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und Von

Hessisches Heimat- und Trachtenfest zur

Tausendjahrfeier Cassels.

Diese Veranstaltung wird einen Hauptanziehungs­punkt unter den im Sommer und Herbst geplanten Festlichkeiten bilden. Bekanntlich haben sich in pielen Teilen des ehemaligen Kurhessen" noch bis in die Ge genwart jene malerischen Volkstrachten erhalten, die so Bei viel Poesie über Land und Leute ausstrahlen. dem kulturgeschichtlichen und zugleich volkstümlichen Grundzug, den die Casseler Tausendjahrfeter im Gegen­satz zu dem sonst vielfach üblichen Vergnügungsrum mel zu wahren gedenkt, lag der Gedanke nahe, dieses interessante Stüd lebendig gebliebener Vergangenheit als einen charakteristischen Ausdrud bodenständigen, hessi­schen Wesens in den Rahmen der Veranstaltungen ein­zubeziehen. Die der ländlichen Bevölkerung in diesem Sinne gegebenen Anregungen, bei dem Fest mitzuwir­ken, wurden allenthalben freudig aufgenommen. Zahl dieser Festteilnehmer wird keine geringe sein, denn die hessischen Trachten sind recht mannigfaltig und oft von Dorf zu Dorf zu verschieden. Am zähesten halten an den alten Sitten und Trachten wohl die Bewohner der Schwalmgegend fest.

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Originell wirkt die Kleidung der Schwälmerinnen. Als Kopfputz trägt die Tochter der Schwalm das mit breiten Bändern befestigte fronenförmige Betzelchen" oder die seltsame Kelzekappe, die in der Form der Bühte des Eisenhutes ähnelt. Die Jacke der Schwäl­merinnen ist mit bunten Knöpfen und mit glitzernden Gold- und Silberfäden verziert. Die kurzen nur bis zur oberen Wade reichenden Röcke sind am Saum mit farbig leuchtenden Seidenbändern geschmückt. Unter dem oberen Rock trägt die Schwälmerin noch einen zweiten, etwas längeren, sodaß dessen Seidensaum ebenfalls sicht­bar wird. Darunter folgen dann zuweilen noch 6 bis 10 andere Röcke, wodurch natürlich das Gewand sich reifrodartig aufbauscht. Buntgestridte Strümpfe und dessen Schnallenschuhe vervollständigen das Kostüm, herkömmlich angeordnete Einzelheiten der Farben und Zierrate dem Kundigen allerhand Geheimnisse des Per­sonenstandes verraten. Wie weit diese Art ländlicher Symbolik zuweilen geht, das zeigt auch die Tracht einer anderen hessischen Gegend, des sogenannten Hinterlan­des. Dort tragen die Mädchen Falten in den Strüm­pfen, die kunstvoll hineingestrickt sind und aus deren Zahl der Eingeweihte mit ziemlicher Gewißheit die Höhe der Mitgtft ersehen kann. Das Hessische Hinter­land, amtlich Kreis Biedenkopf benannt, ist übrigens besonders reich an verschiedenartigen reizvollen Trach ten, die ebenfalls auf dem Heimatsfest vertreten scin werden.

Noch heute sieht man auf dem Casseler Wochen- markt am Königsplatz die Schwälmer Butterverkäufer in blauen, mit Stickereien geschmückten Kitteln, mit Schnal­lenschuhen und der typischen mit Schafpelz besetzten Kopfbedeckung, der Brambezzel".

Selbstverständlich wird auch die schönste und kleid­samste der hessischen Trachten, diejenige der Marburger Gegend, auf dem Feste zu bewundern sein, wie auch die Schaumburger Schönen ihre originellen bänderge-

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schmückten Hauben zur Schau tragen werden, um nur ein einziges herauszugreifen.

Die historische Karlsaue, die für die Veranstaltung einen wirkungsvollen Rahmen abgeben wird, wird also auf einige Stunden eine Art Freiluftmuseum für hessische Volfstrachten darstellen. Auf dem Bowlingreen wird sich das frohbewegte Treiben einer hessischen Kirmes" abspielen, wobei natürlich auch die charakteristischen länd­lichen Tänze, besonders die berühmten Schwälmertänze" nicht fehlen werden.

Auch in dem geplanten Festzug soll ein Ausschnitt hessischen Volks- und Landlebens durch Vorführung von Ernte- und Brautwagen gezeigt werden.

Vom Karneval.

::: Trier, 3. Febr. In der vergangenen Nacht fand eine Polizeipatrouille gegen 2 Uhr in der Kart­häuserstraße einen fast vollständig entkleideten, stark röchelnden Mann. Ein Rohling hatte sich den un­glaublichen Karnevalscherz erlaubt, dem Manne das Hemd auszuziehen und so fest um den Hals zu ziehen, daß er unter den Händen der Polizei den Er­stidungstod erlitt. Die Persönlichkeit des Täters fonnte noch nicht festgestellt werden.

::: Ichenheim, 3. Febr. Eine Bluttat hat das Fastnachtstreiben hier gezeitigt. Der 19 Jahre alte Landwirt Melchert ging mit einem jüngeren Kameraden nach Hause, als ihnen eine männliche Maske entgegentam. Melchert wollte wissen, wer sich unter der Maske befindet und trat auf den Menschen zu. Dieser verstand aber keinen Spaß und stieß dem Mel­chert ein Messer ins Herz, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Begleiter Melcherts, namens Stork, wurde ebenfalls von dem Angreifer durch einen Stich schwer verletzt. Er erhielt einen Stich in die Lunge. Der Täter, der 18jährige Landwirt Biegert, wurde verhaftet.

::: Kolmar, 3. Febr. Die Ballettänzerin He­lene Mirbach vom hiesigen Stadttheater hat heute Nacht ihren Liebhaber, den Automobilhändler Meyrel, auf dem Maskenball er st o chen. Es hatte sich ein Wortwechsel entsponnen, in dessen Verlauf Meyrel der Tänzerin eine Ohrfeige versetzte, worauf die Tän­zerin, die als Spanierin verkleidet war, ein dolcharti­ges Messer zog und den Liebhaber er st a ch. Der Tod frat auf der Stelle ein.

::: New York, 3. Febr. Der angekündigte große Umzug der Washingtoner Suffragetten wird wahrscheinlich unterblieben sein, da die männliche Jugend der Bundeshauptstadt ein Komplott gegen die 2000 Mäuse und Ratten gekauft und will diese wäh­Frauenstimmenrechtlerinnen geschmiedet hatte. Sie hat 2000 Mäuse und Ratten gekauft und will diese wäh­rend des Umzugs aussetzen. Da die Frauen dieses Attentat fürchten, und die Polizei die Mäuse und Rat­ten von Washington nicht gewaltsam vermehren will, dürfte der Umzug ins Wasser gefallen sein.

Literarisches.

? Kunst wart. In dem jüngst erschienenen 7.

Heft des Kunstwarts und Kulturwarts( Verlag G. D. W. Callwen, München) spricht Ferdinand Avenarius davon, wie wir die Zeit vor 100 Jahren recht erfassen

und ihre Gesinnung in den Festen des Jahres 1913

wieder lebendig werden lassen können. Der Aufsatz gibt in gewissem Sinne ein Programm, wie der Kunstwart

den nationalen Gedanken vertritt. Im gleichen Heft schreibt Richard Nordhausen über die notwendige Re­form des Verhältnisses von Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt zueinander, eine Frage, die bei der bevor stehenden Erneuerung unseres Strafrechts aktuell wird.

Aus dem Gebiete der Kunst behandelt Karl Spitteler die tiefere Bedeutung von Vers und Reim", Wolfgang Schumann die Gesangskunst Ludwig Wüllners. Diet­rich Frhr. von Milti erörtert die ablehnende Stellung des Adels gegenüber dem modernen Kunsthandwerk. Aus der sehr reichhaltigen Rundschau heben wir her­vor eine Neujahrsbetrachtung von Gottfried Traub und eine Würdigung des verstorbenen Brahm von Fr. Dü­sel. Die Bilder bringen in verschiedenen Techniken Win­terlandschaften von Hans Hartig( in farbigem Stein­druck) und von Otto Bauriedl, Streubel und Pilliet. Interessant sind zwei Entwürfe Alfred Messels aus den Plänen für die Berliner Museumsneubauten. Besonders wertvoll ist die Notenbeilage des Heftes: der Monolog der Ariadne aus Richard Strauk' Ariadne auf Naxos. Die losen Blätter geben Proben aus Berge u. Men­schen", dem Roman des neuen Schweizer Dichters Fe­

derer.

Geschäftliches.

Diesbezügliche Berechnungen haben nach Professor Wagner- Darmstadt ergeben, daß der Landwirt unter normalen Verhältnissen für je 100 Mt., welche er für Kunstdünger ausgibt, bei Getreide etwa 250 Mk., bei Hachfrüchten 300 Mt., und bei Futterpflanzen( Legu minosen) rund 500 Mt. wiederbekommt. Weitaus am besten lohnt sich demnach die Anwendung von Kunst­dünger bei den stickstoffsammelnden Pflanzen, aus dem einfachen Grunde, weil bei diesen der teure Stickstoff gespart werden kann. Es geht daraus klar hervor, daß es richtig ist, in erster Linie alle Kleefelder, Wiesen, Bohnen, Erbsen, Wicken, Lupinen, Serradella 2c. reich­lich mit Phosphorsäure und Kali und evtl. Kalk zu versorgen. Wie wichtig und notwendig dies ist, lehrt 3. B. die Tatsache, daß da, wo reichlich mit Kalk und Kali gedüngt wird, die Kleemüdigkeit wesentlich läßt.

nach­

Kirchliche Nachrichirn. Evangelische Gemeinde in Gießen. Februar, abends 6 Uhr: 1. Pas­

Mittwoch, den 5. sionsandacht.

Nervöse Kopfschmerzen, Herzklopfen, treten am meisten durch Blutarmnt, Bleichsuchtund halb zu Nervenreiz auf. Um dieses des­halb zu beseitigen, muß die Grundursache beseitigt werden, deshalb suchen die Aerzte auf Das Blut und die Nerven ein­zuwirken, indem diese mit her­vorragendem Erfolg Leciferrin ( Ovolecithineisen) verordnen, das an= genehm zu nehmen ist, den Kör­per kräftigt und die Nerven be= ruhigt.

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