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Antrage eine eigene Landesflagge, volle Selbständigkeit des Landes und die Strafauf­hebung der aufrührerischen Rufe und Zeichen" fordern. ( Zu diesen Wünschen ist nach den Ereignissen der letzten Wochen gerade jetzt der geeignete Moment!)

Königsberg, 23. Mai. Die Tagung des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine von Deutschland( 120 000 Mitglieder) findet am 29. und 30. Mai in Königsberg statt. Es wird verhandelt über die ländliche Arbeiterfrage und über Arbeiter- Urlaub.

Frankreich.

* Paris, 23. Mai. Bei der Wahl zum Kam­merpräsidenten entfielen im ersten Wahlgang auf Des­chanel 210, auf Etienne 138, auf Cochery 98, auf den Sozialisten Vaillant 67 Stimmen. Im zweiten Wahl­gang erhielt Deschanel 292 Stimmen, Etienne 208 St. Deschanel ist somit zum Kammerpräsidenten gewählt. Von französischer offiziöser Seite wird gemeldet, daß als Datum für den Zusammentritt der deutsch- fran­zösischen Kommission zur Feststellung der neuen Gren­zen zwischen Französisch- Kongo und Ka­merun der 10. Juni bestimmt wurde.

* Marseille, 23. Mai. Der Prinz von Wales, der der Sanzösischen Mittelmeerflotte einen Besuch abitet, hat gestern in Begleitung des Admirals Bouce de Lapeyrere an einer Tauchübung eines Unter­feebootes teilgenommen. Unterwegs begegnete die Flotte dem deutschen Wörmann- Dampfer Ger­trud Wörmann", der von Durban fam. Flaggengrüße wurden ausgetauscht und die Musik der Gertrud Wör­mann" spielte die Marseillaise, die von Bord der Flotte applaudiert wurde.

*

England.

London, 23. Mai. Vom Transport­arbeiterverband wurde beschlossen, den Ge­neralstreik zu proklamieren. Nötigenfalls wird der Generalstreit später auf das ganze Land ausgedehnt.

Dänemark.

Kopenhagen, 23. Mai. Das deutsche Kronprinzenpaar ist um 7 Uhr abends hier eingetroffen. Im Palais Christian 7. auf der Amalien borg empfingen das Königspaar die eingetroffenen Ver­treter der fremden Fürsten und Sondermission der Mi­litärdeputationen. Der verstorbene König Frederik hat in seinem Test a ment, das bereits aus dem Jahre 1906 datiert ist, insgesamt anderthalb Millionen Kro­nen für Legate und wohltätige Zwecke hinterlassen.

Belgien.

Brüssel. Die Stadt ist in begreiflicher Auf­regung. Seit einiger Zeit geht nämlich das Gerücht von einem Skandal am belgischen Königshofe von Mund zu Mund, obgleich bestimmte Anhaltspunkte für die Richtigkeit der Sensationsmeldungen fehlen. Die Königin soll, so heißt es, von zärtlichen Beziehungen ihres Gemahls zu einer ihrer Kammerzofen Kenntnis be­kommen und dem König aufgelauert haben. Am 4. Mai habe sie die beiden überrascht und die Kammerzofe durch zwei Revolverschüsse getötet. Auf Veranlassung des Kö­nigs, der von diesen Gerüchten hörte, ist eine Unter= suchung im Gange, um die Urheber der Skandalge schichte zu ermitteln und zu bestrafen. Der Hausmini­ster teilte den Vertretern der Presse mit, daß das Kö­nigspaar nicht wünsche, daß die Angelegenheit vertuscht werde. Die Staatsanwaltschaft sei beauftragt, die Ur­heber der verleumderischen Geschichte zu verfolgen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 25. Mai 1912.

Vogelschuh! Die Brutzeit der lieblichsten und nützlichsten Singvögel hat bereits begonnen. Im­mermehr bricht sich in den Kreisen unserer Landwirte die Ueberzeugung Bahn, daß nur mit Hilfe der Vogel welt dem Schaden gesteuert werden kann, den die In­setten- Schädlinge jahraus jahrein an den Obstbaumblü­ten verursachen. So ist es ein einfaches Gebot der Obst­baumpflege und des wirtschaftlichen Nutzens, die brü­tenden Vögel gegen ihre Feinde zu schützen. Ihr furcht­barster Feind ist aber die umherstreichende Haus­kaze. Mag sie in Haus und Scheuer vielleicht als Mäusevertilgerin manchen Nutzen stiften, sobald sie hin­ausgeht in die Gärten und Felder, hat sie ihren Be­ruf verfehlt, und der handelt gegen sein eigenes Inte resse, der seine Katze ungehindert den Vögeln nachstellen läßt. Es ergeht daher an alle Katzenhalter die eindring­liche Mahnung zum Schutz der lieblichsten und nütz­lichsten Singvögel, wenigstens bis Ende August, die Razen zu beaufsichtigen und nicht außerhalb der Ge­höste umherstreifen zu lassen.

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Resultat besonders hervorgetreten. Dort war die Sterb- bezüglichen Paragraphen der Reichs- Gewerbeordnung fälischen Eifen

Sommerhitze und Sterblichkeit. In Fachkreisen erwartet man auch dieses Jahr einen heißen Sommer. Der verderbliche Einfluß der Sommer­hitze auf den Gesundheitszustand der Säuglinge ist bekannt. Trotz der großen Hize des vorigen Som­mers sind von den Säuglingen, die regelmäßig an die ärztlichen Mutter- Beratungsstellen gebracht wurden, nur verhältnismäßig wenige der Hitze und ihren Folgen er­legen. In Darmstadt und Mainz, wo die Mehrzahl der Mütter die Beratungsstellen besuchen, ist dieses günstige lichkeit geringer als im Durchschnitt der kühlen Vor­jahre. Da jetzt 45 ärztliche Beratungsstel len in Hessen bestehen, so kann den Müttern nur drin­gend geraten werden, diese zu besuchen. Wie bekannt, ist diese Einrichtung so wenig eine Sache der Armenun­terstützung wie der Schularzt oder die Unfallversicherung. Befolgt die Mutter die Ratschläge des Arztes der Be­ratungsstelle, dann wird sie auch bei großer Hitze ihr gesund geborenes Kind durch den heißen Sommer brin­gen. Es ist viel leichter, ein Kind vor Krankheit und insbesondere vor den gefährlichen Verdauungsstörungen zu bewahren, als es, wenn es bereits erkrankt ist, zu heilen. Der Erkrankung vorzubeugen, ist der Haupt­zweck der ärztlichen Beratungsstellen der Gr. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge, die jetzt in fast allen Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern be­stehen. Auch in den kleineren Landgemeinden werden bald ähnliche Einrichtungen getroffen sein oder sind es bereits. Der Ertrag der Postkartenwoche der Großherzogin wird dazu verwandt.

:: Vom Kalenderjahr 1913. Die früheste Fastnacht des 20. Jahrhunderts fällt auf das Jahr 1913, sie ist bereits am 8. Februar; erst das Jahr 2008 bringt wieder eine so kurze Faschingszeit.

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n Gießen. Die Festnahme eines 30jährigen fremden kräftigen Mannes durch den Schuhmann Klos gestern nachmittag hätte, wie ein Augenzeuge uns mit­teilt, recht unangenehm werden können, wenn Hund den Arrestanten, der auf den Beamten unverhofft einschlagen wollte, nicht mit gefaßt hätte. Der Jerhaf tete soll zu später Abendstunde Damen unangenehm be­lästigt haben.

n Gießen. Der große 3irkus May wird nicht auf dem Juxplatz seine Zeltanlagen errichten. Dem bedeutenden Unternehmen ist nach neuerlichen Verhand­lungen der Oswaldsgarten eingeräumt worden. Es Auch beginnt das Gastspiel nicht zum Pfingstfest. sind vielmehr die weiteren Bekanntmachungen abzuwar­ten, nach welchen das Gastspiel demnächst seinen An­fang nehmen wird.

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5. Sitzung am 10. Mai 1912. Aus den Verhandlungen sei folgendes berichtet: Arbeitszeit der Arbeiterinnen. Da 15 zurzeit im Reiche an einer Einheitlichkeit der Bedingu gen fehlt, unter welchen die Ueberarbeit der weiblichen Arbeiter seitens der unteren Verwaltungsbehörde zu be willigen ist, hat der Ausschuß des Deutschen Handels­tages folgende Abänderung bezw. Ergänzung der dies (§§ 138a und 139a) vorgeschlagen: Dem Arbeitgeber soll gestattet sein, in besonders dringenden Fällen für die Dauer von drei Tagen sofort Ueberarbeit leisten u lassen unter der Bedingung, daß er gleich am ersten Tage der zuständigen Verwaltungsbehörde davon Kennt nis gibt und die Erlaubnis nachträglich einholt. Es soll unzulässig sein, daß die Behörde die Erlaubnis von hängig macht. Für Gewerbe zweige, in denen Ueberarbeit von der Zahlung eines höheren Lohnes ab an einzelnen Tagen ein vermehrtes Arbeitsbedürfnis auf Ausnahmen von den Bestimmungen des§ 137 Abs. tritt, sollen auf höchstens 50 Tage im Kalenderjahr 2, 4 mit der Maßgabe zugelassen werden können, daß die tägliche Arbeitszeit zwölf Stunden, an Sonnaben den und Vorabenden von Festtagen acht Stunden nich überschreitet und die zu gewährende ununterbrochene Ruhezeit nicht weniger als zehn Stunden beträgt. In der ununterbrochenen Ruhezeit müssen die, Stunden schen 10 Uhr abends und 5 Uhr morgens liegen. Diemeinsam mit Wahl der Ausnahmetage soll dem Arbeitgeber freistehen Gewerbetreibende, die Arbeiterinnen über 16 Jahre au Grund solcher Bestimmungen über die gesetzlich festge Inte jedoch ei letzte Zeit hinaus beschäftigen, sollen dies nicht vorhe anzuzeigen brauchen; sie sollen verpflichtet sein, an eine ffrer- Bahnpoft in in die Augen fallenden Stelle der Werkstätte eine Tafe bizen 3.13 nach auszuhängen, auf der jeder Tag, an dem Ueberarbei den gemachten stattfindet, vor Beginn der Ueberarbeit einzutragen i cuch nicht an Gesezentwurf betr. die Beseitigung des Brannd zu erzielend weinkontingents. Die Stellungnahme zu den vorliegenden Gesetzentwurfe vollzieht die Handelskammerkehrsbedürfni wie folgt. Von der Aufhebung der sog. Liebesgab Brieftartenschlüs Wermittlung dürfte das in der Spirituszentrale vereinigte Brennere gewerbe durchaus nicht betroffen werden, denn diese wir ang gelangen, unschwer in der Lage sein, den ihr entgehenden Betra Briefposten n des Kontingents durch eine entsprechende Preiserhöhun auszugleichen. Die Liebesgabe wird also nach wie va 3mgverfeh fortbestehen, nur mit dem Unterschiede, daß sie künfti- Weser­direkt von den Konsumenten erhoben wird, während f rug D 47 au seither von der Regierung für die Brenner eingezoge wurde. Soll die Aufhebung der Liebesgabe nicht ein seitig als Konsumsteuer wirken, sondern gleichmäßig Produktion und Konsumtion belasten und dem Reide die erhofften Einnahmen bringen, dann sind gleichzeitig mit ihr die Bestimmungen des Branntweinsteuergesetzes vom Jahre 1909 über den Durchschnittsbrand und den Vergällungszwang zu beseitigen. Diese Vorschriften üb den Durchschnittsbrand und den Vergällungszwang, a denen einzig und allein die Macht der Spirituszentede beruht, werden aber durch den Gesetzentwurf in feins Weise berührt; der Gesetzentwurf ist deshalb in der ve In diesem Gin liegenden Form unannehmbar. soll an den deutschen Reichstag berichtet werden. Einrichtung von Bank u. Post sed konten. Das Reichsbankdirektorium bat zur Förd rung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs eine Anord nung an seine Bau- und Verwaltungskostenabtala erlassen, zukünftig bei Anschaffungen aller Art nur no mit solchen Lieferanten in Geschäftsverbindung zu bl ben oder zu treten, die sich zur Einrichtung eines Ba oder Postscheckkontos bereit erklären und dies durch ein Ausdruck auf ihren Rechnungen ersichtlich machen. hat ferner den Vorständen der Reichsverwaltung jo dem preußischen Herrn Finanzminister von seiner Ma nahme Mitteilung gemacht und auch der Erwägungmoderne Herr Herrn Reichskanzlers anheimgestellt, ob nicht auch Sen anderen bundesstaatlichen Verwaltungen ein gleid Vorgehen anzuregen sei. Das hessische Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel Gewerbe hat nunmehr in einem Rundschreiben die he Handelskammern um ihre Ansicht besragi. Es ist sein nerseits der Meinung, daß, so sehr man den barge losen Zahlungsverkehr fördern solle, es doch sehr s felhaft sein könne, ob so weitgehende Anforderungen, sie von der Reichsbank gestellt würden, bei den he ):( Nierstein. Die benachbarte Rhein- Insel schen Verhältnissen am Blaze seien. Die Handelsla Oberau" dürfte demnächst zu einer erstklassigen mer Gießen hat sich unter Zustimmung zu diesen Pferdezucht station umgewandelt werden. Die denken der Großh. Ministerialabteilung dahin aus 220 hessische Morgen umfassende Insel ging durch Kaufsprochen, daß sie solche weitgehende Forderungen, aus den Händen des bisherigen Besitzers Alex. Hinkel fie von der Reichsbank an Handwerker und Lieferant in den Besitz des Gutsbesitzers Wilh. Lübsen aus D bezüglich der Anlage eines Postscheck- oder Banton denburg über, der als einer der größten Pferdezüchter gestellt worden sind, nicht then um ein analo Oldenburgs weit über die Grenzen dieses Landes hin- Vorgehen seitens der hessischen Straisbehörden ni aus bestens bekannt ist. Der neue Besitzer beabsichtigt, befürworten könne. Dagegen würde sie es begri die Einrichtung einer größeren Pferdezuchtstation auf der wenn die betreffenden Kreise auf die Zweckmäßig Au alsbald vorzunehmen. einer solchen Einrichtung bei passender Gelegenheit

o Bad Nauheim. Großherzog Friedrich von Mecklenburg- Strelitz mit Adjutant Hauptmann v. Bü­low und Gefolge ist zur Kur im Carltonhotel hier ab­gestiegen.

):( Höchst. Wie das Höchster Kreisblatt" schreibt, besuchen schon seit geraumer Zeit gewisse Händler die Metzger der ganzen Frankfurter Umgebung und kaufen sämtliche Roastbeefs und Lenden auf, die sie bekommen können. Das Fleisch wandert sofort in die großen Ge­frieranlagen einer Geflügelhandlung in Frankfurt, es bis zum Schützenfest, das im Juli stattfindet, auf­bewahrt wird. Nur durch solche vorsorgliche Maßnah­men ist es möglich, die gewaltigen Ansprüche, welche während der Festwoche an die Küche gestellt werden, zu befriedigen.

wo

):( Frankfurt a. M., 24. Mai. Bei dem gest­rigen Geſteſſen im Römer brachte der Oberprsident von Hengstenberg zur Kenntnis, daß der Kaiser während seines Aufenthaltes in Homburg die Stiftungsurkunde für die Universität Frankfurt unterzeichnet,

hat.

):( Frankfurt a. M. Auf der Maininsel fand gestern vormittag die feierliche Grundsteinlegung der neuen Kaiserbrücke statt. Oberbürgermeister Adickes hielt eine kurze Ansprache und verlas die einzumauernde Urkunde. Dann folgten die üblichen Hammerschläge.

):( Frankfurt a. M. Die Viktoria Luise", die gestern früh 5.19 Uhr zur Fahrt nach Düsseldorf aufgestiegen war, ist dort um 9.40 Uhr glatt gelandet.

):( Vom Westerwald. Bienenschwärme im Mai sind auf dem Westerwald sehr selten. Dieses Jahr macht eine Ausnahme, denn schon sind in Westerburg 4 Schwärme gefallen.

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