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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgebolt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabeftellen viertelfährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der.. Gießener Zeitung" G. m. b. H.

weg 83.

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Nr. 64.

Telephon: Nr. 362.

und

Friede im Balkanland. Bukarest, 6. August. Der Friede ist zwischen Bulgarien einerseits und Serbien, Griechenland Montenegro andererseits mündlich auf der Grundlage abgeschlossen worden, daß Strumiza an Bulgarien und Ravalla an Griechenland fallen.

Die Friedenskonferenz in Bukarest hielt gestern eine längere Sihung ab. Der Vorsitzende Ma­jorescu ließ die Briefe des österreich ungari schen und des russischen Gesandten vom 4. und 6. August zur Verlesung bringen, in denen sich diese das Recht vorbehalten, eine Revision des Ver­Einn., ferner bei trages von Bukarest zu verlangen. Die beiden Noten uppert I., W. Sen gehen dem zwischen den Kriegführenden erzielten Ueber­-eintommen voraus. Der bulgarische Bevollmäch

Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 9. August 1913.

Die Sizung wurde aufgehoben mit der Erklärung des Vorsitzenden Majorescu, daß die morgige Sigung der Frage der Demobilisierungen und der Ratifikation der einzelnen Punkte des Friedensvertrages gewidmet werden soll. Die Unterzeichnung des Friedens­vertrages soll am Montag stattfinden.

Die russische Regierung hat bei der rumäni­schen Regierung daran erinnert, daß sie sich vorbehalte, den Friedensvertrag, was Kawalla anbetrifft, zu revi­| dieren. Wie verlautet, sei ein gleicher Schritt von De­ſterreich- Ungarn fürzlich unternommen worden. Rußland besteht entschieden auf die Zuteilung Kawallas an Bul­garien.

hlige Former Hate Sera boff erfarte, babe bir itine Regierung beginnt weſtlich des Belaſchita- Gebirges, zwischen Strum;

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von den Roten Kenntnis, aber die bulgarischen Dele­re Ofenteile gierten würden den Vertrag auf jeden Fall unterzeich­Lohn gesucht. nen. Der Vorsitzende nahm von dieser Erklärung Ra­rkschaft Quir deffs Kenntnis und ließ sie in das Protokoll einfügen. Sekretär Pissoski verlas darauf den Friedens­vertragsentwurf, wie er von der Konferenz redigiert

int bei Trier.

wurde.

rfinder Artikel 1, der den Abschluß des Friedens zwischen sfähige Erfing den Vertragsmächten feststellt, wird angenommen.

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b geschützt werd Artikel 2 betrifft den Frieden zwischen Rumä= a. zu kaufen od. venien und Bulgarien und bestimmt die gesucht. Prüfung Grenzen und gewährt einen Aufschub von zwei Jahren fähigkeit kosten Krug, Jugen für die Schleifung der Forts von Rustschuk und Schum­B.. Villa Elisabebla und eine Frist von 14 Tagen für Festsetzung der ädterstrasse 44. Grenzlinie. Im Falle einer Meinungsverschiedenheit soll

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das Schiedsgericht Belgiens, Hollands oder der Schweiz angerufen werden. Dieser Artikel wurde gleichfalls an= genommen.

Artikel 3 betrifft den Frieden zwischen Bulga rien und Serbien und wurde der morgigen Be­prechung vorbehalten.

Artikel 4 bezieht sich auf die griechisch buI= chlechtskranlar is d) e Grenze und enthält die Klausel der Verzicht­der Genorrhöeleistung Bulgariens auf seinen Anspruch auf Thasos. ausfluss) und Syp Was die Frage einer Entschädigung anlangt, schlug Quecks, ohne Eis Griechenland vor, daß diese Frage von einer gemischten Berufsst, ohne Ri ufkl, Brosch, 5 es kommission geprüft werde, aber Bulgarien lehnte dies M. 1.20. Spezia ab unter der Angabe, neuen Mißhelligkeiten auszuwei­ed Thisquen's, then. Bulgarien gibt den Forderungen Griechenlands in isches Heilver der Frage der Schulen und Kirchen nach; die serbischen Frankfurt a. M., K str. 45, Köln- Delecierten erklärten, die Frage der Schulen und Kir­hsenhausen& Be en fei der serbischen Verfassung vorbehalten und könne Leipzigerst nicht egenstand des Vertrages sein.

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Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank. ( Nachdruck verboten.)

Wenn erst die feurigen Ungarweine zu wirken begannen, wenn der perlende Seft in Strömen floß, dann pulste auch das Blut rascher, freier, leichter, dann war das Herz begeisterungsfähiger; stürmischer war dann sein Verlangen, ungstümer sein Sehnen, es ent­30g sich gar so leicht der Herrschaft des Verstandes; es

lles kompl. mit Gear, als habe man den unbequemen Warner mit köst­M sofort zu verklichen, würzigen Weinen einschläfern wollen, um vor herer Marbar feinen Einsprüchen sicher zu sein.

Biegenstrasse 45.

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219

Abseits von dem Wogen und Treiben der tanzlu­#tigen Gesellschaft saßen einige Herren, die aus Bequem­lichkeit sich zurückgezogen hatten. Aber sie faßen nicht müßig. Banknoten und Goldmünzen Silber war heute verpönt wurden über den Tisch hin und her ge­schoben; mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks voll­zog sich das Mischen und Geben der Karten; man spielte feit turzer Zeit sächsische Bank mit hohen Einsäßen; manchmal lagen in der Kaffe des Banthalters Sum­men, mit denen man ein kleines Dorf ein Jahr lang hätte unterhalten können. Ein eigentümliches Flackern bg in den Blicken der meisten Spieler. Das war die Leidenschaft, der Spielteufel.

Auch Warminski hatte er gepackt. In den ersten Fahren feiner Ehe hatte er nur wenig gespielt, feẞt tat res häufig. Anfangs war er ein glücklicher Spieler, ber mit einem Male schien das Glück ihm den Rücken ekehrt zu haben. Und weil er so gar nicht gewöhnt par, zu verlieren, weil er diese Laune des Schicksals ur dem Umstande zuschrieb, daß er nicht genug wagte, o gab es bald keinen waghalsigeren Spieler, als den Grafen. Aber es half nichts, das Glück ging ihm ge= fentlich aus dem Wege. Umso brennender ward setn Berlangen, es an sich zu feffeln, es zu bezwingen. Die

Bukarest, 7. Aug. Die im Friedensprotokoll festgesetzte Grenze zwischen Bulgarien und Griechenland niza und Doiran, verläuft dessen Kamm entlang nach Jürükleri bis zum Dorfe Topolnitza, geht dann über den Strumafluß nach Kodscha Tschiflik, Tschengane, Kalesi zur Kuppe 1800 und zum Dorfe Lowtscha, von dort südlich bis Tschadirkaja, nördlich noch Awlikadak, süd­lich zum Gipfel Kajindlchal, zu den Kuppen 1587 und 985, nach Karowo und den Kuppen 1177 und 1845, dann südlich zum Gipfel Techigla, weiter über das Ru jenplateau zur Eisenbahnstation Oftschiler und den Ka­rasu entlang bis zum Meer.

Die serbisch- bulgarische Grenze beginnt in der West­ecke des Belaschizza- Gebirges, geht im Bogen zwischen der Strumnizza und Radowischte auf der Wasserscheide zwilchen Struma und Wardar bis zur heutigen Süd­grenze Bulgariens.

Konstantinopel, 7. Aug. Die Botschafter der 6 Mächte besuchten heute Mittag einzeln den Großwesir Adriano pel, worin die Türkei aufgefordert wird, und überreichten Verbalnoten wegen der Frage von den Vertrag von London zu respektieren.

Die Verluste an Menschen und Geld im ersten Feldzug sind wie folgt abgeschäßt: Bulgarien: 350 000 Soldaten mobilisiert, 80 000 Tote, Kosten 1200 Mill. Mart. Serbien 250 000 Soldaten, 30 000 Tote, Kosten 620 Millionen Mark. Griechenland: 10 000 Zote von 150 000, Soften 280 Millionen Mark. Montenegro: 8000 Tote ron 30 000. Kosten 16 Millionen Mark. Türkei 450 000 Mann mobilisiert, 100 000 Tote, Ko­sten 1600 Millionen Mark.

Für den zweiten Feldzua sind die Ziffern schäk unesmeile mio folat: Bulgarien: 60 000 Tote, 720 Mil­

Straft und Energie, die in ihm aufgespeichert lag, trat hier in Wirksamkeit. Und merkwürdig: heute, nach dem Eisfest, schien dem Grafen sein Vorhaben zu glücken. Es machte ihm eine große Freude, sich davon zu über­zeugen. Er mochte Karten kaufen oder halten, fast alle­mal war ihm der Gewinn sicher. Eine starke Erregung bemächtigte sich seiner. Geldgier und das Gefühl des befriedigten Wunsches fachten dieses Feuer an in seiner Brust. Aus seinen Augen sprühten flackernde Lichter, dunkle Röte lag auf seinen Wangen. Das Häuschen Geld, das er beim Beginn des Spiels vor sich liegen hatte, ward größer und größer. Die Banknoten fnister­ten bei jeder Verschiebung, das Gold klirrte und klang und lockte und schmeichelte, und jedes Goldstück schien ein kleiner Dämon zu sein, der die Krallenhände nach seinen Opfern ausstreckte. Das Spiel nahm seinen Fortgang, bis in später Nachtstunde das Signal zum Aufbruch gegeben wurde. Warminski raffte seinen Geldgewinn zusammen; die Banknoten legte er in die Brieftasche, das Geld stopfte er ohne weitere Umstände in die Taschen. Hastig nahm er Abschied und eilte hin­aus, wo sein Schlitten zur Abfahrt bereit stand. Vom Turm der nahen Kirche hallten drei langgezogene Glockenschläge durch die Winternacht. Nach allen Wind­richtungen fuhren die Gäste auseinander. Warminski hüllte sich in seinen Belz, denn es war bitter kalt, und fort gings in sausendem Galopp. Am dunklen Nacht­himmel blizzten die Sterne; der Laubwald, der arm und bloß dastand wie ein Bettler, schüttelte sich leise, und seine fahlen Aefte ächzten, und die Büschel dürren Lau­bes, die hie und da allen Stürmen zum Trotz sizzen ge= blieben waren, raschelten geheimnisvoll in dem letsen Nachthauch. Immer weiter sauste der Schlitten. Und doch kam es dem Grafen vor, als tämen sie gar nicht vor­wärts. Wieder zogen krause Gedanken durch seine Seele. Die Gier nach Gold war für einen Augenblickt gestillt; folange er am Spieltische gefeffen, hatten alle Gedanken

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

25. Jabry.

lionen Mark Kosten; Serbien: 40 000 Tote, 400 Mill. Mark Kosten.

Wenn man hierzu die Ermordeten, die Opfer der Cholera und anderer Epidemien hinzunimmt, so dürften die Menschenverluste mindestens 400 000 betragen, und die finanzieilen Kosten insgesamt mit 5 200 000 000 zu schätzen seien.

Politische Rundschau.

Deutschland.

eingetroffen, wo er sich bis zum 10. August zur Teil­Der Kaiser ist am 6. August in Swinemünde nahme an Schießübungen aufhalten wird. Am 10. Au­gust begibt sich der Kaiser nach Rostock zum Jubiläum Truppenübungsplatz Alten- Grabow, wo am 11. und des Füsilierregiments Nr. 90 und von dort nach dem 12. August große Kavallerieübungen stattfinden sollen. August Parade auf dem Großen Sand" abgehalten Hieran schließt sich eine Reise nach Mainz, wo am 13. ser der Einweihung des Denkmals des Jägers aus wird. Am Nachmittag desselben Tages wird der Kai­Kurpfalz" bei Streuznach beiwohnen und von dort aus zwei Tage nach Cronberg fahren. Am 16. August be­gibt sich der Kaiser nach Bad Homburg v. d. H., wo am 18. August der Geburtstag des Kaisers Franz Jo­ef gefeiert werden wird, am 24. zu den Jahrhundert- feierlichkeiten nach Kehlheim und von dort zu den Kai­sermanövern nach Posen in Schlesien.

Desterreich.

* Die von der Kriegsverwaltung in Anspruch zu nehmende Erhöhung der Rekrutenkontingente wird sich zwischen 36 000 und 40 000 Mann bewegen. Davon entfallen 20 000 auf das Heer, 2000 auf die Kriegs­marine und je 6000 auf die beiden Landwehren.

Frankreich.

Paris, 6. Aug. An der deutsch- französischen Grenze bei Reviremont traf gestern ein Bataillon der 5. französischen Jäger auf ein Bataillon des 171. deut schen Infanterie- Regiments. Das deutsche Bataillon sa­lutierte, worauf die Franzosen antworteten. Die Fran= 30sen defilierten, während die Deutschen eine Salve aus ihren Maschinengewehren abgaben.

Die französische Wehrvorlage ist in ihren Hauptartikeln, die die aktive Dienstzeit auf drei Jahre festsetzen und die Einstellung von Zwanzigjähri­gen gestatten, gestern auch vom Senat angenommen worden. Der Senat hat mit diesen Abstimmungen die Beschlüsse der französischen Kammer bestätigt, so daß das neue Militärgesetz nun parlamentarisch erledigt ist.

geschwiegen, da hatte nur eine Jegung ihn beherrscht: Du mußt dein Glück ausnutzen. Und weil er es an sich zu fesseln vermochte, hatte eine fteberhafte Freude ihn erfüllt. Aber das war jetzt zu Ende. Die schneidend kalte Nachtluft fühlte sein Blut ab. Da fiel ihm mil einem Male Pawlewski, einer der Spieler, ein. Was hatte der Mensch doch gesagt? Wars nicht: Ich wollte nur sehen, ob ich den Teufel nicht erblicke, der Dich in den Klauen hat?" Ja, ja, so etwas Aehnliches muß er gesagt haben. Aber das war ja natürlich Unsinn: Paw= lewski war ein Lump, ein Trinker, der nur geduldet wurde in ihrem Streis; seine Worte hatten keinerlei Be­deutung, es waren eben nur Grobheiten, der Ausfluß des Rausches.

Und doch, und doch!-

Warminski zog den großen Belzmantel fester an sich. Dabei flirrte es letse. Das war das Gold, das er vorhin in die Taschen geschoben hatte.

So eine Fahrt in stiller, dunkler Nacht ist doch un­säglich langweilig, dachte der Graf, und eine Sehnsucht überkam ihn, endlich zu Hause zu sein. Das war ja der Anknüpfungspunkt an jene Gedankenreihe, der er nach Möglichkeit hatte ausweichen wollen. Ja, dieses zu Hause! Was bot es ihm? Ein schönes Weib war sein, ein zartes Geschöpf, das immer nur gestützt und beschüßt, verwöhnt und verzärtelt sein wollte, das nicht gewöhnt war, Opfer zu bringen, das nur deswegen weich und zärtlich und liebevoll war, um das Dargebrachte mit Zinsen zurück zu erhalten. Aber sie hatte ihm Kinder gegeben, seinen Liebling Stanislaus, seine kleinen Mä­dels Jadwiga und Slawa. War das kein Glück? War er nicht reich?

Er wußte nicht, wie er diese Frage beantworten follte; er mußte nicht, was ihm an diesem Glück, an fet­nem Reichtum fehlte.

( Fortfehung folat.)