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Gießener Zeifung

Bezugspreis 25 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Big., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig.- Erscheint Redaktion: Selters. Mittwochs und Samstags. weg 83.

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Für Aufbewahrung oder Mädsendung nich verlangier Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag ber Gießener Zeitung" G. m. 6. S.

Nr. 79.

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Telephon: Nr. 362.

Vom Balkan.

Der türkisch- bulgarische Friedensvertrag wurde Montag abend gegen 7 Uhr unterzeichnet. Die Unter= zeichnung nahm etwa zwei Siunden in Anspruch, da 36 Unterschriften erforderlich waren.

Der offizielle Text der wichtigsten Artikel des tür­tlich- bulgarischen Friedens- Vertrages lautet: Artikel 7: Die aus den von der Türkei den Bulgaren abgetretenen Gebieten stammenden und dort wohnenden Personen werden bulgarische Untertanen. Diese zu bulgarischen Un­fertanen gewordenen Personen werden während eines 3eitraumes von 4 Jahren die Freiheit haben, Ort und Stelle zugunsten der ottomanischen Nationalität zu op­tieren durch eine einfache Erklärung bei den lokalen bul­chte garischen Behörden und durch Eintragung bei den otto­manischen Konsulaten. Die Muselmanen in den abge­Schuppenfle tretenen Gebieten, die bulgarische Untertanen geworden kroph. Ed werden während 4 Jahren nicht zum Militärdienst e Fül herangezogen und haben keinerlei Militärsteuer zu be­ge, Ader allen. Die Muselmanen, die vom Optionsrecht Ge­alte W brauch machen, werden die abgetretenen Gebiete verlassen, hr hartnäd und zwar bis zum Ablaufstage der oben vorgesehenen vergeblic te, versuche vierjährigen Frist, worauf sie das Recht haben, Hab und Gut zollfrei auszuführen. Sie können jedoch Im­-Salb mobilien jederzeit in Stadt und Land behalten und sie lich. Bestand durch) Dritte verwalten lassen. Art. 8: Die musel= 1,15 u. 22 manischen Untertanen Bulgariens werden in allen Ge= uf den N und Firm bieten Bulgariens die gleichen bürgerlichen und politi­ubert& jden Rechte genießen, wie gebürtige Bulgaren. Sie wer­la- Dresden allen Apobla dem Gewissensfreiheit und Freiheit der äußeren Ausüb­ung des Kultus haben. Die muselmanischen Gewohn hetten werden respektiert. Der Name des Sultans als Salif wird weiterhin in den öffentlichen Gebeten Muselmanen genannt werden. Die muselmanischen Re­ligionsgemeinschaften, die gegenwärtig bestehen oder in Bufunst errichtet werden, erhalten ihre hierarchische Or­ganisation und ihr Vermögen anerkannt und respektiert

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ssensch, so ntskran Art. 16: Die bulgarische Regierung ist auf die Rechte norrhöe( Hund Verpflichtungen der ottomanischen Regierung gegen

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Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 1. Oftober 1913.

die Gesellschaft der orientalischen Eisenbahn beschränkt auf die für die abgetretenen Gebiete ihr konzedierten Teile der Bahnlinien. Die bulgarische Regierung ver­pflichtet sich, unverzüglich das rollende Material und an­dere Objekte, die der genannten Eisenbahngesellschaft ge= hören und von der bulgarischen Regierung beschlag nahmt worden sind, zurückzugeben.

Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 pfg.

dte 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Vig 90 m breite Reflame 3eile 50 Pfennig Grabeilagen werden nach Gewide und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. gieles( 30 Tagel, bei gerichtlicher Beitreibung oder ei Konkurs in Wegfall. Vlapvorschriften ohne Verbindlichteis Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

Stadt wird stündlich erwartet. Die serbische Garnison ist 4000 Mann starf.

Sofia, 30. Sept. Das Regierungsblatt Narod­ny Prawa" sagt in einem Leitartikel, das serbische Heer lönne sich nur mit Mühe der Albaner er­wehren, und es sei den bulgarischen Truppen ein leichtes, einen Triumphzug durch Mazedonien zu unter= nehmen, um die verlorenen Gebiete wieder zu erlangen. Wenn die Regierung das Volk hindere, seinen Zorn ge­gen das ohnmächtige Serbien auszulassen, so sei es aus der Ueberzeugung geschehen, daß Bulgarien end­lich erhalten werde, was es durch Gut und Blut er­

worben habe.

Wie von diplomatischer Seite geschrieben wird, be­steht tatsächlich die Gefahr einer neuen Verschärfung der balkanischen Frage durch einen Krieg zwischen Gri e- chenland und der Türkei. Nach hierher gelang ten Nachrichten haben sich die Verhältnisse zwischen den beiden Staaten in der Tat sehr zugespitzt. Auf Grund guter Informationen steht es fest, daß zwischen Bulga­rien und der Türkei Abmachungen getroffen sind, die einen Krieg gegen Griechenland ins Auge fassen. Die Sachlage ist jetzt so, daß auf dem Balkan ein bwl= garisch türkischer 3 weibund dem ser bisch- griechisch- montenegrinischen Dreilänglich invalid bleiben werden. bund gegenübersteht. Von dem letzten kommt Mon­tenegro faum in Betracht, und Serbien ist durch die Aktion gegen Albanien so bedeutend engagiert, daß es vorläufig mit sich selbst genug zu tun hat. Der Zeit punkt für ein türkisches Vorgehen gegen Griechenland wäre also gerade jetzt sehr günstig, denn Bulgarien, das allein die türkischen Absichten stören könnte, wird mutlich der Entwickelung der Dinge mit den Händen in der Tasche zusehen und später, wenn nötig, zugun­sten der Türkei eingreifen. Angesichts des albanisch- ser­bischen Krieges und der neuen türkisch- griechischen Kriegs­möglichkeiten darf man wohl behaupten, daß die Lös­ung des Balkanproblems noch in weiter Ferne steht.

Sofia, 30. Sept. Das Kriegsministerium ver­öffentlicht die Statistik der bulgarischen Verluste während der beiden letzten Balkankriege. Im ganzen hat die bulgarische Armee an Toten, Verwundeten und Vermißten 5 2 716 Mann verloren. Man glaubt, daß von den Verwundeten etwa 10 000 Mann lebens­

ver=

Nach heftigem Kampf haben nach einer Meldung aus Valona zufolge die Albaner Dschakowa eingenommen und dort große Mengen Waffen und Mu­nition erbeutet. Auch Ochrida ist gefallen, und viele Geschütze sowie Lebensmittel fielen in die Hände der Albaner. Prizrend ist umzingelt. Der Fall der

Färberei Gebr. Röver

Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frant.

( Nachdruck verboten.) Es fiel Else tatsächlich aber auch schwer, in eine Verbindung zu willigen, die gar leicht Ent­täuschung, wenn nicht gar Unglück bringen konnte. Auch ihr war es in den letzten Tagen bewußt geworden, daß es Stunden gibt, wo der Mensch gern zu einem lie­ben Gefährten seine Zuflucht nimmt, ihm rückhaltlos fein Herz ausschütten will, daß Einsamkeit die Mutter der Sehnsucht ist. Aber andererseits konnte sie sich nicht entschließen, in einen geschlossenen Familienkreis als fremdes Glied einzutreten. Ja, wenn die Kinder klein, erziehungsbedürftig gewesen wären, dann hätte sie kei­nen Augenblick gezögert, sie hätte all ihre Kraft einge= fetzt, ihnen Mutter im edelsten Sinne des Wortes zu werden. Das war aber jetzt nicht mehr möglich, die Kinder waren zu groß.

Darum erwiderte sie nach langer Pause: " Ich kann nicht Ihr Weib werden, wenigstens jetzt nicht!" Dann setzte sie ihm die Gründe auseinander.

Graf Warminski sann nach. Er fühlte, daß Else recht hatie und sprach: Mir bleibt nichts anderes übrig, ch muß mich fügen. Darf ich dann mein Werben wohl wiederholen, wenn ich allein bin?"

Sie sah ihn lange an, dann senkte sie ben Blick und sagte ganz leise: Dann ja!"

Da wollte er fie an sich ziehen, ihre Hand küssen, Doch sie wehrie hastig ab, als fürchtete fie, durch jede Gunstbezeigung ihren Entschluß preiszugeben. Der Graf nahm rafschen Abschied und ging. In seiner Seele war Hoffnung.

Am folgenden Tage wurde die Rückreise über Zü­rich und Wien angetreten. Als es galt, aufzubrechen, gab es noch eine kleine Szene. Slawa war plöglich bei rem Vater erschienen, hatte schluchzend sich au seine

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Brust geworsen und unter Tränen den Wunsch ge= äußert, dauernd nach Serzemien zurückzukehren. Bitte, Bapa," flehte fie, laß rich in Krzemien bleiben, ich mag nicht allein in Lausanne sein, bitte!"

Graf Warminski ließ sich erbitten. Er nahm rasch mit Fürstin Bogdan Rücksprache, um deren Meinung zu vernehmen, und schließlich bekam Slawa ihren Willen. Es war beschlossen worden, eine Gouver nante zu engagieren, um Slawa eine abgeschlossene Bildung zu vermitteln.

Bis Wien reisten alle zusammen. Zwar wäre auch die Fürstin gern einige Tage in der schönen Kaiser­stadt geblieben, aber ihr Gatte hatte es eilig und ner= tröstete sie auf später. Auch Baron Kappel gönnte ich feinen Aufenthalt, und Jadwiga meinte scherzend, die Einsamkeit der galizischen Wälder habe es tonen so an= getan, daß er sie ihrer Geseufchaft orzöge. Doch nahm er ihr dies nicht übel und schied mit einem herzlichen Auf Wiedersehen."

Die Trennung dauerte denn auch nicht lange. Die Komtessen famen schon unterwegs nicht aus dem Staunen heraus. Früher war so eine Reise von Krafan nach rzemien eine wahre Seldentar. Stan murgte nach Remt erg fahren, kam noch einige Stationen weiter bis Sambom und hatte trotz des Umwegs noch eine Wagen­fahrt son mehr als fieben Stunden und was waren das für Wege! Und jetzt! Da stiegen sie in Strafau um und fuhren mit der Bahn bis Kochenow, von wo ous man Krzemien bereits liegen fah. Das heißt, man erblickte eine große Menge von Säumen und über das grüne Laubdach ragte eine gewaltige Fahne in den alten Farben des Warminstischen Hauses. Der Graf schüttelte verwundert den Kopf. Er konnte sich nicht er­innern, Auftrag zu derartiger Ausschmückung gegeben zu haben.

Baron Kappel hatte es sich nicht nehmen lassen,

Valona, 30. Sept. Eine Anzahl albanischer notabeln aus Efrem, Flora, Hairedin, Dibra und Ach­med Dakli richteten folgenden Aufruf an die zi= vilisierten Mächte: Das albanische Volk, das seit Jahrhunderten beständig sein Blut für seine Freiheit vergoß und die Bahnen für die Erfolge der Balkan= staaten eröffnet hat, hat noch immer keine Gerechtigkeit finden können. Hier, in Südalbanien schmachten Hun­derte unserer Brüder in griechischen Gefängnissen. Sogar die Nationaltracht bildet einen Gegenstand der Verfolgung seitens der Ortsbehörden. Die Derwische werden krumm und lahm geschlagen oder getötet. In Gorizza und Dalkina, das bereits Albanien zugesprochen ist, herrscht vollständige Anarchie. In Nordalbanien set­zen die Serben ihr Zerstörungswerk fort. Massakrierun gen ganzer Familten sind an der Tagesordnung. Jüngst erst wurden albanische Hirten gehängt und ihre Leichen zerstückelt. Nicht einmal die Unschuld wird geachtet. Die

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persönlich seinen Freund und seisen Töchter abzuholen. Die Begrüßung war durchaus herzlich, unt dann fuhr der Wagen auf der neuen Straße, die über die Kocha­nower Hüttenanlage nach Krzemien führte. Neugierig ruhten Sic Augen der Komtessen auf der umgestalteten Gegens, auf den Fabrikräumen, den Arbeiterhäuschen, die zu beiden Seiten der Straße lagen und so ganz an= ders aussahen als die Wohnhäuser im Dorfe Krzemien. Jadwiga machte ihren Vater darauf aufmerksam. Graf 23arminsti erwiderte: Ja, so ganz trifft Deine Ver­gleichung nicht mehr zu, denn auch in Krzemien ist in letzter Zeit manche alte Hütte gefallen und hat einem schmucken Häuschen Blaz machen müssen. Das ist zum größten Teil Baron Kappels Werf."

Diese Unterhaltung wurde durch eine kleine, aber Herzliche Ovation unterbrochen. An der Grenze der Urbelterkolonie Kochanom standen Arbeiter und Ar­beiterinnen, die aus Krzemien stammten, um die in das Waterhaus heimkehrenden Grafentöchter zu be­grüßen und ihnen Glückwünsche darzubringen. Ignaz Wyna sprach für die Versammelten einige gereimte und ungereimte Verse und schloß mit einer nicht miß­zuverstehenden Handbewegung, die aber jedenfalls durch einen Griff des Grafen nach seiner Börse veran= loẞt wurde. Die Gratulanten bekamen ihr Trinkgeld und der Wagen feste fich wieder in Bewegung.

Aber noch waren die Ueberraschungen nicht zu Ende. Am Eingang des Barkes hatte man eine Ehren­pforte errichtet, und vor derselben standen Jan Sojta, seine Frau und die gräflichen Beamten. Jadwiga und Slawa griffen höchst eigenmächtig in das Begrüßungs­programm ein, denn sie sprangen, ohne auf Ansprache und Glückwünsche zu warten, aus dem Wagen, um armten der Reihe nach Frau Sojka, schüttelten ihrem alten Freunde Jan, der sich in den letzten 6 Jahren so gut wie garnicht verändert hatte, herzlich die Hände, ( Fortsetzung folgt.)