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Gießener Zeitung
Bezugspreis 25 pfg. monatlich
( Neueste Nachrichten)
vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags.. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der., Gießener Zeitung" G. m. b. s.
Nr. 68.
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Telephon: Nr. 362.
Vom Balkan.
Der erste bulgarische Friedensunterhändler ist mit einer besonderen Mission nach Bukarest abgereist. Dieser Mission wird in politischen Streisen große
System, Ha Bedeutung beigelegt.
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arg u. der Internation H sden. Soeben preisgecr ationalen Aerzte- Kongm ondon 1913.
Kostenlos!
Aus Skutari wird berichtet: Von französischer Seite ist dem Chef der Miriditen Prent Bib Toda bei seiner letzten Anwesenheit in Paris geraten worden, ein ulierung des Apparaürstentum der Miriditen zu gründen und fich zum Oberhaupt des neuen Staates ausrufen zu lasrte Broschüre grater. Prenk hat dieses Ansinnen der französischen Diplo anz Menzel maten jedoch entschieden abgelehnt.
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Zwischen den Großmächten sind Verhandlungen über einen neuen Kollektivschritt in Konstantinopel im Gange. Es soll der Pforte eine Note überreicht M., Gleiwitz, Hank bent, in welcher unter Androhung der finanziellen Aushungerung gefordert wird, die Truppen auf die Linie Enos- Midia zurückzuziehen.
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Cholera auf dem Balkan.
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Unter den unangenehmen Restbeständen, welche die Balkanwirren hinterlassen haben, befindet sich einer, der
nicht bloß die Diplomatie, sondern auch das große Pubitu sehr stark interessiert, nämlich die Cholera. In den Balkanländern selbst grassiert sie noch mit erschreckender Heftigkeit sind doch nach einer Meldung aus Belgrad in den letzten 10 Tagen allein in Serbien 793 Personen an Cholera erkrankt, von denen 131 starben
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Erpedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 23. August 1913.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* An dem Kaisermanöver werden drei 3ep= pelinluftschiffe und das neue Luftschiff„ M. 4", sowie 50 Flugzeuge teilnehmen.
* Die großen Flotten- Herbstmanöver werden mit der Zusammenziehung sämtlicher Flottenteile am 26. August in der Nordsee ihren Anfang nehmen, unter dem Oberbefehl des Vizeadmirals von Ingenohl, und am 15. September beendet sein. Zum ersten Male wird das Marine- Luftfahrwesen an den Flotten- Herbstmanövern durch die Luftschifferabteilung und die Fliegerabteilung beteiligt sein.
Desterreich.
Wien. Es heißt mit Bestimmtheit, daß Prinz Fürstenberg zum Nachfolger des Grafen Berch told ausersehen sei, und daß er noch vor dem Zusammentritt der Delegationen im Herbst diesen Posten übernehmen werde.
*
Erzherzog Franz Ferdinand, der österreichisch- ungarische Thronfolger, den man die politisch wichtigste Persönlichkeit Europas genannt hat, wurde vom Kaiser Franz Josef am 83. Geburtstage des Kaiſers zum Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht Desterreich- Ungarns ernannt. Der letzte Inhaber dieser Charge war der 1817 geborene Erz herzog Albrecht, der sich in den Jahren 1843 und 1849 in Italien auszeichnete, 1863 Feldmarschall wurde, am 24. Juni 1866 bei Custozza über den italienischen Feldherrn Lamarmora siegte und sich um die Reorganisation der österreichischen Armee hoch verdient machte. Er starb 1905.
und von dort hat die Epidemie nach Bosnien übergegriffen, wo sie allerdings bisher noch keinen epidemifchen Charakter aufweist. Jedenfalls hat die Eisenbahnverwaltung sich bereits zu Vorsichtsmaßnahmen gegen die Einschleppung der Seuche veranlaßt gesehen, und laut einer im Reichsanzeiger" veröffentlichten Bekanntmachung sind infolge des Auftretens der Cholera in Smyrna die aus den Häfen Kleinasiens nach einem Der Friedensfongreß im Haag bedeutschen Hafen kommenden Schiffe und ihre Insassen schäftigte sich mit den Fragen der friedlichen Vollstreck bis auf weiteres vor der Zulassung zum freien Verkehrung von Schiedssprüchen, besonders mit dem Entwurf ärztlich zu untersuchen. einer internationalen Polizei von dem holländischen Professor van Vollenhoven.
Rumänien hat, um eine Einschleppung der ngehende Dankschre Cholera durch die zurückkehrenden Truppen zu verhüten, riseur- Lehrling umfassende Maßregeln getroffen. Das Truppengros be findet sich bereits in der Nähe der Donau, die bei Coolontär ger rabia, Zimnicca und Magurelle überschritten werden Aff, Licherstrakt wird. Diejenigen Truppen, bei denen Cholera festge- stellt worden ist, müssen eine 5tägige Quarantäne an der Donau einhalten, bevor sie in die Friedensgarnisonen abrücken dürfen. Den amtlichen Bulletins zufolge betrug die Zahl der Todesfälle in der Armee Offiziere und 867 Mann.
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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank.
( Nachdruck verboten.)
Jäh wandte er sich um. Schroff und herrisch fragte er:" Nun?"
Und dieses„ Nun" weckte den Grafen aus seinem Träumen und Grübein, es erweckte den Troß in ihm und eine Stimme sprach:„ Gerade nicht!" Laut er= widerte er:„ Ich bedauere, ich kann den Vorschlag nicht annehmen, denn er entehrt mich. Ich will versuchen, aus eigener Kraft emporzukommen und zu fühnen, was ich verschuldet habe. Die Kinder sind mein, ich will sie erziehen."
In diesem Augenblick waren ihm seine Worte bitter ernst. Er wollte anders werden, sich aufraffen aus seiner Lethargie.
Fürst Bogdan schaute prüfend seinen Schwiegerfohn an. Wenn es nur wahr ist, was er sagt,“ dachte er, denn er konnte ja nur wünschen, daß Warminski sich hielt, schon um der beiden Mädchen, seiner Enkeltinder willen mußte er das wünschen. Und dann konnte er es ja nur begreiflich finden, daß Warminski seine Kinder bei sich behalten wollte, um sie selbst zu erzie= hen. So uahm er ihm die Ablehnung nicht sonderlich bel, im Gegenteil, er freute sich darüber, denn es war doch sicher kein schlechtes Zeichen, daß Warminski selbst durch die in Aussicht gestellte Geldsumme in seinem Entschluß nicht beeinflußt wurde. Andererseits erschien es ihm unwahrscheinlich, daß er sich hier auf die Dauer hielt, daß er nicht wieder in sein Lotterleben zurückfiel. Wenn man den Mann mit seinen reichen Geistesgaben dazu bewegen könnte, sich nach irgendeiner Richtung hin zu betätigen. Aber wie sollte man das beginnen? Ja, wer das wüßte! Da fiel ihm etwas ein und er sagte:„ Es war nicht so böse gemeint, ich wollte
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Holland.
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Italien.
*. Das italienische Königspaar beabsichtigt den Besuch in Montenegro, der schon nach dem Lausanner Friedensvertrag geplant war, damals aber durch den Ausbruch des Balkantrieges verhindert wurde, nunmehr Anfang September abzustatten, sofern teine neuen Verwickelungen eintreten. Die Königsjacht„ Trinatria" wird das Königspaar am 7. und 8. Septbr. in Neapel aufnehmen und nach der Bucht von Anti
Dich nicht verlegen. Sieh einmal, Warminski, Du wirst Dich für den Augenblick selbst nach Veränderung sehnen; komm mit Deinen Kindern zu uns nach Tatischan! Bei uns findest Du Landwirtschaft und Industrie vereinigt, Du wirst unserem Betrieb sicher Interesse abgewinnen und auch meine Frau wird sich freuen, die Mädels solange bei sich zu haben. Willst Du?"
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Graf Warminski fühlte sich durch diese Einladung geschmeichelt. Es tam ihm vor wie Erlösung aus drüffender Enge, daß er endlich einmal Krzemien verlassen durfte. Seit Jahren war er von kleineren Reisen abgesehen nicht mehr herausgekommen, und jetzt erfaßte ihn mit einem Mal die Sehnsucht, hier alles stehen und liegen zu lassen. Darum nahm er die Einladung seines Schwiegervaters an. Den Sommer wollte er mit den Kindern in Tatischan verleben und von da aus eine größere Reise unternehmen. Fürst Bogdan nahm freudig von Warminski und den Kindern Abschied und fuhr fort.
Hei, gab das bei Jadwiga und Elawa eine Freude! Der Vater war zu ihnen gekommen, hatte sie an sich gedrückt und ihnen erzählt, daß sie in wenigen Tagen abreisen würden. Zu Großmama und Großpapa?" fragten sie. Der Vater bejahte. Da stürmten sie jubelnd fort, um Fräulein Benken die Neuigkeit zu berichten. Der Graf folgte ihnen und fragte das Fräulein, ob sie mit der Reise einverstanden sei; denn es war ja selbstverständlich, daß während einer so langen Zeit der Unterricht der Mädchen nicht unterbrochen werden durfte. Fräulein Benken hatte natürlich nichts einzuwenden, und so wurde die Reise auf den folgenden Donnerstag festgesetzt.
Nur einer war traurig, als er erfuhr, daß die Herrschaften in Kürze abreisen sollten, und das war natürlich Jan Sojka. Noch am selben Abend waren Jadwiga, Slawa und Fräulein Benten zu ihm gekommen, und
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
25. Jahrg.
vari bringen, von wo die Weiterreise nach Cetinje erfolgt. Das Königspaar gedenkt dort etwa acht Tage zu bleiben.
Rus Stadt und Land.
Die Hauptversammlung des Hessischen Landesverbandes des Deutschen Flottenvereins findet Sonntag, den 24. d. Mts., in Schotten statt.
Die Tagung beginnt 10,30 Uhr vormittags. Eine zahlreiche Beteiligung ist zu erwarten.
Handwerkskammer zu Darmstadt. Die Beschlüsse der 18. Plenarversammlung betreffend die Regelung des weiblichen Lehrlingswesens haben nunmehr die Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern gefunden. Hierdurch sind Kontrollvorschriften entgültig festgelegt, die die Handwerkskammer in die Lage versezen, die Lehrlingsverhältnisse in weiblichen Handwerksbetrieben zu überwachen und Versuchen vorzubeugen, die gesetzlich festgelegten Lehrzeiten zu umgehen. Insbesondere kommt hierbei die Beschäftigungsweise von Mädchen, die sich in einem weiblichen Handwerkszweig nur einige Kenntnisse für den eigenen Hausgebrauch erwerben wollen, in Betracht. Von Lehrverhältnissen im Sinne der Gewerbeordnung fann in solchen Fällen nicht gesprochen werden. Diese Beschäftigungsart wurde jedoch nur allzu oft von Personen, die sich von der Notwendigkeit der Heranbildung eines ordnungsmäßig ausgebildeten Nachwuchses nicht überzeugen wollten, dazu benutzt die bestehenden Vorschriften über den Abschluß wies sich weiter nötig, die Uebergangsbestimmung für zwei oder dreijähriger Lehrverträge zu umgehen. Es erAblegung der Gesellenprüfung im weiblichen Handwerk zu verlängern, um auch den Personen, die vor Unter= stellung der weiblichen Handwerksbetriebe unter die Gewerbeordnung die Lehre beendeten, die Teilnahme an der Meistervrüfung noch zu ermöglichen. Nunmehr ist bestimmt: Gewerbetreibende, die in den Betrieben der Kleidermacherei, Putzmacherei, in der Weißnäherei, Stikferei und in Friseurbetrieben solche weibliche Personen aufnehmen, die das Gewerbe nur für ihren eigenen Hausgebrauch erlernen wollen, sind verpflichtet, der Handwerkskammer binnen 4 Wochen nach dem Eintritt hiervon unter Benutzung des von der Hand- werkskammer zu beziehenden Formulars( Lehranzeige) Anzeige zu erstatten. Des Abschlusses eines Lehrvertrags und Zahlung der Einschreibgebühr bedarf es in solchen Fällen nur, wenn die Dauer der Beschäftigung 6 Monate übersteigt. Der Lehrvertrag muß dann über die Dauer der gesetzlich festgelegten Lehrzeit abgeschlossen werden und wird die bereits verbrachte Zeit in Aufrechnung gebracht. Im übrigen haben die Vorschriften zur die Kinder erzählten freudestrahlend, was der Vater ihnen versprochen hatte. Erst merkten sie gar nicht, daß Jan traurig war und schwieg ,, denn ihre Plappermäulchen gingen wie Spinnrädchen und ihre Augen leuchteten vor Lust. So eine Reise war für die Kinder ja an und für sich ein Ereignis. Und dann zu Großmama! Die tannten sie ja taum, denn es war schon lange her, daß die alte Dame Krzemien besucht hatte. Aber was hatte sie damals für prachtvolle Geschenke mitgebracht! In diesen Erinnerungen schwelgten die Mädchen, und Jan Sojta saß still in seinem gepolsterten Lehnstuhl und blickte mit resigniertem Lächeln auf die Kinder.„ Ach, Du lieber Gott," dachte er, das ist nun mal der Anfang, denn wenn sie erst größer werden, dann hört das alles von selbst auf, dann werden sie vornehm wie die verstorbene Mama, und dann kommen die Freier und führen sie fort, die eine hierhin, die andere dorthin. Ich bleibe allein mit meinen Bildern, die nicht sprechen, und mit meiner großen Sehnsucht. Fräulein Benten nahmen sie auch mit! Ja, ja, ich soll halt wieder einsam sein wie damals, als-
Jan, Du sagst ja gar nichts!" meinte da auf ein= mal Jadwiga, und auch Slawa hörte auf zu erzählen und zu fragen.
Und Jan sagte noch immer nichts. Die Erinnerungen waren zurückgekehrt. Einsam, einsam! hatte es aus allen Ecken seines Häuschens gerufen, und das hatte ihn bange und still gemacht. Das mochten selbst die Kinder fühlen, daß der alte Mann traurig war, sie hatte thn ja selbst so lieb. Slawa sagte: Jan, wir kommen bald wieder, nicht wahr, Jadwiga?" Die nickte. Und dann sprangen sie beide um ihn herum und schmeichelten ihm und streichelten seine Hunde und die schnurrende Kaze. Da fam die Sonne, die einen Augenblick hinter dicken Wolken gesessen, in Sojfas Seele, und er wurde wieder froh und lustig. ( Forts. folgt.).


