbedürfnis in der Vorkriegszeit ohne MitUnter der wirkung einer Behörde geräuschlos durch Umzug. 3wangswirtschaft mit den gewaltsam niedergehaltenen billigen
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Geht teine Mutter fehl


