Ein Indian
Ein Indianerüberfall
er Rio
Piliomayo, der größte Seitens
Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
verteljährlich 1,20 M., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig Erscheint ausgabestellen vierteljährlich 90 Pig. Mittwoche und Samstage. Redaktion: Seltersmeg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verinngier Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag ber ,, Gießener Zeitung" G. m. b..
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Nr. 77.
Telephon: Nr. 362.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Berlin. Den Großmächten ist ein 3 wei= les Rundschreiben des Grafen Berchtold über die Art und Weise der beabsichtigten Zentralisation der Türkei zugegangen. Im Anschluß daran finden jetzt in Wien Besprechungen der Vertreter der Großmächte mit dem Grafen Berchtold darüber statt, um eine Einig ung herbeizuführen. Deutschland steht auf Seiten Desterreichs. Auch England hat sich freundschaftlich geäußert und selbst Rußland hat sich von der Notwendigkeit des Betreichischen Schrittes überzeugen lassen. Den BalkanFacter ist das Rundschreiben indessen nicht zugegangen, am fie nicht aufmerksam zu machen.
Badenweiler, 24. Sept. Heute früh 4% hr ist im Hotel„ Römerbad", wo er seit einigen Wochen zur Kur weilte, der deutsche Botschafter in London, Freiherr Marschall v. Bie= Berstein, gestorben. Nur wenige Wochen hat er ben zurzeit wichtigsten diplomatischen Posten, den das Deutsche Reich gegenwärtig zu vergeben hat, den Lonboner Botschafterposten, innegehabt. Erst im Mai die es Jahres löste er dort den Grafen Wolff- Metternich b. Adolf Freiherr Marschall v. Bieberstein ist fast 68 Jahre alt geworden. Er wurde am 12. Oktober 1842 in Karlsruhe geboren. Als Botschafter am golbenen Horn hat Freiherr v. Marschall dem Deutschen Reiche ausgezeichnete Dienste geleistet. Am 15. Mai 1912 wurde Freiherr von Marschall zum deutschen Botschafter in London ernannt.
Berlin, 24. Sep. Ueber den Nachfolger Warschalls ist selbstverständlich zurzeit nichts entschieden. Unter den Kandidaten, die in diplomatischen Kreisen am meisten genannt werden, seien namentlich erwähnt der deutsche Botschafter in Washington, Graf Bernstorff,
Des Wilderers Rache. Erzählung ans dem bayrischen Hochland von Otto Landsmann.
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IV.
( Nachdruck verboten.)
Andern Tages wirbelte der Schnee in dichten Flocken zur Erde nieder. Es war sechs Uhr morgens, als der rote Peter erwachte. Er hatte sich, nachdem er der Kugel des Försters glücklich entronnen war, in fein gewöhnliches Versteck geflüchtet, welches außer thm niemand fannte. Dieses Verstedt war eine ziemlich ge mumige Felsenhöhle, deren Zugang, ein rundes Loch foum so groß, daß etn erwachsener Mensch hineindurch eine dünne, aber schwere flipfen konnte Steinplatte verdeckt war. Auf der Stelle unter der Deffmung, die nach oben hinausflihrie, lag ein größerer Steinblock, der es möglich machte, von oben her beim Einsteigen den Fußboden zu erreichen. Von hier aus erstreckte sich die Felsenhöhle noch einige Meter in den dunklen Schoß der Erde, wo fie fich buchtartig erweiterte und eine Art Seller bildete, der sich auf der einen Sette abrundete, von wo aus dann nur eine schmale Deffming wieder weiterführte. Diefe Deffnung diente offenbar als Kamiu, denn hart an derselben praffelte ein lebhaftes Feuer, das von Neifig und Fichtenästen, deren en größerer Haufen in einem Winkel lag, genährt wurde. Auf der anderen Sette war etn provtsortsches Lager angebracht, das aus dürrem Laub und Stren betand, über welches ein paar wollene Decken fowie Kletdungsstücke ausgebrettet paren.
Die Höhle war somit ganz danach beschaffen, etnem Bilderer vom Schlage des roten Peter ein allen Ansprüchen genügendes und, was die Hauptsache war, ficheres Quartier abzugeben. Hier konnte er einen ganzeit Winter überdauern, ohne irgend welcher unbill des Betters ausgefebt zu sein, wenn es ihm nur nicht an
mod Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 25. September 1912.
Ki= der zurzeit in Berlin weilt, ferner Staatssekretär v. derlen- Wächter und Fürst Lichnowski, das bekannte Herrenhcusmitglied und Gesandter 3. D.
• München, 23. Sept. Herzog Franz Josef von Bayern, der jüngste Sohn des Herzogs Karl Theodor, ist heute vormittag im 25. Lebensjahre infolge einer Halsentzündung gest or ben.
* Berlin, 24. Sept. Der Staatsanwalt bean= tragte in der Montag- Sitzung gegen den Abg. Bor= chardt wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt unter Annahme mildernder Umstände 5 Wochen Gefängnis, gegen den Abg. Leinert wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt 200 Mark Geldstrafe evtl. 20 Tage Gefängnis. Die Verhandlung wird fortgesetzt.
*
Berlin, 24. Sept. Die Frage der Fleischnoi wird andauernd von den maßgebenden Instanzen der Reichsregierung erörtert. Diese Instanzen betrach ten sie als eine der wichtigsten Angelegenheiten, mit denen die Regierungen sich zu beschäftigen haben. Dementsprechend vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Konferenzen über die Frage stattfinden. So hat der Reichskanzler gestern über diese Frage konferiert, während um dieselbe Zeit im Reichsamt des Innern eine Sitzung in der Angelegenheit abgehalten wurde. Die Schwierigkeit der Materie perzögert den Abschluß der Verhandlungen. Endgültige Entscheidungen liegen noch nicht vor.
* Friedrichshafen, 24. Sept. Das er ste Marineluftschiff liegt fertig auf der Zeppelin= werft. Im Laufe dieser Woche trifft ein Marinekommando zur Abnahme ein. Anfangs nächster Woche wird das Luftschiff gefüllt, worauf sofort die Versuchsfahrten beginnen. Dann erfolgt die Ueberführung nach Johan nisthal.
Die
* Post union mit der Schweiz. zum 3wed einer Herabsetzung des Portos für Briefe
Nahrungsmitteln gebrach. Heute jedoch fehlte es ihm an solchen, denn den am vorherigen Morgen erlegten Hasen sowie den Rehbock hatte ihm der Förster weggenommen, und eine weitere Beute war thm nicht in die Hände gefallen. Da auch tags zuvor Schm..lhans sein Küchenmeister gewesen war, so empfand er einen ganz gewaltigen Hunger,' und den konnte er nicht länger ertragen. Er entschloß sich daher, sich irgend ein Wildpret zu holen.
Während er dtes tut, kehren wir in das Forsthaus
aurück.
Förster Lebrecht war frühzeitig aufgestanden. Es ditrstete ihn danach, demjenigen nachzustellen, der fein Leben bedroht hatte, und die Hoffnung auf eine baldige Vergeltung ließ thn die Gefahr vergessen, welcher er fich dadurch aussetzte, daß er einen Menschen verfolgte, der fähig war, ihn von einer gedeckten Stelle aus ungesehen niederzuschießen.
So leise als miglich traf er diefen Morgen feine Vorberettungen, um eine Frau und seine Tochter nicht zu wecken, die nicht unversucht gelassen hätten, ihn von seinem Vorhaben abwendig zu machen. In einem Augenblick hatte er die Stiefel an; dann lud er mit der größten Sorgfalt sein Gewehr, pfiff seinem Hunde, der thm von größtem Nuzen sein konnte, öffnete geräuschlos die Tür und ging mit großen Schritten der Gegend zu, wo er tags zuvor den roten Peter angetroffen hatte. Er war eben aus dem Dickicht der Waldung herausgetreten und schaute von der Höhe, auf welcher er stand, zu den niederen Hügeln der Umgebung hinab. Ihm gegenüber lag ein dichtbestandener Hochwald, dessen Fläche nach unten von Wiefen, fettlich von Saatfeldern begrenzt wurde. Schon war er im Begriff, in den Talgrund hinabzusteigen, da hob sein Hund lebhaft den Kopf und blieb regungslos stehen. Dem Förster kam es vor, als wenn es sich drüben im Hochwald bewege. Schnell hatte er sein Fernrohr zur Hand, und nun bemerkte er klar
( Sickener Tageblatt)
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Telephon Nr.: 862. 24. Jahrg.
nach der Schweiz zwischen den beiden Staaten gepflogenen früheren Verhandlungen wollten sich bisher nicht zu einem Resultat verdichten, weil sich die Schweiz bei dem geplanten Abkommen benachteiligt glaubte. Die neuerdings wiederum angeknüpften Verhandlungen sollent eine günstige Lösung im Sinne der Herabsetzung des Briefportos zwischen Deutschland und der Schweiz erhoffen lassen und voraussichtlich zum Abschluß einer Pestunion führen.
* Zum Fall Traub. Der angekündigte ProDorttest des Vorstandes der Reynoldi- Gemeinde in mund zum Urteil des Oberkirchenrats im Fall Traub ist jetzt ergangen. Er erklärt nach Anführung sachlicher und rechtlicher Gründe, daß das Urteil zu Unrecht erganger sei, und richtet zum Schluß folgende Bitte an das Ministerium:„ Ein hohes Staatsministerium wolle die Akten des Disziplinarverfahrens gegen Traub zur Nochprüfung einfordern und, falls es die im vorstehenden erhobene Beschwerde für gerecht erachtet, traft des allgemeinen staatlichen Aufsichtsrechtes Remedur schaffen, damit die verwaiste Gemeinde ihren geliebten und verehrten Pfarrer wiedererhält, dem sie in der weit überwiegenden Mehrheit ihrer Mitglieder im Vertrauen anhängt." Von dieser Beschwerde hat die Vertretung der Reynoldi- Gemeinde den kirchlichen Aufsichtsbehörden Uebrigens hat der bekannte BerKenntnis gegeben.
liner Theologe Exzellenz Professor Dr. A. Harnad socben eine Broschüre unter dem Titel:„ Die Dienstentlassung des Pfarrers Liz. G. Traub" veröffentlicht, die wiederholt den Evangelischen Oberkirchenrat wegen seines Urteils scharf angreift und sicher großes Aussehen erregen wird.
Oesterreich.
* Wien, 23. Sept. Die für heute angekündigte Demonstration der ungarischen oppositionellen Abgeordneten ist ziemlich wirkungslos verlaufen. 28 Oppositionelle begaben sich nachmittags in das Delegationsgebäude, aber nur 10 von ihnen, welche Ausweiskarten besaßen, wurde der Eintritt gestattet, während die übrigen von der im Delegationsgebäude untergebrachten ungarischen Polizei zurückgewiesen
wur=
und deutlich, daß am Saum des jenseitigen Hochwaldes, wo dieser an die Flurmarfung stieß, der rote Peter stand. Vorsichtig trat er einige Schritte gegen die Waldung, die er soeben verlassen hatte, zurück, nahm seine Büchse von der Schulter und legte sie an die Wange. Seine erste Regung war, seinen Feind ohne Anrufen aufs Korn zu nehmen und ihm ohne weiteres eine Kugel in die Brust zu jagen. Doch diese Art Mord widerstrebte setnen Gefühlen, und obwohl er sich in seinem Rechte sah, wenn er diesen Menschen auf ungesetzliche Weise tötete, so beschloß er dennoch, thm seine Lebensrettung zu ermöglichen.
„ Ergib Dich, oder Du bist des Todes!" rief er ihm mtt donnernder Stimme zu, indem er seine Doppelbüchse mit aufgespanntem Hahn auf ihn anlegte.
Da fannst lange warten!" gab der Wilderer höhntsch zurück und riß im Augenblick seinen Stutzen, den er unterm Arm hatte, an die Wange. Gleich darauf tnackte der Hahn, aber der Schuß ging nicht los. Jm gleichen Moment blitte es oben, wo der Förster stand, auf, und dem Bliz folgte ein Knall: Lebrecht hatte ge= schossen.
Der Wilderer ffieß etnen schrecklichen Fluch aus und grtff mit der einen Hand lebhaft nach seiner Brust, wäh= rend er sich mit der andern an einem Baum festhielt, ohne seinen Stuben loszulassen. Nachdem Lebrecht geschoffen hatte, stand er einen Augenblick wie bestürzt; obwohl er in seinem Rechte war, dünkte ihm seine Han lung dennoch eine strafbare Tat; es war das erste Mal, daß er Menschenblut vergoffen hatte. Er fuhr sich mit der Hand über die trotz der Kälte vor Schweiß gefeuchtete Stirn und schloß eine Weile die Augen. Als er sie wteder aufschlug, war der Wilddieb verschwunden, und hät ten sich hier und da nicht Nutspuren im Schnee gezeigt, so würde sich der Förster für das Opfer einer Sinnestäuschung gehalten haben. ( Fortebung folgt.),
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