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Aus den Gerichtssälen.

Eine vierfache Giftmörderin wird sich demnächst vor dem Graudenzer Schwurgericht zu verantworten haben. Wegen dreier Giftmorde wurde gegen die Be­fiberwitwe Karoline Kieper aus Kleinfibsau Anklage erhoben. Am 12. Januar 1911 war ihr Mann nach furzer Krankheit gestorben. Auf eine Anzeige von Ver­wandten hin wurde die Leiche ausgegraben und einige Leichenteile zur chemischen Untersuchung nach Berlin gesandt. Dort wurde Arsenik in erheblichen Mengen vorgefunden. Später wurden auch die Leichen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters, die beide im Januar 1901 starben, ausgegraben. Man stellte bei beiden als Todesursache gleichfalls Arsenifvergiftung fest. Der erste Ehemann der Kieper ist im Jahre 1889 gestorben. Auch dessen Ueberreste wurden ausgegraben und eben­falls arsenikhaltig befunden. Die Tat ist aber verjährt.

Aschermittwoch- Aberglaube.

Fasching ist vorüber. Prinz Karneval legt sein Szepter aus der Hand und die Fastnacht lettet hinüber zu Aschermittwoch, dem Tage, an dem man innere Ein­tehr halten und alle Tollheit der vergangenen Wochen in Zerknirschung überdenten soll. Ehemals drückte der Priester am ersten Tage des vierzigtägigen Fastens je dem Kirchgänger einen Aschenkranz auss Haupt und sprach dabei zu ihm die Worte: Asche bist Du, zu Asche wirst Du werden!" Mittwoch gilt dem Voltsglauben von altersher als ein unglückstag, denn am Mittwoch verriet Judas Ischarioth den Heiland.

Aber diese uble Bedeutung des Mittwochs stammt nicht erst aus der christlichen Zeit. Am Quatembermitt= woch hielt Wotan an der Spize seines wilden Heeres seinen unheilbringenden Zug über die Berge und Tä­fer. Und von allen Mittwochen ist Aschermittwoch der schlimmste. Am Aschermittwoch ist, so sagt man, der Teu­fel aus dem Himmel herausgeworfen worden. Nun rächt er sich an uns armen Menschen. Darum soll man am Aschermittwoch nichts wichtiges tun. Kinder, die am Aschermittwoch zur Welt kommen, taugen im Leben nichts. Prozesse, die man am Aschermittwoch beginnt, werden verloren, und wer am Aschermittwoch eine Kur anfängt, fann gewiß sein, daß sie seiner Gesundheit scha­den wird. Auch keinen Kauf soll man am Aschermitt= woch abschließen, und auf dem Lande behält man das Vieh am besten während des ganzen Tages im Stall.

Im Erzgebirge reinigt man am Aschermittwoch nicht einmal die Stuben, und im Vogtland und in Hef= sen gilt das gleiche von den Ställen. In Niedersachsen, in der Gegend von Querfurt und Sangerhausen, heißt der Aschermittwoch die frumme Mittewoche", weil in jedem Hause, wo an diesem Mittwoch gesponnen wird, die Gänse und die Küchlein frumm werden. Nur im Lande Oldenburg sagt man dem Aschermittwoch auch Gutes nach: Kohlsamen, der am Aschermittwoch gesäet wurde, erfriert nicht. An vielen Orten unseres Bater­landes hielt man früher am Aschermittwoch unter aller­hand halb feierlichen, halb fröhlichen Zeremonien Um­züge, gegen deren Ausartung die weltlichen und geist lichen Behörden thre Stimmen vernehmen lassen muß­ten. Denn Aschermittwoch gehört der Buße und der Reue.

Vermischtes.

Der Cölner Rosenmontagszug war von einem mil­den, trockenen Frühlingswetter begünstigt. Der Ver­fehr war ganz enorm. Die Eisenbahndirektion hatte insgesamt 35 Conderzüge eingelegt, die bis auf den leg­ten Platz besetzt waren. Der außerordentlich glanzvolle Bug verkörperte die Idee: Deutsche Städte huldigen der alten Colonia und dem Prinzen Karneval. An der Spize erscheint Essen mit den Attributen seiner Kriegs­werkstätten. Es folgte Düsseldorf, das recht unangenehm als radschlagender Pfau auf einem Senftopf charaktert­fiert war. Die Stadt Cleve war durch Herzog Adolf von Cleve vertreten, der auf einem Schiff einzieht, das von einem Schwan gezogen wird. U. a. erschien Nürnberg mit Hans Sachs und dem berühmten Nürnberger Trich­ter, Koblenz mit dem Vater Rhein, St. Goar mit der Loreley usw. Der Zug war im allgemeinen außeror­dentlich sorgfältig vorbereitet, historisch getreu bis in die Details und nach außen hin prachtvoll.

Zu Sieben Jahre in Südwestafrika verschollen. Beginn des Jahres 1905 unternahm der Stabsvetert­när Johannes Rogge einen Dienstritt von Lüderitzbucht nach Bethanien und zurück. Auf dem Rückwege ritt er mit dem Reiter Feibicke am 10. Januar von Kubub weg und beabsichtigte, seinen Weg über die Wasserstelle Utama zu nehmen. Diese Wasserstelle hat er nicht er­reicht und trot eifriger Nachforschungen war weder von ihm noch dem Reiter Felbicke irgendeine Spur zu fin­den, so daß man annehmen mußte, daß beide, in der Wüste verirrt, verdurstet seten. Am 12. v. M. fand nun, wie die jetzt eingetroffene Lüderitzbuchter Zeitung be richtet, eine von Chamis ausgesandte Patrouille nicht sehr weit von Kolmanskuppe die Leiche des Stabsvete­rinärs. Sie lag auf der Halben Höhe einer Wander­

,, Nun, so rudere mich," sagte Desiree, durch seinen Born höchlichst amüsiert.

,, Meinetwegen, da Du darauf bestehst. Aber ich werde es vorher Papa sagen."

Das wirst Du nicht", flüsterte Desiree, ihm den Weg vertretend, denn Papa würde es verbieten. Sprichst Du ein Wort, so fahre ich heimlich mit Herrn Tyrolt."

,, Nun denn, ich gebe nach. Geh voraus, ich hole meinen Stock."

Aber Wort halten. An der Brücke treffen wir

uns."

Desiree schritt die Stiege hinab und eilte um das. Rondel. Am Tore blieb sie stehen, um auf Olivier zu warten. Der letzte Schein der untergehenden Sonne traf ihre weißgekleidete Gestalt und badete sie in einem Lichtmeer, so daß ein Wiederglanz von ihr ausging, der sich bis zur Fabrik fortpflanzte, an deren Fenstern Waldemar Tyrolt stand.

Mit einem Krimstecher bewaffnet, hatte er nach dem Herrenhause geschaut. Als er das Tor streifte, trat die liebliche Gestalt der Gesuchten greifbar in den Rahmen seines Glases. Wonnetrunken nahm er die liebliche Ge­stalt in sich auf und prägte sich die Schönheit ihres strah= Tenden Antliges, den ihren leuchtenden Augen anhaf= tenden Zauber mit allen seinen Sinnen ein.

,, Desiree," sprach er halblaut, wie Itebe ich Dich! Wirst Du wirklich die Meine werden? Ich fürchte für mein Glück. Noch in letter Stunde kann es mir ent­cinnen. Wenn ich ihr und ihres Vaters Jawort erränge, und ste dann wieder aufgeben müßte, dann wäre es bes= fer gewesen, die Geltebte nte mein genannt zu haben." Traurig senkte er den Blick, der auf einem Zeitungs­blatt haften blieb. Dartn stand der Grund seiner un­entschlossenheit: Mobilmachung, Kriegsrüstung, Armee­disposition, chauvinistisches Geschwäß. Am politischen Horizonte fammelten sich schwere Gewitterwolfen.

dune uno war, da sie wahrscheinlich die ganzen sieben Jahre unter dem trockenen Sande gelegen hatte, gänz­lich mumifiziert und gut erhalten. Außer eigenhändi­gen Aufzeichnugen des Verstorbenen fand man ein Pa­fet Feldpostbriefe, zum Teil von seither im Aufstande gefallenen Offizieren und Angehörigen der Schußtruppe herrührend, und eine größere Geldsumme. Aus den Aufzeichnungen und Postkarten an seine Angehörigen geht hervor, daß Rogge die Wasserstelle Ufama verfehlt hat, und daß er seinen Tod durch Verdursten vor Au­gen sah. Um den schrecklichen Qualen zu entgehen, hat er sich schließlich durch einen Revolverschuß durch die Schläfe den Tod gegeben. Es ist eine eigentümliche Schichung, daß er genau 7 Jahre nach seinem Todestage aufgefunden wurde. Merkwürdigerweise besagen die hinterlassenen Schriftstücke Rogges nichts über den Verbleib des Reiters Feibicke.

Ein schreckliches Familiendrama spielte sich nach dem Ostd. Tgbl." in Parvenehre, einem kleinen rus­fischen Dorfe zwischen Billwischten und Wilkowischten ab. Von dort war vor zehn Jahren ein damals zwölf­jähriger Knabe mit Verwandten nach Amerika ausge­wandert und erst jetzt in die Heimat mit einem großen Vermögen zurückgekehrt. In der Schänke am Bahnhof in Parvenehre wurde er vom Wirt erkannt, dem er auch von seinem Reichtum erzählte. Dann trat er den Weg nach seinem Heimatdorfe an. Im Elternhaus war der Vafer abwesend und Mutter und Schwester erkannten den Heimkehrenden nicht. Er logierte sich dort als un­bekannt ein, zahlte gut und erzählte auch von dem in Amerika erworbenen großen Barvermögen. Am näch­ften Tage tam er immer noch unerkannt wieder, um zu nächtigen. Inzwischen war bei den Logisgebern der teuflische Plan geretft, dem Leben des reichen amerika­nischen Gastes ein Ende zu machen. Der inzwischen heimgekehrte Familienvater wurde von der Frau und der Tochter zur Mittäterschaft angestiftet. Er zögerte zwar, wurde abr schließlich überredet, die Tat auszufüh= ren und schlug dem Fremden mit einem schweren Ham­mer den Schädel ein. In der Wirtschaft, wo der Mör­der abends zu Gaste weilte, erfuhr er dann, daß sein Sohn von Amerika zurückgekehrt sei. Es war also der eigene Sohn, den er niedergeschlagen hatte. Mann, Frau und Tochter wurden verhaftet. Die Mutter ist wahnsinnig geworden.

Handscheinwerfer für Savalleriepatrouillen. Zur Zeit finden, wie der Korrespondenz beer und Politik von militärischer Seite gefarieben wird, Versuche mit einem Scheinwerfer statt, der von Kavalleristen bequem am Sattel mitgeführt werden fann und der dazu die nen sou, den Kavalleriepatrouillen die nächtliche Auf­klärungsarbeit zu erleichtern. Der Apparat ist nur 25 Zentimeter lang, und hat einen Durchmesser von 18 Bentimetern, so daß er durchaus handlich ist und keiner­lei Behinderung für den damit ausgerüsteten Mann im Gefolge hat. Die Lichtquelle besteht in einer elektrischen Trockenbatterie, deren Licht durch ein starkes Schein­werferobjektiv vergrößert wird. Ersatzbatterien fönnen naturgemäß in ausreichendem Maße ohne große Be­lastung mitgeführt werden. Die bisher angestellten Ver­suche haben ein durchaus befriedigendes Ergebnis ge­habt, es war möglich, eine starke Beleuchtung auf eine Entfernung von 50-70 Meter zu erzielen. Der Nußen einer solchen leicht transportterbaren Beleuchtungsan­Tage Itegt auf der Hand.

Eine halbe Million für Erfindung eines Flieger: Schuzapparates. Zur größeren Sicherheit der Flieger gedenkt man in Frankreich 500 000 Frant aufzuwenden. Die Summe soll für die Erfindung geeigneter Schutz­vorrichtungen bestimmt werden. Diese müssen mit dem Flugapparat möglichst organisch verbunden sein, bezw. in deffen Bauart selbst liegen. Fallschirme sollen nicht bei der Konkurrenz berücksichtigt werden; vielleicht auch nicht die automatischen Stabilisatoren. Der Aeroklub und der Automobilklub von Frankreich haben für diese 3wecke je 25 000 Frank gestiftet. Eine Nethe anderer sportlicher Körperschaften haben eine Vereinigung ge= bildet, um staatliche und Gemeindebehörden zur Auf­bringung der nötigen Summen zu intereffteren.

Im Motorboot von England nach Brafilien. In einem Motorboot haben jüngst sechs Mann eine Reise gemacht, die an die Seefahrten eines Kolumbus und anderer Weltumsegler aus abenteuerlichen Zeiten er­innert. Sie fuhren am 28. Dezember 1911 von der See­Hafenstadt Weymouth in England aus und waren am 31. Januar im Hafen von Pernambuco in Brasilien nachdem sie mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 Meilen pro Tag 4500 Meilen zurückgelegt hatten. Die Lingueta"( so heißt das Motorboot) wird durch einen Benzinmotor von 30 Pferdestärken bewegt und ist 20 Meter lang. In der Mitte befindet sich ein Mint­aturschiffsraum, der, als die sechs unternehmungslufti­gen Männer von Weymouth ausfuhren, ein Faß But­fer, zwölf Brote von je 1 Kilogramm Gewicht, 40 lgr. Roastbeef, 7 Sack Kartoffeln, zwei Sack Stockfisch, 1600 Liter Wasser und mehrere Kistchen mit Trauben ent­hielt; außerdem befanden sich 1600 Liter Benzin in 400 Kannen und 400 KIgr. Schmieröl im Boot. De Lin­gueta" hat am Vorsteven eine 3 Meter lange und

Er schüttelte den Kopf, um die trüben Gedanken zu verscheuchen. Abermals fiel ihm die Gestalt Desirees In die Augen, welche über die Chaussee geschritten war und nach der Brücke einlentte.

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,, Wohin führte sie der Weg?" fragte sich Tyrolt. Will sie mich besuchen? Unmöglich, denn Olivier folgt thr auf dem Fuße. Wie er eilig dahinhumpelt, als fürchte er, seine Schwester allein zu lassen. Ah, sie halten an der Brücke."

Olivier kletterte zum Wasser hinunter und löste die Kette des Bootes. Dann ergriff er das Ruder und Tenkte dem Ufer zu. Mit einem Sprunge war Desiree in dem schwankenden Boote und nahm am Steuer Platz.

Tyrolt hatte mit Erstaunen und Schrecken den Vor­gang beobachtet.

Eine Wasserpartie bei einbrechender Dämmerung. Welch' törichtes Unternehmen," schalt er. Sie wissen nicht, wie tücktsch unsere Maas ist und dabei rudert Olt­vier wie ein Tölpel. Er wird ein Unglück anrichten. Ich muß Desiree warnen, ehe es zu spät ist.

Eilends verließ er sein Zimmer und lief an das Ufer hinab.

" Ich bitte Sie, halten Sie an Land!" rief er mit flehender Stimme. Ste kennen die Gefahr nicht, in die Ste sich begeben. Stromabwärts ist ein Wehr. Wenn Ste in den Strudel geraten, sind Sie verloren."

Olivier lachte höhnisch, aber Deftree antwortete wohlgemui:

" Fürchten Sie nichts, Herr Tyrolt, ich bin unter dem Schuße meines Bruders, des berühmten Regatten­siegers vor Entretat. Wir sind ganz sicher."

,, Bekümmern Sie sich gefälligst nicht um unsere An­gelegenheiten," Iteß sich Oltvter vernehmen. Ich weiß genau, was ich zu tun habe."

Er legte sich in die Riemen und lenkte das Boot in die Mitte der Strömung, während Desiree, entzückt

Meter breite Kabine für den Kapitän und am Heck eine 2 Meter lange und 1% Meter breite Kammer für die Mannschaft. Der Zweck der verwegenen Fahrt war dte Erprobung einer neuen Motorkonstruktion, mit der die " Lingueta" versehen ist.

Geheime Schülerverbindungen und Schülerselbst­morde. Gegen die Schülerverbindungen wird jetzt in Stuttgart von den Schulbehörden energisch vorgegan­gen. Anlaß hierzu gab insbesondere ein fürzlich dort vorgekommener Schullerselbstmord, der, wie die Ermitt lungen ergaben, wesentlich auf den Verkehr des betref­fenden Schülers in einer geheimen Schülerverbindung zurückzuführen ist. An den Untersuchungen an den bel­den Gymnaften, dem Realgymnasium und den drei Realanstalten Stuttgarts nahm auch ein Vertreter des württembergischen Kulutusministeriums teil. Abge­schlossen ist die Untersuchung am Realgymnasium, wo dieser Tage in einem Konvent der Lehrer und in Gegen­wart sämtlicher Schitler der oberen lassen der Rektor die Bestrafung von zwanzig Schülern mit Karzer und von zwet Schülern mit schwerem Arrest bekannt gab und in einer ernsten Ansprache darauf hinwies, daß fünftig jeder Teilnehmer an einer Schülerverbindung von der Schule ausgeschlossen werde.

Die Zukunft des britischen Thronfolgers. Der bri tische Thronfolger Eduard Albert, Prinz von Wales, der am 23. Juni feinen 18. Geburtstag feiert und an diesem Tage großfährig wird, wurde bisher im Ma­rinecollege in Osborne erzogen und hatte den Rang eines Midshipman auf dem Kriegsschiff Hindustan". Man nahm daher an, daß der Thronfolger, wie einst sein Vater, den Flottendienst praktisch kennen lernen follte, und nach seiner Ausbildung in der Marineschule in die Flotte eingestellt werden würde. Jetzt aber ver­lautet in London, daß die Marinelaufbahn des jugend­lichen Prinzen als abgeschlossen anzusehen ist. Der Prinz wird demnächst die Universität Orford beziehen. Die Dauer setnes Studiums ist noch nicht bestimmt. Doch scheint bereits festzustehen, daß der Prinz von Wales, wenn er Oxford wieder verläßt, in einem Savallerte­regiment Frontdienst tun foll.

Meine Wirtin weckt mich nicht". Als skandalös bezeichnete der Vorsitzende der fünften Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts das Verhalten einer Ver­fäuferin, die die ihr zuteil gewordene Entlassung, weil ste zu Unrecht erfolgt fei, anfocht. Frl. W. war in einem Warenhaus angestellt, und machte der Personalleitung dadurch viel zu schaffen, daß sie sich der Geschäftszeit auch nicht im geringsten anpassen wollte. Sie fam wochenlang troß mehrfacher Verwarnungen erheblich später zum Dienst. Als sie schließlich eindringlich ver­warnt und energisch zur Rede gestellt wurde, erklärte fie achselzuckend:" Was ist da zu machen? Meine Wirtin medt mich nicht." In der Berhandlung berief sich die Klägerin gleichfalls auf die nicht weckende Wirtin und wollte fitr fich ein gewisses Gewohnheitsrecht in An­spruch nehmen, da die Aufsichtsdame zuletzt gesagt habe: " Es wird mir schon über, Frl. W. alle Tage zurechtzu­weisen." Das Kaufmannsgericht hielt die sofortige Ent­laffung der Klägerin für vollkommen berechtigt. Ihr Verhalten fei geradezu ffandalös, jeder Geschäftsbetrieb set auf diese Wetse lahmzulegen. Die Tatsache, daß die Klägerin ihr Verhalten auch noch vor Gericht als ein­wandsfret hinzustellen versucht habe, sehe fast nach et= ner Verhöhnno des Gerichts aus.

Drabtnachrichten und neuestes.

Eine Dauerfahrt des Parseval 11. Berlin, 20. Februar. Das Luftschiff P. 2. tst gestern nachmittag 4 Uhr vom Tegeler Schießpla zu seiner letzten Uebungsfahrt vor der Uebernahme set­fens der Heeresverwaltung aufgestiegen. Die Fahrt follte zwanzig Stunden dauern. Während der letzten fünf Stunden sollte eine Höhe von 1500 Metern er­reicht werden. Heute vormittag 9,50 Uhr ist das Luft­fchiff glatt auf dem Tegeler Schießplaß gelandet. Die Fahrt war nach Hannover gegangen. Bei der Lan­dung hatte das Luftschiff noch für acht Stunden Brenn­stoff an Bord und hätte den Flug fortgefeßt, wenn die Mannschaft nicht so erschöpft gewesen wäre.

Geständnis des Mörders der Schulzeschen Eheleute. Bittau, 20. Februar. Der am Sonnabend un­ter dem Verdacht des Mordes an der Familie des Ju­welters Schulze in der Alten Jacobstraße zu Berlin verhaftete Schlosser Trenkler hat heute eingestanden, daß er allein der Täter sei. Er habe zuerst die Frau nie­dergeschlagen, dann die Herbeteilende Tochter und zu­legt den Juwelier selbst. Er behauptet, daß er nur einen Diebstahl verüben wollte und erst, nachdem er da­bei überrascht wurde, sich zur Tat entschlossen habe. Nach dem Morde will er sich noch einige Zeit in Berlin auf­gehalten haben und dann nach Zittau gefahren sein. Durch einen frühzeitigen Sprengschuß getötet. Eisleben, 20. Februar. In der vergangenen Nacht hat sich auf dem Hohenthalschacht bei Helbra durch das zu frühe Losgehen eines Sprengschusses ein schwe= res Unglück ereignet. Einem Bergmann wurde der Kopf vom Rumpfe gerissen, zwei Bergleute wurden schwer und vier leicht verleßt.

durch die schnelle Bewegung, lachend hinüberwinkte. Tyrolt stand einen Augenblick unschlüssig.

Das Schifflein entfernte sich schnell. Waldemar be­schloß, es nicht aus den Augen zu lassen. Im Falle eines unglücks wollte er bet der Hand sein. Da be­merfte er im Schilf etnen Einbaum, so ein Fahrzeug, wie es die Landleute benutzen, um das Heu von den Wiesen über Wasser zu holen. Ein breites Ruder lag dabet. Entschlossen sprang Tyrolt in das tiellose Fahr­zeug, stieß ab und folgte den Flüchtigen, welche in der Dämmerung und dem leichten Rebel, der über der Maas lag, bereits seinen Blicken entschwunden waren. Ste­hend gebrauchte er fleißig das Ruder; wie ein Pfeil flog das leichte Boot über die Wasserfläche. Eine Welle ging so die Fahrt, von dem anderen Boot sah er nichts; aber er hörte bereits das Rauschen des Wehrs, das ihm der Abendwind zu Ohren trug. Jezt mußten die Ges schwister an der Schleuse sein und, wenn Olivier Klug­heit und Kraft genug hatte, abzulenken, vor ihm auf­fauchen. Immer näher fam er dem Gischt; der Ein­baum fing an, sich um sich selbst zu drehen, und Walde­mar mußte das Lauschen aufgeben, und wieder sein Ruder eintauchen, um in der Mitte des Stromes zu bleiben.

Da plötzlich ein Hilferuf, der Schrei einer Männer­stimme. Mit wentgen fräftigen Schlägen trieb Walde­mar den Einbaum nach der Unglücksstelle. Er hörte nichts mehr das Rauschen des Wehrs übertäubte Jeden Ton. Jest war er bei der Schleuse. Das schwanke Fahrzeug füllte sich mit Wasser und verschwand mit set­nem Lenker in der Tiefe.

( Fortsegung folgt.)