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Gießener Zeitung
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( Reuefte Nachrichten)
verteljährlich 1,20 M.. vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeboli in unserer Expedition oder in den Zweigansgabestellen vierteljährlich 90 Pig- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Seltermeg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlengter Manuffriate wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 61.
Telephon: Nr. 362.
Kaiser mutfubito von Japan+
Tokio, 29. Juli. Der Kaiser von Ja= pan ist heute morgen gestorben.- Nie hat ein Monarch während seiner Regierungszeit auch nur annähernd ähnliche Wandlungen in seinem Lande erlebt, wie Mutsuhito, Japans erster moderner Herrscher, der
Samstags liegt für die Stadtabonnenten der
Illustrierte Wochen- Anzeiger
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Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 31. Juli 1912.
Aufgaben der Zukunft vorzeichnete. In ihr fanden sich folgende Sätze:„ Es sollen die überlebten u. unvorteilhaften Sitten und Gebräuche abgeschafft und es soll dahin gestrebt werden, daß das Volk auf den richtigen Weg gelangt."„ Es sollen alle Kenntnisse aus allen Teilen der Weit von uns übernommen werden zur Stärkung und Festigung des Staates."„ Es sollen Versammlungen ins Leben gerufen werden, in denen
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr.: 862.
24. Jahrg.
einer Züricher Bank wurden bereits 9 Millionen zurüdgezogen. Die Ursache ist die Absicht, gegen den Kaiserbesuch zu demonstrieren.
England.
London, 30. Juli. Die von der Regierung eingesetzte Kommission zur Prüfung der Ursache, die den Untergang der„ Titanic" herbeiführte, hat ihren
45 Jahre lang in einer Aera größter Erfolge über Ja alle Schichten der Volkes vertreten sind. In ihnen soll Spruch dahin gefällt, daß die übermäßig schnelle
pan regiert hat. Trotzdem trat Kaiser Mutsuhito getreu der alten Tradition seines Hauses in der Deffentlichkeit persönlich taum je hervor. Unstreitig gehört Mutsuhito zu den bedeutendsten Herrschern der Gegenwart. Man fana zwar nicht behaupten, daß er allein die große Revolution herbeigeführt hat, die den altertümlichen Feudalstaat Japan zur modernen Großmacht wandelte; denn in den Tagen der entscheidenden Kämpfe zählte Mutsuhito erst 15-17 Jahre. Seine treuesten Helfer find thm mehrfach mit Gewalt von der Seite gerissen worden; im Jahre 1878 fiel sein Minister Okubo, einer der wichtigsten Mitarbeiter an Japans Erneuerung, der Rache des alten Kriegeradels zum Opfer, und 1909 erschoß ein Koreaner den Fürsten Jto, den vertrautesten Ratgeber des Kaisers in der späteren Zeit. Aber der Kurs blieb der alfe, die Lücken wurden ersetzt, und Dutsuhito arbeitet weiter.- Als der 15jährige 1867 den Thron bestieg, war der Kaiser von Japan wohl der ohnmächtigste Monarch der Welt. Ueber ein rechtloses Bürger- und Bauerntum herrschte die
fiterliche Kriegerkaste der Samurai: Japan zerfiel 271(!) Klein staaten, die von eigenen Für len, den sogenannten Daimios, regiert wurden. Die Raiser endlich waren seit fast 700 Jahren nur dem Namen nach die Herrscher des Landes; die wirklichen Regenten waren ihre erblichen Minister, die Shogune. Da arben zufällig im gleichen Jahre, 1866 der Kaiser and der Shogun; den Thron bestieg nun Mutsuhito, und der Nachfolger des Shoguns wurde Tokugawa Mt. 5.50 per Floshinobu. Diese Ereignisse gaben der Kaiserpartei Inerfennung. der Mut zum entschlossenen Handeln, und sie erhob useralle 13 bewaffnet gegen die bisherige Ordnung der Dinge.|
5. wirkend. Pub
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aruhrketten
Noch während des Kampfes mit den Rebellen, im Feruar 1858 verlas Mutsuhito in dem zum Kaischlosse von Kioto gehörigen Tempel eine feierliche Brotlamation, die im monumentalen Stil
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
( Nachdruck verboten.)
die
Zunächst reiste er nach Brüssel. Frau von Tarandal matte ihm auf seine flehentlichen Briefe nur unvollkom
tigt bei H. Tie, zuletzt gar nicht mehr geantwortet. Sie lebte zursweg 43, Ecke Goet gezogen von aller Welt, nachdem sie von Desiree ver=
fen worden war und der Tod ihres Bruders fest= gestellt schien. Die Zerstreuungen der großen Stadt, derentwillen sie Luekwarden aufgegeben, hatten für
ädchen fuche allen Reiz verloren. Die Korrespondenz mit WalStellenmar ſchmerzte sie nur, statt sie zu beruhigen. Durch Sülfer, Gicken Devereur und Prevendaur war sie auf dem Laufenden
uftabt 50.
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halten worden, und das war alles so traurig, daß sie tostlos dahinsiechte.
Und dennoch war sie sehr glücklich, als Waldemar
b. Daran ift nines Tages ganz unerwartet ins Zimmer trat.
Sie wünschen
ganz Besondere
fauf. Sie figh nut
Willkommen, herzlich willkommen," sagte sie mit übem Lächeln.„ Wenn ich auch weiß, daß Ihre Gegenwart mir neue Sorgen und neue Aufregung bringen wird, freue ich mich doch herzlich, Sie gesund wiederzukthen."
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Sie betrachtete ihn mit Wohlgefallen. Er hatte sich felt ihrer Trennung sehr verändert, war stärker und gebrunter geworden. Die Pflege im Vaterhause hatte hm wohlgetan.
dhokoladen pegs wohl erhalten. Die Dame hatte ihre Körperfülle
nb einzigartiger
geschmad!
Waldemar fand Frau von Tarandal dagegen keinesingebüßt, war älter und hinfälliger geworden, und das imme Haar war leicht ergraut, die Augen schienen ge=
5- Pfd Caf. Balotet von den vielen vergossenen Tränen.
30,40,50,60,80
Sellersweg 17.
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" Ja, schauen Sie mich nur an," bemerkte sie trauIch habe es schwer büßen müssen, daß ich Defree von mir ließ."
über alle Staatsangelegenheiten diskutiert werden und die öffentliche Meinung zu Wort gelangen." Nach diesen Grundsätzen hat Mutsuhito in seiner neuen Aera der man in Japan den Namen„ Miji“, das heißt „ Die glänzende( oder erleuchtete) Regierung" gegeben hat, gehandelt. Die Reform folgten mit großer Schnelsonders in der auswärtigen Politik erzielt hat, sind allligkeit. Die großartigen Erfolge, die Japan seither be=
bekannt.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Berlin. Der Deutsch- Amerikanische Lehrerbund hält demnächst seine 14. Jahresversammlung hier in Berlin ab. Jn einer Anzahl von 370 Personen sind dazu die Mitglieder übers Meer gekommen. Die Reise führte über Bremen und Hamburg nach Heidelberg, Nürnberg, München, Stuttgart und Frankfurt. Von Frankfurt geht am Mittwoch die Fahrt über Kassel, wo die Kaiserin die Gesellschaft auf Schloß Wil
helmshöhe empfängt, Eisenach, Weimar, Erfurt, Jena, Leipzig, Dresden und Breslau nach dem Ziele
Berlin.
* Weimar. Anläßlich der Geburt des Erbgroßherzogs erließ der Großherzog von Sachsen eine umfassende Amnestie.
* München, 29s Juli. Heute vormittag beschloß eine Versammlung von über 70 Delegierten der Bayern- Vereine von Deutschland, Desterreich, der Schweiz und des Auslandes die Bildung eines Zentralausschusses der Bayernvereine. Der gewählte Vorort Berlin wurde beauftragt, die Vorbereitungen zur Vereinigung aller Bayern- Vereine der Welt zu beginnen.
*
Schweiz.
3ürich, 30. Juli. Wie der„ Züricher Tagesanzeiger" meldet, fanden starke Depotrüdzüge französi= schen Kapitals bei den Schweizer Banken statt.
Da waren sie mitten im Fahrwasser, das hierhergetragen hatte.
Bei
Tar
,, Wie war das nur möglich?" fragte er in verzweif= lungsvoller Laune, den Vorwurf niederkämpfend, der sich ihm gegen seinen Willen aufdrängte.
,, Sie kennen den festen Willen meiner Nichte," sagte sie seufzend.„ Ich bin machtlos gegen ihn. Bis zuletzt hoffte ich auf das Scheitern ihres Planes, auf die Furcht vor dem Ungewissen, und auch, daß sie Jean gleich auffinden würde. Daß er Soldat geworden war, hatte ich mir nicht träumen lassen."
" Was sagen Ste? Herr Bourlier nahm Dienste?" „ Er wurde Offizier. Ich erfuhr das selbst erst vor wenigen Tagen von Prevendaux, der mir zugleich die Verlustliste der ersten Schlacht bei Orleans schickte. Mein armer Bruder figurierte auch darauf. Der Schmerz warf mich fast auf das Krankenbett. Deshalb ließ ich Sie auch ohne Antwort, Waldemar. Verzeihen Sie mir?"
„ Was ist da zu verzeihen? Ich kann mich ganz in Ihre Lage denken, gnädige Frau. Der Verlust ist entsetzlich, für mich nicht weniger als für Sie. Vielleicht liegt ein Irrtum vor. Bitte, zeigen Sie mir die Ver Iustliste."
„ Ich bedauere, daß ich das nicht mehr im Stande bin. Ich sandte sie an Olivier nach Bazeilles." Olivier lebt?"
„ Das wissen Sie auch nicht? Ja, Olivier wurde gerettet und zog vor zehn Tagen wieder in das Haus seines Vaters ein."
„ Er lebt und Bourlier ist tot? Welch ein Geschick! Jetzt fönnte ich mich vor meinem Anfläger rechtfertigen, doch alles ist zu spät. Weiter, was hätte das für einen Zweck, da auch Desiree schwerlich mehr unter den Lebenden weilt."
Fahrt des Schiffes die Schuld an der Katastrophe trug. Durch diesen Spruch werden die„ White Star Line" sowie ihr Direktor Ismay schwer belastet. Er erklärt, daß die Ausrüstung des Schiffes mit Rettungs= booten und Notflößen nicht dem Tonnengehalt, sondern der Passagierzahl zu Grunde gelegt werden müßte.
* London, 30. Juli. Heute morgen erfolgte die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit in den Docks.
Italien.
Rom. Der Papst empfing den Auditor der römischen Rota Prälat Heiner in Privataudienz und versicherte ihm neuerdings, daß der apostolische Stuhl die christlichen Gewerkschaften weiterhin, wie bisher, ungestört in ihrer Wirksamkeit bestehen lasse. Gleichzeitig erklärte der Papst, er setze alles Vertrauen in die katholischen Arbeitervereine.
Portugal.
der verpfändeten Geschmeide und Juwelen der im voriLissabon, 30. Juli. Bei der Versteigerung gen Jahre verbannten Königin Witwe Maria ia erzielte ein fünfreihiges Perlenhalsband 318 000
Francs.
Türkei.
Vorgestern trat das neue türkische Kabi nett vor die Kammer mit einer Regierungserklärung. Der Großwesir verlaß das Programmatische der Regierungserklärung. Bezüglich des Krieges hob dte Erklärung die seit 10 Monaten gebrachten Opfer der arabischen Truppen rühmend hervor. Die Regierung das Recht und die Würde der Regierung entsprechende werde die Verteidigung des Landes fortsetzen, bis eine Grundlage für den Frieden gefunden sei.
* Saloniki, 30. Juli. Eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke Uestüb- Saloniki ist von unbekannten Tätern mittels Dynamit in die Luft gesprengt. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten.
,, Verzagen Ste nicht, Tyrolt," tröstete thn die Dame ,, Gottes Wege sind oft wunderbar. Vielleicht lebt metn Kind dennoch irgendwo in der Verborgenheit, abge schnitten von den Verbindungen mit Frankreich, mitten in dem besetzten Lande. Vielleicht ist sie uns näher, als wir denken. Wenn sie in Bazeilles wäre?!"
„ Bei Olivier? Und er hielt ste vor der Außenwelt verborgen? zu welchem Zwecke?" fragte Tyrolt auffahrend.
,, Es ist ja nur eine Möglichkeit, die ich berührte, ebenso gut kann meine Nichte in Sibirien sein!"
„ Die Möglichkeit hat sehr viel für sich," rief Waldemar, jäh an dem Gedanken festhaltend. Wenn De sirene in ihre Heimat zurückkehrte, da sie den Vater nicht finden konnte, so tam sie natürlich nach Sedan und in das Haus ihres Verwandten. Olivier aber hielt ste fest aus Haß wegen unserer Verlobung, aus Eigennut, damit sie ihm nicht sein Erbe schmälere. Er beraubte sie ihrer Freiheit, er verbietet ihr jede korrespondenz, damit sie von der Welt verschwinde, und ich glaubte, sie schriebe mir nicht mehr, weil sie mich nicht mehr liebe."
,, Desiree liebte Sie stets mit gleicher Zärtlichkeit und wird Sie nie vergessen. Nein, ihr Schweigen hat einen anderen Grund: Abgeschnittenheit, Krankheit, Tod oder Einterferung. Und dieses Schicksal kann ste allerdings in Bazeilles ebenso gut treffen wie sonstwo in der Welt."
„ Ich werde selbst ihre Spur aufnehmen," sagte Tyrolt mit festem Entschluß.„ Ich werde sie befreien, wenn sie noch lebt, wo ich sie immer finde. Die Spuren leiten nach Sedan. Dort suche ich meine Braut zunächst."
Sie wollen zu Ihrem Todfeind?"
( Fortiebung folgt.) is


