Ausgabe 
26.10.1912 Zweites Blatt
 
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Knorr

Bilder etlicher Raubritter und die Gestalten einiger städ= tischer Gewalthaber treten flarer hervor.

Vor allem sind es Kriegsabenteuer, die man be­singt; hier vornehmlich stehen die Schweizer, die ja in diesen Jahrhunderten die gewaltigsten triegerischen Er­folge errangen, obenan. Dann sind es Angelegenheiten der Städte, die die Sänger beschäftigen: Zwistigkeiten der Städte mit geistlichen und weltlichen Herren und innere Streitigkeiten zwischen den patrizischen Geschlech­tern" und dem Pöbel. Manchmal sind da Lieder bei­der Parteien die Alten" und die Newen" heißen fie fich gewöhnlich vorhanden, und manchmal neh­men dann diese Lieder Bezug auf einander. Man dichtet ferner über allgemeine Angelegenheiten des Reichs, die Not, die von den Türken und Hussiten droht, die Judenmorde, Klosterbrände, das Konzil von Konstanz; fünf Gedichte darüber sind erhalten, darunter ein ganz besonders unflätiges über die Dirnen auf dem Konzil und eine schrecklich lange, unbeholfene, dem Kaiser Sig­mund gewidmete Reimerei.

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Einen großen Raum nehmen die Loblieder auf einzelne ein und die Klagelieder auf Verstorbene, der Lobsprüche auf einzelne Städte nicht zu gedenken. Diese Hymnen und Nekrologe stammen zum großen Teil von bezahlten Schreibern, sehr viele sind überschwenglich bis zur Komik, sehr viele bewegen sich in falter, erkünftelter, umständlicher Allegorie. Manche rühmen auch recht un­geschickt große Herren gerade um solcher Tugenden wil­len, deren Mangel sie berüchtigt gemacht hat; so preist etro: Tomas Prischuch von Augsburg in seinem Kon­zilsgedicht sehr heftig die hohen Tugenden der Königin Barbara, der Gemahlin Sigismunds, die wegen ihres lasterhaften Lebenswandels allüberall berüchtigt war. Einzelne Klagelieder aber erheben sich zu größerer Jn nerlichkeit. Vor allem bemerkenswert erscheint mir ein Lied vom Jahre 1437 auf Jean Villiers, Herrn von Lisle- Adam. Dieser tapfere Offizier Philipps von Bur­gund fiel im Kampf für seinen Herrn, und ein Feind, ein Bürger von Brügge, widmete ihm dies Lied ehren­den Andenkens.

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Die Meistersinger Rosenblüt und Muscatblüt und Be­heim, den Chronisten des Kaisers Sigismund Eberhart Windsbeck und den Dichter des Narrenschiffs" Seba­stian Brant. In den Literaturgeschichten findet man ge­wöhnlich Peter Habsuters Lied über die Sembacher Schlacht als die bedeutendste dieser Dichtungen ange­führt; sehr zu Unrecht; denn abgesehen davon, daß die ses sehr lange Gedicht sicherlich kompiliert ist, entbehrt es völlig der Frische und Keckheit, die die übrigen Schwei­zer Kriegslieder jener Zeit auszeichnet und kann höch­stens stoffliches Interesse erregen. Mir erscheinen unter den politischen Volkslied- Dichtern, deren Namen bekannt sind, Peter Müller und besonders der warmblütige Beit Weber als die bedeutendsten.

wir können sie nur auf dem Umweg der gelehrten schung recht verstehen; das öde moralische Gesalba und die hölzerne Allegorisierwut der meisten dieser eten muß uns ebenso verstimmen wie ihre Verständn losigkeit für jede innere Form. Am frischesten noch gen jene Lieder, die aus dem Volf heraus entstand sind. Eines davon, das mir die stärkste und lebendi politische Dichtung der ganzen Epoche scheint, will hierher setzen.

Jm Jahre 1403 wurde es gesungen, und dies seine Vorgeschichte: die Holsteiner wollten das auf seine Freiheit trutzende Gebiet der Ditmarsen obern. Zu diesem Ende bauten sie in Delbrügge, unmittelbarer Nähe von Mehldorf, der einen Haupt

Ein gut Teil der Lieder und nicht die schlechtesten Difmarschens, eine Zwingburg und verlangten Zins

sind anonym. Da schließt etwa einer:

Mein haimlichkeit thu ich euch kund, ich habs geredt aus herzen grund; der troffen hund gar laute greint, wer bös leut straft, der schafft im veind. Gibs nieman wider ist mein nam, wer mich wil sehn, vindt zu Nusquam. Der Dichter des Spottlieds up de papen und den nien rat to Lüneborch" 1456 schließt:

,, De uns dut led gesungen het, konde he, he sunge it gerne bet und wolde des nicht sparen,

men he fruchtet, dat öne de prawst to Lune dat keren mochte to varen."

Oft nennt der Dichter nur seinen Heimats- oder Aufenthaltsort, oft begnügt er sich mit der Versicherung, er se dabei gewesen; häufig nennt er nur seinen Stand: da finden sich Landsknechte und Beckenknechte, Bergge­sellen, Wirte, Krämer, Reiter und Gelehrte unter den Dichtern Sehr oft geben die Verfasser wie auch sonst im Volkslied Nachrichten ganz allgemeiner Art über ihre Person, gerne mit schalthaftem oder ironischem Unter= ton, gern auch mit einer Bettelei verknüpft. Etwa: Der uns dis liedlin neuwe sang, der tuot vil manchen irren gang, guot leben ist im tuere! in siner teschen ist er swach, er claget ser sin ungemach, daß ir im koment zur stuere!"

Jez far ich von euch dahin: an( ohne) par geld ich oft pin."

Der uns das lied hat new gedicht, sin seckel stet im ler!"

Etliche Dichter gebärden sich recht kriegerisch. Er hat mengen Swaben erstochen

Eine für die Zeit sehr charakteristische Stellung un­ter den Liedern auf einzelne nehmen diejenigen Dich­tunger: ein, die sich mit dem Raubrittertum beschäftigen. Das brave, ordnungsliebende Bürgertum, das recht eigentlich diese Epoche beherrschte, haßte natürlich den oder: Raubadel, der die mühsam sich gestaltende Ordnung im­mer wieder gefährdete, die Kaufleute brandschatzte, die Straßen unsicher machte, Handel und Wandel hinderte oder auch: und lähmte, ja die Bürger selbst hinter den Mauern ihrer Städte bedrohte. Auf der anderen Seite aber hatte man besonders im niedern Volk sehr viele Sympathien für die Raubritter, diese letzten Ueberbleibsel aus der Ritterzeit, die nur auf sich selber gestellt, trotzig und frei, der Reichsacht und der städtischen Söldner spottend, ihr sorgloses, heftiges, herrenhaftes Leben lebten. So spielten Raub- und Mordgeschichten dieser Ritter in der Phantasie des Volkes eine große Rolle; sehr viele Lie­der beschäftigen sich mit ihnen, und der Zwiespalt des Volles, dessen nüchterner Ordnungssinn die Friedens­störer haßte, während seine ausgehungerte Phantasie sie bewunderte, spiegelt sich deutlich in diesen Dichtungen. Vor allem Eppele von Gailingen, Klaus Stortebeker, die Quizzows und Hans Lindenschmid sind die Helden solcher Lieder.

Die Autoren der politischen Dichtungen sind wohl die einflußreichsten journalistischen Persönlichkeiten der Zeit. Wir finden unter ihnen auch sehr gute Namen,

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und mit den Straßburgern gerungen". versichert einer von sich und ein anderer noch truzziger: Der uns das liebli hat gesezt,

er ist uz berner biet; sin halbarten hat er gewezt vor Gotlieben in dem riet.

da die Schwaben woltend wichen und erstochen wurdend bhend; er wil noch mengen erstechen, e der krieg hab ein end!"- Für uns Heutige haben diese Lieder fast allesamt nur mehr Kuriositätswert. Das satirische Element, in den diese Dichter am stärksten sind, können wir nicht mehr recht würdigen; denn es fehlen uns ja die leben­digen Beziehungen zu den ironisierten Ereignissen, und

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Tribut. Die Ditmarsen aber sammelten sich unter R Boitenson, zogen aus, um die Zwingburg zu brea und sangen folgendes schöne Freiheitslied: ,, Dar is ein nie rat geraden

to Gottorp up dem schlate,

dat hefst her Claes von Alefelde gedaen sinen edlen heren to bate.

He let wol buwen ein gut schlot, unsem erlichen lande to gramme, do sprack sid Roleffs Bojeken sone, de beste in unsem lande.

Tredet herto, gi stolten Ditmarschen! unsen fummer willen wi wreken, wat hendeken gebuwet haen,

dat können wol hendken tobreken."

De Ditmarschen repen averlut: dat lide wi nu und nummermere, wi willen darumme wagen hals und gut

und willen dat gar ummeferen.

Wi willen darumme wagen goet und bloet und wille dar alle umme sterwen,

er dat der Holsten er avermut

so scholde unse schone lant vorderven!"

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Heber Werfen von Sprengkörpern aus Flugzeuge. Bateid für

Bei dem Flugfest am 27. ds. Mts. auf da

tatenlos in den S

und mehr, und ma seiten, auch in

Trieb zu Gießen wird ein Flieger das Werfen Sprengförpern aus Flugmaschinen vorführen. Der schauer wird sich somit ein Urteil über eine Maßnahmenden Handarbe bilden können, die in einem zulünftigen Kriege zwa wird. Es kar los eine Rolle spielen wird und im Kriege um Tripam und die neueft lis zum erstenmale zur Anwendung gekommen ist

Anwendung dieses Bombenwerfens wird besonders gen feindliche Biwaks empfohlen, die wegen ihrer ra lichen Ausdehnung, auch aus beträchtlicher Höhe, hältnismäßig leicht zu treffen sind. Man hofft dad unter den ruheſiden feindlichen Truppen eine Be herrorzurufen, die dann leicht ausbrechen fann, w die Truppe durch ungünstige Gefechte moralisch geli hat oder sich auf dem Rückzuge befindet. Auf dem fest will man einen biwafierenden höheren Stab, dej Standort durch Agenten oder feindliche Landeseinu ner erkundet ist, außer Gefecht zu setzen suchen. sehr das Werfen von Sprenglörpern aus Flugzeu besonders die französischen Geister erregt, erhellt a einem phantasiereichen Vorschlag, den man vor ein 3eit in französischen Zeitungen lesen fonnte. Es dort vorgeschlagen im Falle eines zukünftigen deutig französischen Krieges gleich nach erfolgter Kriegserf ung eine große Zahl von französischen Fliegern, Bomben ausgerüstet, gegen die Rheinbrücken bei Mon zu entsenden. Die Eisenbahnbrüden sollten dad nachhaltig beschädigt und der deutsche Eisenbahnaf marsch gestört werden. Auch als Kampfmittel ge Lentiuftschiffe sollen die Sprengförper aus Flugma nen zur Verwendung kommen. Voraussetzung ist türlich, daß das Flugzeug über das Luftschiff ton und sein verderbenbringendes Sprenggeschoß das wehrende und bewegende Luftschiff trifft. Bekannt auch, daß man mit Sprenggeschossen aus Luftschif und Flugmaschinen Kriegsschiffe, Hafenanlagen u zu beschädigen hofft. Wie schwer es aber zurzeit nd ist, aus beträchtlicher Höhe einen Gegenstand auf Erde zu treffen, wird die Vorführung am fommenda Sonntag uns zum Bewußtsein bringen. Es scheint her, daß der ewige Kampf zwischen Schutz- und Tr waffe auch in den Lüften nicht zu Ende fommen wi

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