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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 25 Pfg. monatlich vi- rteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b..
Nr. 25.
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Telephon: Nr. 362.
Vom Balkankrieg.
Aus London, aus Wien und durch die„ Nordd. Allg. 3tg." ist am Osterfeste bestätigt worden," daß Desterreich und Rußland sich über die Skutari und Djakowafrage geeinigt haben. Skutari wird albanisch, Djakowa serbisch. Damit wäre die Abgrenzung Albaniens im Norden, soweit die Großmächte und ihre Diplomatie in Frage kommen, erledigt, und die Botschaftervereinigung wird sich nunmehr mit der Abgrenzung des neuen Fürstentums im Süden beschäftigen.
In der Skutarifrage weiß man noch nicht, ob Desterreich aus seiner Forderung, Montenegro solle die Feindseligkeiten einstellen und der Zivilbevölkerung freien Abzug aus der Festung gewähren, ohne Rücksicht auf die Kleinheit des Gegners eine Prestigefrage machen wird, es hat eine ultimatumähnliche Note an Montenegro gerichtet.
Die zweite Forderung Desterreichs bezieht sich, wie bekannt, auf die Angelegenheit des Dampfers Skodra. Montenegro hat die Untersuchung des Zwischenfalles versprochen.
Die dritte Frage, die Ermordung des Prie= sters Palic und die anhaltenden 3wangsbe= lehrungen von Katholiken und Mohammedanern zum orthodoxen Christentum, ist von der Wiener Regierung zwar ebenfalls als sehr wichtige und dringende Angelegenheit behandelt worden, da sie sich als schwere Verletzung des Völkerrechts darstellt, aber es scheint, als ob sie dieser Forderung nicht ebenso starken Nachdruck gegeben hat wie den beiden anderen.
Laut amtlicher montenegrinischer Quelle unter= nahmen auch der italienische und der russische Gesandte im Auftrage ihrer Regierungen Schritte beim Minister des Aeußern und verlangten nachdrücklichst, daß die Zivilbevölkerung von Skutari die Erlaubnis erhalte, die Stadt zu verlassen, und daß bis zu dem vollzogenen Abzuge die Beschießung eingestellt bleibe.
Auch Rußland ist jetzt endlich in Cetinje sehr energisch aufgetreten und hat die Einstellung der Feindselig feiten dringend nahegelegt.
Cetinje, 25. März. Die montenegrini che Regierung übermittelte den Vertretern der Möchte eine 3irkularnote, in der sie das Verlangen Desterreich- Ungarns, die Operationen vor Skutari einzustellen, bis die dortige Zivilbevölkerung die Stadt verTassen könne, und gegen die Drohung mit Zwangs
maßregeln, falls Montenegro diesem Verlangen nicht entsprechen würde, Protest erhebt. Montenegro erklärt,
Die Nachbarn vom Heideland.
Roman von Ludwig Blümde. ( Nachdruck verboten.)
Nach einer Weile sagte Lorenzen:„ Scht nur den Schwindler, den Lumpenhendrik da drüben, wie er das Geld einſcharrt!" und alle Aufmerksamkeit richtete sich auf den Trödler, der eben dabei war, einem Arbettsmann ein Mittel für seine verherten Schweine aufzureden. Und er schien Glück zu haben, denn schon griff der Mann mit bekümmerter Miene und mit einem tiefen Seufzer in die Tasche, um die zwei Taler herauszuholen, die das Amheilmittel kosten sollte. Aber da erhob sich Lorenzen, langsam und bedächtig, ohne mit der Miene zu verraten, was in ihm vorging. Unrecht mochte er nun einmal nicht dulden. Er hatte sich dadurch schon manchen Feind gemacht; aber so bescheiden und zurückhaltend er auch sonst war, sah er, daß jemandem Unrecht zugefügt wurde, so griff er Partei für den, mochte es auch sein ärgster Widersacher sein.
Du wirst Dich doch nicht darein mischen?- Sei doch kein Narr!" flüsterte der Zingler Hansen.„ Der Lumpenhendrik könnte sich bitter an Dir rächen, der wirft Dir Teufelskram in Deinen Kuhstall. Du magst daran glauben oder nicht, ich weiß, daß der Schuft das fann."
„ Ach was, der Peter Niels ist bettelarm, dem sollen nicht seine letzten Taler abgeschwindelt werden." Damit schritt der Alte vom Moorhof langsam und stakelig an die beiden Leute heran, gerade als der Schwindler das Geld einstreifen wollte. Durchdringend, als wollte er ihm bis in die schwarze Seele schatten, blickte der Moorbauer Hendrik an und sagte mit fester Stimme: Du gibst das Geld zurück! Schäme Dich, Du alter Schwindler, Du verdientest, daß ich Dich sofort vom Genbarm verhaften ließe."
Ha, ha, ha, Du- Moorwurm, mich verhaften
Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 26. März 1913.
diese Forderung Desterreich- Ungarns als eine Verletzung der Neuträlität zu betrachten.
Wien, 25. März. Die montenegrinische Regierung stimmte inzwischen den österreichischen Forderungen über den Abzug der Nichtkämpfer von Skutari und der Einstellung des Bombardements während des Abzuges zu. Die montenegrinische Regierung entsendet zur Erfüllung dieser Forderungen Parlamentäre zu dem Kommandanten von Skutari, Essard Pascha. Oesterreich behielt sich vor, die Verhandlungen Montenegros mit Essard Pascha zu verfolgen und nötigenfalls neue energische Schritte vorzunehmen.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
25. Jahrg.
An der Ischa taldschalinie scheinen dagegen die Bulgaren sehr ins Gedränge geraten zu sein, denn sie wandten sich an die Griechen mit der Bitte um Hilfe. Der griechische Generalstab beschloß, den Bul garen Hilfstruppen in der Stärke von 5 Divisionen zu bewilligen unter der Bedingung, daß König Kontantin als Generalissimus die Oberleitung der ver
bündeten Armeen übernimmt.
Die Montenegriner, die seit 5 Monaten mit Zwischenpausen die Stadt beschießen, gestalteten seit drei Wochen das Bombardement intensiver, auch des Nachts, sie wollen Skutari zerstören.
berufung eines Kongresses der Albaner nach Das jungtürkische Komitee betreibt die EinKonstantinopel, der Protest gegen die Unterstellung einlegen soll, Albanien wünsche einen christlichen FürDas Komitee erwirkte ferner die Ausweisung einiger Führer der Albaner, die gegen die Absicht der Jungtürfen opponierten.
Montenegro stimmte ferner zu, daß als Vertreter Desterreichs der österreichische Vizikonsul in Prizrend, v. Poezel, an der Untersuchung des Martertodes des Franziskanerpaters Palic in Djakowa teilnimmt, sie ladet aber auch die Vertreter anderer Mächte zu dieser Unterſten. suchung ein. Desterreich erklärte, hiergegen nichts einwenden zu wollen.
Die montenegrinische Regierung entsandte einen besonderen Funktionär behufs strenger Untersuchung des Falles„ Skodra", und gab gleichzeitig die Erklärung ab, eventuelle Schuldige streng zu bestrafen.
Gestern früh wurde vor Adrianopel der Generalsturm auf allen Sektoren gegen die vorge= schobenen Positionen der Türken und alle befestigten Punkte unternommen. Der Ostsektor wurde im Sturm
genommen.
Sir Edward Grey riet der Türkei und den Verbündeten, die Vermittelungs- Vorschläge der Mächte anzunehmen, riet den letzteren jedoch ab, eine Entschädigung von der Türkei zu fordern.
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Marine
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Amtlich wird aus Cetinje gemeldet, daß sich Dschavid Pascha mit 15 000 Mann am Flusse Stumbi den Serben ergeben hat.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise werden sich am 27. März abends von Potsdam zu längerem Aufenthalt nach Homburg v. d. Höhe begeben.
Der Kaiser richtete an den Prinzen Leo- pold von Bayern ein Handschreiben, in dem er den Prinzen seiner Stellung als Generalinspekteur der vierten Armeeinspektion enthebt und ihn zum Chef des Infanterie- Regiments v. Alvensleben( 6. Brandenb.) Nr. 52 ernennt. In einem Handschreiben an den Prin
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lassen? Was sut Dir ein?- Der Handel ist abge= schlossen!"
Als nun aber auch der Riese vom Eichhof, vor dessen „ eiserner Faust" der Humpelhendrit schon lange großen Respekt hatte, näher kam, um ein Wort mit drein zu reden, da schlug dieser andere Saiten an.„ Da, nimm den Bettel, wenn Du diesen Heidebauern mehr glaubst als einem weltgewandten Manne, nimm, nimm, ich brauche wegen meiner Ware nicht viel Worte zu machen, die findet überall reißenden Absaz."
Der Arbeiter steckte mit einem Seufzer der Erleichterung sein sauer verdientes Geld wieder ein und schaute Lorenzen dankbar an. Der Trödler aber murmelte etwas vor sich hin, das niemand recht verstand, nahm setnen Kasten auf den Buckel, tat noch einen träftigen Zug aus der Schnapsflasche und wanderte davon, in der Rich= tung nach dem Gehölz der königlichen Forsten. Man vergaß ihn und plauderte in immer fideler werdender Stimmung gemütlich weiter, während drinnen das junge Volt des Tanzens nicht satt wurde. Thorö freilich war desselben überdrüssig, trotzdem Hermine ihn bei dem Damenpolka sehr ausgezeichnet, um ihn versöhnlich zu stimmen. Er zog sich von der Jugend zurück und setzte sich zu den Alten. Daß er so vorzüg= lich schießen konnte, imponierte dem Eichbauer ganz besonders an ihm; aber auch den übrigen gefi er, nachdem sie ihn etwas näher kennen gelernt. I verstand es, auf diesen schwerfälligen, wohl mißtrauischen, aber doch leichtgläubigen Bauernschlag durch seine glatten Worte, seine abenteuerlichen Erzählungen gewaltigen Eindruck zu machen. Das Vorurteil, das man anfäng= lich gegen ihn gehegt, weil man gehört, er hätte seinen Vorgänger, den alten Müller Rita, auf gemeine Wucherweise an den Bettelstab gebracht, schwand mehr und mehr. Er wußte ja auch alles so recht schön etnleuchtend darzustellen, wie er nach Arendrup gekommen und warum er die Mühle hätte übernehmen müssen. Nur,
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um dem besten Freunde sein letztes zu retten, wäre er hierher gekommen. Der hätte sein bißchen Geld am Mühlengrundstück stehen und würde es verloren haben, wenn der alte Riis noch länger in seinen Schulden ge= wirtschaftet hätte. Der Mann mußte recht leichtsinnig gewesen sein.
Da regte sich plößlich in Lorenzen das Gerechtig= teitsgefühl wieder start. Er unterbrach Thorö durch lautes Räuspern, fuhr sich mit der braunen, schwieligen Hand durch sein graues Haar und sagte:„ Verzeihen Sie, Herr, aber das stimmt nicht, wir wissen das besser! Riis war nicht mein Freund, aber ich kann nicht dulden, daß man ihm nachsagt, er wäre leichtsinnig gewesen. Ganz und gar nicht! Unglück und schlechte zetten, der Krieg vierundsechzig und was alles für ihn damit zusammenhing, die Politik nicht zuletzt, das machte ihn morsch. Und dann fiel er Halsabschneidern in die Hände."
Thorö hatte so eine vornehm überlegene Art zu lächeln, daß dieselbe Lorenzen wohl in diesem Augenblick gereizt haben würde, wenn er fein fluger Mann ge= wesen wäre, flug, troßdem er kaum lesen und schreiben konnte. Sein Nachbar Hinrichsen konnte beides recht gut, war aber in manchem lange nicht so klug wie er. Das räumte der als ehrlicher Mensch auch ohne weiteres ein. Ihn verlegte denn, leicht aufbrausend wie er war, des feinen Herrn überlegenes Lächeln, und erregt rief er aus:„ Was Lorenzen sagt, pflegt zu stimmen! Er hat einen klaren Bild und sieht nur in eingien Sachen etwas trübe! Der alte Rits war kein Lüderjan, wie Sie zu denken scheinen. Er war ein fleißiger, or= dentlicher, nüchterner Mann, das weiß Gott. Wenn wir nicht auf gutem Fuß mit ihm standen, so tam das sur daher, daß wir deutsch gesinnt und er dänisch war!"
( Fortsetzung folgt.)


