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Gießener Zeifung
Bezugspreis 25 Pfg. monatlich sterteljährlich 75 Pig., vorauszahlbar, frei ins Haus. abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabeftellen siertelfährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstage. Redaktion: Selters.
volles Fest verleben, wenn der goldene Lohn dafür erschiene. Und in seligen Zukunftsgedanken rechneten sie beide kaum mit der Möglichkeit, daß dieser Lohn ausbliebe.
Siestreiften weiterdurch hastig plaudernde Menschen, deren Leiber Belze umhüllten, und sie sahen auch mit traurigen Augen, mitleidvoll, die anderen Armen, die zerlumpt und still an den Mauern vorüberschlichen. Sie wünschten allen ein schönes reiches Fest... Die kleine plaudernde Frau aber bekam ein strahlendes Gesicht, als sie an den prunkvoll geschmückten Schaufenstern vorbeigingen, an denen sich die Menge neugierig staute, und sie warf harmlos verlangende Blicke hinter die blitzenden Scheiben. Eine neue Boa war ihr erster Wunsch, und wie sie ihren Hals von der alten befreite- siehe, da zeigte es sich, daß diese Boa zerschabte häßliche Stellen trug, die nur weibliche Kunst geschickt verdecken konnte. Die junge Frau war nun, in der milden Kälte, von dem vielfachen Schauen fast erhitzt, und ihre Augen leuchteten wie Erz. Sie gingen langsam weiter, und immer andere Schäße fesselten ihre Blicke; seidene Stoffe lagen prunkend ausgebreitet, schimmernde Strümpfe und kokette Schuhe hoben sich wirksam von dunklen Samtstoffen ab.- Und immer wieder traf den Mann ein fragender Blick, und er nickte ein sicheres Ge währen.
So gingen sie durch die strahlenden Straßen, und der Schnee fiel in einem milden Rhythmus um die Menschen, und in der Luft schwangen schwärmerische Weihnachtsmelodien...
Aber das Schicksal geht zuweilen geheimnisvolle Wege, und dem Menschen bleibt nichts übrig, als sich in Demut zu fügen.-
Das Heim des jungen Menschenpaares lag draußen in der Waldkolonie, nahe der Stadt, wo der Reichtum aus allen Fenstern lodert, wo hinter hohen Scheiben nichts
als Glück zu wohnen scheint. Dort hatten sie, in einer der bescheideneren Villen, eine kleine Wohnung im Erdgeschoß gefunden, eine Stube und eine Küche, und hier waltete die junge Frau mit Liebe und Geschicklichkeit. Sie legte Decken und Seidenfeßen um alle Löcher und Risse der Tapeten, sie sorgte für saubere freundliche Gardinen und hatte aus dem trüben Vagabundenheim bald eine gemütliche Wohnung gemacht. Jetzt in der Weihnachtswoche war sie ohne Ruhe tätig, scheuerte und wusch vom Morgen bis zum Abend und lugte zu gewissen Stunden, wenn der Briefträger seine schweren Tritte dröhnen ließ, durch die Fenster, ob er die wildersehnte Antwort brachte... Indessen saß der Mann am Schreibtisch, und dann und wann glitt eine Trauer über sein Gesicht. Er fühlte die Lage entschwinden, ohne daß die Antwort kam; er sab sein letztes Geld im Spalt der Lagesnot versinken- und is gewissen Momenten erfüllte ihn eine trübe Schwermut ganz und gar. Aber wenn
Expedition: Seltersweg 83.
feine kleine Frau sich lächelnd im Türrahmen zeigte, war aller Gram verweht, und stürmisch schlossen sie die Arme umeinander.. Bis endlich der graue Lag erschien, der alle ihre Hoffnungen zertrümmerte wie einen faden Trug! Die Klingel schrillte, Schritte dröhnten am Fenster vorbei, und gleich darauf kam die junge Frau, kalkblaß, in das Zimmer und überreichte dem Manne ein dickes Kuvert, das seine abgelehnte Arbeit enthielt! Mit zuckendem Munde gab sie ihm den Brief. Kein Wort kam von ihren Lippen, und, ohne einander anzusehen, schlossen sie sich eng in die Arme...
Wortlos verging der Lag; und auch der nächste folgte ihm in trübem Dämmern. Aber als der Heilige Abend heranrückte, war die kleine tapfere Frau die erste, die den Mut zu einem Lächeln fand. Sie setzte sich auf ihres Mannes Schoß, umfaßte ihn voll Liebe, sprach zu ihm von der Unvernunft gewisser
Menschen, die einem die schönsten Hoffnungen kaltblütig vernichten, umging mit frauenhafter Gewandtheit alle bitteren Gedanken und fchmeichelte und lachte, bis der Mann die Schwermut zur Seite schlug wie einen dunklen Schleier und sein Weib, mit getröstetem Gesichte, dankbar auf die Lippen küßte.
So kam der Abend herbei- sie 30gen ihre Mäntel an, und die junge Frau nahm verstohlen die alte zerschabte Boa vom Haken; sie schlang sie so kunstfertig um den Hals, daß
sie wirkte wie eine neue frischge= taufte Boa. Sie schlossen ihre Tür ab, und gingen durch die winterlich stillen Straßen der Waldkolonie. Letzte hastige Menschen eilten, paketbeladen, über die Wege; der Schnee legte eine schimmernde Decke auf Villen und Gärten, und ein heiliger Atem ging durch die eiskalte Luft.. Aus knatternden Automobilen stiegen sehrsüchtig erwartete Väter, die alle Laschen voller Geschenke trugen; die Gittertore klappten kurz und hallend zu, als wollten sie nun niemand mehr einlassen, der das Weihnachtsidyll stören könnte.
Die beiden jungen Menschen aber gingen armverschränkt durch die weißen Straßen, sie drängten sich fest aneinander und fühlten ihre Armut nicht. Sie sahen die schlanken Weihnachtsbäume hinter hellen Scheiben leuchten, und frohe Kinderstimmen drangen bis zu ihren Ohren. Weihnachtsmelodien, sanft und friedevoll, ertönten aus den Sälen, und die hohen Tannen des Grunewaldes sahen mit ernsten Blicken in die Fenster zu ihren Schwestern hinein, die dort, mit Gold verhängt, strahlten zu der Menschen Freude...
Hand in Hand gingen die jungen Lebensgefährten weiter, und im Scheine einer flockenumtanzten Laterne neigten sie die Lippen zueinander und küßten sich, indes von fernen Türmen sanfte Glocken in die stille Weihnacht hineinläuteten. vas klang wie ein Symbol des Friedens...
Gießener Tageblatt)
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aus der Gruppe sowohl der Arbeitgeber als 3ersicherten vorgesehen ist. Diese getrennte g ist bei dem Vorstande der Ortskrankenkasse ahl des Vorsitzenden, der Anstellung, Kün> Entlassung der Kassenbeamten, der AufstellDienstordnung, welche für die Kassenbeamten rden muß, erforderlich, und im Ausschuß bei 1 Satzungsänderungen und bei BeschlußfasErhöhung der Beiträge über ein gewisses
ufsicht über die Krankenkassen eines Krei15 Versicherungsamt; dieses entscheidet auch nstanz alle Streitigkeiten in der Krankenver die zwischen Versicherten und Krankenkassen en verschiedenen Krankenkassen entstehen. Das samt ist als eine Abteilung für Arbeiterveri dem Landratsamte oder dem Magistrat er. Vorsitzende des Versicherungsamtes ist der er der Bürgermeister, aber für ihn sind ein e Stellvertreter bestellt. Dem Versicherungsen als Beisitzer außerdem Vertreter der Arid Arbeitnehmer an. Wählbar sind hierzu, pt bei allen Versicherungsbehörden nur Mändem Versicherungsamte steht das Oberverit, das gewöhnlich an höhere Staatsbehör3reußen an die Regierungen- angegliedert Oberversicherungsamt, dessen Zusammensetzes Versicherungsamtes ähnlich ist, ist die 3 für die meisten Streitigkeiten aus der herung und entscheidet in allen Aufsichtsen der Krankenversicherung endgültig. In en, z. B. bei einem Streite darüber, ob zu zahlen ist, entscheidet als letzte und oberste iber nur als Revisionsinstanz das Reichsimt.
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Politische Rundschau.
Deutschland.
die amtlichen Braunschweigischen Anzei, ist zum 1. Februar 1914 anstelle des rs Hartwieg zum Vorsitzenden des Herzogministeriums und zum Staatsminister der Iff und zum Minister des Innern der den Geschäften eines stimmführenden Miterzoglichen Staatsministeriums beauftragte Boden ernannt worden.
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