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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 9.

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Telephon: Nr. 362.

Gegen die steuerliche Ueberlastung

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richtete sich eine Protestversammlung, welche auf Ver­anlassung der Ortsgruppe Köln des Verbandes zum Schutze des deutschen Grundbesitzes und Realkredits im großen Saale der Bürgergesellschaft zu Köln stattfand. Trotz des Schneegestöbers war die Versammlung nicht nur aus Köln, sondern besonders auch aus der ganzen Rheinproving sehr zahlreich besucht. Etwa 2000 Per­sonen mögen anwesend gewesen sein.

Ueber diese Versammlung berichtete die Kölnische Volkszeitung" am 13. Januar 1913 folgendes:

Expedition: Selters weg 83.

Mittwoch, den 29. Januar 1913.

nötig, daß die verantwortungsvollen Stellen sich von theoretischen Vorstellungen frei machen, welche zu früh eren Zeiten vielleicht eine gewisse Berechtigung hatten, weil sie zu den damals gerade vorliegenden wirtschaft­lichen Verhältnissen in etwa paßten. Diese Verhältnisse haben sich aber gewaltig geändert. Draußen auf dem Tummelplatz der wirtschaftlichen Interessen fämpfen wir gegen die steuerlichen Ueberlastungen, gegen die den Realkredit tief erschütternde Hypotheken- und sonstige Ge­setzgebung, nicht zuletzt gegen die baupolizeilichen Ver­ordnungen. Jeder gegnerische Theoretiker und Praktiker hat sein besonderes Steckenpferd, kein System herrscht dort; jeder will möglichst viel für seine Theorie aus dem Haus- und Grundbesitz herausschlagen, und so stürmt Rechtsanwalt Dr. Wirz 3( Köln) eröffnete die eine buntfchedige Menge von Doktoren heran, die bald Verhandlungen mit einem Hoch auf den Kaiser. Der den für unsere heutige Wirtschaftsform und für unser Zweck der Versammlung sei ein doppelter: Wir wollen Staatsleben so wichtigen Grundbesitz derart kuriert ha­zwachst auf dem Gebiet des Grundbesitzes und Real ben würden, daß nur noch ein armseliger Leichnam üb­kredits und des damit im Zusammenhang stehenden rig bleiben würde, wenn der Haus- und Grundbesitz Wirtschaftslebens Aufklärung schaffen über alles das, sich nicht selbst machtvoll aufrafft, aufräumt mit jener was ist, und über das, was not tut; und dann wollen Pseudowissenschaft und wieder geordnete Verhältnisse wir die Ziele, die sich aus dieser Aufklärungsarbeit erschafft. Unser Verband hat schon scharf gearbeitet und geben, fördern und erreichen helfen. Derjenige, der Leben gebracht. Im preußischen Abgeordnetenhause hat selbst zu leiden hat, merkt zwar recht kräftig, daß und schon am 13. Dezember 1912 unsere Arbeit ihren Wi­wo ihn der Schuh drückt; aber die inneren Zusammen- derhall gefunden in der Verhandlung der Interpella hänge und die tieferen Ursachen seiner Sorgen und die tion Fritsch. Heute wollen wir nochmals weitere Auf­ihm noch drohenden Gefahren bleiben ihm zum Teil klärung in die Massen hereintragen, in der Hoffnung, unbekannt. Diese wollen wir aufdecken und jedem daß bald ein voller Sieg unserer großen Sache beschie­Leidtragenden zur Kenntnis bringen, damit er sich nach Kräften wehren kann. Viel wichtiger ist aber die Auf- Hlärungsarbeit, die wir an unseren Gegnern verrichten wollen. Es sind zwar nach meiner Ueberzeugung nicht wenige unter ihnen, die unbelehrbar sind. Es spielen da eine Reihe politischer und Gefühlsmomente mit, un­ter denen sozialistische Instinkte und die aus den Tat­sachen selbst nicht zu rechtfertigende Mißgunst nicht die letzten sind. Es sind auch noch viele, die meinen, ginge den Haus- und Grundbesitzern zu gut. Die Bo­denreformer scheuen sich nicht, z. B. die Beamten mit dem Sirengesang zu gewinnen zu suchen, daß man ihre Gehälter durch die kräftige Besteuerung des Grund­besitzes leicht ausbessern könne. Sie scheuen sich nicht, den Mietern vorzureden, durch die kräftige Belastung des Bodens würden die Mieten billiger. Gegen der­artige Kampfmittel wird man immer nur zum Teil Er­folg haben können. Wir müssen aber erwarten, daß die Behörden und die parlamentarischen Vertretungen im Reich, im Staat und in den Gemeinden einer aus der Theorie und aus der Praxis schöpfenden Aufklär­ung zugänglich und in der Lage sind, die schlimmen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen einer Jrrlehre zu erkennen und danach zu handeln. Es ist

Das Glückskind.

Roman von Frene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

Doch mit einem Male blieb der Späher wie an­gewurzelt stehen, sein Gesicht bedeckte Totenblässe, die Züge verzerrten sich in unheimlicher Weise, die Augen blidten starr mit entsetztem Ausdruck auf die beiden Menschen vor ihm, es schien, als sträubte sich das Haar, die Hände streckten sich wie abwehrend aus, und mit einem tiefen Wehlaut stürzte er nieder in das duftende, feuchte Moos; das Haupt sank schwer auf die Hände, ein Schluchzen erschütterte den starken Körper, der sich wand wie in fürchterlichen Schmerzen.

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Das also, das war das Ende von all' der Herr­lichkeit, das Ende all' seines Glückes! Was hatte er fehen müffen! Sie das Mädchen das ihm so rein dünkte wie die Sonne, aus dessen Zügen, aus dessen Augen ihm ein neues, großes Glück entgegen lachte, - in den Armen eines Andern, gerade sowie da­mals als er ahnungslos bei seiner Braut etn­trat und diese in inniger Umarmung mit seinem beften Freunde fand!

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Dr. Malljar schlug sich vor die Stirn, in wahn­Annigen, namenlosem Schmerz.

Er hob die brennenden Augen, dort stand fie ja noch, die feine Sonne, fein Glück,- sein alles war. Ronnte denn so etwas möglich sein! Wieder und wie­ber preßte fener schreckliche Mann, thr Begleiter, in un­geftlimer Leidenschaft sete Lippen auf den kleinen Mund, den er einfältige Tor, nie zu berühren gewagt. In he Scheu hatte er zu dem Mädchen aufgeblicht, aus den retnen Zügen die Unschuld zu lachen schten.- Und nun-- besudelt das retne Bild. Diese hier, sie war nicht besser, als tene undere, die er seine Braut genannt-- netn schlechter war sie, denn sie wußte aus seinem etge= en Munde, was er aelitten damals. Er hatte es ihr

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es

den sei.

Weitere Begrüßundsansprachen hielten die Herren Dr. von Frege und Geh. Regierungsrat von Sybel.

Verbands- Direktor Dr. van der Borght( Berlin) sprach dann über die Stellung des Grundbesitzes im heutigen Steuersystem. Der Grund und Boden sei stets ein beliebtes Objekt steuerlicher Ueberlastung gewesen, weil er nicht zu verdecken und über die Grenze zu schaf­fen sei. Als ungerechte Steuern auf den Grundbesitz fri­tisiert Redner die Besitzwechselabgaben( Umsatzsteuer), die Reichswertzuwachssteuer und die Steuer nach dem gemeinen Wert. Alle diese Steuern, welche den Grund­besitz überlasteten, gingen aber den Bodenreformern, auf deren Anregung sie entstanden, noch nicht weit ge= nug. Ihr Führer, Hr. Damaschke, habe ieht sogar eine Reichsgrundwertsteuer vorgeschlagen. Das Ziel der Bo­denreformer sei: Einheimsung der Bodenrente, der Grund und Boden soll in die Hand der Gemeinschaft kommen. Das seien gefährliche Theorien. Ist beim Grund und Boden das Privateigentum ausgeschaltet, dann halte nichts den sozialistischen Zukunftsstaat mehr auf. Es dreht sich also um vieles; den Kampf gegen ſolthe Ideen führe man, um große Gefahren und Erschütter­ungen vom Vaterlande abzuhalten.

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erzählt, daß die Treulosigkeit und Erbärmlichkeit ihn fast um den Verstand gebracht, sie mußte wissen, daß er sie Itebte, und in dieser Liebe Ersatz, völligen Er­sab, ja mehr noch, dauerndes Glück gefunden zu haben glaubte, Ersatz für all die Unbill, die man ihm angetan hatte.

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" Gott, Gott- laß mich nicht wahnsinnig wer­den", flehte er, und wieder sank die hohe, edle Stirn auf die ausgebreiteten Arme, er sah nicht mehr.

Er sah nicht, daß Röschen, die erst wie betäubt und traftlos vor zorniger, fürchterlicher Ueberraschung einige Sefunden lang in den Armen des frechen Menschen lag n wilder Haft davonstürmte, verfot von Winier, der bts aufs äußerste erregt war. Als er vorytn der fühnen Ansturm wagte, und die vor Schrocker wie leblose, fast ohnmächtige Gestalt Rös= chens in seinen Armen hielt, da glaubte er schon ge= wonnen zu haben, well das Mädchen nicht, wie er ge­fürchtet hatte, zornig aufgefahren war, sondern sich willenlos von ihm tüffen ließ. Der Kopf lag auf setner Schulter, die Hände hingen schlaff herab, dadurch er­mutigt, preßte er die hetß Begehrte heftig an fich. Nun fehrte ihr das momentan entflohene Bewußtsein zurück. Mit Gewalt sich Iosreißend, lief das geängstigte Mädchen, so schnell es die bebenden Glieder gestatteten, quer durch den Wald, ohne auf den Weg zu achten, dem Forsthause zu. Winter hatte sie bald eingeholt.

So höre doch, geltebtes Kind", bat er flehentlich, ahor , ich weiß, ich war zu ungestüm, zu haftig, wer ist in solchen Momenten Herr seines Willens, ich liebe Dich schon länger, als Du ahnst,- und Du mußt die Meine werden, und sollte ich Dich mit Gewalt zum Altar schleppen."

Sprachlos vor Entrüstung hörte Roft eine Welle zu, dann rief ste bebend: Ich verbiete Ihnen, mich du" zu nennen, wer gibt Ihnen ein fiches Recht?"

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 862.

25. Jahrg.

Freiherr Klemens v. Loe, Präsident des Rheinisch. Bauernvereins, sprach über steuerliche Belastung des ländlichen Grundbesitzes. Er stellte zunächst fest, daß gerichtete Zuſchrift unterstelle, um die Vertretung der es sich in dieser Versammlung nicht, wie eine an ihn Interessen der städtischen Grundstücksspekulanten, son­dern um den Schutz des soliden Haus- und Grundbe­sizes handele. Als Minimalforderungen nach dieser Richtung nannte er: 1. Ablehnung jeder Vorausbela­stung des Grund und Bodens; 2. Ablehnung jeder Doppelbesteuerung; 3. Ablehnung jeder Steuer, welche den Wert des Bodens einseitig erfaßt( 3. B. der Erb­anfallsteuer); 4. Unverletzlichkeit des Eigentums. Halte man fest am Grundbesitz, dann diene man dem Vater­land.

Prof. Adolf Weber( Köln) sprach über das Thema: Die Steuerpläne der Bodenreformer, ein Hemmnis der Wohnungsreform. Er setzte bei den Bodenreformern zwar eine gute Absicht voraus, begründete aber seine Meinung, daß die bodenreformerischen Ideen Wahn= ideen seien. Das Fiasko der Reichswertzuwachssteuer sei offensichtlich. Mancher Vorschlag der Bodenreformer sei diskutabel. Ihr Erfolg bei den Massen liege darin, daß die Bodenreformer das beste wollen und ihre fal­schen Ideen mit dem Problem der Wohnungsfrage in Verbindung bringen. Die Bewegung der Bodenrefor­mer sei die gefährlichste, weil sie sich inkonsequent gibt und in sich eine Halbheit ist. Ihre Theorie, daß durch Steuern der Boden billiger wird, sei falsch, das Um­gefehrte richtig. Eingehend begründete Redner ſeine Ansicht über die Gefährlichkeit der von den Bodenrefor­

Die Verjüngung der Gesichtshaut.

Ein zeitgemäßer Wink.

Die Gesichtshaut erneut sich bekanntlich dadurch, daß die oberste Hautschicht sich losschält und durch eine neue zarte Schicht ersetzt wird. Besonders im Sommer tritt dies in deutlich be­merkbarer Weise auf. Diesen natürlichen Vorgang nun fann man beschleunigen bezw. jederzeit künstlich hervorrufen, wenn einem daran gelegen ist, den unschön gewordenen Teint samt Sommerproffen, Mitessern, Pideln usw. schnell loszuwerden und durch eine sanmetweiche neue Haut zu ersetzen. Irgendwelche kostspiel ge oder umständliche Manipulationen sind dazu gar nicht notwendig. Man verwende einfach reines Parinolwachs, von dem sich eine entsprechende Quanität bei jedem Apotheker oder Drogisten holen läßt.

Trägt man reines Parinolwachs des Abends statt der üdlichen Gold- Cream auf und wäscht es morgens ab, so nimmt dies alle Hautunreinigkeiten mit und hinterläßt eine rosige, zarte Gesichtshaut. Infolge der vollkommenen Reizlosigkeit und Un­schädlichkeit des reinen Parinolwachses wird die Haut an und für unschöne alte Hautschicht mit ihren Unreinigkeiten wird sozusagen sich durch diesen Vorgang in feiner Weise angegriffen, nur die aufgesaugt.

Mädchen, mach mich nicht toll mit Deinem un­bändigen Stolz, ich weiß nicht, was ich tue, wenn Du mir nicht gehörst."

Nie, niemals wird das geschehen."

Bu Hause angekommen, ellte Röschen sofort auf ihr Zimmer und beschloß, dasselbe nicht eher wieder zu verlassen, bis dieser zudringliche Freier abgereist wäre.

Ihr Vormund klopfte an die Tür und bat und be­schwor das Mädchen, doch vernünftig zu sein. Es regte sich nichts im Zimmer, der Riegel wurde nicht zurückge­schoben. Nichtsdestoweniger fuhr Böhler fort, au bit­ten: Winter ist eine Partie, die man nicht so ohne wet­teres von der Hand weisen darf, well sich so etwas nicht alle Tage findet"-- umsonst, er mußte unverrichte­ter Dinge umkehren.

Unterdessen saß der abgewtesene Freier bei Frau Therese im Wohnzimmer, hielt deren rundliche, flet­schige Hände in den seinen und berichtete der gutmüt­Hgen Frau, wie heiß und innig er Röschen liebe und wie er alles daran gäbe, das Mädchen zu besitzen.

Die Försterin ließ ihn ruhig ausreden. Ste war dem allezett Itebenswürdigen Mann, der sich so fetn zu benehmen wußte, aufrichtig zugetan und hätte aller­dings gewünscht, Röschen möchte seinen Bitten Gehör schenken; freilich wußte auch sie, daß Dr. Malljar dem Mädchen bereits im Herzen saß, auch wäre es ihr sehr nabe gegangen, Röschen ziehen laffen zu müssen, aber der liebeschimathtende Mann an threr Sette tat thr herz­Itch leid, deshalb suchte sie thn so gut als möglich zu trösten.

So brach der Abend an, ohne daß Röschen noch einmal zum Vorschein gekommen wäre.

Dem guten alten Förster war die ganze Sache äußerst peinlich. Er wünschte im Stillen, die beiden Freunde wären nie hierhergekommen, den Frieden und das Glück setnes Lieblings zu stören.( Forts. folgt.)