Gießener Zeitung
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weg 83.
Nr. 104.
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Telephon: Nr. 362.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Der Kaiser beabsichtigt, wie die Landeszeitfür beide Mecklenburg aus guter Quelle erfährt, April nächsten Jahres nach Korfu zu fahren. Die tigen Borbefehle find an die zuständigen Stellen er Berlin, 27. Dez. Prinzessin August Wilhelm von einem Prinzen glücklich entbunden worden. Der Großherzog von Hessen hat dem wischen Staatsminister Ewald den erblichen del verliehen und der Freiherrn Hey I zu Hernseim zum„ Wirklichen Geheimen Rat" mit dem PräExzellen3" ernannt.
Einem mehrfachen Wunsche des Finanzausschus der hess. Ersten Kammer entsprechend wird Fertigstellung des hessischen Staatshaushaltsplanes 1913 diesmal früher als in den vorhergehenden aren erfolgen. Der Finanzausschuß der Zweiten Rammer wird schon am 7. Januar die Vorberatungen neuen Hauptvoranschlags 1913 aufnehmen. Als Berichterstatter für die einzelnen Staatsressorts sind be mmt: für das Ministerium des Innern die Abgeordlen Dr. Weber und Henrich; für das Staatsministe m Abg. Best; für die Gr. Staatsdomänen und die Domänen des Großherzoglichen Hauses, Universität, Bund Dammbauten Abg. Braun; für die Staatslenbahnen, Weinbau- Domänen und höheren Schulen bg. Molthan; für die sozialen und sanitären Etats Ministeriums des Innern Abg. Ulrich- Offenbach, mehrend der Abg. Dr. Osann den Hauptteil der StaatsSinnahmen des Budgets bearbeiten wird. Die Spe
alberatungen der Etats sollen im Ausschuß so geför t werden, daß der Finanzausschuß Erster Kammer Budget noch vor Ostern fertiggestellt haben kann.
General der Infanterie a. D. Ferdinand von Blülpnagel ist im 71. Lebensjahre in Berlin nad) ingerem Krankenlager verstorben. Mit ihm ist en bekannter Heerführer, der 7 Jahre lang an der Evize des 5. Armeekorps in Posen gestanden und en Brust der Schwarze Adler- Orden schmückte, daingegangen. v. Stülpnagel, der am 7. Oftober 1842 boren wurde, hat die Feldzüge 1864, 1866 und 1870 mitgemacht und sich das Eiserne Kreuz erworben
Frankreich.
Heute in drei Wochen hat das republikanische Barfreich einen neuen Präsidenten; am Freitag, den 1. Januar treten Senat und Kammer in Versailles
Das Glückskind.
Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
Wie oft hatte sie hier ungestört gesessen, lesend, oder mit einer Handarbeit beschäftigt, oder auf den Onkel artend, die Hände müßig im Schoß gefaltet; dann fellte fie fich im Geiste das Bild der schönen Adeline vor, die drüben im Schlößchen neben ihrem alten, eifersüchgen Gemahl ein unglückliches Leben geführt hatte, tant vor Sehnsucht nach den zerstreuungen der Welt, Me thr verschloffen waren, und die sie doch so, sehr gelebt haben sollte.
Vor der lebhaften Phantasie der stillen Träumerin chien ein verzweifelndes Weib, das sich in die hoch= fforißende Flut stürzte, das Kind im Arme- und nach ein Mann, der wie gehezt den Waldweg dahin= lob, alles zurücklassend, was das Schlößchen enthielt. Bu gern hätte Röschen einen Blick hineingeworfen in das stille Haus am See, in das seit Menschengedenken niemand den Fuß gesetzt. Wie es wohl ausschauen
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Ueber die wankende Holzbrücke tam eben ein Mann; var der verfeindliche Fremde, der sich vor einigen dem Weg erkundigt hatte. Kurz ents junge Mädchen ihm entgegen, und die quent zu thm aufschlagend, sagte es mit einmeichelnder Stimme:„ Würden Sie mir vielleicht gehatten, verehrter Herr, daß ich mich drüben ein wentg febe? Ich hegte schon längst diesen Wunſch, und ich loffe, Ste schlagen mir die bescheidene Bitte nicht ab." Allein so rasch, als Nost geglaubt, ging das nicht; er Mann legte die Stirn in finstere Falten und ents mete in feiner mitrrischen Art:„ Ich habe hter nichts erlauben und zu verbieten, warten Sie, bts mein bear tommt, dann wenden Sie sich an ihn
Er wollte rasch weiter gehen, doch Röschen vertrat
Erpedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 28. Dezember 1912.
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zusammen, um in gemeinsamer Sizung für die nächsten 7 Jahre das Staatsoberhaupt zu wählen. Herr Armand Fallieres wird sich in das Privatleben zurückziehen. Nun hat sich über die Weihnachtsfeiertage der derzeitige französische Ministerpräsident Raymond Poincaree entschlossen, seine Kandidatur für den Posten des Staatspräsidenten aufzustellen. Der Gegenkandidat ist ein Herr Ribot. Weitere Bewerber sollen sein der Kammerpräsident Deschanel und Senatspräsident Du best.
Vom Balkan.
Sofia, 27. Dez. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß in den letzten Tagen ein Depeschen wechsel zwischen König Ferdinand und dem Sultan stattgefunden habe, der die Einleitung 3 it direkten Verhandlungen zwischen beiden Regierungen bildete.
Sofia, 27. Dez. Es scheinen die Gerüchte von sehr wichtigen türkisch bulgarischen Sonderverhandlungen nicht ganz unbegründet zu sein.
Belgrad. Die Gattin des hiesigen deutschien Gesandten, Freiherrn von Griesinger, war auf ungarischer Seite als Spionin verhaftet worden. Frau von Griesinger mußte mehrere Stunden in Haft ver= bringen, bis ihr Gatte herbeieilte und das Mißverständnis aufklärte.
Konstantinope I, 27. Dezember. Der gestrige Ministerrat hat beschlossen, die Forderungen des Baltaubundes mit Gegenvorschlägen zu beantworten. Diese sind gestern bereits an die Delegierten in London abgegangen, welche die türkischen Vorschläge am Samstag der Friedenskonferenz vorlegen werden.
Konstantinopel, 27. Dez. Hier ist das Gerüdjt verbreitet, daß ein Konflikt zwischen Rumä= nien und Bulgarien wegen der rumänischen Forderungen nach der Stadt Silistria drohe. Rumänien habe mehrere Torpedoboote angekauft.
Konstantinopel, 27. Dez. Von der Tschataldscha- Linie wird gemeldet, daß zwischen Bujuk Tschekmedje und dem gegenüberliegenden Kalikratia Borpostentämpfe zwischen Bulgaren und Türken stattfanden. Der Grund für diese Kämpfe ist, daß bulgarische Freiwillige in der Nacht auf türkische Posten Bomben warfen, worauf das Feuer beiderseits eröffnet wurde.
Aus Stadt und Land.
* Deutliche Adressierung der Neujahrsbriefe. Schon zu gewöhnlichen Zeiten für die pünktliche Bestellung der Postsendungen die
ihm den Weg:„ a), bis dahin wird alles verander: sein, die Kunst der Dekorateure und Maler wird das Schlößchen neu einrichten; dann hat die ganze Sache ein anderes, modernes Aussehen und ist für mich nicht mehr interessant, und außerdem, wenn Ihr Herr so bärbeißig ist, wie Sie, mag ich ihn nicht darum bitten."
„ Mein Herr gedenkt alles soweit als möglich zu laffen, wie es ist," fiel der Angeredete um vieles milder ein. Es mußte etwas in den bittend auf ihn gerichteten Augen liegen, was ihn zum Nachgeben zwang; denn plößlich sagte er ganz freundlich: So kommen Sie, ich will Sie führen."
Er ging voraus; bei der Brüde machte er Halt: „ Vorsicht, Fräulein," mahnte er, dieses alte, wackelnde Holzgestell ist das erste, was fällt und einem neuen, eisernen Platz macht."
„ Bis wann trifft denn der Besizer hier ein?" fragte Röschen.
" Sobald alles einigermaßen in Ordnung sein wird, etwa an Pfingsten."
Sie traten durch ein eisernes schweres Tor, das sich freischend in den Angeln drehte, in eine Art Vorhof, wo dichtes Gestrüpp wucherte, und von da in den schön gewölbten, mit Steinfliesen belegten Flur, in dessen Wänden sich buntgemalte Fenster befanden. Rechts führte eine hohe, eichene, reich mit Schnißwert gezierte Tür in ein faalartiges Gemach, das einst als Spetsezimmer gedient haben mochte; davon zeugten sowohl die Jang. Tafeln, sowie die dunkelbraunen, ebenfalls geschnitten Stühle, ble in langer Reihe davor standen. Die etne gswand nahm ein bis an die Decke reichenbes Buffet ein, auf dem wohl ein halbes Dußend schme rer Gumpen, sowie die verschiedensten Gläser standen. Dies Bimmer machte einen recht difteren Eindruck, well die ebenfalls gemalten Fenster dem hellen TagesNebenan befanden sich ficht den Eingang wehrten.
( Gichener Tageblatt)
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Telephon Nr. 362.
24. Jahrg.
richtige und genaue Abfassung der Adressen von größter Wichtigkeit, ganz besonders gilt dies aber für die Zeit des Neujahrsverkehrs. Man wird daher gut tun, auf den Neujahrsbriefen außer der Straße auch die Hausnummer, den Gebäudeteil( Vorderhaus, Hinter= haus oder Seitenflügel) und das Stockwerk anzugeben, sowie bei Briefsendungen nach Berlin stets den Postbezirk( N, NO, SW usw.) und die Nummer der Bestellpostenstalt hinzuzufügen. Sehr zu empfehlen ist, MarTeneinfäufe möglichst frühzeitig zu machen, nicht erst am 31. Dezember oder 1. Januar, wo die Schalter stark belagert sind und infolgedessen ein mehr oder weniger langes Warten unvermeidlich ist.
Die Kinderklinik in Gießen.
Die von dem Patronat der Großh. Zentrale für m. u. S. errichtete Kinderklinik in Gießen ist nunmehr im Anschluß an die übrigen in Betracht kommenden klinischen Anstalten der Universität in Betrieb genommen worden.
Damit ist eine wichtige Lücke in dem Unterrichtsbetrieb der medizinischen Fakultät unserer Landesuniverfität ausgefüllt.
Die Baukosten betrugen zirka 80 000 Mt.; die Kosten der Einrichtung zirka 30 000 Mt. Bau und Einrichtung sind mustergültig. Dies ist von den Vertretern der, in Betracht kommenden Ministerien, denen auch die Plane vorgelegen haben, bestätigt worden. Die Bauausführung lag in den bewährten Händen des Architekten Meyer in Gießen. Die gesamte Einrichtung wurde in Gießen beschafft, um den berechtigten Interessen der Gießener Geschäfte zu dienen. Die für die Klinit verwandten Stiftungen stammen nicht aus GieBen. Gelder des Blumentags und der Postkartenwoche oder Mitgliederbeiträge der
Zentrale oder des Patronats sind dazu nicht ver= wandt worden. Da gerade in ärztlichen Kreisen die Errichtung einer Kinderklinik als eine dringende Aufgabe des Staates bezeichnet wird, der dafür die Kosten selbst zu tragen habe, fonnten nur Stiftungen in Betracht kommen, die ausdrücklich für die Kinderklinik bestimmt waren.
Für die Großh. Zentrale für M. u. S. in Hessen bedeutet die Errichtung einer Kinderklinik einen entschiedenen Fortschritt. Sie bedarf dieser Anstalt besonders zur Ausbildung der in ihren Einrichtungen der offenen und geschlossenen Fürsorge tätigen Schwestern, deren 3ah! bereits jetzt auf 25 angewachsen ist. Bei dieser Gelegenheit darf wiederholt darauf hingewiesen werden, daß schwächliche, franke oder lebensunfähige Säuglinge für das Wirken der Zentrale nicht in erster Linie in Betracht kommen. Sie will hauptsächlich gesund
einige Gemacher, die anscheinend nicht als Wohnräume benutzt worden waren, denn sie enthielten nichts als altes, zerbrochenes Gerümpel und überflüssige, bunt zusammengewürfelte Geräte, eine ehemalige BrunnenNymphe ohne Stopf, Stühle mit nur dret Beinen, wacklige Tische und Bänke.
Bis jetzt hatten die beiden kein Wort gewechselt. Stumm folgte Röschen ihrem Führer die Treppe hinauf. Es hatte sich ihrer ein ängstliches Gefühl bemächtigt, von dem sie sich feine Rechenschaft zu geben ver= mochte. Rosi sehnte fich hinaus aus dieser dumpfen, beflemmenden Atmosphäre in den duftenden Wald, und sie suchte so viel als möglich den Aufenthalt abzukürzen, zumal ferner Donner ein herannahendes Gewitter ver= kündigte und die Sonne sich hinter düsteren, schwarzen Wolken verbarg, wodurch alles verdunkelt erschien.
„ Ist Ihr Herr ein Nachfomme des alten Geschlechts, dem das Schlößchen gehörte, oder hat er das Beststum käuflich erworben?" wandte Röschen sich an ihren Be= gleiter.
„ Er ist der legte feines Stammes, trägt jedoch nicht den Namen desselben. Er hat ihn abgelegt, weil tein einziger seiner Familie glücklich gewesen ille litten fie an demselben Uebel, einer tiefen Sch ut, und
er glaubte, mit dem Namen auch den Fluch ablegen zu tönnen, der auf der ganzen Familie wie ein Alp laftete. Deshalb fuchte er um eine Namensänderung nach, und fie wurde ihm gewährt. Jest nennt er sich Malljar, Dr. Malljar; aber glücklicher als seine Vorfahren ist er bisher auch noch nicht gewesen. Er ist ein hochge= lehrter Mann, und ehe das Unglüd tam, da war er ein luftiger, von allen wegen seiner Freigebigkeit gern aufgefuchter Gefelle, und fest," etn schwerer Seuf
zer hob die Brust des treuen Dieners, er schien vergeffen zu haben, daß ein junges Mädchen neben ihm ging, legt tft er ein menfchenscheuer Sonderling gee worben, der gern allen aus dem Wege geht.(&. folgt.)
rau bon ettern lief ihrem
tät entgegen.
Weihnachtszauber.
Stizze von
Eleonore retsch ni a r.
jugendlicher Elastizi=
Das schöne, alte mit war freudig erregt,
ihre Stimme flang warm und zitternd:
" Mirena, Kindchen, mein Jürgen kommt heim zum Christ
er nicht von derartig persönlichen Dingen.
wenn
Unruhe, als müsse sie fliehen, als bringe ihr der Aufenthalt in Freundin weilte, fo war in ihr immer eine quälende, drängende in den nächsten Wochen mal für furze Zeit bei ihrer alten Und Mirena
Weihnachten im Borsthaus.


