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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgebolt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung

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nim verlangter Manuskripte mird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 27.

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Telephon: Nr. 362.

Montenegro fügt sich nicht!

Die internationale Flottendemonstration gegen Mon­tenegro ist zur Tatsache geworden. Auch Deutschland beteiligt sich an ihr. Der kleine Kreuzer Breslau" hat Befehl erhalten, sich zur Teilnahme an der in Aufsicht genommenen Flottendemonstration an der montenegri nischen Küste in die Adria zu begeben.

Ferner sind das englische Schlachtschiff Kina Eduard 7." und der Kreuzer Cartmouth" bereits nach der albanischen Küste in See gegangen.

Malta, 1. April. Der britische Panzerkreuzer conger Defence", der soeben hier eingetroffen ist, erhielt den Befehl, morgen mit dem Chef des Marinekriegs stabs, Konteradmiral Troubridge, an Bord mit der Be­stimmung nach Osten wieder in See zu gehen.

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Rußland entfendet kein Schiff, billigt aber das gemeinsame Vorgehen in der Meinung, daß ein solches am besten den Interessen der Balkanstaaten dient.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 2. April 1913.

griner und die Serben an Terrain bedeutend gewonnen haben.

Zum letzten Male wird Montenegro aufge­fordert, die Belagerung von Stutari unverzüglich auf­zuheben. Die Mächte lassen sich von der Erwägung leiten, daß das heldenmütige Montenegro für die von ihm bisher gebrachten Opfer auf eine Kompensation An­spruch hat. Die Londoner Botschafterreunion wird es sich angelegen fein lassen, eine Ersatz- Kompensa­tion in furzer Zeit zu linden. Sollte aber trotz dieser bindenden Zusage der Großmächte Montenegro darauf beharren, dieser letzten Aufforderung zuwider zu han­deln, so werden die Großmächte ohne Ausnahme durch alle ihnen geeignet erscheinenden Mittel Montenegro zu 3 wingen wissen, und von einer Kompensation, sei es in einer Gebiets erweiterung, sei es in Geld, könnte weiter feine Rede mehr sein."

*

König Nikita ist fest entschlossen, nicht nachzugeben. Auch den dringenden Ratschlägen seines Schwiegersohnes, des Königs von Italien, gegenüber verhielt sich der König ablehnend. Dieser hatte ihm in einem längeren Telegramm die Nutzlosigkeit seines Wi­derstandes gegen den Willen der Großmächte klar ge= macht. Die in Rom eingetroffene Antwort des Königs läßt aber erkennen, daß er auf seinem Entschlusse be= harrt.

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 862.

25. Jahrg.

schen Enos und Midia gezogen wird. Alle west­lich dieser liegenden Gebiete werden von der Türkei an die Verbündeten abgetreten, mit Ausnahme von Albanien, dessen Abgrenzung dem Verfassungs= system und der Bestimmung durch die Mächte vor­behalten bleibt.

2. Die Regelung der Frage der Inseln des Aegäi­schen Meeres wird der Entscheidung der Mächte über­laffen.

3. Die Türkei spricht ihr vollständiges Desinteres= sement an Kreta aus.

4. Die Mächte können sich dem Verlangen einer Kriegsentschädigung nicht geneigt zeigen, räumen aber den kriegführenden Staaten das Recht ein, an den Beratungen der in Paris zusammentretenden inter= nationalen Kommission teilzunehmen, die die gerechte Beteiligung der verbündeten Staaten an der ottoma­nischen Staatsschuld und den finanziellen Lasten der Gebiete zu regeln hätte, die ihnen zufallen.

Mit der Annahme dieser Friedenspräliminargrund­lagen werden die Feindseligkeiten ihr Ende zu finden haben." Aus türkischer und bulgarischer Quelle liegen die üblichen Meldungen über Gefechte an der Tschataldscha­linie vor.

Wien, 1. April. Vorläufig beschränkt sich die Flottendemonstration auf die Blockade von Spizza oder Antivari bis Alessi o. Desterreichischerseits sind bei Cattaro seit Wochen angesammelt drei Schlachtschiffe, ein Schnellkreuzer und drei Torpedoboote, insgesamt 7 Einheiten mit 3000 Mann, wovon ein Drittel an Land gesetzt werden kann. Sollte trotz der Blockade die Beschießung Stutaris fortgesetzt werden, wird man sich über weitere Schritte telegraphisch ver­ständigen, die Schritte sind bereits in der Botschafter- sche Regierung erteilte den Vertretern der Großmächte fall rief hier große Erregung unter der Bevölkerung her­Reunion vorgesehen worden. Es würde die Land= folgende Antwort: Was die Mitteilung der Großmächte ung der Truppen zunächst auf montenegrinischem bezüglich Einstellung der Feindseiligkeiten um Stutari Gebiet und dann erst auf albanischem Gebiet erfolgen. herum sowie in den besetzten Gebieten, die die Großreicht, in der mitgeteilt wird, daß anläßlich einer in demgemäß bezüglich Räumung dieser Gebiete anlangt, mächte Albanien überlassen zu haben erklärten, und

Selbstverständlichy wird der Landungsort vorher nicht

angegeben.

Die Flottendemonstration, die gegen Montenegro ins Werk gesetzt werden soll, wird mit einer sogenann ten Friedensblockade des Hafens von Antivari ver= bunden sein. Da Desterreich vielleicht die Blockade des

D., Leipzig einzigen montenegrinischen Hafens auch noch durch eine

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Absperrung der Landgrenzen Montenegros stärken wird, so würde mit der Friedensblockade auch ohne Kanonade und ohne Truppenlandungen ein star­fer Druck auf Montenegro ausgeübt werden.

Der Berliner Lokal- Anzeiger läßt sich aus Paris telegraphieren: Der Minister der auswärtigen Ange= legenheiten, Pichon, teilte dem Ministerrat den latt lose M. 2.- Inhalt der Aufforderung mit, die durch die Kollektiv= note der Großmächte heute der Regierung von Cetinje übermittelt wird. Die Note lautet im wesentlichen:

M. 5.-.

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Das Bombardement Stutaris dauert ungeschwächt heftig an. In den letzten Tagen sollen die Montene

Die Nachbarn vom Heideland. Roman von Ludwig Blümce. a nod to ( Nachdruck verboten.)

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III.

icut bir i Auf dem Eichhof.

Wie das glizerte und funkelte von den Millionen und aber Millionen Tautröpflein im Grase und am Heidekraut!-" Edelſteine, lauter kostbare Edelsteine!" dachte Hans. Und das Land, wo diese Schäße lagen, war die Scholle seiner. Väter, Eichhofer Gebiet.Sett mehr als zweihundert Jahren, gleich nach dem dreißig­fährigen Kriege, hatten die Hinrichsens, aus Ditmar­schen vertrieben, sich hier angesiedelt. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!" das war thr Losungswort die ganze Zeit gewesen, und sie ehrten dasselbe als einen göttlichen Befehl.

blüdes

Der jetzige Besizer, der urwitchsige Recke des ganzen Geschlechts, hätte es weiter gebracht als seine Väter, die alle als arme Heidbauern gestorben waren, wenn das Unglück ihn nicht nach Jahrzehnten guter Erfolge Schon war und ungetrübten Glückes verfolgt hätte. Tondren ein Stück Marschland es ihm gelungen für seine Ersparnisse zu kaufen und Viehzucht zu tret­ben; eine sichere Erwerbsquelle sah er darin. Aber da lam das Cyplerajahr. Sein Weib, zwei blühende Töc ter und ein Söhnlein raffte der schreckliche Würgengel dahin. Wenige Monate später fand Hans älterer Bru­der Oluf, der bei der Marine diente, in den Fluten der Südsee seinen Tod. Da stand Hinrichsen allein auf der Welt mit Hans, der damals eben die Schule verlaffen hatte. Lorenzens Frau war ebenfalls an der Cholera gestorben.

Während des unheilvollen Cholerajahres brach auch unter dem Vieh eine Seuche aus, der des Eichhofers Sämtliche Ochsen, in denen sein Vermögen steckte, zum

Cetinje, 1. April. Aus a mtlicher monte= negrinischer Quelle wird mitgeteilt: Die montenegrini­

Wunsche der Großmöchte nicht Rechnung tragen so kann die Regierung zu ihrem großen Bedauern dem mit Rücksicht darauf, daß der Kriegszustand zwischen der Türkei und den Verbündeten fortdauert.

* Rom, 1. April. Ismail Kemal Ben, der Ver­treter der vorläufigen albanischen Regierung, ist hier eingetroffen. Er wird von seinen Söhnen Edhem und Kiazim begleitet.

#gm Jom Balkankrieg.

Die Pforte nimmt die Friedensvorschläge der Mächte an. Es sind folgende Grundlagen für die Friedensprä­liminarien vorgeschlagen:

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1911. Die Grenze des ottomanischen Reiches in Europa wird einer geraden Linie folgen, die zwi

Opfer fielen, gerade drei Tage bevor sie nach Hamburg verkauft werden sollten. Und so folgte Schlag auf Schlag. Er blieb, was seine Väter gewesen, ein armer Heidbauer.

Des Morgenrots Purpur überflutete jetzt mit sei­nem wunderbaren Glanz die ganze Heide, und die erste Lerche schwang sich trillernd empor zum lichten Him­melszelf. Da sah man den Eichhof. Troß des dürftigen Strohdachs und to aller Armseligkeit und Schmucklofig= teit schien er Hans im Schein des Frührots herrlicher als ein Palast. Eichhof war er einstmals benannt nach drei fnorrigen Eichen, die vor ihm gestanden hatten, nun aber längst vermodert im Torfmoor lagen.

Lorenzen schaute nicht auf, seine Blicke waren auf den Boden geheftet, und es war ihm, als wäre das alles Blut, was das Kraut so rosig färbte. Auch Ewald schaute nur selten auf. Sein Blick war finster und seine Stirn war faltig geworden über Nacht, wie es schien. Er sann nach, wo er sich als Knecht, als Arbeiter vermieten sollte, um seinen Tagelohn zu ver­dienen.

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Stine allein schaute mit einem Gesicht, das Hans wie verklärt schien im Morgenrot, aufwärts, der Lerche nach, die dort oben sang und trillerte. Ste sprach nicht viel, sie fand nicht das rechte Wort, ihrem Retter für seine Tat zu danken. Es war ihr, als wären viele Worte eine Entweihung, als dürfte das Herz nur allein sprechen. Und das redete eine Sprache, wie noch nie zuvor. Was war das nur alles, was ging da tief drin­nen alles vor

Wieder under mußte Hans zu ihr hinschauen. Ach, wie er sie so auf dem Arm getragen mitten durch das Flammenmeer, wie fte da so gelegen, machtlos und ganz allein auf ihn angewiesen, da hatte auch sein Herz eine Sprache geredet, die fich nicht in Worte fleiden läßt.

Bulgarischer Uebermut.

Ein schwerer bulgarisch- rumänischer Zwischen=

vor. Die rumänische Regierung hat bereits durch den Minister des Aeußern eine Protestnote in Sofia über-

Nikopolis abgehaltenen Freudenfeier über die Einnahme von Adrianopel sich die Matrosen der vor Nikopolis liegenden bulgarischen Schiffe so schwer betranten, daß sie sich an Bord ihrer Schiffe begaben, die Kanonen ge­gen die rumänische Stadt Mareurele richteten und eine Anzahl Schüsse abgaben. Mehrere Granaten trafen, de­molierten verschiedene Gebäude und verursachten einen

Die Wirkung war geradezu

überraschend.

Dies Worte des Herrn Valentin Krump, Bädermeister in Köln a. Rh. Briefenwall 76. Nachdem er viele Mittel angewandt batte und sogar das Kölner Inhalatorium besuchte, aber sein Ashmaleiden ging und ging nicht weg, im Gegenteil verschlim=" merte sich. Er ist nun fich, daß es in Mittel gibr in Anmol Afthma- Bulber das sicher bilft und dessen Wirkung überraschend ift. Astmel Asthma- Pulver, foftet M. 2.50 die große Blechoose, in Vpothefen erhäl lich Gratis Mufter auf von

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Daß Stine nicht umgetommen, daß er sie retten und jetzt so dankerfüllt mit verklärtem Antlik sehen durfte, das erfüllte ihn mit

iemals empfunden. Der größten Glückseligkeit, die er Der Gedanke, daß er sich gestern mit Hermine Ma­thiesen verlobt, trübte dieses Glück, mochte er es sich gestehen oder nicht, ganz beträchtlich. Warum, das wußte er nicht. Wohl zehnmal wollte er es auf dem Wege nach dem Eichhof den andern sagen, daß er glück­licher Bräutigam, daß er später als Gatte der vermö­genden Wirtstochter auch Lorenzens würde helfen fön­nen. Doch

war

r etwas, was sort kam nicht über seine Lippen. Da

Stehle zuschnürte, vielleicht tat das der Anblick von Stines verklärtem Gesicht.

Doktor Schröder kam der Gruppe entgegen. Er war ein Greis von reichlich siebzig Jahren und sah mit sei­nem flugen, guten Gesicht und dem schneeweißen Backenbart recht ehrwürdig aus, troß der fast schäbigen Kleidung, die er trug.

In den schweren Tagen der Cholerazeit hatte er durch seine aufopfernde Pflichttreue, durch Werke wah­rer Nächstenliebe auch Hinrichsens und Lorenzens Liebe und Achtung gewonnen. Sie schenkten ihm volles Ver­trauen. Mit recht ernster Miene schüttelte er ihnen jezt die Hand, sprach ein paar Worte des Troftes zu 20­renzen und sagte dann zu Hans: Es steht leider recht bedenklich mit Deinem Vater. Starfe Gehirnerschütte­rung. Na, seine eiserne Natur überwindet mit Gottes Hilfe vielleicht alles. Wollen es hoffen. Du mußt frei werden vom Militär, wenigstens schon dieses Jahr zum Herbst. Einstweilen werde ich dafür sorgen, daß Dein Urlaub um vier Wochen verlängert wird." Dann schritt der Arzt schweigend neben den anderen her.

( Fortfebung folat.)

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