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ach Nr. 38,

Abzeichen Vereinsbedarf

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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 pig. monatlich

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( Neuefte Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Grscheint Mittwochs und Samstags. Medaktion: Selters­meg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlangter Manusfriste wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 24.

Telephon: Nr. 362.

Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 22. März 1913.

Neue schwere diplomatische Verwickelungen

auf dem Balkan.

Ein montenegrinischer Völkerrechtsbruch.- Das Ultimatum Desterreichs an Montenegro abgelehnt. Der Platz kommandant von San Giovan| Desterreich- Ungarn fordert: Erstens: Freien Ab= ni di Medua wollte den dort vor Anker liegenden zug der Nicht kombattanten aus Stutarie. ungarischen Dampfer Sodra mit Gewalt 3weitens: Die Ermordung des Pfarrers Pater zwingen, Rettungsarbeiten auszuführen, die für das Palic durch die Montenegriner bei Dschakowa muß Schiff sehr gefährlich gewesen wären. Das tür- völlig aufgellärt werden. Desterreich- Ungarn forderte we fische Kriegsschiff Hamidiji" hatte nämlich griechische gen der bestialischen Ermordung des Pfarrers eine Un­Transportschiffe, auf denen serbische Soldaten waren, tersuchung mit Zuziehung von österreichisch- ungarischen beschossen. Es tamen 4 Transportschiffe zum Sinten, Konsulatsbeamten durch die Montenegriner. Drittens: und dabei waren zahlreiche Serben ins Meer gefallen. Sofortige Einstellung der Zwangsübertritte zur Ortho­Als der Kapitän Blazjech sich weigerte, erklärte der doxie in Albanien. Viertens: Für die Gewalttaten, die montenegrinische Platzkommandant, er werde gegen die Besakung des Dampfers Skodra" in San ihn und die ganze Bemannung der Skodra" füsilieren Giovanni die Medua begangen wurden, muß volle lassen. Gleich darauf erschien ein montenegrini Genugtuung geboten werden. scher Gendarm auf dem Schiff und zwang Heizer und den Maschinist en mit vorgehal fenem Revolver, das Schiff unter Volldampf zu setzen. Der Hafen kommandant erteilte dem Kapitän Blazjech auf Nachsuchen die Erlaubnis zur Ausfahrt nach Fiume. Kaum war der Erlaubnisschein erteilt, da nahm ihn der Platz kommandant an sich und ver­weigerte die Herausgabe. Jetzt machte Blazjech kurzen Prozeß, ging auf sein Schiff und dampfte mit Volldampf nach Fiume.

den

Desterreich kann sich diesen Völkerrechtsbruch nicht gefallen lassen. Es hat auch angesichts der montenegri nischen Greueltaten in Albanien und wegen der Be­schießung von Skutari an Montenegro ein befristetes Ultimatum gestellt, und wenn die neuesten Meldun­gen richtig sind, auf dieses Ultimatum ist eine a ble h- nende Antwort erfolgt.

Die österreichisch- ungarische Fahne in Durazzo u. Abzeichen- Fabrik, ist von serbischem Militär insultiert worden.

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In Djakowa wurden 70 Katholiken, darunter auch Priester, wegen Nichtänderung ihrer Religion von Serben massakriert. Der Protest des österreichischen Kon­suls wurde nicht angenommen.

5)

Die

Hauptmarke

Die Nachbarn vom Heideland.

Roman von Ludwig Blümce.

( Nachdruck verboten.)

Schon längst hatte Hermine eine Gelegen­heit gesucht, mit Hans Hinrichsen, der wirklich Wort gehalten, zusammenzukommen. Aber der war von so vielen guten Bekannten in Beschlag genommen, daß es ihr bisher nicht geglückt war. Nur einen kurzen Gruß hatten sie getauscht.

Unter den Tänzern, die jetzt den Saal füllten, be­fand sich auch Thorö, der Schüßenkönig. Fürwahr, der spielte diese Rolle mit majestätischer Würde und Leut­seligkeit! Man mußte ihn liebgewinnen, so liebenswür= dig gab er sich. Für jeden hatte er ein freundliches Wort, namentlich für die Dorfschönen, denen er beweisen wollte, daß er auch auf dem Tanzboden ein Meister sei.

Hermine bekam ein paar Schmeicheleien von ihm zu hören, die ihn in ihrer Achtung als einen Mann von gutem Geschmack und feinen Manieren noch steigen ließ. Daß er Junggeselle, hatte sie heute erst erfahren. Frei­lich, für sie wäre er zu alt, denn Mitte der Dreißiger müßte er sicher sein. Sie liebte aber nur die Jungen, so in Hans Hinrichsens Alier, wo der Uebermut der Altverständlichkeit noch nicht ganz gewichen.

Ein Walzer eröffnete den Bali. Der Schüßenkönig war natürlich Vortänzer. Jetzt galt es, die Königin zu wählen. Wer könnte dafür passender sein als die schöne Hermine Mathiesen? Seine graugrünen Augen schiel­ten bereits seit einigen Minuten fragend und verlan­gend zu ihr hinüber. Es entging ihm auch nicht, daß der Ulan eben ein paar Worte mit ihr wechselte und einen verliebten Blick dafür erntete, wohl für ein Kom­pliment, das er ihr gemacht. Nun trat er näher, ver­beugte sich und bat um die Ehre des ersten Tanzes.

Bedaure sehr, bin schon vergeben," antwortete ſie

Montenegro gab für die Albanesen die Pa­role aus: Entweder orthodox oder tot!" Auch Mo­hammedaner werden gewaltsam zum Uebertritt gezwun­

gen.

Die Wiener Reichspost" veröffentlicht einen Be­fehl des serbischen Hauptmanns Petrowitsch an die Eingeborenen der Stadt und des Bezirks Koia, darin heißt es: Wenn in Zukunft ein serbischer Sol­dat in der Stadt, in einer Ortschaft oder in der Nähe angefallen oder getötet wird, so wird der Ort niederge brannt und zerstört und sämtliche Männer von 15 Jahren an aufwärts verfallen dem Bajonett. Sämt= liche Einwohner sind verpflichtet, Mordversucher und Mörder zu töten, zu verhaften oder anzuzeigen, sonst verfallen mit den Tätern auch sämtliche Einwohner den angeführten Strafen.

Die Wiener Reichspost" meldet aus Stutari: Sf u= tari soll sturmreif sein. Ein seit drei Tagen währendes Bombardement dauert an. Der allgemeine Sturm soll unmittelbar bevorstehen. König Nikolaus soll erklärt haben: Entweder ziehe ich als Eroberer in Skutari ein oder ich kehre nicht als Lebender nach Ce­tinje zurück!"

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame 3eile 50 Pfennig Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bef Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichteit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Die Reise des Herzogs von Cumberland nach Potsdam ist bis nach der Beisetzung des Königs von Griechenland verschoben worden.

* Der neue französische Botschafter in Petersburg, Delcassee, passierte auf der Durchreise nach Pe= tersburg Berlin. Er wurde von dem französischen Botschafter am Bahnhof Friedrichstraße begrüßt.

Rußland.

** Vorboten eines russisch chinesischen Krieges. Die bor furzem unter russischem Einfluss e erfolgte Unabhängigkeitserklärung der Nordmongolei, die sich von China lossagte und sich unter russische Schutz­herrschaft begab, will die chinesische Regierung nicht an­erkennen. Man ist vielmehr in Peking bereit, die Frage mit Waffengewalt zu entscheiden. Daß die Vor­bereitungen zum Striege gegen Rußland bereits recht weit gediehen sind. beweist eine Meldung aus Mukden. Danach ist auf Befehl der chinisischen Regierung der Bresse verboten worden, Nachrichten zu veröffentlichen über Truppenverschiebungen sowie über militärische Maßnahmen, die mit den Vorbereitungen zu dem Feld. zuge gegen Urga, der Hauptstadt und dem Sitze der Regierung der Nordmongolet, in Zusammenhang stehen. Gine Gesellschaft ist zum Zwecke der Fürsorge für die Familien der Soldaten, die zur Teilnahme an dem mongolischen Feldzuge bestimmt sind, gebildet worden.

Vom Balkan.

Konstantinopel. Seit zwei Tagen herrscht bei Adrianopel Ruhe. Vor Bulair ist keine Verän­

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und reichte Hans Hinrichsen, der neben Thorö stand, mit schalkhaftem Lächeln die Hand.

Ein bitterböser Blick von Haß und Eifersucht traf den Ulanen und sie selber ebenfalls. Doch sie toar selig und fühlte sich in des schönsten Mannes Armen- ja, der schönste dünkte Hans sie in diesem Augenblick weit vornehmer als eine Königin. Was scherte es sie, daß ihre Wcutter mit zornfuntelnden Augen kopfschüt= telnd dastand, daß ihr Vater lauter als nötig von einer Ungezogenheit ohne gleichen räsonnierte? Sie war ver­liebt wie nie zuvor und war glücklich dabei.-

Stine Lorenzen pflegte, obwohl sie sehr gut tanzte, äußerst selten zum Ball- Ball nannten die Arendru­per jedes Tanzvergnügen- zu gehen. Aber heute suchte sie ihr schon etwas kurz gewordenes helles Staats­kleid aus der alten Truhe hervor, machte sich sein und zwar mit einer Sorgfalt wie nie zuvor und folgte dem Vater und Ewald, die schon vorangegangen waren. Als sie den Saal etwas schüchtern betrat, tanzte Hans be­reits zum drittenmal mit der schönen Hermine, und Mi­chelsens Inge raunte Tine Silvers laut genug zu, daß die Eintretende es verstehen konnte: Paß auf, das gibt noch Verlobung! Sieh nur, wie verliebt die beiden tun!"" Passen ja auch großartig zusammen," meinte die andere.-

Wie das dumpf und schwül hier war! Dieser Ta­baksqualm! Stine war es, als legte sich eine Zent= nerlast auf ihre Brust, daß sie nicht zu atmen vermochte. Am liebsten wäre sie gleich wieder heimgegangen. Aber nun forderte ihr Bruder sie zu einem Walzer auf und sagte ihr in seiner trockenen, wortfargen Art: Hättest bei Deinen. Vieh bleiben sollen. Wirst hier kein Pläster haben. Der Hans kennt uns nicht mehr."

In der Tat, Hans Hinrichsen schien Stine Loren­zen nicht zu kennen, denn dreimal war er an ihr vor­übergegangen mit Augen wie ein Träumender, hatte sie nicht mal begrüßt, geschweige denn zum Tanz aufge­

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Die beste

PFG. Cigarette

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fordert. Jetzt endlich, nachdem sein Vater, der sich in heiterster Laune befand, ihn recht nachdrücklich daran erinnerte, bat er Stine um den nächsten Tanz. Er mur­melle wohl ein paar Entschuldigungsworte, schien aber mit seinen Gedanken in weiter Ferne. Stine gefiel ihm heute mit den braunen, barten Armen, dem altmodischen, von ihrer Mutter schon einmal getragenen, weißgeblüm­ten Kleide sehr wenig. Warum lachte und scherzte sie denn auch nicht? Ueberhaupt dieses Stumpfsinnige in ihrem Wesen; früher war ihm das nie so aufgefallen. Schon wollte er ihr sagen, sie hätte lieber in die Kirche gehen sollen, als hierher kommen. Aber in ihren gro­ßen, braunen Augen lag etwas, das ihm gebot: Tu die­sem Mädchen kein Unrecht! Sie hat es nicht verdient.- Unter irgend einem Vorwand ging Stine denn auch sehr bald wieder.

Hempelhendrik überhäufte auch sie mit Schmei­geleien, aber sie hatte ihm noch nie etwas abgekauft, wollte es auch heute nicht. Da tat er einen tiefen Zug s seiner Branntweinflasche, spuckte aus und rief ihr heiser nach:" Warte nur, von Deinem Dünkel kuriere ich Dich noch, Du Moorprinzessin!" Sie schien es nicht gehört zu haben.

Der alte Lorenzen, sein Nachbar Hinrichsen und noch ein paar gute Bekannte saßen in Mathiesens Flie­derlaube bei der Einfahrt, tranfen ihren dampfenden Grog, redeten über Politik und stritten lebhaft darüber, ob jetzt, wo sie zu Preußen gehörten, bessere oder schlech­tere Zeiten kommen würden. Der Eichhofer zeigte sich, wie immer, als Optimist, sein Nachbar sah alles im trübsten Licht. Doch liebte er keinen Hader, darum suchte er das Gespräch, als sich die Gemüter zu erhitzen began­nen, auf etwas anderes zu lenken.

( Fortsetzung folgt.)