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Nr. 1/2.
Expedition: Südanlage 21. anzeigenpreis: 5 Goldpfennig
Redaktion, Druck und Verlag:
Albin Klein in Gießen, Verlagsbruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.
für 1 mm Höhe und 44 mm Breite; für Auswärts 10 Goldpfennig; Reklameanzeigen 90 mm breit 25 Goldpfg.
Samstag, den 12. Januar 1924
3um Jahreswechsel.
Mart pocht die Nof an Cor und Cür und will im lieben deutschen Vaterland keine rechte Weiheftimmung in diefer beit der Jahresmende aufkommen lassen. All zu viel ist seit Jahren über unser Volk gekommen. Die Entwicklung der Wirtschaft gerade in dem abgelaufenen Jahre hat eine Wendung genommen, die besonders den werkfäfigen Ceil unserer Bevölkerung nahezu erdrückte. Ungeheuer groß ift die bahl gerade der Betriebe des gemerblichen Mittelflandes, des Handwerks, die zum Erliegen gebracht wurden. Ueberall ift die Subftanz verloren, sind die bescheidenen mit eisernem Fleiß in besseren beiten ersparten Vermögen aufgezehrt oder entwertet. Der Familienwohlftand ift zerrüttet und grenzenloses Elend über weite Kreise hereingebrochen.
nun gilt es wieder von Vorne beginnen. Wer noch die Kraff in fich fühlt, muß mit eiserner Energie die Folgen aus der jebigen Lage ziehen. Arbeiten und nicht verzweifeln, muß von nun an die Losung sein. Gilf es doch nicht nur für sich, für die eigene Samilie zu sorgen, sondern auch all denen mit Rat und Cat beizuspringen, die vom Leben zermürbt, von Alter und Entbehrung entkräffet, nicht mehr die Fähigkeit haben, aus eigener Kraft sich wieder emporzuarbeiten.
Klagen und Kritisieren hilft nichts, wir müssen alle zusammenftehen und versuchen, das Schicksal zu meistern.
In dieser ernſten beit wird es eine Hauptaufgabe der handwerklichen Organisationen sein, sich ihrer Mitglieder anzunehmen, gemeinschaftlich die Lage der einzelnen Berufszweige zu beraten und in jeder Weise mitzuhelfen, daß allmählich die Betriebe wieder leiffungsfähig werden.
Ein Boffnungsftrahl leuchtet uns darin, daß es gelungen ift, die mark bis jebt zu ftabilisieren. Durch Einführung der Rentenmark hat einerseits eine merkliche Besserung in der Preisbildung eingefeßt, während andererseits aber naturgemäß eine starke Erschöpfung der Kaufkraft zu verzeichnen ist. Nun sieht jeder, mie arm er geworden.
Aber das Gute dürfte doch zu erwarten sein, daß wieder der Crieb zur Sparsamkeit in den breifen massen einkehrt, daß wieder von jedem einzelnen gerechnet werden muß, wie er mit seinen Mitteln haushalten kann. Der moralische Wert der Währungsreform ift mithin den wirtschaftlichen Vorteilen min
37. Jahrg.
deffens gleichzuseßen. бelingt es weiterhin, das Vertrauen in diese Maßnahmen zu feftigen und sind erft die schwersten nächsten Monate überwunden, dann wird auch Dandel und Gewerbe wieder aufzublühen beginnen.
Wenden wir unsere Blicke zu unserem Bruderlande Oefterreich, das genau die gleichen Verfallerscheinungen wie Deutschland zu durchlaufen hatte, aber auch in ähnlicher Form, wenn auch mit Hilfe des Auslandes, seine Verhältnisse zum Besseren lenkte. Wir verfuchen die Gesundung durch eine neue Währung herbeizuführen, Hand in Band hiermit gehen die Verhandlungen, mif unseren Feinden überein zu kommen und ebenfalls mit Auslandsanleihen die völlige Gesundung zu erreichen.
Diese ernften Anftrengungen der Regierung sollten jedem einzelnen, jedem Berufe das Verantwortungsgefühl ftärken, Jamit jeder an seinem Teil mit dazu beitragen kann, den 6efundungsprozeß zu beschleunigen.
Sind auch die Verhältnisse geradezu troftlos, die Aussichter für die nächste Zukunft nichts weniger wie günftig, so darf dod ein Verzagen nicht eintreten. Unser deutsches Volk wird in den nächsten Wochen und Monaten den Beweis zu erbringen haben. ob es innerlich gefund ift und ob es noch die nöfige Energie aufbringen kann, um sich, wenn auch mit größten persönlichen Einschränkungen und Entbehrungen, den plaß wieder zu erringen, der ihm nach seiner Geschichte und seiner ganzen kulturellert Veranlagung zukommt.
Vergangene schmere Beiten lehren uns, was das deutsche Volk vermag, wenn es einig, treu und ftark zusammensteht. Crefen wir mit diesen Gedanken in das neue Jahr ein und halten uns jederzeit por Augen, was einftmals ein großer Mann in Deutschlands schwerfter beit seinem Volke zurief:
... Du sollt an Deutschlands öukunft glauben, An Deines Volkes Auferfiehn, Laß diesen Glauben Dir nicht rauben Croß allem, allem, was geschehen. Und handeln sollft Du so, als hinge Uon Dir und Deinem Cun allein Das Schicksal ab der deutschen Dinge, Und die Verantwortung wär Dein!"
Aus amtlichen Bekanntmachungen.
Reichs- und Landesbehörden. Landesbehörden.| Gell. Staatsministerium, 11. 1. 24. Am 1. Februar
Seff. Staatsministerium, 3. 1. 1924 Steuern und sonstige Forderungen des Hessischen Staates, soweit fie auf Goldbafis gestellt sind, können durch Hingabe von Stücken der Hessischen Dollaranleihe( Dollarchaganweisungen) in Höhe ihres Nennwertes bezahlt werden. Das Landesfinanzamt Darmstadt hat den ihm unterstellten Finanzämter und Finanzkassen entsprechende Weisung zugehen lassen.
ds. Js. wird der Zinsschein der sechsprozentigen Heffifchen Brannkobie- Roggen- Anleihe für das vom 1. What 23 bis 30. April 24 laufende Zinsjahr fällig. Bei Einhaltung der Anleihebedingungen würden sich so geringfügige Beträge ergeben, daß die Einlösung der Zinsscheine undurchführbar wäre. Um aber dem Gläubigern den einer Sachwertonlethe entsprechenden Zins zu gewähren, hat die hessische Staatsschuldenverwaltung für diesmal unter Aufwertung die Zinsen für eine Einheit auf 0,40 Goldmark festgesetzt. Da


