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Nummer 8.
Illustrierter
13. April 1912.
Wochen- Anzeiger
Welt- Rundschau.
Bezugspreis fürs Vierteljahr 1 Mart durch die Agenten, 1,20 Mart durch die Post und 1,50 Mart direkt unter Kreuzband.
Stadt- Anzeiger.
100 Mark Prämien erhalten unsere Abonnenten laut unseren Bedingungen.
Expedition: Gießen, Seltersweg 83.
Aus der alten Krim.
m Mai, wenn die lindesten Lenzlüfte wehen, wird der Dampfer ,, Schleswig" mit einer bunten Reisegesellschaft das Mittelmeer durchfurchen, dann in das Schwarze Meer einbiegen und seine Passagiere an den Fuß der Kaukasischen Felsengebirge mit ihrer hohen Romantik tragen. Auf der Rückfahrt wird er aber auch den Südrand der taurischen Halbinsel, welche von den Tataren Krym, d. h. Festung, getauft wurde, berühren. Anlegen wird das stolze Schiff des Bremer Lloyd am 17. Mai in Sewastopol, dem berühmten Handels- und Kriegshafen Südrußlands, und den Tag darauf in Jalta. Damit werden seine Gäste mitten in einer
neuen
wunderbaren Natur an der Grenzscheide zweier Welten, am äußersten Rande des europäischen Rußlands sein. Es lohnt sich, bei ihr etwas näher zu berweilen. Die Halbinsel, der taurische Chersonnes der Alten, auf dem die aus der Iphigeniensage bekannten wilden Taurier, wohl ursprünglich ein kaukasischer Volksstamm, lebten, die ,, jeden Fremdling, den die Woge warf an ihren Unglücksstrand", ihrer grausamen Göttin Artemis Orsiloche opferten und auch sonst als Seeräuber
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rischer Hand und südlicher Schönheit in großartigem Wechsel von herrlichen Lorbeer-, Oliven, Eichen-, Buchen-, 3ypressenhainen, von Weinbergen, Gärten, von Palästen, Klöstern, Moscheen, Festen und Ruinen der Vorzeit verstreut hat und das auch ein Lieblingsaufenthalt des russischen Hofs in Lividia, nicht weit von Jalta, geworden ist.
Dort berühren sich Orient und Okzident, Europa und Asien, subtropsche und gemäßigte Zone in unmittelbarer Wischung; zugleich ist die Halbinsel zu allen Zeiten ein Anziehungspunkt und eine Brücke für die zahllosen Völkerscharen gewesen, die einst aus den Pforten des
Ein Kleeblatt ans dem Raukasus.
breit gefürchtet waren, zeigt im Norden und Süden grundverschiedenen Anblick: oben die dürre pontische Steppe mit totem, rasch versengtem Boden, mit Gerölle, Schotter und Weideland, auf dem ungezählte Viehherden tatarischer Nomadenvölker hausen, unten, südlich von Simferopol, ansteigende Hügel, Höhen, Bergzüge, Kalfgebirge, die nach der See zu dann mit Schroffem, fürchterlich steilem Absturz noch tief unter das Wasser sinken. An den malerischen Abhängen, auf dem schmalen Küstensaume zwischen Neusudak und Balaklawa tut sich aber ein wahres Paradies auf, das die Natur wie zum Ausgleich für den harten Norden mit verschwende
Kaukasus, vom asiatischen Festland in die nordpontischen Gegenden und von da weiter nach Europa einbrachen. Die Geschichte der Krim ist daher eine bewegte, eine hochdramatische, und es steigert sich das Interesse an ihr noch erheblich, wenn wir sehen, was meist ganz unbekannt ist, daß auch germanische Völker an ihr hervorragend beteiligt sind.
Seit 600 v. Chr. blühten an dem ganzen Küstenrande einschließlich des frimmerschen Bosporus( Straße von Kertsch) und des Maeotis( des Asowschen Meeres) griechische, Pflanzstädte, unter denen Albia und Theodosia, das spätere Raffa der Genuesen und heutige Feodofia- noch jetzt eine der schönsten Hafenstädte dort- ferner die an der Meeresstraße sich gegenüberliegenden Pantikapaeon( Sertsch) und Phantagoria die bekannteſten waren. Sie trugen die erste Verfeinerung in jenen von der Natur begünstigten, aber von rauhen Stämmen beherrschten lachenden Erdenwinkel, und aus ihrer Verschmelzung mit den umliegenden Tauriern, Skythen, Hunnen, Sarmaten u. f. w. erwuchs seit den Perserkriegen ein seltsames Mischreich, das bosporanische, ein


