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Bibliothet
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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 25 pig. monatlich viertelfährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Medaktion: Selters weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b. S.
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Nr. 29.
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Telephon: Nr. 362.
Beichskanzler Bethmann Holweg's jüngste Bede am Montag im Reichstag
über die neue Wehrvorlage.
Der Reichskanzler trat mit dieser Rede Hand in Hand mit Desterreich vor die Welt und hat die große Aufgabe glänzend gelöst, die deutsche Wehrvorlage zu begründen und dabei doch eine friedliche Rede zu halten. Es ist doch etwas Schönes um die Kraft, die fried fertig ist, weil sie nicht fürchtet, weil sie sich ihrer Stärke bewußt ist und treue Freunde ihr eigen nerint. Diese Kraft ist der Dreibund, der dem Frieden Europas freudig dient. Eine tapfere Entschlossenheit liegt in den Worhalten habe, ten des Reichskanzlers, eine Entschlossenheit, die auch ft über meine sie Nachbarn verstehen werden, an die sie gerichtet sind. terstag den„ Einigkeit zwischen der flavusden under abzu. Welt und den Franzosen." So fennzeichnete Jeder Stot ber Reichskanzler die Lage des deutschen Reiches und in kurzer Zeit gab damit der Begründung der Wehrvorlage die fürbel von den zeste und Klarste Fassung. Einerseits mußte der Reichsstunde mitge- lanzler die steigende Gefährlichkeit des Panslavismus im einer Methode Osten und des Chauvinismus im Westen deutlich darlegen; andererseits mußte er alles vermeiden, was als te einen Ruh eine Herausforderung oder eine Kränkung der Nachbargen über 500 regierungen gedeutet werden könnte. Die Zeit der Ka= efe liegen in binettskriege ist vorbei; wenn es jetzt zu Kriegen kommt, die zur Zett so sind es Volfstriege! Herr von Bethmann Nande hatten Hollweg gab aber zu dieser Ansicht einen erläuternden bezügliche Dri: Zusatz, der von hervorragender realpolitischer Bedeutrfer Stotterer ng ist: der Volkskrieg wird nicht von der Mehrheit des n selbst bom Bolkes entfesselt, sondern von einer rührigen, rücksichts= etwa 10 Mt. osen Minderheit.„ Die Macht der öffentlichen Meinung hste Weg zur jat zugenommen und innerhalb der öffentlichen Meinunfiserteilung ang der Druck derjenigen, die sich am lautesten gebär
Den.
Zu der diplomatischen Aufgabe des Reichskanzlers -Warnede, jehörte auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein varmes Freundschaftswort nach England. In dieser hältniffe, Beo: hintsicht hat er alle Erwartungen reichlich erfüllt, und Alimen hne dabei der Würde oder den Interessen Deutschlands Empfehlungen. twas zu vergeben.
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Der Aufruf des Reichskanzlers, uns start zu mam. b. H. hen zur Selbstbehauptung, wird im Volk Verständnis ind Anklang finden. Im Reichstag hat schon der Zen1. 4359. rumsführer Spahn die Zustimmung aller Gutgesinn en zu dem Grundgedanken der großen Aktion ausgeprochen. Die sorgsame Prüfung der Einzelhei en wird die Opferwilligkeit der Nation nicht beein= rächtigen, sondern erst recht sichern und erhalten, venn nur die notwendige Verständigung unter den po= itiven Parteien zustande kommt.
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Die Nachbarn vom Heideland.
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Roman von Ludwig Blümcke.
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( Nachdruck verboten.) Was das für ihn selber bedeutete und in welche Verlegenheit es ihn bringen mußte, das wußte der Eichhofer ganz genau, auch Hans wußte es. Aber Vater und Sohn waren vollkommen eines Sinnes darin, daß man so und nicht anders handeln müßte.-
Nachher begann Hinrichsen wieder zu phantasieren, und Doktor Schröder schüttelte bedenklich seinen grauen Kopf.„ Wenn er nur nicht ganz und gar den Verstand verliert!" meinte er mit einem tiefen Seufzer zu Frau Ohlsen, die den Kranken wie eine Mutter pflegte.-
Erpedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 9. April 1913.
Unsere künftige Cutiflotte.
Nach der neuen Militärvorlage ist eine durchgreifende Reform des Militärverkehrswesen's geplant. Das Ganze untersteht einem Generalinspekteur im Range eines kommandierenden Generals, dem die Inspektionen der Eisenbahntruppen, der Feldtelegraphie, des Luft- und Kraftfahrwesens, des Festungsverkehrswesens und die Versuchsabteilung des Militärwesens unterstellt sind.
Hans spannte noch an diesem Abend die beiden Füchse vor den Wagen und fuhr nach Flensburg zu einem bekannten Makler. Er erhielt das Geld, immerhin noch verhältnismäßig genug für die ganze heurige Ernte und für einige Tausend noch nicht gestochenen Torf.
Da fand sich ein Maurermeister zum Neubau des Moorhofs, und Lorenzen konnte die Zinsen pünktlich abzahlen.
Die Luftflotte der Armee( ausschließlich Bayerns) soll in je eine Inspektion der Luftschiffertruppen und der Fliegertruppen gegliedert werden, die beide ihren Sitz in Berlin haben. Fünf Luftschifferbataillone sollen errichtet werden:
Hermine war am dritten Pfingsttage, wo die Festlichkeit im Wirtshause fortgesetzt wurde, recht verstimmt, weil Hans sich nicht sehen ließ. Daß er wegen des Unfalls feines Vaters nicht gerade in heiterster Stimmung fein würde, fand sie erklärlich. Aber sie wäre doch die erste, bei der er Trost suchen müßie, sie, seine Braut. Ach, daß er wie drei Knechte bis in die Nacht hinein auf dem Moorhof schaffte, heute am dritten Festtag, der doch, weil es Pfingsten, hierzulande gefeiert zu werden pflegte, das wußte sie nicht.
Nr. 1: 1. und 2. Kompagnie, Luftschifferlehr- Anstalt, Bespannungsabteilung in Berlin;
Nr. 2: Stab, 1. Kompagnie und Werft in Berlin, 2. Kompagnie in Hannover, 3.( sächs.) Kompagnie in Dresden;
Gegen Abend machte sie sich denn auf eine Stunde Los, um selber nach dem Eichhof zu spazieren und ihrem Schatz die Leviten zu lesen. Sie traf ihn nicht im Hause. Nur der Kranke und Stine Lorenzen, die Frau Shlsen
Nr. 3: Stab und 1. Kompagnie in Köln, 2. Kom pagnie in Düsseldorf, 3. Kompagnie in Darmstadt;
4.
Nr. 4: Stab und 1. Kompagnie in Mannheim, 2. Kompagnie in Mez, 3. Kompagnie in Lahr, ( württemberg.) Kompagnie in Friedrichshafen;
Nr. 5: 1. Kompagnie in Königsberg, Stab und 2. Kompagnie in Graudenz, 3. Kompagnie in Schneidemühl.
Die Fliegertruppen werden in folgende vier Bataillone gegliedert:
Nr. 1: 1. und 2. Kompagnie in Döberitz, 3. ( sächs.) Stompagnie in Zeithain, Artilleriefliegerstation in Jüterbogk.
2.
Nr. 2: Stab und 1. Kompagnie in Posen, Kompagnie in Graudenz, 3. Kompagnie in Königsberg; Nr. 3: Stab und 1. Kompagnie in Köln, 2. Kompagnie in Hannover, 3. Kompagnie in Darm= st a dt:
Nr. 4: Stab und 1. Kompagnie in Straßburg, 2. Kompagnie in Metz, 3. Kompagnie in Freiburg i. B.
Die Mittel für diese Neuformationen werden im Extraordinarium unter der Bezeichnung:„ Beschaffungen für Zwecke des Militärverkehrswesens... 34 647 000 Mark" angefordert. Daneben ist auch ein erheblicher Ausbau der Luftflotte der Marine geplant.
Politische Rundschau.
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Die Cumberlands beim Kaiser. Herzog Ernst August und Herzogin Thyra Cumberland sowie Prinzessin Olga, Herzogin zu Braun
in der Pflege desselben abgelöst, waren dort. Als jene thr die Türe öffnete und mit erstauntem Gesicht nach threm Begehr fragte, da warf sie den Kopf in den Nacken und entgegnete, während ihre Blicke geringschäßend über Stine hinwegglitten:
„ Ich wünsche den jungen Herrn zu sprechen. Sagen Ste dem, daß ich hier bin!"
Stine war es gewöhnt, von dieser stolzen Schönheit verächtlich behandelt zu werden, wie eine Dienstmagd, und sie hatte sich sonst nie weiter darum gekümmert, aber jetzt regte sich so etwas in ihr wie das Bewußtsein völliger Gleichberechtigung.
Sie antwortete darum sehr fühl:„ Wenn Sie Hans Hinrichsen meinen, dann sind Sie umsonst gekommen, der ist auf unserm Hof und hilft beim Torf."
Herminens Gesicht sah in diesem Augenblick nichts weniger als anmutig aus. Ste wußte recht wohl, daß ihr Bräutigam dieses Mädchen da gerettet, daß er ihretwegen sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, und mit ihren scharfen Augen sah sie eine gefährliche Nebenbuhlerin in dem schlichten Kind vom Torfkönig“, wie sie dasselbe wohl verächtlich zu nennen pflegte.
,, Sie scheinen nicht zu wissen, daß ich die Braut des jungen Herrn Hinrichsen bin," fuhr sie fort.
( Gickener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362. 25. Jahra.
schweig und Lüneburg, treffen am heutigen Mittwoch, mittags 1 Uhr, im Sonderzuge auf dem Hauptbahn= hof zu Frankfurt a. M. ein, um am Donnerstag von Frankfurt aus sich zum Besuche des Kaiserpaares nach Homburg v. d. H. zu begeben.
Da wurde Stine bleich und konnte nichts erwidern. Hermine stieß sie unsanft beiseite und drängte sich ins Zimmer. Die Kammer, in welcher der Kranke lag, stieß an dasselbe. Sie wollte auch dort eindringen. Aber da vertrat Stine ihr den Weg und sie sagte in gebieterischem Ton:„ Hier kommt kein Fremder herein. Der Arzt hat es strengstens verboten. Ich ganz allein darf in die Kammer. Gehen Sie zurück, Hinrichsen könnte wach werden. Der Schlaf tut ihm wohl!"
Aus Offenbach a. M. wird gemeldet, der Herzog von Cumberland treffe sicherem Vernehmen nach mit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen, dem Schwager des Kaisers, am Donnerstag Mittag auf Schloß Rumpenheim bei Offenbach ein, um der Landgräfin Philipp von Hessen, der Besitzerin des Schlosses, einen Besuch abzustatten. Die Vorbereitungen zum Empfang seien bereits getroffen. Es verlaute weiter, daß die erste Begegnung des Herzogs von Cumberland mit dem Kaiser auf diesem neutralen Boden stattfinden werde. In diesem Falle würde dann der Kaiser zusammen mit dem Herzog von Cumberland nach Homburg fahren.
Herminens Gesicht färbte sich dunkelrot vor Zorn, und ihre Augen schossen Blize. Aber sic sah, daß sie sich fügen müßte. Ünverschämte Person! Ich werde dafür sorgen, daß Du hier aus dem Hause verschwin
In Homburg ist das Gerücht verbreitet, daß gelegentlich des Besuchs des Herzogs von Cumberland Prinzessin Olga sichy mit dem Prinzen Adalbert von Preußen verloben werde.
* Amtlich wird jetzt bekanntgegeben: Das Herzogspaar von Cumberland wird am 10. April in Homburg v d. H. eintreffen und bis zum 12. April als Gäste des Kaiserpaares dort bleiben.
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Deutschland.
Prinz Heinrich von Preußen ist von Kiel nach England abgereist.
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Wenn die Meldung zutrifft, daß Verhandlungen über eine Vermehrung unseres Kolonialbesizes in Westafrika schweben, so kann es sich dabei nur um Abtretung portugiesischen Gebietes im Nordwesten des Kongostaates an Deutsch- Neukamerun handeln. Portugal befindet sich bekanntlich in großer Geldbedrängnis und wird vielleicht gegen eine entsprech= ende finanzielle Entschädigung zur Veräußerung afrikanischen Kolonialbesizes an Deutschland bereit sein.
† Simon Kopper, der alte Widersachez der deutschen Herrschaft in Südwest afrifa, ift, wie das Gouvernement meldet, am 31. Januar im 70 Lebensjahre gestorben. Nachdem man ihn aus dem deutschen Gebiet berdrängt hatte, lebte er in der Gegend bon Kalahari unter englischem Schußze.
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Rußland.
Petersburg. Der Botschafter Delcassee ist am Dienstag ganz unerwartet nach Paris gereist. dest!" keuchte sie, warf den Kopf noch tiefer in der Nacken und ging auf dem nächsten Wege dem Moorho
zu.
Stine saß am Krankenbett und schluchzte zum Herz zerbrechen.„ Nein, nein, die nicht, die nicht! Ich wil ihm ja nichts anders sein als eine Freundin, eine treu Schwester. Ich wünsche ihm dus höchste Glück au Erden. Möge er ein gutes Weib finden, das beste au Erden ist nicht zu gut für ihn. Aber die nicht, das wär sein Unglück!"
Das war es, was sie erfüllte. Nun wurde sie durd einen Wehlaut, den der kranke Riese ausstieß, an ihr Pflicht ermahnt, und darüber vergaß sie für einig Minuten diese neue schwere Sorge. Sie tauchte dei Verband in faltes Wasser und träufelte Hinrichsei von der schmerzlindernden Medizin über die trockener Lippen.
War das der stolze Ulan mit den funkelnden Epau letten und dem wallenden Haarbusch auf der kleidsamer Tschapka?- O welch eine Veränderung! In Hemds ärmeln stand er da im Torfmoor, von oben bis unter beschmutzt, sogar das Gesicht mit der schwarzen Moor masse besudelt. Er schien nichts zu hören und zu sehen so vertieft war er in seine Arbeit. Ewaid arbeitete weiter unten und hatte Hermine offenbar auch gar nich tommen seher.
„ Hans, bist Du das wirklich?" tam es verzweifelt über ihre Lippen. Da fuhr er auf, erkannte sie, schämte sich und wischte verlegen mit dem Arm über sein Gesicht..
Du mußt schon entschuldigen- aber-" " Ja, ja, Du bist ein galanter Bräutigam! So ges fällst Du mir, ha, ha, ha!"- Beißender Hohn lag darin, und Hans wurde noch verlegener.
( Fortsetzung folgt.)


