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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

perteijährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins saus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 fg.- Erscheint Mittwoche und Samstage. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der Gießener Zeitung" G. m. b. v.

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Nr. 78.

Telephon: Nr. 362.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Berlin, 27. Sept. Die gestern in Wien ver­reiteten Gerüchte von einer unmittelbaren Kriegs ejahr auf dem Balkan finden von feiner Seite eine Betätigung. Allgemein wird jedoch die Situation als chr gespannt bezeichnet und erklärt, daß der kleinste Hischenfall die triegerische Entladung herbeiführen ne. Auf der türkischen Botschaft wurde mitgeteilt, bei einem Diner, das gestern dort stattfand, und an an auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Riderlen- Wächter teilnahm, mit feinem Worte von Möglichkeit eines türkisch- bulgarischen Krieges When wurde.

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Tsingtau, 26. Sept. Prinz Heinrich ist de, nachdem der Kreuzer Scharnhorst" am 24. Sep­erbei die japanischen Gewässer verlassen hatte, beglei­ed von Gneisenau", Leipzig", Emden" und 2 Tor­abcbooten, hier eingetroffen. Der Prinz wird die ihm wm Raiser aufgetragenen Besichtigungen im Schutzge i Riautschau vornehmen.

Desterreich.

Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 28. September 1912.

wohl noch lange ziemlich fühl bleiben. Wenn Dester­reich- Ungarn auf dem Balkan militärisch einschreiten würde, wäre ein Konflikt absolut nicht zu vermeiden. Redner wünscht die Anbahnung herzlicher und vertrau ensvoller Beziehungen zu Rußland. Der deutsch­fortschrittliche Delegierte Dr. Lech er teilt absolut nicht die Anschauung Kramarcz', der Türkei die Verwaltung aller christlichen Völker abzunehmen.

Italien.

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Die Italiener stationieren, wie Meldun gen aus Mailand besagen, drei italienische Mili tärluftschiffe auf den Inseln im Aegäischen Meer, denen die Aufgabe zufallen soll, die Aktion der Flotte gegen die Dardanellen zu unterstützen.

England.

Vorpostenhunde. Während der letzten Manöver in England wurde ein interessanter Ver­such mit einem Airedale Terrier gemacht, der bei dem Norfolk- Regiment mit auf Vorpostendienst zog. Ein Bericht wurde fürzlich über diesen Hund veröffent­licht, der folgendes enthält: Der Hund wurde entweder zum Vorposten oder Patrouillendienst verwendet. Der Hauptvorteil war, daß der Hund eine jede menschliche Annäherung früher entdedte als das Auge oder Ohr des Postens selbst. Das Resultat ist, daß der Po­vorbereitet ist und daß es unmöglich ist, ihm einen Hinterhalt zu legen."

Wien, 27. Sept. Jn der heutigen Sitzung es Ausschusses der österreichischen Delega otion für auswärtige Angelegenheiten erklärte der egierte Kramar c3 in eingehender Besprechungsten Baltanfrage: Wenn für die christlichen Völ­Tauf dem Ballan nicht eine vollständige administra­Autonomie sofort burchgeführt werde, sei eine Kata­The faum zu vermeiden. Redner stimmt nicht mit em Fürsten Schwarzenberg überein, daß Desterreich ligam die Erwerbung eines neuen Gebietes seitens Serbiens nicht dulden könne, denn wenn Desterreich. Irigarn eine vernünftige Politif mache, wenn es auf en Balkan nichts beanspruche und die Balkanvölker adh einem eventuellen siegreichen Kriege gegen die Tür­icht hindere, den Balkan untereinander aufzuteilen, rache Desterreich- Ungarn nichts zu fürchten. Rußland ill den Frieden um jeden Preis. Allerdings wird das dlungen! hiltnis zwischen Rußland und Desterreich- Ungarn

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27.

Leciferrin

Des Wilderers Rache brzählung aus dem bayrischen Hochland von Otto Bandsmann.

( Nachdruck verboten.

Der rote Peter hatte all fetner Willenstraft bedurft, ten Schwerz zu überwinden und fich bel Bewußtsein #chalten. Aber er mußte, daß er nerloren war, wenn

Förster in die Hände fiel; er wollte um jeden Br der Gerechtigkeit entgehen. Alle Kräfte, die er besaß, zusammennehmend, preßte er die Hand auth dem von der Kugel in die Brust gefthlagene Bunde, imden Blusttrom, der unabläffig darans hervorgnoll,

barmen, und stürzte in gebückter Haltung davon, balle Hindernisse hinweg, alle Straucher tnickend, die hr den Weg versperrten. Er wollte unter allen Um tänden zu Haufe anlangen, ehe ihn seine Kräfte ver teen Die zwei Kilometer, die ihn von seinem auf der erntenalm gelegenen Söldnerhäuschen trennten, legte tin zehn Minuten zurück und Blutspuren kennzeich teen ben Weg, den er nahm. Vor der Tür seiner Be afung angekommen, brach er feuchend nnd völlig er hpt zusammen.

Ms seine Frau, durch den dumpfen Fall aufmerksam erden, herbeieilte, sah sie ihn in seiner ganzen Länge töchelnd und blutüberströmt vor der schneebedeck­eh eh welle liegen. Dieser Anblick raubte thr fast die Behmung. Sie mußte sich an der Mauer festhalten, um idumzusinfen; aber alle ihre Kräfte sammelnd, Holte tere beiden Kinder herbei, und allen dreien gelang esmit großer Mühe, den Vater in sein armseliges Bett affent.

Gott, o Gott," jammerte schluchzend die arme ich hab' es ja immer gesagt, daß es eines Tages fo Eomrnen wirde!" Und sich über den Körper ihres Mannes werfend,

Serbien.

Belgrad, 27. Sept. Die hiesige Tagespresse zeigt verhältnismäßig große Ruhe, trotzdem in allen Volksschichten die Ueberzeugung herrscht, daß der Krieg auf des Messers Schneide steht. König Peter hat seine für heute geplante Reise nach Topola verschoben.

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Türkei.

* Konstantinopel, 27. Sept. Ein Gerücht besagt, daß französische und englische Abteil­uncen in Vathy auf Samos gelandet seien.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 pfg.

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Telephon Nr.: 362.

China.

24. Jahrg.

Peting. Der neue Minister des Aeußern Liang- Mengtuang und Präsident Juanschikai beschlossen, energische Schritte gegen russische und englische Unter= nehmungen bezüglich der Mongolei und Tibet zu tun.

Peking. Fürst Udai von Mongolien hat Ex­preßboten nach Charbin geschicht mit der Meldung, daß Don chinesischen Soldaten in seine Provinz ein Einfall gemacht wurde und 5000 Einwohner abgeschlachtet wor­den seien. Er bitte um sofortige russische Hilfe. Er selbst ist mit seiner Familie in die Berge geflohen.

Es wird Zeit, ,, Gießener Zeitung"

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Das Abonnement loftet

monatlich 40 Pia..

Aus Stadt und Land.

Der Finanz ausschuß der 3 weiten Kammer tritt am Dienstag, den 1. Oktober, wieder zusammen. Auf der Tagesordnung stehen die Regier­ungsvorlagen betreffend Rechenschaftsbericht für 1907, der Bau einer Nebenbahn von Rüdesheim nach Sarms­heim u. a. m.

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Das Wahlrecht zur Handwerks= mehr in Handwerkerkreisen mit dieser Frage, denn aus kammer. In den letzten Tagen beschäftigt man sich dem Jahresbericht der Handwerkskammer Darmstadt will man mit aller Gewalt herauslesen, daß das Wahl­recht des Gewerbevereins gefährdet sei, obwohl die das Handwerkskammer in ihrem Bericht ausdrücklich Wahlrecht auch für die Gewerbevereine fordert, sogar noch mit einer Erweiterung gegen die bisherigen Be­stimmungen der Gewerbeordnung. Wenn nun die Ge­

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bedeckte fte fein bleiches Gesicht mit Rüfen und nekte es mit den Tränen, die thren Augen entströnten

Zu Haupten des Bettes stehend, weinte Hans still vor sich hin, während setne jüngere Schwester Zenzt, welche den Ernst der Lage nicht zu begreifen schien, ver­munderten Blickes das Bett betrachtete.

Da schlug Peter plötzlich die Augen auf und richtete fetnen matten und verstörten Blick auf die Anwesenden; doch erinnerte er fich an nichts mehr. Mich dürftet!" fagte er, die Hand ausstreckend, mit hohler Stimme.

Benzt, welche am meisten Gleichmut von allen dret en bewahrt hatte, trachte ihrem Vater ein Glas Waffer. Diefer leerte es in einem Zuge, und es schien, daß der frische Trunk eine Erleichterung in dem fieberheißen Innern des Verwundeten bewirkte, denn er tam plötzlich zur Besinnung und setzte sich aufrecht.

Na, was soll das heißen, was flemn ihr denn so zufammen?" rief er mit rauber Stimme. Ich habe meinen Tett, der alte Schuft hat gut getroffen. Ei was, ab ein wenig frither oder später, das tut nichts, einmal muß gestorben fein. Aber wenn ich ihn nur da hätte, den Hund, den elendigen!"

Er warf fich wieder zurück, und ein schwarzer Blut­ftrom entquoll setnem Munde.

Sich fiber thn neigend, entblößte fetne Frau die Klaffende Wunde und untersuchte fre: sie hatte die Größe etnes Zehnpfennigstücks, und die Kugel hatte allem Anschein nach den linken Lungenflügel durch bohrt. Die Frau wusch die Wunde mit frischem Wasser aus: der Wilderer röchelte noch immer. Blöblich richtete er sich wieder auf, und indem er seine Frau, die sich thm mtt einem in Branntwein getauchten Stück Leinwand näheren wollte, von sich drängte, fagte er: ich ha Das hit zwecklos, fage ich dir, ich habe meinen Teil, es hilft nichts mehr. Laß mich also ruhig ver­recken."

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Die arme Frau ließ sich auf der entgegengelegten Seite der Stube auf einen Stuhl niederfallen und weinte und schluchate, daß es einen Stein hätte, etharmen mögen

Der Verwundete sprach nichts mehr, emerfielt sich eine Weile vollständig regungslos, und wenn nicht seine Augen noch lebhaft gefchimmert hätten, würde man ihn flir tot gehalten haben, jo fchwach ging fein Atem. Plößlich bewegte er ft auf seinem Rager. Lebhaft griff er mit der Hand nach setner bintenden Wunde und grub seine Fingernägel in das offene Fleisch: der Fieberwahnsinn Batte sich seines Getstes bemächtigt, und er begann mun zusammenhanglose Worte zu stammeln: " D, wie ich leide

Hätte

Schrft

wenn ich ihn Durst. tch glühe... Hans Benzi Wasser...

***

Und er drehte und wendete sich, feine blutunter­faufenen Augen traten weit aus ihren Höhlen hervor. D, der Elende... ich sehe ihn er zielt auf mich... o nein, schießt nicht. Gnade Erbarmen Erbarmen! Ach, er gtt Feuer Hinweg Versluchter Hans... mein Sohn... räche mich.. räche mich... töte ihn... töte ihn..

Und er warf einen flehenden Blick auf seinen Sohn, der aufs höchste erschrocken vor dem Schmerzenslager tuiete.

Dich rächen, Vater?" fragte der Junge unter Tränen. An mem, jag? O, fieh mich nicht so an, ant­morte mir!"

Der rote Peter hielt sich noch tmmer regungslos. Sein Blick nahm eine erschreckliche Starre an. Plötzlich hob er, wie von einem inneren Drang veranlaßt, den Arm und fuhr sich mit der Hand über die schweißgebadete Stirne.

( Fortsetzung solgt.