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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwochs und Samstags. meg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag ber ,, Gießener Zeitung" G. m. b.§.

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Nr. 13.

Telephon: Nr. 362.

Verlobung im Kaiserbause.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 12. Februar 1913.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 pfg.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame 3eile 50 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitveibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362.

25. Jahry.

| lerische Lager hinüberwechseln. Der erheblich größere Teil aber besteht aus liberalen oder mehr demokratisch empfindenden Elementen, des fleinen Bürger- und Bau­

1892 geboren. Die Prinzessin, die der erklärte Liebling namentlich ihres Vaters ist, erfreut sich auch bei der Hofgesellschaft wegen ihres frischen, natürlichen und lie­benswürdigen Wesens allgemeiner Beliebtheit. Wie jede preußische Prinzessin, so bekleidet auch sie eine militäri­sche Ehrenstellung, und zwar ist sie Chef des zweiten Leibhusaren- Regiments Königin Viktoria von Preußen in Danzig. Prinz Ernst August von Cumber land, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, ist am 17. November 1887 als jüngerer Sohn des Herzogs Ernst August von Cumberland geboren. Mit dieser Verbindung gewinnt das Hohenzollernhaus einen zweiten Anschluß an den dänisch- welfi­schen Verwandtenkreis. Zuerst wurde dieser Anschluß durch die Vermählung des Kronprinzen mit der Herzogin Cecilie zu Mecklenburg hergestellt, die cine Schwester der Königin von Dänemark und Schwägerin der zweiten Tochter des Herzogs Ernst Auguſt Cumberland, der Großherzogin Alexandra von Meck lenburg- Schwerin, ist. Durch diese jüngste Verlobung Die gewinnen diese Beziehungen weitere Befestigung. Toehter des Kaisers wird die Schwiegertochter des Chefs des Welfenhauses, der mit der Prinzessin Thyra Dänemark vermählt ist, einer Tochter des verstorbenen Königs Christian 9. von Dänemark, der 1864 Schles­wig- Holstein verlor, und Schwester der Königinwitwe von England und Kaiserinwitwe von Rußland.

Das uralte Welfenhaus, das aus Karls des Großen Zeiten in die Geschichte der Gegenwart hinein­ragt, hat seinen Frieden mit dem Hause Hohenzollern gemacht und damit die Gebietsveränderungen des Krie­ges von 1866 anerkannt. Damit ist auch die letzte Un­stimmigkeit aus jenem deutschen Bruderkriege chus ge­glichen. Der Reichsanzeiger gibt in einer Extraausgabe die am Montag in Karlsruhe vollzogene Verlob­ung der Prinzessin Viktoria Luise von Preu ßen mit dem Prinzen Ernst August von Cum­berland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, bekannt. Ueber dies der Deffentlichkeit ganz überraschend tommende Ereignis ist folgendes zu melden: Ganz un­vermutet ist Sonntag abend das Kaiserpaar mit dem Prinzen Oskar und der Prinzessin Viktoria Luise nach Karlsruhe abgereist, wo im Laufe der Nacht bei seinem Schwager, dem Prinzen Max von Baden, Her= 30g Ernst August, der in der bayerischen Armee steht, eingetroffen ist. Die Reise des Kaiserpaares war in aller Stille und mit aller Heimlichkeit vorbereitet wor­der, so daß selbst der Hofstaat erst im Laufe des Sonntag nachmittag davon Kenntnis erhielt. Zum Em­pfange in Karlsruhe waren das Großherzogspaar und Prinz Max von Baden nebst seiner Gattin erschienen, die eine Tochter des alten Welfenherzogs, des Herzogs vpn Cumberland, und Schwester des Prinzen Ernst verhältnisse, Beo: August ist. Die hohen Herrschaften begrüßten sich auf ags- und Alimen dem Bahnsteig auf das herzlichste. Am Montag abend eiche Empfehlungen. 7 Uhr war Gratulationscour für das neuverlobte Paar im Großherzoglichen Schloß zu Karlsruhe, zu welcher .m. b. H. sich außer der kaiserlichen Familie eingefunden hatten: Das Großherzogspaar, die Großherzoginwitwe Luise, Prinz und Prinzessin Max, der preußische Gesandte Ex­zellenz v. Eisendecher, der kommandierende General von gen schon vieles an- Hoiningen, sowie sämtliche hohen Staats-, Militär- und ewandt, bringt mein tetes Mittel schnelle Gemeindebeamten. An die Gratulationscour anschließ­schend. Erfolg, selbst end fand im engsten Familienkreise Tafel statt. Die Dankschreiben. Itern des Bräutigams, der alte Herzog r. M. 3,50, extra von Cumberland und die Herzogin, waren nicht er­.Nachnahmeversand atius, Berlin N., Schienen. Prinzessin Viktoria Luise, die einzige Toch­ter des deutschen Kaiserpaares, ist am 13. September

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f. I. 4359.

Holzminden.

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Direktor

u. Haarmann

nterricht15.Oktober.

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Die politische Bedeutung dieser Verlobung liegt darin, daß sie die politische Aussöhnung der Ho­henzollern und Welfen wegen der Ereignisse von 1866 nach sich zieht und damit der letzten Fronde gegen die Entwickelung Preußens und des Deutschen Reiches ein Ende bereitet. In Braunschweig herrscht freu­dige Erregung über die aus Berlin und Karlsruhe ein­getroffenen Nachrichten von einer Verlobung zwischen den Häusern Hohenzollern und Welf.

Für die Welfenpartei bedeutet, so meint das Berl. Tagebl.", die Lösung der Welfenfrage durch die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prin­zen Ernst August von Cumberland einen vernichtenden Schlag. Die natürliche Folge dürfte sein, daß das Wel­fentum auseinanderfallen muß. Seiner politischen Grundrichtung entsprechend, wird ein Teil der Anhän ger des Welfentums zweifellos in das konservativ- bünd­

Machen Sie keine kostspieligen Beleuchtungs­Experimente! Nehmen Sie gleich das Richtige. ,, D Degea"

den besten Glühkörper der Auergesellschaft!

erntums.

Eifrig kolportiert wird auch hier die Nachricht, daß nach der Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise mit dem Prinzen Ernst August auch die Verlobung der Prinzessin Olga von Cumberland mit dem Prin­zen Oskar von Preußen bevorsteht.

Vom Balkan- Krieg.

Konstantinopel, 10. Febr. Eine amtliche Veröffentlichung besagt: Unsere Truppen, die sich bei Derkos befinden, besetzten, ohne Widerstand zu finden, die verschanzten Stellungen des Feindes. Der linke Flügel der Tschataldscha- Armee, der vorrückte, um den Feind auf den Höhen von Omarli anzugreifen, zwang zwei feindliche Regimenter, sich zurückzuziehen. Der Feind griff unsere Stellungen am großen See an und besetzte unsere Deckungen, aber unsere Truppen erwiderten leb­haft das Feuer und nahmen sie wieder ein. Die bei Scharfoei ausgeschifften Truppen kamen in einen Kampf mit dem Feinde und fügten ihm einen Verlust von 200 Toten zu. Ein bulgarischer Offizier wurde gefangen. Das Bombardement von Adrianopel dauert fort; aber nur sehr schwach. Die Lage für die türkischen Truppen soll überall gut sein. Nach der Beschießung der bul­garischen Stellungen bei Silivri zogen sich die Bulga­ren in das Innere der Stadt zurück. Die Kämpfe bei Maltepe auf der Halbinsel Gallipoli sind sehr er­bittert gewesen. Die Bulgaren haben hunderte von To­ten und Verwundeten. Die Türken machten rund 30 Gefangene, sie hatten nur 2 Tote und etwo 30 Ver­

wundete.

Cetinje, 10. Febr. Nach 3tägigen erbitterten Kämpfen, die um die Einnahme von Bardanzolt geführt wurden, belaufen sich die Verluste der Mon­fenegriner auf etwa 2500 Tote und Verwundete. Auf beiden Seiten der Türken sind etwa 4000 ge­fallen, die auf dem Schlachtfeld liegen. Auf dem Berge Tarabosch bei Brdizza wütet der Kampf seit 3 Tagen. Obwohl die Truppen gegen Befestigungen zu kämpfen

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Das Glückskind.

Roman von Freue von Hellmuth.

( Nachdruck verboten.)

Als sie ihm aber ihr Anliegen vortrug, und ihn faſt demütig bat, ihr das Geld, das doch ihr gehöre, zurück­zugeben, da sie nach threm eigenen Ermessen beretts darüber verfügt habe, da schien er erst gar nicht zu wiffen, was sie eigentlich meinte, und dann- da sie in deutlichen Worten das von dem Vormund ausgezahlte Kapital verlangte, da lachte Winter aus vollem Halse, baß ihm die Tränen in die Augen traten, und Röschen ganz verzweifelt die Hände faltete, und nochmals bat: Gib mir das Geld zurück, ich muß es haben, hörst Du, ich flehe Dich an, denn

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Aber Täubchen", unterbrach sie der Gatte, noch immer lachend, was willst Du denn damit?" Das ist doch Cache der Männer, nicht der Weiber; laß Du Dein Geld nur ruhig in meinen Händen, es ist schon ganz gut aufgehoben.

Da rang das arme, gequälte Wetb in furchtbarer Angst die Hände, upd bat und beschwor den Gatien, umsonst er bliek unerbittlich. Röschen suchte im­mer dringender und heftiger die Herausgabe des Gel­bes zu erzwingen.

Als auch dies fruchtlos blieb, da fing fie an, den berhaßten Mann zu schmähen in den unüberlegteſten beleidigendsten Ausdrücken, daß er sie bloß um des denden Mammons willen gehetratet, wie erbärm­ch eine solche Handlungsweise in thren Augen set, baß er nie, so lange fte lebe, darauf rechnen dürfe, re Berzethung und Achtung, noch viel weniger thr Berz und thre tebe zu erringen.

Das war zu viel für den stolzen Mann. MH ner wütenden Gebärde riß er das zarte, erschrockene Wetb empor, und rief mit weithin dröhnender, Hef erbitterter Stimme: So wiffe denn, was ich Dir un­

dankbarem, einfältigem Geschöpf aus Zartsinn und Schonung für immer verschweigen wollte, und bedenke stets, daß Du selbst es warst, die mich zu der Mitteilung zwang: daß ich nämlich aus eigenem Antrieb und voll­ständig freiwillig auf das ganze Kapital r htet habe, einesteils, weil Dein Vormund selb.hts mehr sein eigen nannte, und ich von meinem Rechte keinen Gebrauch machen mochte, andernteils, weil ich in Deinem Besitz allein mein ganzes Glück suchte, nicht in Deinem Geld, wie Du trrtümlich vermutest. Ich habe zwar Böhler versprochen, Dir nie Andeutungen da­rüber machen zu wollen, allein, wie die Verhältnisse Itegen, konnte ich nicht schweigen, und einen solch' er­niedrigenden Verdacht auf mir ſizen laffen. Und nun fteh' zu, wo Du den Mut hernimmst, mich wieder zu schmähen."

Röschen sant nach diesem zornigen Ausbruch wie vernichtet in ihren Stuhl zurück; das arme Wetb war nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, nur eines begriff es, das Schreckliche, Fürchterliche: Daß das ganze, große, unermeßliche Opfer umsonst gebracht

war!

Nun mußte Waldemar doch verloren sein, wer sollte ihn retten?

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Von threm Gatten konnte sie doch unmöglich ver­langen, daß er, nachdem er auf das Kapttal verzichtet, auch noch des Bruders Schulden bezahle, er würde fte höchst wahrscheinlich verspotten und verlachen, wollte ste mit einem solchen Anfinnen tommen, thm, den ste so tief getränkt mit ihrem unwürdigen Verdacht.

tett aber auch winter fubite, daß er in feiner Heftig­gegangen. Er berente don ganzem Herzen, daß er sich hatte fortreißen lassen, und bat fogar ber ge­Itebten Frau das Vergehen ab.

Doch diese hörte nicht. In threm Kopfe fummte und brummte es bunt durcheinander. Die brennen­den Augen schmerzten fo befitg, fie fühlte fich wie zer

schlagen am ganzen Körper, und zog sich frühzeitig auf thr Zimmer zurück.

Da lag die arme junge Frau in dem mit Luxus ausgestatteten Gemach auf ihrem Ruhebett die ganze Nacht mit fieberhaft erregten Nerven, und sann und sann, und konnte doch keinen Ausweg finden.

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Der fahle Schein des anbrechenden Morgens stahl fich durch die seldenen Gardtnen und huschte über die tostbaren Teppiche, über die geschnitten, zierlichen Möbel, über dte Blumen, die in Schalen und Vasen überall umherstanden und das ganze Zimmer mit zare tem Duft erfüllten, und blteb zuletzt an dem schönen, getsterbleichen Gesicht der jungen Frau haften, das so unbeweglich schten, als wäre das Leben aus diesen eben­mäßigen Zügen beretts entflohen.

Winter kam und klopfte an die verschlossene Türe, erhieli aber feine Antwort. Mißmutig entfernte er sich, i der Meinung, seine Frau schlafe noch. Der Kammerjungfer, die der Gebieterin das Frühstück bringen wollte, ging es nicht besser.

So wurde es Mittag, da litt es den besorgten Gat­ten nicht länger allein. Nachdem er wiederholt in den zärtlichsten Ausdrücken gebeten hatte, Röschen möge doch öffnen, ward ihm die Auskunft, sie wünsche für sich zu bleiben.

Erst als die Zofe tam und meldete, daß ste etnen Brief an die gnädige Frau abzugeben habe, wurde geöffnet. Die junge Frau nahm erblassend das Kuvert und las die Aufschrift: Frau Direktor winter, Wohl­geboren."

Gott, metn Gott, von Waldemar", bebte es von thren Lippen.

Ste wagte kaum, das Schreiben, das in threr Hand attterte, zu öffnen. Doch wie felige Verklärung flog es schon nach den ersten Betlen über das blaffe Geft, dte Augen leuchteten hell, wie in glücklichen Betten.

( kortfegung folgt.)