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Bezugspreis 25 Pig. monatlich

( Neuefte Nachrichten)

vierteljährlich 75 Bfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§.

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Nr. 65.

Telephon: Nr. 362.

Ein Depeschenwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und König Karol.

Zwischen dem deutschen Kaiser und dem König von Rumänien wurden anläßlich des Friedensschlusses folgende Telegramme gewechselt:

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 13. August 1913.

Aus dem Depeschenwechsel sind 3 bemerkenswerte

Puntte hervorzuheben: Erstens das hohe Lob, das un­ser Kaiser der weisen und wahrhaft staatsmännischen Politit" Rumäniens zollt und sogar in dem Ausdruck der Bewunderung" ausklingen läßt. Zweitens der mehrfache Hinweis auf die wirksame Anteilnahme", die Beihilfe des deutschen Kaisers an dem Friedenswerke von Bukarest. Drittens die Bemerkung in dem ersten Telegramm des Königs Karol, daß der Friedensschlußz Dank Dir ein definitiver bleibt."

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Bukarest. Nach Ueberwindung von bedeutenden Etikett und Umbe Schwierigkeiten ist der Friedens schluß gesichert, fschrift Fabrikat der dank Dir ein definitiver bleibt. In die­spinnerei Altona- Balfe für meine Regierung so bedeutungsvollen Augen= blid weilen meine Gedanken bei Dir. Ich danke Dir euheit von ganzem Herzen für Deine treue Freundschaft und warme Sympathie, die Du mir in diesen ernsten Zei­adorster ten ganz besonders entgegenbrachtest. Gez. Karol. Swinemünde( Hohenzollern"). Dein heute er Wolle hergest nacht angekommenes Telegramm ist eine große Freude ufend nicht file für mich. Ich sage Dir die aufrichtigsten, herzlichsten gegen Schweißt Glückwünsche zu dem schönen Erfolge, den nicht nur Dein Volk, sondern alle kriegführenden Staaten und Qualitäten damit ganz Europa Deiner weisen, wahrhaft staatsmän­nischen Politik zu verdanken haben. Es ist mir gleich- scherhäuser nicht außer Betracht. Nachweis von Bezugszeitig eine große Genugtuung, wenn Du erwähnt, daß

Die Anerkennung, die unser Kaiser dem rumäni­schen König zollt, sowie die Verleihung eines Ordens an den Ministerpräsident Majorescu, sind gewiß ge­rechtfertigt. Dem Könige von Griechenland ist zugleich die Würde eines deutschen Generalfeldmarschalls ver­liehen worden. Als Militär hat König Konstantin die Auszeichnung gewiß verdient. Griechenland ist aber nicht als Friedensstifter, sondern als Kämpfer, und zwar gegen Bulgarien, hervorgetreten; daher erscheint uns die deutsche Auszeichnung vom politischen Standpunkt nicht ganz unbedenklich. Hoffentlich fassen die Bulgaren die verwandtschaftlichen Beziehungen der beiden Herr=

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o Antiquitäten.

Senberger, Be

Was die Mitwirkung des deutschen Kaisers und seiner Regierung an dem Bukarester Friedenswerk betrifft, so ist sonst noch nichts darüber bekannt gewor­den, daß Deutschland sich in anderer Weise, als die üb­rigen Mächte, beteiligt habe. Es würde uns freuen, wenn wir näheres erführen über deutsche Bestrebungen, die bloß dem Frieden zu Liebe und niemandem zu Leide erfolgt wären.

tiver bleiben? Soll das nur die Dauerhaftig= keit der zwischen den Balkanstaaten getroffenen Ab­machungen betonen.

ich zu dem jetzt Erreichten habe beitragen können. Der f- Derki Bohle des Landes, dessen herrliche Entwickelung allmächtige Gott erhalte Dich in Gnaden noch lange zum ic nach wie vor mit herzlicher Freundschaft und Bewun­Lumven, Raa derung verfolge. Ich freue mich unseres gemeinsamen effing, Blet, ja Zusammenwirkens zum Zwecke des Friedens. Möbeln, Betten, : und Silberd Gez. WilheI m. Bukarest. Die liebevollen Worte in Deinem Die aktuellste Frage ist nun die: Was will Jo warmen herzlichen Telegramm erfüllen mich mit König Karol sagen mit der Bemerkung, der Friedens= italisten Stols und aufrichtiger Dankbarkeit. Ich schätze mich glückschluß werde Dank dem deutschen Kaiser ein defini­Lich, daß durch mein Eingreifen dem langen und bluti­biel. Begb anlagen Kriege ein Ende gemacht und der Frieden auf der j ft. rg. weld.) erb for. fost ni Balkanhalbinsel gesichert werden konnte. Möge es uns to( fr..Rommer et gestattet sein, mit Zuversicht in die Zukunft zu blik­Nh, Kreu gaff Een und einer längeren Periode der Ruhe entgegenzu­gehen, damit das Vertrauen in allen Kreisen des öffent­nd Ausflugsort ichen Lebens wiederkehre. Nochmals innigen Dank für * Der Friede scheint vielleicht nicht lange kfurter Hof, de Dein warmes Interesse und Deine wirksame Anteil= dauern zu sollen. In einer langen Unterredung er­1, schön möhl, ahme an den letzten für mein Land so bedeutungsklärte der Führer der bulgarischen Friedensmission, ont­Licht, Zentralhei oller Ereignissen. Gez. Karol. schew, Bulgarien habe Rumänien ersucht, es möge Ruß­Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß der Kaiser dem land und Desterreich- Ungarn bitten, ihren Revisionsvor­mänischen Ministerpräsidenten Majorescu das behalt anzumelden. Nur die Revision des Friedenspro­Großkreuz des Roten Adlerordens verliehen, Königtokolls fönnte einen Krieg, der sonst unvermeidlich wäre, Monstantin von Griechenland zum Feldmarschall verhindern. Die gesamte bulgarische Presse erklärt der deutschen Armee ernannt und dem Kronprinzen Ge- einmütig, daß der Friedensvertrag, der in Bukarest ge­org das Großkreuz des Roten Adlerordens verliehen schlossen wurde, unfehlbar den Erfolg haben werde, die Wirren auf dem Balkan erneuern zu lassen, was nur

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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank.

( Nachdruck verboten.) Wer weiß, zu welchem Resultat er noch gekommen mire, hätte man in diesem Augenblick nicht Schloß Krze­mien vor sich gehabt. Um jedes unnüße Aufsehen zu mermeiden, stieg er am Eingang des Parkes aus und fitte den Schlitten in die Remise. Den Weg durch den Bart wollte er zu Fuß zurücklegen. Aus Sojkas Woh­mmg strahlte- noch oder schon- Licht.

In diesem Augenblick wurde das Licht gelöscht und man hörte das Knarren einer Türe. Warminski machte einige Schritte and blieb dann auf dem Wege stehen, um seinen Verwalter zu erwarten. Na, was tun Sie denn schon so früh?" empfing er den Mann, der nicht Denig erstaunt war, seinen Herrn in dieser frühen Mor­genstunde vor sich zu sehen. Und nun berichtete er, daß der Adjunkt, der das Melken zu überwachen habe, er­fakt sei, er wolle ihn vertreten. Das hätte doch aber Bensogut Swoboda, der Inspektor tun können," meinte der Graf, obgleich ihn der Eifer seines ersten Beamten richt wenig freute.

Langsam ging Warminski zum Schloß. Er war mide, die Folgen der durchwachten Nacht machten sich geltend. Ohne weiteres begab er sich zur Ruhe, und er war auch bald im tiefsten Schlaf.

Aber es war ihm nicht lange vergönnt, diese Wohl­azu genießen. Noch war der Tag nicht völlig erwacht, Loch kämpften die Schatten der Dämmerung gegen die ten Sendboten des Lichts, da begann man an der Türe eines Schlafzimmers erst letse, dann immer stärker 311 pochen. Warminski raffte sich mühsam auf und efärgerlich Herein!" Der Diener kam und über­tach te die Nachricht, daß in dem Befinden seines Sohnes ine Wendung eingetreten sei, die das Schlimmste be­Circhen lasse. Ungesäumt sprang der Graf aus dem

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Vom Balkan.

Bett. Wie er sich ankleidete, klirrte in den Taschen noch immer das Gold, das er in der Nacht gewonnen. Ihm war's, als mische sich in den hellen Ton ein schneidender Mißklang, ein höhnisches, gellendes Lachen. Aber er kämpfte alle Gedanken nieder. Mit Hilfe des Dieners war er rasch angekleidet, und nun eilte er nach seines franken Kindes Zimmer.

Wie angedonnert blieb er im Rahmen der Türe. stehen. Da lag der Knabe, und der Tod hatte seine Stirne gefüßt und holte eben die Hand aus zum letzten Streich. Aus dem wachsbleichen Antlitz des Kindes war die quälende Angst gewichen, die ihn gestern so erschreckt hatte. Ein süßer Friede, der Hauch einer anderen Welt, lag ausgegossen auf seinen Zügen. Die Augen hielt Stanislaus geschlossen, er schien zu schlummern. Da weckte ihn des eintretenden Vaters Angstruf, und er öff­nete die Augen, und die brechenden Blicke ruhten mit einem gar eigenen Ausdruck auf dem Vater, der so spät gekommen ist, bald zu spät. Ein furchtbarer Schmerz packt den Mann, dessen ganzes Wesen Zwiespalt war und ist, der sein Kind liebt und doch hinfuhr, wo die Freude lockte, der sich fort und fort mit Vorwürfen quält und doch sich nicht aufraffen kann, sein Leben so zu gestalten, daß die Vorwürfe schweigen, der Zwiespalt schwindet. Leise, ganz leise tritt er dicht an das Bett des Knaben. Das Flämmchen seiner Lebenslampe zuckte hie und da schwach auf, man kann sehen, daß er nur noch wenige Augenblicke zu leben hat. Graf Warminskis Blicke wandern von seinem Kind hin zum Arzt, der neben seiner Gattin steht und hie und da um Stanislaus sich bemüht. In den Augen des Arztes liest er die Be­stätigung seiner bangen Sorge. Da steht etwas auf in ihm, wird lebendig, was tot war. Erinnerungen an längst vergangene Tage, wo in seinem Herzen reine Flammen glühten, ein frommer Glaube, findliches Ver­trauen, wo er betend Herz und Hände aufhob zum Herrn

( Gickener Tageblatt)

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Telephon Nr. 862.

25. Jahrg.

dadurch vermieden werden könnte, daß die Ungerechtig= keit, die in Bukarest begangen wurde, gut gemacht wird. Der Vertrag von Bukarest verpflichte Bulgarien, zuerst zu demobilisieren, trotz des Vorstoßes der Türken in Thrazien. Die Türkei fahre fort, Truppen heranzu schaffen, deren Zahl bereits 200 000 Mann erreicht hat.

Die Friedensunterhändler haben mit wenigen Aus­nahmen Bukarest verlassen. Bulgarien scheint die Hoff­nungen auf eine ihm günstige Revision des Friedens= vertrags durch die Großmächte langsam schwinden zu lassen, und auch die Hoffnungen auf Adrianopel wird es bald endgültig begraben müssen. Ruhe soll auf dem Balkan sein und bleiben. Der Vertrag wird nicht ab­geändert werden, Deutschland ist nach wie vor für den österreichischen Standpunkt nicht zu gewinnen. Eine Geg­nerschaft gegen Bulgarien sei nicht im Spiele. Aber wie die Dinge jetzt lägen, ließen sich die bulgarischen Wün­sche ohne neue Gefährdung des Friedens nicht verwirk­lichen.

London. Sir Edward Grey sprach gestern nachmittag im Unterhause über die Lage auf dem Balkan. Was die ägäischen Inseln betrifft, so hat Endland durch seine Stellung im Mittelmeer ein besonderes Interesse daran, nämlich, daß keine dieser Inseln von einer der Großmächte in Anspruch genom= men oder behalten wird. Was die gegenwärtige Lage betrifft, so bestehen zwei sehr ernste und sehr schwierige Fragen, nämlich die schließliche Entscheidung über Thra­zien und Mazedonien. Was Thrazien und Adria­no pel betrifft, so haben die Mächte Vorstellungen in Konstantinopel erhoben, daß die Enos- Midia- Linie im großen und ganzen respektiert werden müsse.

König Karol sandte an König Ferdinand an­läßlich des Friedensschlusses ein herzliches Telegramm, und sowie an die Könige von Serbien, Griechenland Montenegro gleichlautende Drahtungen. Alle vier Kö­nige antworteten ebenso herzlich.

*

In einer längeren Depesche aus Petersburg führt der Temps" aus, daß Rußland auf sein Revi= sionsverlangen endgültig verzichtet.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Berlin. Zur Verstärkung der Befestigungen deutscher Nordsee- Inseln sind im Reichs- Etat für 1913­1914 neuerdings erhebliche Mittel eingestellt worden.

der Welten. Gott kann helfen. Er muß helfen! Gra Warminski hat äußerlich die Pflichten der Religion steti erfüllt; Sonntags besuchte er den Gottesdienst, Osterr empfing er die Sakramente, aber sein Herz war bei die sen Dingen unberührt geblieben, es hatte zu beten ver lernt, und jetzt, in der furchtbaren Angst und Not ver mochten sich die Gedanken nur schwer zu einem Aft der Anbetung, noch schwerer zu einem Aft der Ergebung und Unterwerfung zu ordnen. Er rief nur immerfort: Herr, wenn du der bist, für den sie dich ausgeben, der große, allmächtige Gott, dann hilf, erhalte mir das Kind!" Doch es schien, als wollte Gott das Gebet nicht hören, als wollte er den Jammer einer Mutter übersehen. Noch einmal öffnete Stanislaus die Augen, seine Hände strt­chen über die weichen Decken, er schien zu spielen, denn im Streicheln sagte er lächelnd:" Mausekaz". Dann schloß er die Augen und wandte das Gesicht ein wenig zur Seite. Ein leichtes, faum wahrnehmbares Bucken ging durch seinen Körper- er war tot.

Da rang sich aus der Brust des Grafen ein Aechzen Ios, ein erschütternder Weheschret. Aber er wagte es nicht, eine Mutter in ihrem Schmerz um das geliebte Kind zu stören, denn sie hatte sich über die Leiche ge­worfen und bedeckte des toten Knaben Lippen mit heißen Küssen, als könnte sie mit ihrem Odem das entflohene Leben aufs neue entfachen. Scheu stand Warminski da­neben, ihm war unsäglich elend zu Mute, und seine Stimmung ward nicht besser, sein Schmerz nicht linder, als seine Frau wortlos neben ihm stand. Sie sah ihn nur immer mit ihren verschleierten Augen an, wenn er fte etwas fragte, und er glaubte in diesen Blicken An­flagen zu lesen. Da gab er es endgültig auf, seine Gat­tin zu stüßen und zu trösten. Er zog sich in sein 3im­mer zurück und blieb fast den ganzen Tag allein mit set­nen seltsamen Gedanken

( Fortsetzung folgt.)