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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. Deg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte mich nicht garantiert. Verlag ber Gießener Zeitung" G. m. b. 8.

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Nr. 75.

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Telephon: Nr. 362.

Vom Balkan.

Cetinje, 16. Spt. Nady hier eingelaufenen Nach richten haben sich bei Skutari über 10 000 wohlbewaff­nete Albanier angesammelt, die einen Einfall in die von den Montenegrinern eroberten nordwestlichen Sebiete beabsichtigen. Infolgedessen wurden drei Divi­fionen der montenegrinischen Armee über die Grenze be­ordert. Das Hauptquartier dieser Truppen befindet sich in Podgoriza. Ueberdies werden in Tuzi starke Befestig­ungen errichtet.

Konstantinope I, 16. Sept. Die hier weilen den Abgeordneten West- Thraziens werden sämt­liche fremden Botschafter besuchen, um die Unterstützung der Großmächte zu erbitten. Der Leiter der Deputation, Rail Ben, erklärte, West- Thrazien, das 300 000 männ liche Einwohner zähle, habe bereits 40 000 Bewaffnete. Diese wollten sich bis auf den letzten Mann gegen die Bulgaren verteidigen. Eine Anzahl Bulgaren hat sich nach dem Sarp- Gebirge zurückgezogen. Dieses ist jetzt von den Milizen Wümüldschinas umzingelt worden, so­das sich die eingeschlossenen Bulgaren wohl aus Man­gel an Lebensmitteln werden ergeben müssen.

Konstantinopel. Die Friedens- Delegierten sind über die hauptsächlichsten Punkte der Grenzfrage zu einer Verständigung gelangt.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Kaiser Wilhelm ist in Troppau um 12 Uhr eingetroffen. Die Straßen waren überaus reich reiner Wolle hergest gefchmückt. Eine vieltausendköpfige Menschenmenge, die einlaufend nicht filzend hinter dem von den deutschen Vereinen Troppaus und

Beste gegen Schweißfu Umgebung sowie von den Schulkindern gebildeten Spa­lier stand, empfing den Kaiser mit begeisterten Hoch- u. Qualitäten burrarufen. Der Kaiser dankte freundlich. Im Auto= mobil des Kaisers befanden sich Fürst Lichnowsky und Vunsch Nachweis van Bezugsquei Herren des Gefolges. Vor dem Rathause, das be­onders prächtig dekoriert war, fand sich der Gemeinde­t mit Bürgermeister Dr. Kudlich ein. Von Troppau Hilfe ging die Fahrt über Branka nach Schloß Grätz. Die utſte dung, Störungen, Anturiſt dort erfolgte um 12.45 Uhr.

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Der König der Hellenen und seine Fa­schäbliches Mittel unter& rmilie sind gestern abend 9 Uhr 10 Minuten mit dem des Erfolges. Nat un fahrplanmäßigen Zuge, in den ein Salonwagen der . Frauen wenden fish Internationalen Schlafwagengesellschaft eingestellt war, sboll fofort an Don Bahnhof Cronberg nach England abgereist.

thur Hohenstein, erlin Halensee 6. Rückvorto erbeten.

Rotband

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England.

Los Angeles, 16. Sept? General Har­rison, dem Besitzer der hiesigen Zeitung Times", de­

31)

Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank.

( Nachdruck verboten.)

Die Reise wurde auf den folgenden Tag festge= Der Graf schien es etlig zu haben, aus Krzemien fortzukommen.

Unterdessen hatten die beiden jungen Komtessen ter der Obhut des fürstlich Bogdanischen Paares in aschi am beste Szern herrliche Tage verlebt. Als sie von einem Aus­Luge zurückkehrten, trafen sie am Bahnhof einen guten Freund. Es war der junge Sojka. War das ein Freuten. Er kam ja aus der lieben Heimat, aus dem

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d. zu Mk. 10.- mit Sent Krzemien und wußte gar vieles zu erzählen. Seit endet gegen Nachnahme Origen Herbst war er Assistenzarzt, und er schien ganz sch- Westfälischer- Gef getstert für seinen Beruf zu sein.

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Fürst Bogdan lud den jungen Arzt ein, sie im Hotel besuchen und an einem Ausfluge teilzunehmen, der meinem der nächsten Tage unternommen werden olle. Sojka errötete vor Freude und sagte natürlich zu. Meistens war Sojka während der Wanderung au er Seite der Komtessen, die genauen Bericht über alle euigkeiten aus Krzemien erbaten. Lächelnd will­fahrte er ihrem Wunsche. Unter anderem erzählte er ach, daß er vor einigen Tagen eine Dame aus Krze­Tiens Umgebung getroffen habe, die er zufällig kannte, nach dem Tode ihres Gemahls auf Reisen begeben und

ind oft sehr hartnäckie Baroniu Wilram, geborene Tesierska. Sie habe sich e bewährte u. ärztl, emp der Nähe von Gütsch eine reizende Villa erworben. ei von schädlich. Bestande Thar ihr so gut wie unbekannt.

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abwiga interessierte diese Nachricht nicht sonderlich, le Testerska oder Baronin Wilram, wie sie jetzt hieß, Der Ausflug verlief durchaus programmäßig. Im Bahnhofe in Luzern verabschiedete sich Sojka ehr­obietig. Slawa und Jadwiga riefen dem jungen Arzt Tag: Auf baldiges Wiedersehen!" Das veranlaßte in, eine Vergeßlichkeit nachzuholen. Hastig berichtete

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 17. September 1913.

ren Gebäude 1910 durch die Gebrüder McNamara und ist eine Höllenmaschine durch die Post zugesandt ihre Mitverschworenen durch Dynamit zerstört wurde,

worden.

Aussperrung 10 000 Mann. Da Mangel an Lebens­In Dublin feiern infolge des Streiks und der mitteln droht, werden die Aussichten als ernst bezeichnet. 3wei englische Eisenbahngesellschaften sind in den iri­schen Streit hineingezogen worden. Die London North­lassen, die sich weigerten, Güter von Dublin zu beför western Eisenbahn hat in Liverpool drei Arbeiter ent­dern; daraufhin sind fast 1000 Mann in den Ausstand getreten. Montag abend dehnte sich die Bewegung auf die Lancashire und Yorkshire Eisenbahn aus, wo 700 Angestellte streifen, weil von ihnen verlangt wird, irische Güter zu befördern. Der Ausstand bei der Northwestern Eisenbahn droht sich auszudehnen.

*

Frankreich.

Während der gegenwärtigen französischen Ma­növer ereignete sich in der Nähe des Dorfes Grenade leutnant von Winterfeld innere Verletzungen da­ein Automobilunfall, bei dem der deutsche Oberst vontrug. Sofort nach seiner Ankunft in Grisolles suchte Präsident Poincaree den deutschen Militärattachee v. Winterfeld.

Statistisches aus dem Bergbau.

II.

be­

An Eisenerz wurden im letzten Jahr u. a. ge­wonnen: 56 Mill. To. in den Ver. Staaten von Ame­rika, 18,75 mill. To. in Frankreich und über 7 Mill.

To. in Schweden. Für Deutschland stehen die Angaben

noch aus.

Die Roheisenerzeugung der Welt( 75 M. To.), zeigt gegen 1911 eine Zunahme um 10 Mill. To. Die Ver. Staaten waren an der Weltproduktion mit 30 britannien, das im Jahre 1911 eine Roheisengewinn­Mill., Deutschland mit 17,9 Mill. beteiligt. Für Groß­ung von 9,7 Mill. To. aufzuweisen hatte, liegen die Angaben für 1912 noch nicht vor.

Die Stahlindustrie zeigt in den einzelnen Staaten eine Aufwärtsbewegung. In den Ver. Staaten wurden 32 Mill. To., im Deutschen Zollgebiet 17 Mill. To. hergestellt. In weitem Abstand folgt mit 4,4 Mill. To. Frankreich. Die Produktion der Welt schätzt der Verein für 1912 auf 72 Mill. To.

Die Petroleum gewinnung stieg in den Ver. Staaten, dem Hauptgewinnungsland, von 29 M. auf 30 Mill. To.; dann folgt Rußland, das mit 9,2 er, daß er auf Veranlassung des Grafen schon diesen Herbst in Krzemien als Arzt sich niederlassen wolle. Im Hotel wartete der Ankömmlinge eine viel grö­ßere Ueberraschung. Im Treppenhaus disputierten zwei Herren mit einem der befracten Kellner. Jadwi­ga hatte kaum einige Worte vernommen, als sie schon ausrief: Aber das ist ja Papa!" Da wandte sich auch einer der Herren um und eilte den Ankömmlingen ent­gegen. In der Tat, es war Graf Warminski, der mit Baron Kappel so unvermutet hier eingetroffen war. Sie hatten sich nirgends aufgehalten, der Graf hatte sich selbst über seinen Eifer und die Eile verwundert. Nach kurzer, herzlicher Begrüßung im Salon des Fürsten stellte Graf Warminski seinen Begleiter vor: ,, Mein Freund, Herr Baron Kappel."

Dann zogen die beiden Herren sich zurück, und auch Jadwiga und Slawa begaben sich in ihre Zimmer. Slawa war zuerst fertig und schlüpfte zu Jadwiga hinein, setzte sich auf einen Sessel und schaute ihrer Schwester zu. Wie schön Du bist, Jadwiga," sagte sie ganz leise. Jadwiga lächelte, sie war aber so im Eifer, daß sie zu einer Erwiderung keine Zeit fand.

" Hast Du Dir den Baron Kappel angesehen?" fragte Slawa nach einer Weile, das scheint ein stolzer Mann zu sein," leise setzte sie hinzu: Ganz anders wie unser Freund Jan Sojka."

Die letzte Aeußerung hatte Jadwiga überhört, sie sagte nur: Nun, darauf habe ich mir den Herrn noch nicht näher angesehen, die Begrüßung und Vorstellung vollzog sich ja so glatt und rasch, daß ich dazu keine Zeit fand. Ich weiß nur, daß er groß ist und blaue Augen hat. Die Komtessen begaben sich jetzt in den Salon. Fürst Bogdan und die beiden Zuletztangekommenen plauderten bereits. Natürlich sprach man von der neuen Anlage, ihren Aussichten und was derartige interessante Fragen noch mehr waren. Die Anwesenheit der Kom­tessen machte fürs erste dieser Unterhaltung ein Ende,

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

Mill. To. eine Zunahme um 17 000 To. aufzuweisen hat. Die Gewinnung aller übrigen in Frage kommen­den Länder verzeichnet wesentlich geringere Ergebnisse ( 3. B. Rumänien 1,8 Mill., Niederl. Indien 1,5 mill., und Galizien 1,1 Mill. To.). Eine ganz außerordent­1,6 Mill. auf 2,2 Mill. To. ſtieg. liche Zunahme weist Mexiko auf, dessen Gewinnung von

den Kohlenabsatz des Ruhrbezirks, der In einem weiteren Abschnitt wird ausführlich über überwiegend durch das Rheinisch Westfälische Kohlensyn Ausland versandten 21,3 Mill. To.( Koks und Briketts difat erfolgt, berichtet. Von den durch das Syndikat ins auf Kohle zurückgerechnet) wurden 6,3 Mill. To. oder 29,67 Prozent der Gesamtmenge nach Holland ausge­führt. Die nächstwichtigen ausländischen Absatzgebiete für die Ruhrkohle sind Frankreich und Belgien, die im letzten Jahre 5,4 Mill. To.( 25,23 Proz. des gesamten Auslandsabsakes) und 4,8 Mill. To.( 22,43 Proz.) be­zogen haben.

Auch über den Kohlenverbrauch in den hauptsächlichsten Ländern macht der Bericht Angaben. Den größten absoluten Verbrauch an Steinkohle zeigen im letzten Jahre die Ver. Staaten mit 467 Mill. To., dann folgen Großbritannien mit 178 Mill. To. und Deutschland mit 148 Mill. To. Der Kohlenverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung stieg in Amerika von 4,61 To. in 1911 auf 4,89 To. Am nächsten kommt ihm Grozbritannien mit 3,92 To.; Deutschland hat einen Kopfanteil von 2,23 To.( 2,10 To. im Vorjahr).

In Zusammenstellungen über den Kohlenverkehr in Hamburg, Bremen und Berlin gibt der Bericht ein in­teressantes Bild über den Wettbewerb frem­der und einheimischer Kohle auf dem in­nern Markt. Nach Hamburg gelangten( einschl. der nach

Eröffnung des Harburger Seehafens dorthin versandten

Mengen) 8,8 Mill. To., von denen 38,3 Prozent auf rleinisch- westfälische, die restlichen 61,7 Proz. auf eng­lische Kohle entfallen. Im Jahre 1911 war das ent­sprechende Verhältnis 40,6 und 59,4 Proz. Auf den Mill. To. Kohle( gegen 1,35 Mill. To. in 1911), denen Bremer Kohlenmarkt gelangten im Berichtsjahr 1,53 eine Ausfuhr von 754 000( 675 000 To.) gegenübersteht. Der Kohlenverbrauch Groß- Berlins stieg von 5,72 Mill. To. in 1911 auf 7,01 Mill. To. im Berichtsjahr; von diesen stammten u. a. 20,4 Prozent aus Großbritan­nien, 48,5 Proz. entfielen auf deutsche Steinkohle: die deutsche Braunkohle war mit 31,2 Proz. an dem Ber­liner Verbrauch beteiligt.

Nachdem in einem weiteren Kapitel über die Koh­len- und Eisenpreise an den hauptsächlichsten deutschen Plätzen berichtet worden ist, macht der Bericht eingehende Angaben über den deutschen aus= bald aber war man im alten Fahrwasser und Jadwiga und Slawa mußten sich mit Zuhören begnügen. Denn Bogdan war augenscheinlich in der besten Laune. Es freute ihn aufrichtig, daß sein Schwager sich so wacker gehalten hatte. Jadwiga, die scharf beobachtete, fand, daß ihr Vater an Elastizität nichts eingebüßt hatte. Ste erinnerte sich der Zeit, wo er selbst für seine Familie selten sichtbar war, wo die Kinder ihm scheu aus dem Wege gingen, weil sie ihn mehr fürchteten als liebten. Scheu und verschlossen schien er nicht zu sein. Er hatte ste beide so herzlich begrüßt, und wie er jetzt von den gemeinschaftlichen Erfolgen erzählte, da leuchtete aus seinen Augen ein froher Schein, die Freude klang durch seine Worte, nach harter Arbeit etwas bedeutendes er­reicht zu haben. Baron Kappel mischte sich weniger in das Gespräch. Wens er es tat, dann sprach er metſt kurz und knapp, fast trocken. Jadwiga fiel das auf, und sie dachte: Slawa hat recht, er ist stolz." Jm all­gemeinen hatte sie die Männer der Tat lieber als die Helden des Wortes, und ein Wortheld war Baron Kap­pel sicher nicht.

Die Fürstin tam und man begab sich zum Souper, das inzwischen angerichtet worden war. Bei Tische saßen Graf Warminski und Baron Kappel der Fürstin zur Seite, dann folgten Jadwiga und Slawa, Bogdan saß seiner Gemahlin gegenüber. Es war ein intimer, fleiner reis, der noch lange Zeit in gemütlichem Blau­dern beisammenblieb. Man hatte ja so viel zu er= zählen, daß trot vorgerückter Stunde niemand an das Aufbrechen dachte. Graf Warminski plauderte mit seinen Züchtern von den Veränderungen, die er im Schlosse hat vornehmen lassen, er erzählte auch vom alten Jan und seiner Frau, von diesem und jenem, was seine Kinder interessierte. Ab und zu zog er auch den Baron ins Gespräch und Jadwiga fiel der herz­liche und vertraute Ton auf, der zwischen den beiden ungleichen Männern herrschte. So waren die Worte Mein Freund Baron Kappel" feine Phrase.( F. f.)