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Aus Stadt und Land.

tionalliberalen Kandidaten Rektor Schwarzhaupt- Bocken­heim durch die fortschrittliche Volkspartei hinausgehen. & Darmstadt. Durch Entschließung Großherzog­lichen Ministeriums des Innern wurden die Referen­Mainz, und Dr. Gustav Wittekind zu Gießen zu Re­gierungsaffefforen ernannt.

Vermischtes.

):( Stromberg. Während die Mutter auf der Rodelbahn war, fiel ein zweijähriges kind in einen

* Der Großherzog empfing u. a. den Kreis­Gruppen unter er von Gießen und den Professor Dr. Stebers von dare Karl Nhumbler zu Alzey, Dr. Adolf Thomas zu Topf mit heißem Wasser. Es erlitt so schwere Brands schulinspektor Andres von Lauterbach, den Baurat Hech

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Gießen.

hinsichtlich de täts- Augenklinik eine Versammlung der hefftschen und

n Gießen. Am Sonntag fand in der Univerfi­

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hessen nassauischen Augenärzte statt; damit war die Gründung einer gleichnamigen Vereinigung verbunden. n Gießen. Die Verhandlungen wegen des Ver: taufs der alten Klinik sind eingeleitet und nehmen

ger, die Herre einen günstigen Fortgang.

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n Gießen, 20. Jan. Am vergangenen Sams­tag, dem 18. Januar, veranstaltete die hiesige Orts­gruppe des Alldeutschen Verbandes in Steins Garten eine sogen. Reichsgründungsfeter Das Programm war recht vielseitig und interessant, so daß die große Zahl Festteilnehmer neben der politischen Er­wartung auch einen guten Kunstgenuß hatten. Der ferenz. Bauer'sche Gesangberein sang mit seiner bekannt ficheren Art mehrere Männerchöre. Am Ammersee", t sich aus Stor gesungene Zapfenstreich" gefiel sehr, sodak der Verein " Sein Bub" und besonders der am Schluß der Feier gesichert." noch die" Dourowellen", ein ebenfalls nicht leichter Bestätigung dur Chor, zugab. Der Bad Nauheimer Tenorift Mar­orliegenden frie Schumann und Freude soll" in deinen Werken ſein" guth sang recht gefällig die Frühlingsnacht" von R. ntscheidung wi von Schillings, dazwischen waren es die Klavier Vor­träge des Herrn J Hahn- Gießen, welche größte Auf­merksamkeit und Beifall wedten. Die Feftrede des Herrn Prof. Altendorf, fernia und inbaltvoll dem Bismarckschen Geiste angefaßt, ließ die Mahnung des Großen Kurfürsten: Gedenke, daß du ein Deutscher bift", mehr in Erinnerung fommen und im Politischen Rückblick auf 1912", gesprochen vom Ortsvorsitzenden Freiherrn von Stebig, börte man wieder, daß die

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deutschen eine stärkere Betonung der deutschen Aus­landspolitik erstreben, die manche Schlappe vermieden hätte. Nach diesem Rückblick waren es drei Steder, gesungen von Frau Käthe Lerch Gießen, welche das anwesende Publikum wieder von der Politik ab- und zur Kunst hinüberleitete. Die Sängerin hat eine an­heimelnde Sopranstimme, die sie mit feinem Verſtänd­nis, ohne allzusehr aus sich herauszugeben, sehr ein drucksvoll zu Gehör bringen fann Anerkannt muß werden, daß Frau Lerch( sie ist teine Berufsfängerin!) fich aus Liebe zur Musik und zum Gesang dem Ein­üben dieser immerhin nicht leichten Lieder unterzog und thr Können unetgennützig in den Dienst einer auten vaterländischen Sache stellte. Der ganze Abend zeigte im Allgemeinen, daß der Deutsche fich doch der großen Tage würdig erinnern fann.

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o Friedberg. Am hiesigen Amtsgericht fand Dienstag ist Schlußtermin in dem bereits über anderthalb Jahre neamts, Admi dauernden Konkurse Gebr. Stenner statt. Es entfällt nach Abzug von 620 Mt. Kosten für den Konkursver­General derwalter, auf die nicht bevorrechtigten Forderungen die Militärberteh fette Quote von etwas über 1 Prozent. Dorden und glei Tons Nr. 2.

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o Gelnhausen. Im Landtagswahlkreise Geln­hausen- Schlüchtern sind zwischen der nationalliberalen Partet und der fortschrittlichen Volkspartei Verhand­lungen im Gange, die auf eine Unterstützung des na­

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Das Glückskind.

Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

Als Böhler zu Ende gelesen, hatten sich die Fal-= ten seiner Stirn merklich geglättet; er griff in die Tasche, reichte dem noch immer unbeweglich dastehen­den Manne ein kleines Geldstück mit den Worten: Es ist richtig, der Brief klärt alles auf; das konnte ich allerdings nicht wissen."

" Halt!" rief er dem sich Entfernenden nach, Sie tönnen gleich eine Antwort mitnehmen."

Dann schrieb er rasch ein paar zeilen, adressierte das Kuvert und reichte es dem Dienstmann hin, der unter höflichen Dankesworten die Tür leise ins Schloß drückte.

Als Böhler sich allein sah, brach er in ein schallen­des Gelächter aus. Also, Georg Winter, du kommst zu mir!" sagte er ganz laut zu sich selbst. Ale Wetter,- hat der sich das laß tch gelten,- schön sehr gut eingeführt, schön habe lange genug keinen Seft mehr getrunken, ha, ha, der soll mir köstlich munden. Aber was mag er nur wollen, der gute Freund, ich kann mir gar nicht denken, wie das alles zusammenhängt."

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Der Korb wurde einer genauen Prüfung unter­zogen und es ergab sich, daß er außer dem Sekt noch ein paar Dußend Austern, Cavtar und verschiedene Beckerbissen enthielt.

Böhlers Geficht strahlte. Er schtelte immer wie­der nach dem Korb und dessen verlockendem Inhalt. Endlich kliveelte er nach dem Dienstmädchen und be­fahl, die ven talt zu stellen. Eine davon behtelt er sich zu; der Versuchung zu widerstehen dünkte thm unmöglich. Knallend flog der Pfropfen zur Decke empor, und Böhler schlürfte mit viel Behagen das per­lende Naß.

):( Wetzlar. Der Großherzog von Hessen hat dem Fabrikanten Ernst Leitz sen. das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­Itehen.

Oeffentlicher Sprechlaal.

Die Schreibhilfekosten in Hesseu.

In der kürzlich stattgehabten gemeinschaftlichen Sitz­ung des Finanzausschusses und der Regierung wurde über die Kosten der Schreibhilfe in Hessen verhandelt. Es wurde hier von Seiten der Regierung mitgeteilt, daß die Schreibhilfekosten in den letzten 20 Jahren er­heblich in die Höhe gegangen seten. Diese Darlegun­gen find wohl im Grunde genommen richtig, müssen geteilt. Die Schreibhilfekosten sind aus folgenden erläutert werden, und sei dieserhalb hier folgendes mit Die Schreibhilfekoften find aus folgenden Gründen gestiegen, well:

jedoch, um Jrreführungen zu bermeiden, entsprechend

1. die bis zum Jahre 1910 im Gerichtsschreiber Vorbereitungsdienst sich Befundenen die Arbeiten eines Schreibgehilfen, ohne irgend welche Ver gütung erledigt haben, was infolge Sperrung die­aus diesem Grunde find mehrere Schreibgehilfen und dementsprechend mehr Ausgaben an Vergütungen er

ser Karriere seit 1910 nicht mehr der Fall ist. Schon

forderlich geworden;

2. die durch die Schreibgehilfen zu erledigenden ift, insbesondere bei der Justiz, ein viel umfang reicherer geworder, als es vor 10 oder 20 Jahren

Arbeiten, sowie überhaupt der ganze Geschäftsbetrieb

der Fall war.

Die Schreibhilfetoften find nicht, wie vielleicht an genommen wird, durch Erhöhung der Bezüge der Schreibgehilfen gestiegen, sondern nur lediglich aus den oben unter 1 und 2 angegebenen Gründen. Was die Erhöhung der Bezüge der Schreibgehilfen betrifft, so sei angeführt, daß dieselben, jedoch nicht alle, im Jahre 1907 eine sogenannte Stationszulage von 50 be

ziehungsweise 100 Mt. pro Jahr erhalten haben. Durch die provisorische Aufbesserung von 1912 ift den Schreib­gehilfen überhaupt nichts zu Teil geworden, denn diese Aufbesserung enthielt lediglich eine kleine Wenderung in der Gehaltsstala, ohne daß hiermit eine Echöhung des Höchstgehaltes ve bunden war. Von fortwährenden Er­höhungen der Vergütungen der Schreibgehilfen kann also überhaupt keine Rede sein.

Geschäftliches.

Haben Sie Ihre Wiese schon gedüngt? Je zeitiger die Düngung ausgeführt wird, um so sicherer wird die Wirkung bei der Heu- und Grummeternte zu spüren sein. Man bemesse die Thomasmehlgabe um so flär­fer, je schwerer der zu düngende Boden ist und je grö­Bere Futtererträge man berlangt d. h. wenigstens 500-700 Kilogramın pro Heftar. Dünger sparen

ist nicht schlau, manchmal gar direkt verkehrt. Darum streu set nicht genau Thomasmehl, wie sich's gehört."*)

*) Thomaskalender 1913, Verlag für Bodenkultur, Berlin.

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Prost, Freund Winter, du sollst leben!" rief er dabei. Er hat Geschmack, mein alter Kamerad, will nur sehen, was der auf dem Herzen hat."

Georg Winter, Direktor und Kassierer des Leih­und Sparkassenvereins Gewerbetreibender, hatte als solcher eine gut bezahlte Vertrauensstellung inne und zählte mit zu den angesehendsten Persönlichkeiten der Stadt. Er wußte sich das zutrauen seiner Mitbürger in hohem Maße zu erringen und zu erhalten.

Etwa in gleichem Alter mit Böhler stehend, waren die beiden von Jugend an die besten Freunde gewesen, bis sie sich eines Tages in heftigem Streit trennten, und sich seitdem mieden, viele Jahre; der Grimm, den sie beide gegeneinander hegten, hatte sich zwar sehr ge­mindert, ja manchmal war es vorgekommen, daß sie sich bei einem etwaigen zufälligen Zusammentreffen im Leih- und Sparkassenverein, dem sie beide angehörten, über gleichgiltge Dinge unterhielten.

Gestern sogar in der Hauptversammlung war Böh= ler in den Aufsichtsrat und zum Revisor des Vereins gewählt worden, und Winter hatte dem ehemaligen Freund die Hand gedrückt, dabei die Hoffnung aus­sprechend, daß es ihm vergönnt sein werde, wieder öf= ters in seiner ihm so Iteben Gesellschaft zu verwellen. Und heute fündigte er seinen Besuch an. Böhler zerbrach sich nicht länger den Kopf, was das zu bedeuten hätte.

Der feurige Wein begann bereits ganz leise zu wirken, und überdies recht lange würde der Freund nicht mehr ausbleiben, dann erfuhr er alles, was er zu wissen wünschte. Er überlegte, daß ihm der Um­gang mit dem in allen Kretsen hochangesehenen, vor­nehmen und gebildeten Mann nur von Nußer sein konnte, und beschloß daher, was an ihm lag, um sich dessen Freundschaft aufs reue zu sich zu erhalten.

Pünktlich, zur festgesetzten C.unde, erschten denn

wunden, daß es an deren Folgen gestorben ist.

Rekonvaleszenz nach erschöpfenden Krankheiten, sowie nach schweren

Blutverlusten.

Nach schwerer, erschöpfender Krankheit ist die Sorge des be­handeluden Arztes vornehmlich daraufgerichtet, dieKörperkräfte zu heben, um so den Kranken widerstandsfähiger zu machen. Es ist der medizinischen Wissen­schaft in Leciferrin( Ovolecithineisen) ein Mittel zugeführt. worden, das die Körperfräfte außeror­dentlich sonell hebt und den Appetit Appetit fördert. Daher wird Leciferrin jetzt mit Vorliebe an­gewandt um die Körperkräfte zu heben, das Blut zu ergänzen, neue Lebenslust zu schaffen und das Nervensystem zu erfrischen. in Apotheken erhältlich, Preis der Flasche Mt. 3.-,

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auch Georg Winter im Hause an der Marktstraße. Es war eine stattliche, hohe Erscheiunng von äußerst vor­nehmem Außern, dessen volles, glattrasiertes Gesicht feinen unangenehmen Eindruck machte, wenngleich die für gewöhnlich recht verschwommenen Augen nicht ge­rade dazu angetan waren, Sympathie zu erwecken.

Es war viel mehr Respekt als Zuneigung, was seine Untergebenen für ihn hegten. Er wußte seinem Willen stets und unbedingt Geltung zu verschaffen und duldete keinen Widerspruch.

Seine Maßnahmen waren die allein richtigen in seinen Augen, er war flug und selbstbewußt und for= derte strenge Pflichterfüllung.

Als er jetzt bei Böhler eintrat, gab sich in seinem Wesen etwas wie leise Befangenheit tund. Sein in Gesundheit und Frische prangendes Gesicht bildete einen scharfen Kontrast zu den welk und eingefallen erscheinenden Zügen des ihm entgegenkommenden Hausherrn, der ihm mit auffallender Liebenswürdigkeit beide Hände hinstreckte und so über die immerhin etwas peinliche Situation dieses Besuches hinweghalf. Siehst Du, Georg, daß Du zu mir fommst, das freut mich, freut mich ganz außerordentlich!" rief Böhler überlaut, und was Du auch auf dem Herzen hast, sprich ungescheut; wenn es in meiner Macht liegt, tst es im Voraus gewährt!"

Der Angekommene warf etnen prüfenden Blick auf das etwas gerötete Gesicht des Sprechers, worauf er den glänzenden Gelinder auf ein Seitentischchen stellte und sich langsam und bedächtig des Ueberrods entle digte, so daß er in tadellosem Gesellschaftsanzug zum Vorschein tam.

Während er die feinen Glacehandschuh mechanisch von den wohlgepflegten Händen streifte, fragte er, einen verstohlen lauernden Blick auf Böhler heftend: Sage mir, lieber Arthur, wir sind doch hier ungestört?" Sortiebung folgt.)