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Gießener Zeitung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 10.

Telephon: Nr. 362.

Zur Lage auf dem Balkan.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 1. Februar 1913.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pig.

die 44 mm breite Inseratenzeile.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Koufurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Telephon Nr. 362. 25. Jahrg.

bei der Insel Adropalia 4 griechische Fruppenschiffe,| vollständig vorbereitet. Dieselbe Zeltung schreibt dazu: schoß drei in den Grund und zwang das vierte Kommt ein Monopol und sollen 600 Millionen her= zum Auflaufen. Der siegreiche Kreuzer wurde heimbe ausgewirtschaftet werden, so würde dies eine weitere rufen, um die Operationen bei Dallipoli zu unterstützen. Verteuerung des Sprits um 1 Mt. pro Liter bedingen.

Paris, 30. Jan. Der hier aus London einge­troffene bulgarische Finanzminister Theodorow er­klärte einem Redakteur des Temps" unter anderem, Bulgarien werde die Forderung nach einer Kriegs entschädigung aufrechterhalten. Es habe 25 000 Tote auf den Schlachtfeldern verloren und es werde da-| durch allein 20 bis 30 Jahre 10 Millionen für Pen­stonen auszugeben haben. Bulgarien habe jetzt 550 000 Mann im Felde.( Diese Zahl scheint erheblich über trieben.)

Die Antwort note der Pforte wurde um 21 Uhr nachmittags von dem Minister des Aeuern dem Doyen des diplomatischen Korps, dem österreichisch­ungarischen Botschafter Pallavicini, überreicht. Ueber den Inhalt verlautet folgendes: Die Antwortnote schlägt eine Grenze vor, die Bulgarien das rechte Ufer der Marita überläßt. Die ägäischen Inseln über gibt die Pforte den Mächten, ausgenommen die Inseln, die die Dardanellen beherrschen. Die vier Inseln vor der Einfahrt in die Dardanellen müßten der Türket berbleiben. Was die anderen Inseln betreffe, so sei die Pforte bereit, ihnen Autonomie nach der Art von Libanon oder der Insel Samos zu gewähren.- Ste nimmt Kenntnis von den Zusagen der Mächte, ste in der Entwicklung des Bandes zu unterstüßen. Zum Schluß tommt sie noch einmal auf die religiösen und geschicht dorſtern or brianopel zu behalten, der die den Wusel. Souveränität über Adrianopel und die Inseln ſicher Itchen Gründe zurück, welche die Türket zwingen, den

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manen heiligen Orte enthält. Jedoch erklärt sie sich be= reit, die Befestigungen von Adrianopel zu schleifen.

Sofia. Das Armeehauptquartier ist angewiesen worden, den Waffenstillstand mit dem 30. Januar zu fündigen. General Sawoff richtete einen Tagesbefehl an die Armee, in dem es u. a. heißt: Bereitet Euch für neue Siege vor.

Sofia, 30. Jan. Die Verbündeten haben den Waffenstillstand von heute 7 Uhr abends ab gefündigt, sodaß am 3. Februar, 7 Uhr abends, die kriegerischen Aktionen wieder aufgenommen wer den. Das Hauptquartier erließ den Befehl, daß die fremden Militärattaches und die Kriegskorrespondenten auf dem Kriegsschauplatz nicht zugelassen werden.

Die Mächte setzen nun mit allem Nachdruck_ihre Bemühungen, eine Vereinbarung zwischen der Türkei und den Balkanstaaten herbeizuführen, fort, und zwar nicht nur in Konstantinopel, sondern auch bei den Ba l- Tanstaaten. Daher ist auch noch nicht unbedingt sicher, daß am Montag die Feindseligkeiten unter allen Umständen wieder aufgenommen werden müssen.

Wien, 31. Jan. Es verlautet, die Mächte woll­ten den Balkanstaaten weitere Verhandlungen behufs Vermeidung des Wiederausbruchs des Krieges nahe legen. Jedenfalls ist die Lokalisierung des Krieges ge= sichert.

Paris, 31. Jan. Der Temps" meint, die Bal­fanlage berechtige angesichts der friedlichen Dispositio­nen der Mächte zu feiner Beunruhigung, dagegen berge der rumänisch bulgarische Konflikt ernste Ge­fahren.

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Konstantinopel, 31. Jan. Nach einer Mel­dung des Marineamts überfiel der Kreuzer Hamidje"

Das Glückskind

Roman von Frene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

Droben aber, am Fenster, lehnte ein totenbleiches Mädchen, die Hände krampfhaft ineinandergeschlungen, die Augen starr in die Weite gerichtet, unbeweglich und stumm. Erst als der Erzähler drunten sich zum Fort­δα gehen anschickte, und Kathi die Hand reichte, kam Reben in die Gestalt, eilends flog sie die Treppe hinab und stand in der nächsten Minute vor Leberecht, der erstaunt das Mädchen anblickte, das mit fliegenden Haaren herzustürzte.

Und hat Ihr Herr keine Zetle,- feinen einzigen leßten Gruß für mich zurückgelassen?" fragte Rös­chen mit erstickter Stimme

" Nichts, gar nichts, Fräulein, er hat überhaupt nicht von Ihnen gesprochen",- antwortete Leberecht finster und grollend.

Das das ist unmöglich,- das kann ja nicht sein er tann nicht so, ohne Abschied, fort sein, sehen Sie, bitte, doch noch einmal nach!"

" Das ist umsonst, Fräulein, er hat sich gar nicht niedergesetzt, als er heimkam, sondern ist sogleich ab­gereist."

Leberecht fühlte beim Anblick dieses totenbleichen, wankenden Mädchens seinen Groll etwas schwinden, und fuhr in milderem Tone fort: Könnten Sie uits nicht sagen, was vorgefallen ist, vielleicht ließe sich noch alles wieder zum besten wenden."

Röschen schüttelte traurig den Kopf. Ich weiß von nichts, gewiß nicht." Das mag der Teufel glauben", brumutte der aniere. Rrst wankte ins Haus. Die bekenden Glieder schienen den Dienst versagen zt wollen, ihre Hand fuchte eine Stüße, sie griff in die Luft wie ein müdes Rins and setzte sich am Fuße der Trez pe nieder.

Konstantinopel. Das jungtürkische Komitee hat eine Proklamation veröffentlicht, in der die Bildung eines Komitees für die nationale Ver teidigung angezeigt wird. In der Proklamation es: Wir trafen endgültige Beschlüsse, die türkische zu stellen, und in allen anderen von den Feinden be­setzten Orten unsere nationalen Rechte und Interessen soweit als möglich zu verteidigen. Wir rufen alle Tür­fen zu Hilfe und werden jede Hand ergreifen, die sich zur Rettung des Vaterlandes darbietet.

London. Die rumänische Note, die der Gesandte mischu dem bulgarischen Unterhändler Dr. Danew über­reicht hat, fordert von neuem Abtretung von Silistria.

Politische Rundschau

Deutschland.

* Steuerpläne. Die Deutsche Tagesztg." glaubt mitteilen zu können, daß sich die Regierung mit dem Vorschlage beschäftigt, den Graf Schwerin- Löwitz fürzlich in einer Rede in seinem Wahlkreise über die Verbesserung des Standes der Reichsfinanzen gemacht hat. Graf Schwerin- Löwizz schlug vor, die Erträgnisse der Stempel- Steuern ganz dem Reiche zu überlas­sen, dagegen die Erträgnisse der Wertzuwachs- den Steuer und der Reichserbschaftssteuer Einzelstaaten zu überweisen.

*

In der Budgetkommission des Reichstages er­flärte Reichsschatzsekretär Kühn, auf den Ertrag von 20 Millionen der Fahrkartensteuer im Interesse der Allgemeinheit nicht verzichten zu lönnen. könne versucht werden, eine Reform herbeizuführen, die die Einnahmen nicht beeinträchtige.

Vielleicht

In einem Artikel der Brennerei- Zeitung" wird geschrieben: Viel früher, als man gemeinhin anzuneh­men pflegt, ist die Einführung eines Reichsspirt tus monopols nicht nur geplant, sondern bereits

In dieser Verfassung traf sie wuzer, der wohi er­tanute, daß hier etwas Besonderes vergefallen sein mußte.

Er versuchte, durch liebreiches Sprechen und 3a­reden sie zur Mitteilung zu bewegen, allein sie würdig­te ihn gar keiner Antwort. Hätte sie nur eine Ahnung gehabt. wie das zusammenhing, dann wäre thr wohler gemeten aber so, umsonst war alles Grübeln, nichts, rein gar nichts wollte ihr einfallen, mas diese plözhe Abreise bedeuten mochte. Tagelang wartete sie nuit auf Nachricht, die doch kommen muße,- aber nicht daz Geringste ließ der vielleicht schon in weiter Ferne Weilende von sich hören. Da erwachte der Stolz, der unbändige, tief beleidigte Mädchenstolz, der ihr schon von jeber eigen gewesen.

Welches Recht habe ich denn an diesen Mann, marum gräme ich mich denn eigentlich um einen, der mit mir gespielt, mein törichtes Herz mit süßem Blick und Schmeichelwort umgarnt hat, und nun, weil es hm vielleicht zu langweilig wurde, sich andere Kurzweil sucht. Wenn es ihm ernst gewesen wäre mit seiner Riebe, hätte er dann nicht längst davon gesprochen und um mich geworben?"

So redete sich Röschen immer tiefer in ihren einge­bildeten Zorn hinein und versuchte, wieder heiter, wie ehedem zu erscheinen. Doch es ging nicht.

In solchen Momenten, wo sie sich das Bild des ernsten Mannes vergegenwärtige, wie seine Augen leuchteten, wenn er von ferne ihrer ansichtig, wurde, wie er so gütig und ihr gegenüber trotz seines Reich­tums und trotz seines reichen Wissens stets bescheiden, fast demütig erschien, und niemanden fühlen ließ, daß er durch seine hohe Bildung und seinen Schaß an Kennt­nissen allen weit überlegen war, wie auch sein ganzes Wesen eine hohe Begeisterung für alles Gute und Schöne verriet, dann kehrte auch die heiße Sehnsucht nach dem Fernen zurück, aber meistens wurde das alles

Frankreich.

Paris, 29. Jan. Der ständige Ausbau der französischen Kriegsmarine und die Abnahme der Fi­schereibevölkerung an Frankreichs Küste, zwingt das Marineministerium zu einem ähnlichen Mittel zu greifen, wie es die Heeresverwaltung schon lange anwendet,

nämlich farbige Mannschaften auch zum Dienſt

in der französischen Flotte heranzuziehen. Sie sollen Verteuerung des Spiritus um 1 Mark pro Liter be­dingen.

Zur Rhein- Nordsee- Kanalfrage.

Köln in einer großen Versammlung, vor Vertretern des

Am 16. Januar hielt Ingenieur Rosemeyer Magistrats, der Handelskammer, der Elektrotechnischen Gesellschaft, des Kölner Bezirksverein deutscher Inge­nieure, des Architekten- und Ingenieur- Verein für Rhein­land und Westfalen und des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln einen Vortrag über sein Projekt eines Rhein- See- Kanals von Köln bis Emden". Dasselbe Thema war erstmalig im November 1912 im Abgeordnetenhause zu Berlin vor dem Verein zur För­derung des Baues eines Großschiffahrtsweges vom Rhein zur deutschen Nordsee" eingehend behandelt. Ent­gegen dem bereits früher aufgestellten Projekte der Bau­räte Herzberg und Taaks, die den gleichen Kanal von Wesel abzweigen lassen, nimmt Rosemeyer seinen Aus­gangspunkt höher rheinaufwärts, und zwar bei Wie s- dorf unterhalb Kölns; dadurch erreicht er den Vorteil des natürlichen Wasserzuflusses und reduziert die Zahl der in Betracht kommenden Schleusen auf drei. Außer­ordentlich glücklich ist die Idee durch das natürliche Ge­fälle elektrische Energie zu erzeugen, welche industrielle Verwertung findet und gleichzeitig eine Rentabilität der ganzen Anlage sichert. Wichtig ist, daß sich auf dieser geplanten Wasserstraße mit 70 Meter Spiegelbreite und 8 Meter Tiefe der Verkehr von Seeschiffen mit 5-6000 Tonnen Ladefähigkeit bis nach Köln hinauf bewerk- stelligen lassen wird. Hierdurch ist die Möglichkeit ge= geben, den jetzt in Rotterdam sitzenden deutschen Ver­fehr auf deutschem Boden herüberzulenten und der deutschen Volkswirtschaft auf diese Weise e norme Beträge zu erhalten.

Für die Rheinhäfen Köln, Düsseldorf und Duis= burg weiß der Autor große Rhein- See- Hafenanlagen zu schaffen und die Städte Neuß, Krefeld und Wesel durch 3weig- Kanäle anzuschließen. In gleicher Weise plant

schnell wieder verdrängt durch andere, zornige Ge­danken. Sie wollte nicht mehr an ihn denken und zwang sich zur Heiterfeit, und dann erschien sie hinreißend, und Winter fand das Mädchen begehrenswerter als je. Er häufte es mit Aufmerksamkeiten und vermochte doch nichts damit auszurichten.

Nach vierzehntägigem Aufenthalt Freunde wieder an die Heimat denken.

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In all dieser Zeit hatte Röschen die Sorge um den geliebten Bruder faft vergessen. Er schrieb einen recht traurigen Brief, wie seine Gläubiger thn fast zum Wahnsinn brächten mit ihrem Drängen und Mahnen, und wie die Seige ihm keine Stunde der Ruhe ließ.

Die ganze fürchterliche Lage tam dem armen, ge= quälten Mädchen mi. wiederum zum Bewußtsein.

Waldemar, freilich, was sollte aus dem werden, wenn alle Aussicht auf eine baldige Verheiratung ihrer­seits schwand? Nur dadurch konnte jener gerettet wer­den. Denn daß Böhler, der darauf brannte, sie mit sei­nem Freund Winter vermählt zu sehen, vorher keinen Pfennig herausgeben würde, war doch klar. Gleich­wohl, der Versuch mußte noch einmal, zum letzten Male gemacht werden.

Aber ob Röschen auch bat und flehte, Böhler lach­te sie aus.

Die Rettung Deines Bruders liegt einzig in Dei­ner Hand", sagte er. Du kannst ihm helfen, indem Du Winter heiratest."

Er hatte wohl erkannt, daß auf diesem Wege am ehesten etwas bei dem störrischen Mädchen zu erreichen war, und benutzte diese Gelegenheit, um es möglichst zu zwingen, auf seine Pläne einzugehen. Doch hütete er sich wohl, gegen den Freund etwas laut werden zu lassen. Denn wenn derselbe erfuhr, daß Röschen fest und sicher auf das ersprochene Kapital rechnete, um da­mit dem Bruder aufzuhelfen, so zog er sich am Ende im ( Forts. folat.) entscheidenden Augenblick noch zurück.