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Deutscher Reichstag.

Am Mittwoch tamen die freisinnige und sozialde­mokratische Interpellation über zeitweise Aufhebung des Mais- und Futtergerstenzolls und Suspendierung des Kartoffelzolls zur Besprechung. Staatssekretär Del­brück antwortete, in der Frage der Futtermittelzölle hätten die verbündeten Regierungen bereits im Herbst durch ermäßigte Fruchttarife und Vergünstigungen für die Brennereien so viel getan, daß ihnen nichts mehr zu tun übrig bleibe. Betreffs des Kartoffelzolls er­klärte er unter dem Beifall des Hauses, daß den ver­bündeten Regierungen vorgeschlagen set, aus Billig­teitsrücksichten für diejenigen Sendungen ausländischer Kartoffeln, weiche nach dem 15. Februar bis zum 30. April eingehen, den 3oll zu erlassen. Ein entsprechen­der Beschluß des Bundesrats werde voraussichtlich so­fort gefaßt werden. Keineswegs aber handle es sich hier um ein Abweichen vom 3olltarif und von den be= währten Grundsäßen. Die Besprechung bot nichts Be­merkenswertes. Am Donnerstag wurde die Bespre­chung der Interpellation fortgesetzt. Mit Interesse wurde die Jungfernrede des Bauernbündlers Hester­mann aufgenommen. Er erkannte die Berechtigung und in einiger Beziehung auch die Vorteile des Groß­grundbesitzes an. Er sei auch nicht für die Aufhebung Bes Gerstenzolles und des Maiszolles und ersuchte die Regierung, den kleineren und mittleren Bauernstand zu erhalten.

Eine Kriegssigung der italienischen Kammer.

Die ttaltentsche Kammer war am Donnerstag der Schauplatz patriotischer Kundgebungen. Haus und Tri­bünen waren voll besetzt, die Minister wurden mit be= getsterten Ovationen empfangen. Der Kammerpräsi= dent brachte der Armee und Marine seinen Gruß dar, was mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Der Kriegsminister und der Marineminister dankten für die Ehrungen, die den Land- und Seestreitkräften ge­zollt wurden. Dann verlas der Präsident eine Tages­ordnung, worin dem Heer und der Flotte Grüße und Beifall gespendet werden. Diese Ta­gesordnung wurde einstimmig angenommen. Dann brachte Ministerpräsident Giolitti einen Gefeßentwurf ein, worin Tripolis und die Cyrenaika als ttalie­nische BestBungen erklärt werden. Auf An­trag des Ministerpräsidenten wurde der Entwurf einer besonderen Kommission zur Prüfung überwiesen. Die patriotischen Kundgebungen wiederholten sich während und nach den Reden der einzelnen Minister. Obwohl die Annahme der Tripolisvorlage durch eine große Mehrheit zu erwarten ist, bleibt dte Lage des Mintste riums Giolitti unsicher, weil außer den Sozialisten auch die meisten Radikalen ein neues Ministerium wünschen. Die Agitation gegen den endlosen Krieg wächst im gan­zen Lande; auch der Rückgang der Rentenkurse ruft einen ungünstigen Eindruck hervor. Von der angebli­chen Flottenaktion verspricht sich niemand einen sonder­Itchen Erfolg.

Merito in vollem Aufruhr.

Meldungen der amerikanischen Konsuln in Mexiko an die Regierung der Vereinigten Staaten befagen, daß fast das ganze Land sich in einem Zustande von Ge­feblosigkeit befindet und daß die Regierung vollständig machtlos ist, thre Autorität geltend zu machen. Räu­berbanden und Anhänger der Generale Rapata und Gomez, welche betde Kandidaten für den Präsidenten­posten sind, durchziehen plündernd und schref= tenerregend das Land. Ausländer und Eingebo­rene werden ohne Unterschied von den Banditen ange­griffen und ihrer Wertsachen beraubt, wobet es manch­mal nicht ohne Greueltaten abgeht. Von den Räuber­horden werden sogar Steuern erhoben, und die­fentgen, die sich weigern, der Aufforderung, eine be= stimmte Summe Geldes zu zahlen, nachzukommen, wer­den erbarmungslos hingemordet. Das Anwesen und Eigentum der Opfer dieser Verbrechen werden zer­stört. Im ganzen Lande herrscht Schrecken und Furcht vor den Taten dieser Mordgefellen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Eine Einigung über ein Reichstagspräsidium? In preußischen Abgeordnetenkreisen war aestern das Ge­richt verbreitet, daß die Konservattven, das Zentrum und die Nationalliberalen sich über die Besetzung des Retchstagspräsidium bet der demnächst folgenden deft­nitiven Wahl bereits geeinigt hätten. Es soll ein Zent­rumsabgeordneter Präsident, ein Nationalliberaler er fter Vizepräsident und ein Konservativer zweiter Vize­präsident werden. Als Kandidaten des Zentrums für den Präsidentenposten nennt man denGrafen Praschma; ber Kandidat der Konservativen dürfte der Abg. Diet­rich sein. Die Nationalliberalen werden voraussichtlich den Abg. Paasche als Kandidaten nennen. Von natto­

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthtas. 5) ( Nachdruck verboten.) Schon vor diesem Zeitpunkt hatte Tyrolt die Stiefel pon seinen Füßen und den Rock von seinem Körper ents fernt. Als er in die Flut tauchte, verlor er keinen Aus genblick die Befinnung. Kräftig seine Arme gebrau­chend, tauchte er aus dem Gischt empor. Dicht vor thm trieb das Boot, welches Deftree und Olivier beherbergt hatte, und auf Armeslänge entfernt schwamm etwas Weißes, und als er darnach niedertauchte, fühlte er lange, aufgelöfte Haare über sein Gesicht stretchen.

Desiree war fetn einziger Gedanke. Blitzschnell griff er zu und fühlte in feinen Armen den Körper des be­finnungslosen Mädchens. Jetzt sah er auch Olivier, der fich an das gefenterte Boot angeklammert hatte. Gr fchrie unausgefeßt nach Hilfe und trieb den Fluß hinab. Waldemar konnte ihm keine Beachtung schenken, er be­eilte sich, mit setner kostbaren Beute ans Ufer zu schwimmen.

Schnell durchwatete er das Schilf und legte ste auf dem wetchen Rasen nieder, sofort alle Erweckungsan­stalten treffend, die er genau tannte. Mit geschickten Fingern löste er das Mieder, unterstützte die unterbro­chene Atmung mit beiden Händen, rieb Schläfe und Füße und flüsterte ihr, ängstlich auf jeden Herzschlag horchend, zärtliche Worte zu, die sie zu vernehmen schten, denn ein feltges Lächeln verschönte plötzlich ihr bisher fchmerzhaft verzogenes Gesicht.

Da fauchzte Waldemar laut auf, nahm sie in seine Arme und schritt mit ihr der Straße zu, um ste in das Haus thres Vaters zu tragen, bevor noch der kalte Nachtwind der Geliebten ein Leid antun könne.

IV.

Herr Bourlier war pünktlich zum Tee erschtenen. Frau von Tarandal war gerade beschäftigt, den Samo­

nalliberalen Bartetblättern werden diese Mitteilungen als bloße Kombinationen bezeichnet.

Zu den Gerüchten über die Wehrvorlage und ihre Deckung schreibt die Nordd. Allgem. 3tg." offiziös: Aus den Verhandlungen des Reichstages ist bekannt, daß die zu erwartenden Wehrvorlagen den Bundesrat noch nicht beschäftigt haben, und daß bisher weder über die Höhe der Forderungen noch über die Art ihrer Deckung Beschlüsse gefaßt sind. Die beteiligten Instan­zen beschleunigen nach Möglichkeit die Arbeiten, und es fann erwartet werden, daß in furzer Zeit über die Regierungsvorlagen Klarheit geschaffen sein wird. Die formulierten Vorschläge der Kriegsverwaltung, auf die der weitaus größte Tell der neuen Forderungen ent­fallen wird, find gestern in die Hände des Reichskanz= lers gelangt."

Der Deutsche Wehrverein" erläßt einen Aufruf an das deutsche Volf, worin er seine Biele darlegt. Er strebe dahin, die deutsche Wehrmacht innerlich wie zah­lenmäßig so start zu machen, daß sie unbedingt im Stande ist, den Schutz des Reiches und dessen Machtstel­lung in der Welt zu verbürgen." Diese unbedingte St­cherheit ist aber nicht mehr vorhanden, wenn man in Rechnung stelle, daß Frankreich und Rußland im Frie­den 700 000, im Kriege 2 Millionen Mann mehr auf den Beinen hätten, als Deutschland und Desterreich. und deshalb wollte der deutsche Wehrverein für das Heer gerade so wirken, wie es der Flottenverein für die Marine getan. Unterschrieben ist der Aufruf von vie= len flangvollen Namen.

Schazsekretär Wermuth kein Gegner der Wehrvore lagen. Die in einzelnen Blättern verbreiteten Ge= rüchte, daß der Schaßfekretär den Wehrvorlagen oppo­niere und feine Stellung deshalb fraglich set, werden offiziös energisch dementiert, und es wird dabei hervor­gehoben, daß der Schatzsekretär, wie auch aus seinen Reden hervorgegangen ist, im Intereffe einer gesunden Finanzgebarung darauf besteht, daß die Kosten der Wehrvorlage durch neue Steuern aufgebracht werden müssen.

Die Visitenkarte des Bizepräsidenten Scheidemann. Der Vorwärts" beftrettet, daß der Reichskanzler bei der Abgabe der Visitenkarten des Reichstagspräsidiums vom Vizepräsidenten Scheidemann übergangen worden set. Nach seiner Darstellung verhält sich die Sache fol­gendermaßen: Es ist üblich, daß durch das Reichstags= bureau die den bret Präsidenten gelieferten Karten allen Vertretern solcher Behörden, die amtlich mit dem Reichs­tage zu tun haben, zugeschickt werden. In dem Adres­senverzeichnis wurde nun auch das Hofmarschallamt und das Berliner Polizeipräsidium aufgeführt. Da das Reichstagspräsidium amtlich mit diesen Behörden nichts zu tun hat, bat Genosse Scheidemann, von der Ueber= sendung seiner Karten an diese Adressen abzusehen. Das ist denn auch geschehen.

Kleine Nachrichten.

Professor Hubert von Herkomer, der im 63. Le­bensjahre steht, hat sich in seinem Hause in Bushey we­gen einer am vergangenen Sonntag eingetretenen Blu­fung einer Operation unterziehen müssen. Sein Zu­stand ist kritisch.

Verhaftung eines Landgerichtsrates. Der Dresde ner Landgerichtsrat Dr. Smell wurde wegen umfang­reicher Darlehensbetrügereten verhaftet und ins Unter­fuchungsgefängnis gebracht. Smell lebte seit Jahren wett über seine Verhältnisse. Als ihm die Schulden über den Kopf wuchsen, suchte er sich durch Aufnahme von Darlehen zu retten. Seine Gläubiger behaupten, daß er dabei wiffentlich unwahre Angaben gemacht habe. Geständnis des Schuhmann- Spions Glauß. Der noch nicht ausgelieferte frühere Wilhelmshavener Schußmann Glauß richtete aus London an das Jenaer Boltsblatt" ein längeres Schreiben mit dem Einges ständnis seiner Ehrlosigkeit und der Versicherung der Unschuld setner hier verhafteten Bruder.

Millionenunterschlagungen eines Generaldirektors. Der Duisburger Generalanzeiger" meldet: Der Ge­neraldirektor der Fürstlich Hazfeld- Wildenburgschen Domäne, von Boot, hat Veruntreuungen in Höhe von 2 Millionen Mart begangen. Er soll mit etner Dame geflüchtet sein, während sich seine Frau in einem Frren­Hause befindet.

Seltsamer Selbstmord. In Cöln verübte ein aus­wärtiger Mann auf eigenartige Weise Selbstmord. Er feste sich, eine Bigarette rauchend, die Hände in den Hosentaschen, gleichmütig auf das Geländer der Hohen­zollernbrücke und ließ sich plöblich rückwärts in die Flu­fen fallen. Er verschwand im Rhein und wurde nicht mehr gesehen.

Selbstmord aus gekränktem Ehrgefühl. In Dessau wurde plöblich auf Gerüchte von Veruntreuungen eine Revision der Stadtkasse vorgenommen. Die Kaffe war aber in Ordnung. Gestern erschoß sich nun aus ge­tränktem Ehrgefühl der Stadttämmerer.

Selbstmord eines Bigamisten. Bei einer Verlo­bungsfeter in Rybnik( Oberschlesten) sprang der Bräu­tigam, ein Lazarettgehilfe, aus dem Fenster auf, die Straße, wo er mit zerschmetterten Gliedern tot liegen

war, welcher dem Hausherrn unentbehrlich zum rufft­schen Tee schien, anzufachen, denn zu ihrem Erstaunen hatte sie Desiree, deren Aufgabe war, den Titsch zu bes forgen, nicht im Salon getroffen. Im Kamin brannte trop der warmen Witterung ein Holzfeuer. Auch das Itebte Herr Bourlier. Die riesige Hängelampe über dem weißgedeckten, mit Silbergeschirr und feinstem Sevresporzellan besetzten Tische gab dem Gemache einen fiberans freundlichen Anstrich.

,, Ah, Du bist schon hter?" fragte der Hausherr. Ja glaubte Desiree bet threm Amte zu finden."

Weißt Du nicht, wo das Mädchen steckt?" forschte die Dame in ängstlichem Tone.

Ich glaubte den Wildfang bet Dir." " Desiree bleibt nicht lange an einem Ort. Husch, ist fie verschwunden, ehe man's merkt. Vielleicht ist sie mit Olivier in den Garten gegangen. Ich habe den Dtener nach thm gesandt."

Nun, um den brauchst Du Dich nicht zu ängstigen. Der ist nicht so schnell zu Fuß. Wenn Desiree in seiner Gesellschaft wellt, kommt sie nicht weit."

Er streckte sich behaglich auf seinen Seffel und be­trachtete den blinkenden Samowar.

" Wenn ich dieses nüßliche Gerät ansebe, kommt es über mich wie eine polttische Offenbarung," fuhr er fort. Ich erwarb das Ding in Moskau, als ich meine erste größere Geschäftsverbindung mit Rußland ans tnüpfte. Ein herrliches Land, das eine große Zukunft hat, besonders für uns Franzosen von großer Wichtig­fett, denn der Russe ist unser natürlicher Bundesgenosse tm Frieden wie im Kriege."

Der Russe ist der Franzosen Feind, Jean; denken wir an die Artege zu Anfang und Mitte dieses Jahr­Hunderts.*

,, Vorbet, längst vorbei! Nachdem das kletne preu­Ben Europas Gleichgewicht verschoben hat, haben belde

blieb. Es hatte sich nämlich herausgestellt, daß er be reits verheiratet und Vater mehrerer Kinder war.

Erhebliche Erdrutsche haben am Panamafanal stattgefunden. Der Leiter des Kanalbaues, der zum Studium der europäischen Kanalbauten nach Hamburg abretsen wird, erklärt, daß der Kanal bis zum 1. Junt 1913 fertiggestellt sein würde.

Der furchtbare Sturm, der im östlichen Teil der Union herrscht, führte etne ueberflutung der Straßen Neuyorts in der Nähe des Hafens herbei. Er erreichte die gewaltige Geschwindigkeit von 96 Meilen in der Stunde. Aus Chicago wird ein schwerer Schneesturm gemeldet, der alle bisherigen in zwölf Jahren über­trifft.

Tod eines Tauchers. Ein Taucher, der in Bruns büttel mit Abdichtungsarbeiten unter Waffer beschäftigt war, erstickte dadurch, daß der Luftschlauch mit Signal­leine sich zwischen der Schleusenwand und dem Ponton eintlemmte.

Ein erschütternder Doppelfelbstmord hat sich in Annaberg im Erzgebirge zugetragen. Dort erschoß sich der Lehrer an der ersten Bürgerschule, Ernst Lünemann. Gleichzeitig mit ihm nahm sich seine Mutter, die mit thm die Wohnung teilte, das Leben. Wie in einem hin­terlassenen Briefe angegeben wird, hat Lünemann die Tat wegen schwebender unbedeutender Privatdifferen­zen begangen.

Aus den Gerichtssälen.

Wegen dreifachen Kindesmordes und Mordver­fuchs an einem vierten Kinde hatte sich die 45 Jahre alte Bergmannsehefrau Brandt vor dem Deffauer Schwur­gericht zu verantworten. Die fräntliche Frau hatte aus Not und Verzweiflung im Juni vorigen Jahres ihre vter Kinder im Alter von 10 bis Jahren nacheinan­der in die Bose bei Hecklingen gestoßen und war dann den Kindern selbst nachgesprungen. Wiederholt kamen die Kinder an die Oberfläche, die Mutter stieß sie aber immer wieder zurück. Ein Arbeiter, der das Geschrei der Kleinen hörte, eilte schließlich hinzu, zog das älteste Kind aus dem Wasser, half der Mutter aufs Trockene, obwohl diese sich sträubte, und barg die Leichen von zwei Kindern. Das dritte Kind konnte erst nach vierzehn Ta­gen geborgen werden. In der Verhandlung wurde ein Bild furchtbaren Elends entrout. Vater und Mutter waren schwer trant, forgten aber, so gut es ging, für ihre Kinder. Am Tage der Tat war das letzte Stick­chen Brot aufgegeffen. So tam die Frau auf den Ge­danken, mit ihren Kindern in den Tod zu gehen. Das Gericht sprach die Angeklagte von der Anklage des Mor­des fret, verurteilte sie aber wegen Totschlags unter Zu­billigung mildernder Umstände zu fünf Jahren Ges fängnis.

Die schwarze Gefahr" in England.

Die Besorgnisse wegen des drohenden Stretfs der Bergarbeiter halten ganz England in Aufregung. Es geht das Gerücht, daß dte Arbeiter bei Ausbruch des Stretts die Kohlengruben unter Wasser sehen wollen. Es sind daher bereits umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Es haben sich 2000 Personen ge­meldet, die, falls die Polizet zur Aufrechterhaltung der Ordnung in das Stretfgebiet abgesandt wird, den Lon­doner Ordnungsdienst versehen wollen. Wie ferner verlautet, will Ste englische Regterung in der Weise den Grubenarbeiterausstand verhüten, daß sie die Gruben­befizer veranlaßt, auf drei Monate provisorisch den Mindestlohn einzuführen. In diesem Fall wird die Regierung die Differenzen zwischen den bisherigen Löh­nen und dem Mindestlohn tragen.

Die Beratungen der englischen und kontinentalen Bergarbeiter wurden gestern wieder aufgenommen. Die Delegierten der verschiedenen Staaten vertreten insgesamt zwei Millionen Bergarbeiter. Es wurde be­schlossen, daß die kontinentalen Arbeiter auf jede nur mögliche Art verhindern sollen, daß während des eng­Itschen Grubenarbetterstreits die Kohlen aus dem Aus­lande nach England erportiert werden. Wie verlautet, verlangten die englischen Delegierten auch die finans zielle Unterstüßung des Auslandes. Ob in dieser Nich­fung Zugeständnisse gemacht worden sind, war nicht zu erfahren, da man die ganze Angelegenheit sehr geheim hält. Wie erklärt wird, wies der Vorsitzende der De­legierten darauf hin, daß ein Ausstand der kontinen­talen Bergarbeiter faum in Frage kommen werde, da die lokalen Bedürfnisse der verschiedenen Staaten an Kohlen so groß seten, daß die Ausfuhr nach dem Aus= lande, in diesem Falle nach England, immer nur eine geringe bleiben werde. Sollte es jedoch trotzdem zu einem Sympathiestreit der kontinentalen Arbetter kom­men, so soll ein solcher Streit erst nach Beendigung des Ausstandes der englischen Arbeiter durchgefochten wer­den. Inzwischen gehen in England die Kohlenpreise weiter in die Höhe. In London bezahlt man für die Tonne Kohlen 20,20 Mart gegen 9,80 Mark früher. Der Preis für Anthrazitkohlen ist in London beretts auf 48 Mart pro Tonne gestiegen.

Kaiserreiche, das östliche wie das westliche, gletches In­tereffe, das sogenannte Deutschland zu demütigen. Die Politik der Gegenwart spitzt sich mehr darauf zu."

,, Gott schüße uns vor Krieg; ries Frau Nataly. Er gebe uns denselben, das heißt zugleich Frank­reichs Triumph, denn für mich bedeutet dieses Erweite­rung des Weltmarkts, gesteigerte Nachfrage, erhöhte Produktion und Ueberfluß an Geld und Geldeswert." ,, Doch nur, wenn Frankreich stegt-" ,, Versteht unsere große Nation etwas anderes als zu siegen, Nataly?"

Frau von Tarandal antwortete nicht. Ste füllte aufmerksam ihres Bruders Tasse, während er die Zet tung aufschlug, die er mitgebracht hatte.

,, Ah, sieh da, meine Wünsche scheinen in Erfüllung zu gehen. Benedetti geht zum preußischen Könige nach Ems, ein Ultimatum in der Tasche. Der Stein kommt ins Rollen ins Rollen."

Bourlier's politische Verzückung wurde durch Tau­tes Rufen lachender Männerstimmen unterbrochen, welches vom Tore herfam. Ueberrascht und ärgerlich Iteß der Fabrikant das Blatt sinken und klingelte dem Diener.

,, Was gibt es draußen, Jacques?" fragte er den Eintretenden. Wer ist am Tor?"

Eine Kalesche mit jungen Offizieren, die von Douzy kommen, gnädiger Herr. Ste rufen nach dem Herrn Leutnant."

Ist mein Sohn nicht im Garten?"

" Ich glaube nicht," erwiderte der Diener beklom men. Die Gervaise erzählte tn der Küche, der Herr Leutnant sei mit dem gnädigen Fräulein auf einem Boot stromabwärts gefahren."

Frau von Zarandal stieß einen letsen Schret aus; dem Hausherrn entfloh wider Willen ein ferniger Fluch.

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