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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwoche und Samstags. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der.. Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 33.

Telephon: Nr. 362.

Deutsche Militärflieger- debung.

Ueber die vorgestern stattgefundene Uebungsfahrt der Darmstädter Flieger liegen folgende Meldungen vor:

3 weibrüden, 22. April. Heute früh 5.15 Uhr tiegen in Darmstadt sämtliche dort stationierten vier Flugapparate zu einem Uebungsfluge nach Metz auf. Als erster erschien gegen 7 Uhr in Zweibrücken der Euler- Doppeldecker B. 44" mit Leutnant Reinhardt von der Fliegerstation Darmstadt als Führer und Leutnant Ritter als Beobachtungsoffizier. Der Apparat landete auf dem Exerzierplatz der hiesigen Garnison. Die drei weiteren Apparate folgten in furzen Zwischenräumen, m ohne Landung den Flug nach Metz fortzusetzen. Leutnant Reinhardt hat die Strecke Darmstadt- 3wei rücken bei leichtem Ostwind in 2 Stunden 3 Minuten urückgelegt. Er hielt sich durchschnittlich in 1430 Meter Höhe und hat mit seinem Fluge den 2 Stunden- Preis der deutschen Nationalflugspende erworben. Seine Wei­terfahrt nach Metz erfolgt nachmittags gegen 4 Uhr.

Ein deutscher Militärflug- Apparat in Frankreich gelandet! Dienstag früh 5% Uhr stiegen in Darmstadt sämt­liche dort stationierten vier Flugapparate zu einem Ue­berlandsluge nach Metz auf. Ein Flugapparat hat sich im Nebel nach Frankreich verirrt und ist kurz vor 8 hr morgens bei Arracourt im Departement Luniville elandet. Der neue Zwischenfall erregt in Frankreich Boehringer, roßes Aufsehen.

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Die Offiziere sind Hauptmann v. Dewall von Der Luftschifferabteilung in Darmstadt und Leutnant b. Mirbach vom 31. Infanterie- Regiment.

Die in Arracourt gelandeten beiden deutschen Offi­ziere erhielten um 5.45 Uhr die Erlaubnis zur Abreise. Um Uhr stiegen sie mit ihrem Apparat zur Fahrt nach Metz auf. Die beiden Offiziere haben die Strecke on Darmstadt bis zur Landungsstelle- 270 Kilo­

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Dankschreiben.

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in zwei Stunden 43 Minuten zurückgelegt. Die französische Regierung hat ihrem 1.3.50, extra after in Berlin, Herrn Cambon, Instruktionen lachnahmeversandjehen lassen, daß er die ganze Aufmerksamkeit der Kai­us, Berlin Nerlichen Regierung auf die wiederholte Lan= dung von deutschen Ballons und Flugzeugen in Frank­eich nahe der Grenze lenken soll und daß er auf die allerbeft. Fabriernsten Unzuträglichkeiten hinweisen soll, die aus diesen fat, berfannt abedauerlichen Vorkommnissen hervorgehen könnten. Der r, Händler, Botschafter Cambon hat den Auftrag erhalten, den deut­tachn. Ed. Adamchen Reichskanzler zu bitten, unverzüglich Maßnahmen 23, Hubertusit. 32 zu treffen, die eine Wiederholung solcher Vorkommnisse 364erhindern. -Derkauf

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Die Nachbarn vom Heideland.

Roman von Ludwig Blümce.

( Nachdruck verboten.) 15) Ewald seufzte und konnte nur sagen: Ja, das fehlte gerade noch!"

Während des Tees. zu dem man Bratkartoffeln und Schinken, war nur vom Krieg, von den Franzosen und Napoleon die Rede. Holm, der es als Autodidakt sehr weit gebracht hatte, konnte recht gut französisch spre= chen. Er hatte als Schneidergeselle in seinen jungen Jahren in der Schweiz und im Elsaß es gelernt. Ja, wer den einfachen Mann so da ſizen sah in seinem Lehnstuhl, und wer ihn die Arendruper Dorfjugend un­terrichten hörte, der ahnte nicht, was alles in ihm steckte, was er gearbeitet und erlebt, was er kannte und wußte. In seinem zwölften Lebensjahr konnte er noch kaum seinen Namen schreiben, denn in die Schule war er sehr selten gegangen, da er von klein auf als armer Wai­sentnabe das Vieh weiden und landwirtschaftliche Ar­beiten hatte verrichten müssen.

Als Schneiderlehrling holte er das Versäumte eint­germaßen nach, und als Geselle, wo er große Reisen machte, lernte er bei seinem Fleiß und der seltenen Auffassungsgabe erstaunlich viel hinzu. Bald sagte ihm das Handwert nicht mehr zu, er wurde Schreiber bei einem Rechtsanwalt und berettete sich in seinen Muße­stunden für den Schullehrerberuf vor. Als er dann sein Examen drüben in Dänemark mit großer Auszeich­mung bestand, da prophezeiten die Examinatoren ihm eine glänzende Zukunft. Einstweilen wurde er Lehrer in dem schleswig- Holsteinischen Dorf Arendrup. Hier herrschten damals traurige Zustände. Da seit Jahr und Tag fein regelmäßiger Unterricht stattgefunden, war die Schuljugend ziemlich verwildert, und Holm hatte feinen leichten Stand. Es blieb ihm wenig Zeit zu set­ten freien Privatstudien, die er gar zu gern fortgesetzt,

Erpedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 23. April 1913.

Vom Balkan.

Sofia. Nach Bulgarien, Serbien und Griechen­land hat jetzt auch Montenegro vorbehaltlos feine zu­land hat jetzt auch Montenegro vorbehaltlos seine 3u stimmung zu den letzten Vorschlägen der Großmächte ausgesprochen.

Belgrad. Die bulgarische Regierung hat über 250 Orden nach hier gesandt, damit diese an serbische Offiziere und Mannschaften, welche vor Adrianopel ge­kämpft haben, verteilt werden sollen. Hiergegen wird eine Agitation eingeleitet, damit diese Orden nach So­fia zurückgeschickt werden sollen, weil angeblich das ser­bische Offizierskorps in Sofia insultiert worden sei.

Konstantinope I, 22. April. Die Waffenruhe, die laut der mündlichen Verabredung morgen abläuft, soll für die Türkei, Bulgarien und Griechen­I and in einem zweimonatigen Waffenstillstand umge­wandelt worden sein.

Nach den letzten Nachrichten errichten die Serben, nachdem sie drei Landsturm- Jahrgänge einberufen ha­ben, mit größter Beschleunigung Feldbefestigungen bei Monastir, Kumanowo und Ueskueb.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 pig.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame Zeile 50 Pfennig Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größt berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bef Konkurs in Wegfall. Plazvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

noch nicht zurückgekehrt waren. In Cetinje herrscht die Ueberzeugung von der Uebergabe Skutaris.

Falls Montenegro nicht einlenkt, werden inter= nationale Truppen in Antivari und Dulcigno landen. Rußland und Frankreich haben bis jetzt ihre Zustimmung nicht erteilt, man erwartet aber, daß sie ihren Widerstand aufgeben und Montenegro ernst­lich von dem Willen Europas überzeugen.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Gmunden. Wie in cumberländischen Hof­treisen verlautet, wird der Gegenbesuch des deut­schen Kaisers beim Cumberländer Hofe im Auguſt er­folgen.

* Der König von Griechenland dürfte, wenn es die politische Lage zuläßt, sich zur Hochzeit der Prinzessin Viktoria Luise nach Berlin begeben.

* Nach längerer Debatte nahm die Budgetkom= mission des Reichstages mit 17 gegen 10 Stim­Kom­men den Zentrumsantrag an, nach dem die König Nikolaus empfing eine größere mandanturen von Karlsruhe, Dresden, Darmstadt und Anzahl montenegrinischer Freiwillige aus Amerifa und Stuttgart als bis zum 30. September wegfallend be= erklärte in einer Ansprache: Ostern, meine Kinder, wer­zeichnet werden. den wir in Sutari gemeinsam feiern."

Montenegro belagert.

Die montenegrinische Grenze ist ge= sperrt; auch ist es untersagt, mit Montenegro in Post- und Telegraphenverkehr zu treten.

Der General sturm auf Skutari ist voll vor= bereitet. Ein serbisches schweres Geschütz ist zurückgelaf­sen. In Stutari herrscht Hungersnot. Nach einer Mel­dung des Piccolo" ließ Essad Pascha den montenegri­nischen Kommandanten nach den Uebergabebe­dingungen fragen, worauf der Kronrat die Ent­sendung von Parlamentären beschloß, die gestern abend

* Der Wehrbeitrag der Fürsten zur Deck­ung der Militärforderungen wird nicht durch das Ge­setz vorgeschrieben, auch soll die Höhe der fürstlichen Beiträge nicht der allgemeinen Neugier preisgegeben werden. Auch hier gilt das Steuergeheimnis.

Desterreich.

Ministerpräsident Lukacs erklärte einem Intervie wer, angesichts der allgemeinen Rüstungen könne auch die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke des Heeres in der Donaumonarchie Aktualität erlangen.

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übrig. Dennech hoffte er zuversichtlich, einmal als Ref­tor einer großen Schule angenehmere Tage zu erleben. Wahrscheinlich wäre dieser sein Lieblingswunsch auch in Erfüllung gegangen, wenn er in den Kriegsjahren von 1848-49 und 1850 mit seiner deutschen Gesinnung und dem brennenden Interesse für die schleswig- Holsteint­sche Sache mehr zurückgehalten hätte. Als Dänemark der Herrschaft über die Herzogtümer behielt, da rächte es sich bitter an der Leuten von Holms Gesinnung und Streben. Nur dem Umstande, daß er in seinem Fache Hervorragendes leistete und daß die ganze Gemeinde Arendrup für ihn eintrat, hatte er es zu verdanken, daß er im Amte verblieb. Aber seine Hoffnung auf eine bessere Stelle mußte er für immer begraben. Er blieb hier in dem Heidedörflein und verwuchs mit demsel­best.-

Das war des alten Lehrers Vergangenheit.

Inge, nun spiele uns etwas auf dem Harmo­nium," sagte Mutter Holm nach dem Tee. Und Vä­terchen, Tu begleitest mit der Geige, wie?"

So ein kleines Konzert pflegte immer den Abschluß von Ewalds Besuch zu bilden. Er schied dann hochbe­friedigt und träumte die ganze Woche von der genuß­reichen Stunde im Schulhause.

Wie er pünktlich um 9 Uhr den Heimweg antrat, da war es bei dem dichten Nebel stockdunkel auf der Heide, so daß er nur langsam vorwärts konnte, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, in das Torfmoor oder in einen der Wassergräben zu geraten. An der Grenze des Eichhofs machte er plößlich halt, denn sein überaus scharfes Ohr vernahm in einiger Entfernung mensch­liche Stimmen. Ein Kichern hörte er, das ihn vermuten ließ, Hermine Mathiesen müßte eine der Ankommenden sein. Gerade so pflegte die zu lachen, er hatte das oft gehört und immer recht unschön und albern gefunden. Hans Aber da die gedämpfte Männerstimme!! Stnrichsen redete nicht so, der pflegte auch, wie sein

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Vater, nicht leise zu sprechen, wenigstens nicht so an­ Das ist Thorö!" haltend wie der dort. Bei Gott, es ist Thorö, und an seinem Arm, eng an ihn geschmiegt, schreitet Hermine Mathiesen! Das glaubt Ewald, trotz des Nebels mit tödlicher Sicherheit zu erkennen.

Nun stehen die beiden still, sie scheinen auch ihn zu sehen. Das Mädchen macht sich los von des Mannes Arm. Dann gehen sie hintereinander weiter.

Ewald fliegt und flimmert es bunt vor den Augen, er knirscht mit den Zähnen, seine Fäuste trampfen sich zusammen, er weiß nicht, was er tut. Hat er die Worte, die ihm eben auf der Zunge schwebten, laut aus­gerufen oder nur gedacht? Hundsfott und Gemeiner Schuft!" lauteten sie.

Er weiß es wirklich nicht. Doch er muß fie wohl ausgesprochen haben, denn da schallt es zurück: Ha, das ist der Lümmel vom Torffönig! Na warte!"

Dann ist wieder alles dunkel und still, unheimlich still. Ich muß vode Gemißheit haben, ich will sie beide zur Rede stellen, das bin ich meinem Freunde schuldig! Wehe ihnen, wenn sie ihn betrogen haben!"-

Damit stolperte er vorwärts, stürzte über einen Torfhaufen, rafft sich auf und weiß nicht, welche Rich­tung er einschlagen soll. Wenn doch ein Stern am Him­mel leuchtete! Aufs geradewohl läuft er weiter. Er ist vollständig verirrt auf seiner eigenen Scholle. Da, ein schwacher Lichtschein!- Ist es etwa ein Frrlicht? Großmutter würde das ganz bestimmt behaupten! Er glaubt es nicht, sondern schreitet dem Lichtschein zu. Nach seiner Berechnung müßte das Mathiesens Gastwirtschaft setn. Und das wäre ihm gerade recht. Da könnte e die Sache gleich weiter verfolgen.

( Fortiebung folgt.)