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Schußmann Glauß, also dem Diebe, der auch fofort mit­ging, um den Tatbestand aufzunehmen. Mit Ausdrük­fen größter Entrüstung wurde alles genau notiert. Am Schluß der Aufnahme zeigte der Ladeninhaber sich recht vertrauensfeltg und meinte, der Verlust hätte noch em­pfindlicher sein können, wenn die Diebe die Ladenkasse entdeckt hätten. Dann öffnete er ein in einer Wand­nische verborgenes Geldspind, das nur von Kundigen entdeckt und geöffnet werden konnte, und worin sich eine größere Geldsumme befand. Der Schutzmann ließ sich Ben Mechanismus des Wandschrantes genau beschret ben, um dann dem Bestohlenen seinen Glückwunsch auszusprechen. In einer der nächsten Nächte fand in demselben Laden abermals ein Einbruch statt, aber biesmal hatte man die Fleischwaren troß ihres lecke­ren Anblickes unberührt gelaffen und statt dessen war der Geldschrank samt seinem Inhalte verschwunden. Glauß und Genossen hatten fich das nötte Kleingeld ge= holt, um zum faftigen Bratenfleisch die zugehörigen zu­taten kaufen zu können.

Ein Krüppel als deutscher Spion". Aus London wird der Inf." geschrieben: Welchen Unfug die Spio­nitis der Engländer anstiftet, die unter allen Umständen deutsche Spione als Ersatz für die vielen englischen Spione in Deutschland entdecken wollen, ergibt sich aus folgender Geschichte, die in englischen Blättern erzählt wird. Die Spionenfurcht der Engländer führte näm­Itch fürzlich zur grausamsten Mißhandlung eines hilf­losen Krüppels, der sich infolge seines Holzfußes nur mühsam von der Stelle schleppen fonnte und außerdem fast erblindet ist. In dem englischen Hafen Middles­brough, der an der Ostküste Englands Itegt, lebt dieser Unglückliche seit Jahren, ohne daß man thn behelligt hätte. Er ernährt sich fümmerlich durch kleine Besor­gungen, welche er für die ankommenden und abfahren­Ben Passagiere macht. Plöslich macht sich aber vor ei­nigen Tagen eine heftige Erregung der Hafenarbeiter gegen ihn bemerkbar. Da er als Deutscher niemals in engen Kontakt mit seiner Umgebung fommen konnte, stand er dort allen fremd gegenüber, obwohl man ihm bisher, abgesehen von einigen Spötteleien, nichts getan hatte. Nunmehr machte man allgemein gegen ihn Front und drohte ihm, der garnicht wußte, worum es sich han= belte, mit dem Lynchen und vergriff sich auch an thm. Einzelne Arbeiter traten ihn sogar mit Füßen, andere fügten ihm blutende Hiebe mit ihren schweren Stangen zu. Nur dem energischen Eingreifen der Hafenpolizet Ist es zu verdanken, daß sein Leben gerettet wurde. Nunmehr wurde auch die Ursache der plötzlichen Ge bäfftgfett konstatiert, ein Herr, der in Middlesbrough gelandet war, um seine Reise nach Westmorland fortzu­fegen und allgemein für einen deutschen Offizier in Zi­vil gehaltet wurde, hatte dem Krüppel sein Handgepäck zum Transport ins Hotel übergeben und sich auch mit thm einige Minuten unterhalten. Dieses harmlose Ge spräch hatte aber schon genügt, um das allgemeine Miß­frauen zu wecken. Welche Geheimnisse dieser Krüppel, der den Hafen fahrelang nicht verlassen hat, verraten tönnte, tst teden denkenden Menschen ziemlich klar. Je­benfalls aber beweist dieser Vorfall, daß die Spionen= furcht in England nicht nur in der Hauptstädtischen Pres­fe grafftert, sondern auch in den weitesten Kreisen der Candbevölkerung Fuß gefaßt hat.

Eine Millionenstiftung für Bankerotteure. Die Gattin des Juwelters Jwanow hinterließ, wie der Inf." aus Petersburg geschrieben wird, in ihrem Te­tament eine eigenartige Stiftung in Höhe von 2 Mil ltonen Rubel. Ste verfügte nämlich, daß das Geld für bankerotte Kaufleute verwendet werden solle, mit der Begründung, daß bisher noch niemand daran gedacht habe, für diese Unglücklichen, die des Lebens Notdurft faft am schärfften erfahren, irgend eine wohltätige Stif= tung zu errichten. Ein Bankerott bedeutet fast immer bet etnem ehrlichen Kaufmann das Ende seiner wirt­fchtftlichen Selbständigkeit und ein großes Unglück. Das Ste gleiche gilt von Bankerotten von Handwerkern. hinterließ darum thr großes Vermögen den bankerotten Kaufleuten und Handwerkern. Von einer Million Ru­bel soll ein Sanatorium gebaut werden, in dem diefe­nigen Kaufleute und Handwerker, die vielleicht durch die Aufregungen ihres Ruins Schaden an ihrer Ge­sundheit gelitten haben, für mehrere Wochen Ruhe und Erholung finden sollen. Der Rest des Geldes wird das zu verwendet, die Töchter von bankerotten Kaufleuten, bie meistens früher bessere Tage gesehen haben, zu unterstützen und fte für einen passenden Beruf vorzu­bereiten. Das Sanatorium wird bei Petersburg er­richtet werden. Der ganze Betrag, der für bankerotte Kaufleute bestimmt ist, ist den Aelkesten der Kaufmann­schaft zu Petersburg übergeben worden und beträgt nach Abzug aller Legate usw. nach deutschem Gelde 8 Millionen Mark. Zwei Millionen Mark sind für Schu­Ten für Handwerkerkinder bestimmt. Diese großartige Stiftung, welche die erste ihrer Art sein dürfte, ist nun von einer Gruppe sich erbberechtigt dünkender Perso­nen vor Gericht angefochten mit der Motivierung, die alte Erblassert set nicht ganz zurechnungsfähig gewesen. Der Aelteste der Kaufmannschaft meint, daß der Pro­zeß nichts anderes bezweckt, als die Kaufmannschaft zu

Dabet war der junge Mann so ehrerbietig und thr Liebling zeigte sich so unendlich glücklich! Mit Schaudern dachte sie auch an die Verhältnisse auf Dtes­kau und so wirkte alles zusammen, um sie in ruhigem, güttgem Tone sagen zu lassen: Sie müssen es einer alten Frau zu Gute halten, Herr Holtau, wenn sie den thr anvertrauten Schatz mit größter Sorgfalt hütet. Bitte, sezen Ste sich."

Sie war besiegt und Hilda küßte sie zärtlich. Holtau entwickelte seine Pläne für die Zukunft. Als er endlich geschieden war, sagte Frau von Herstell zu Hilda: " Den hätte ich wahrhaftig auch genommen!" " Stehst Du, Muttchen, hast Du nicht ein kluges Pflegekind?"

Still war es auf Dieskau geworden. Der alte Herr war frank. Er litt unter der grauenhaften Angst vor bem Wiedersehen seines Bruders, der dann jedenfalls besser gerüstet sein würde, um seine Identität zu be­weisen und diesem Beweis Nachdruck zu geben. Mit Hermanns Tode wären freilich all die tückischen Streiche begraben gewesen, die er- Bodo einst gegen den Bruder ausgeführt hatte, um ihm die Gunst des On­tels zu entziehen. Die Beseitigung des Trauscheines und des Blattes im Kirchenbuche, die beide seinen Na­men als Trauzeugen verzeichneten, war nur die not­wendige Folge seiner übrigen schlimmen Handlungen.

Um den Sprößling Hermanns hatte er sich nach dem Tode der Mutter nicht mehr gekümmert, der war ja zum Bastard gestempelt, wenn sein Zeugnis ihn nicht legitimierte. Um den Bruder von den heimischen Ver­hältnissen völlig loszulösen, hatte er ihm gleichzeitig mit dem Tode der Mutter auch den des Kindes gemeldet, und spätere Briefe Hermanns, die an ihn gelangten, nicht mehr beantwortet. Un in den Besitz des Majo­

zwingen, auf ein Kompromiß emzugehen, wozu fie ie­doch nicht geneigt ist. Es ist auch keine Aussicht vorhan­den, daß die angeblichen Erben mit ihrer Klage Erfolg haben. Man kann annehmen, daß das Asyl für Ban ferotteure schon in ganz furzer Zeit erbaut wird.

Unter dem Wagenverded erstickt, Eine furchtbare Ueberraschung erlebte die in der Rathenaustraße in Oberschöneweide bei Berlin wohnhafte Frau Mai. Während sie in der Küche das Mittagessen zubereitete, spielten ihre beiden ein und drei Jahre alten Kinder im Simmer am Kinderwagen. Die dreijährige Ger= trud war auf einen Stuhl geklettert und machte sich mit der im Wagen Itegenden jüngeren Schwester zu schaf= fen. Beim Spielen klappfe das hochgezogene Wagen­

höfen felten erlebtes Ereignis. Ihre Nachkommenschaft besteht aus 5 Kindern, 7 Schwiegerkindern( einschließ lich der zweiten Ehe), 32 Enkeln, 13 Urenfeln und de ren Gatten und Gattinnen. Der Kurfürst Johann Ge org hatte dagegen 29 Kinder, von denen ihm 10 die oben erwähnte jüngste Gattin der Hohenzollern schenk te, ferner hatte er 4 Schwiegerkinder, 10 Entel, 1 Ur enfel und 4 Urschwiegerfinder. Aus diefer Zusammen stellung ist zu ersehen, daß unser Hohenzollerngefchlecht stets aus gesundem, fruchtbaren Stamme entsproß, und daß es noch Aussicht auf ein langes Blühen und Ge­dethen hat.

verbed plößlich zuſammen und traf das Genie der Riesenschwindeleien eines falschen Affeffors

Gertrud so unglücklich, daß die Kleine vollständig ein­geengt wurde und einen elenden Erstickungstod fand. Als die Mutter bald darauf das Zimmer betrat und Die das Mädchen befreite, war es bereits zu spät. Leiche ist vorläufig von der Polizei beschlagnahmt wor den.

Die böse Lebensversicherung. Von einer merkwitr­digen Maßnahme des türkischen Gouverneurs von Bet­rut berichtet dte ägyptische Zeitung El Akhbar; danach hat der Mufti vor kurzem einen Erlaß veröffentlicht, burch den er allen Mohammedanern feines Amtsbezirks aufs strengste verbietef, Lebensversicherungen bet euro­päischen Gesellschaften aufzunehmen. Der Gouverneur beruft sich dabei weniger auf das im Laufe der Jahr­hunderte durch die Ereignisse längst überholte moham­medanische Gesetz, das jeden Handel mit Ungläubigen verbietet; der Muftt scheint bet seinem Verbote vor al­lem moralische Ziele zu verfolgen. Denn er macht in seinem Erlasse wörtlich geltend, daß eine Lebensversiche­rung nur ein Akt verschleierter Habsucht" set und die Habsucht wird im Koran als schwere Sünde gebrand­markt. Die religiösen Behörden Aegyptens sind in die= ser Beziehung toleranter, denn sie haben es den Gläu= bigen längst gestattet, Lebensversicherungen aufzuneh= men. Schwieriger aber war es, den ägyptischen Mufti dazu zu bewegen, den seiner geistigen Obhut anvertrau­ten Mohammedanern zu erlauben, thre Ersparnisse zur Bank zu bringen. Die fährliche Abrechnung, die den Einlegern von Geld einen Zinsgewinn anzeigte, erschten auch dem ägyptischen Mufti als ein Beweis, daß dte Habsucht im Spiele set, und es mußten mehrere Jahre verstreichen, ehe die mohammedanischen Geistlichen Ae­gyptens zugaben, daß die Benutzung einer Sparbank feine Verlegung der heiligen Gesetze des Islams het­schen.

Familiensegen im Hanse Hohenzollern.

Aus Anlaß der Taufe des Jüngsten Hohenzollern­prinzen werden der Inf." einige interessante Einzel­heiten über den Familiensegen im Hause Hohenzollern mitgeteilt: Die engere Familte unseres Kaisers besteht augenblicklich aus 27 Mitgliedern. Unser Katserpaar bat 6 Söhne und 1 Tochter. Von den Söhnen sind be= fanntlich 3 verheiratet. Die Familie des Kronprinzen besteht wiederum ous 6 Personen, nämlich dem Kron­prinzen, der Kronprinzessin Cäcille und den 4 kleinen Prinzen. Die Schwester des Katsers ist mit dem Erb­prinzen von Sachsen- Meiningen verheiratet; und sein Bruder Prinz Heinrich, der fich am 24. Mat 1888 mit der Prinzessin Frene von Hessen vermählte, hat 2 Söhne, Prinz Waldemar und Prinz Sigismund. Die anderen 3 Schwestern des Katsers find Prinzessin Vik­toria, die mit dem Prinzen Adolf zu Schaumburg- Lippe vermählt ist, die Prinzessin Sophie, vermählt mit dem Kronprinzen von Griechenland und die Pinzessin Mar­garethe, die Gemahlin des Prinzen Friedrich Karl von Hessen.

Von anderen interessanten Daten, die den Kinder­fegen im Hause Hohenzollern betceffen, set noch er­wähnt, daß in den Jahren von 1400 bis 1700 fich 5 Zwillingsgeburten ereigneten. Die Bemahlin des Kur­fürsten Friedrich 2. gebar Zwillinge, desglets chen Magdalena von Sachsen, die Gemahlin Joachims 2., und Lute Henriette von Dranten, die Gemahlin des roßen Kurfürsten. Für den Kinder­fegen ist es bezeichnend, daß während 316 Jahren die Erbfolge im Haus Hohenzollern stets in der direkten ununterbrochenen männlichen Linte fortbestand, und zwar vom Regierungsantritt des Kurfürsten Albrecht Achilles bis zum Tode Frieurichs des Großen, also von 1470-1786. Den reichsten Kindersegen hatte Johann Georg, da die Gesamtzahl seiner Kinder 23 betrug. Er hatte auch eine Gattin in dritter Ehe, welche die füngste Braut im Hohenzollernhause darstellt. Als er sich näm­lich mit der Brinzessin Elisabeth von Anhalt vermählte, war diese faum 14 Jahre alt.

Schließlich et noch diejenig: Hohenzollernherrsche­rin erwähnt, die noch bei ihren Lebzeiten den größten Nachkommenfreis um fich versammelt sah. Es ist dies die Gemahlin Joachims 1., Elifabeth von Dänemark, welche 70 Nachkommen erlebt hat. Schon eine uralte Hoschronik von der Lebens- undRegierungsgeschichte der Hohenzollern preist diese Tatsache als ein an Fürsten­

rates zu gelangen, war es eben nötig, Hermann als tot bezeichnen zu können. Schon damals zweifelte er nicht an Hermanns Tod, er glaubte sicher, daß er im Kriege gefallen set, aber er bedurfte eines schriftlichen Nachweises und so verschaffte er sich durch Bestechung einen gefälschten Totenschein; bei den Zuständen in den Südstaaten nach dem Krieg gelang dies ohne be­sondere Schwierigkeit.

Er war flug genug, fich, fobald er Majoratsherr geworden war, vorsichtig nach dem Verbleib des in Bret­tenbach geborenen Knaben zu erkundigen; aber die Tatsache, daß die Ehe der Marie Steger mit seinem Bru­der nicht öffentlich anerkannt war, beruhigte ihn die vom Geistlichen im Kirchenbuche hinzugefügte Be­merkung dünfte ihm wertlos. Der Einzige, der die ge­schlossene Ehe noch bezeugen konnte, war er selbst, denn damals, bei Bestbergreifung des Majorats, weilten der Pfarrer, der Hermann getraut und der Küster, der als zweiter Zeuge gedient hatte, nicht mehr unter den Le­benden. Ob der Knabe noch lebte, wußte er selbst nicht. Aber woher wußte Hermann, daß er gelebt hatte, daß die Nachricht er sei mit der Mutter zugleich gestorben, falsch gewesen war? Er hatte sich freilich, als er diese Lüge nach Amerika übermittelte, für den Fall der Ente deckung der Wahrheit vorgenommen, zu behaupten, er set durch eine falsche Mitteilung getäuscht worden und habe sie später widerrufen. Daß in jenen Kriegszeiten der Brief an einen Offizier der Rebellenarmee nicht angekommen war, Iteß sich leicht vorschüßen. Mit dem Tode Hermanns, mit dem Bodo mit Sicherheit gerech­net hatte, waren alle Ausreden überflüssig geworden. Selbst wenn der Knabe noch lebte, war seine legitime Abkunft dann nicht zu beweisen.

Vor Jahren allerdings, das ftel thm jetzt wieder ein, war einmal ein Brief eingelaufen, des Knaben we­gen. von wem wußte er nicht mehr.- Der Brief war damals vernichtet worden. Später hatte er nie wieder

Das Berliner Landgericht beschäftigte sich am Mon­tag mit den großen Betrugsmanövern des Kanzleige­hilfen Hans Muller, der unter der Vorspiegelung, er fet ein Oberarzt Dr. Martint von der fgl. Charitee, bezw. ein Gerichtsaffeffor Müller, geradezu ungeheuer­liche Betrügereien verübt hat, von denen wir seinerzeit berichtet haben. Die Anklage lautete auf Betrug in fie ben Fällen, in denen der Gesamtschaden mehr als 300 000 Mart beträgt, auf Urkundenfälschung, Führung eines falschen Namens und Betrug gegen den Justiz­fistus.

Müller war zum Teil geständig. Er war früher in einem Patentbureau tätig, wodurch er Kenntnisse in Ba­tentangelegenheiten gewann, und wurde dann Kanzlet­gehilfe beim Amtsgericht Berlin- Tempelhof. In diefer Stellung geriet er auf die abschüssige Bahn. Unter der Vorspiegelung, daß er glänzende Beziehungen zu einem Geh. Regierungsrat im Patentamt habe, den er nicht nennen dürfe, der aber sein Gönner set und viel erret­chen könne, wußte er eine ganze Reihe von Personen durch Versprechen ungeheuerlicher Gewinne in vier Monaten bis zu 300 Mart- zur Hergabe großer Geld fummen zu bewegen. Das Geld sollte nach Müllers An­gaben zur geschäftlichen Ausnutzung von Batentanmel dungen in nicht ordnungsmäßiger Form verwandt were den. Der Angeklagte trat fehr sicher auf und wußte durch fein ausgeflügelte Märchen seine Opfer, metft Beamte, die in Geldsachen sonst außerordentlich vorsichtig sind, in völlige Sicherheit zu wiegen. Dazu halfen ihm auch Quittungen, die er selbst mit der Aufschrift Depotab­teilung des faiserlichen Patentamtes" hatte" bedrucken lassen. Er unterschrieb entweder als Dr. Martint oder als Assessor Müller. Auch gefälschter Stempel und For­mulare bediente sich Müller, dem die Gelder in unge­ahntem Umfange zuflossen.

Vor allem suchte er sich auch mit den Familien set­ner Opfer gut zu stellen. Er brachte den Frauen seiner Bekannten und Geldleute Theaterbillets mit. Auch ver­sorgte er die Familien mit billigen Delikatessen, Lack­schuhen und anderen Waren, wobei er die Mehrkosten immer aus seiner Tasche bestritt. Diese Ausgaben tru­gen reichliche Früchte, da die Leute immer vertrauens­feltger wurden und immer größere Beträge hergaben, die im einzelnen bis auf 80 000 Mark anwuchsen. Der Angeklagte wohnte bei seinen Eltern und führte hier ein recht bescheidenes Leben. Dagegen bewegte er sich in den Nächten als Lebemann, er besuchte Bars und feine Weinrestaurants. Er unternahm ferner verschiedene Vergnügungsreisen, bet denen er nur erster Klasse fuhr, und gab dabet das Geld mit vollen Händen aus. Für seine Braut, eine Abteilungsvorsteherin in einem Wa renhause, die um sein Doppelleben nichts wußte, schaffte er wertvolle Delgemälde, Teppiche, Silberfachen usw. zu der bevorstehenden Hochzeit an. Schließlich kamen etnem der Geldleute des Angeklagten doch Bedenken. Er machte dem Kriminalkommissar Kuhn Mitteilung von Möllers Geldgeschäften, und Kuhn erkannte sofort, daß es sich um einen Schwindler handeln mußte. Er verhaftete Möller, als dieser eben ein Weinrestaurant verließ. In seinen Taschen fand man einen Barbetrag von 107 000 Mart. Da Monter außerdem noch mehrere andere große Schläge" vorhatte, nimmt man, an, daß er in furzer Zeit geflohen wäre, wenn ihn sein Schicksal nicht ereilt hätte. Die von ihm erschwindelten Summen schäßt man auf 400 000 Mart.

Auf die Frage des Vorsitzenden, wie er zu den Be­trügereien gekommen fet, antwortete Müller, er habe immer davon geträumt, reich zu werden. Dies sei schon in der Schule der Fall gewesen, wo er oft bel Extem­poralien Säße ausließ und der Lehrer ihm dann fagte, daß er geträumt habe. Er habe auch immer eine Stimme gehört, die ihm zurufe: Geld, Geld, Reichtum!" Es wurde in der weiteren Berhandlung u. a. festgestellt, daß Müller sehr viele Theaterbillets faufte und wöchent lich dafür etwa 100 Mark ausgab. Einmal hat er sechs Carusobillets auf einmal gekauft und dafür 180 Mark bezahlt. Die Billets hat er nach seiner Angabe timmer verschenkt, weil es ihm Freude machte. Als Oberarzt Dr. Martini" hat er auch einmal ein Rezept verschrte ben! Ebenso wie fremde Leute sind auch seine Geschwt­ster und seine Braut durch ihn betrogen worden.

Der Angeklagte wurde wegen wiederholten Betrugs und schwerer Urkundenfälschung zu vier Jahren Ge­fängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

etwas davon gehört. Der Knabe war gewiß längst ge= storben, sonst hätte man sich noch einmal an ihn ge­wandt, nachdem er in den Besitz des Majorats gekom­men war. Von dieser Seite war also nichts zu fürchten gewesen. Nun erschien, einem Blize aus hetterem Him­mel gletch, der totgeglaubte Bruder, um das Majorat und Rechenschaft zugleich zu fordern. Unaufhörlich wälz­ten sich peinigende Gedanken durch sein Hirn und mit jeder Post erwartete er, aufgefordert zu werden, das zu Unrecht an ihn gelangte Besitzrecht aufzugeben. Das waren die Sorgen des Vaters, und seinem Sohne Ha­rald wurde mit dem fortschreitenden Tage auch immer unheimlicher zu Mute.

Die Nachricht von dem durch einen unglücklichen Zufall" zu Tode gekommenen Fremden fraf nicht ein. Lebte er noch, oder hatte er sich gleich einem angeschosse­nen Wild in ein Dickicht zurückgezogen und dort sein, Ende gefunden? Der Lebende war noch gefährlicher als der Tote.

Zwischen Gewissensbissen und der Furcht, den Tot­geglaubten wieder lebendig vor sich zu sehen, schwankte er hin und her und suchte sich durch den Trunk zu be täuben.

An Hilda dachten Vater und Sohn bei dieser so be­denklichen Lage faum. Die Briefe von Frau von Here stell und Hilda waren Harald in die Hände gefallen; er hatte sie unbeantwortet gelassen und nicht einmal seinem Vater davon Mitteilung gemacht. Er betrachtete es als etne tödliche Kränkung, daß Hilda seine und seiner Fa milie Lage durch die Hetrat mit Safal nicht verbessert hatte. Am liebsten hätte er Dieskau verlassen, in die Welt hinauszufliehen, aber er durfte den schwachen Va­ter test nicht allein lassen, auch fehlte ihm das nöttge Geld.

( Fortsetzung folgt.)