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Gießener Beifung

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Bezugspreis 40 pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, fret ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pig- Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktion: Seltere weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b..

Nr. 15.

Telephon: Nr. 362.

Hus Stadt und Cand.

Gießen, den 21. Februar 1912.

* Verstaatlichung der hess., Volks schule. Die Delegiertenversammlung des über 3500 Mitglieder zählenden liberalen hessischen Landeslehrer= vereins hat den Beschluß gefaßt, an die Regierung und die Landstände eine Eingabe zu richten, in der die Ver­staatlichung der Volksschule mit allen ihren Konsequen­zen gefordert wird. Mit der Ausarbeitung einer Denk­schrift ist ein Ausschuß beauftragt worden.

Kriegsbeorderungen. Die Mannschaf= ten des Beurlaubtenstandes werden darauf aufmerksam gemacht, daß in der Zeit vom 10. bis 25. März d. J. die Kriegsbeorderungen und Paßnotizen zur Ausgabe gelangen.

n Gießen. Schwester Anna Stod, eine der drei Schwestern, mit denen die Kaiserin Fried­rich die Arbeit des Viktoriahauses begonnen hat, wurde auf dem Alten Luisenfriedhofe in Charlottenburg zu Grabe getragen. Schwester Anna Stock, geboren 1843 zu Gießen als die Tochter des großh. hess. Stadt­rendanten Johannes Stock, hatte schon als freiwillige Krankenpflegerin vom Roten Kreuz die württembergi­schen Sanitätszüge im Kriege 1870 bis vor die Tore von Paris begleitet, wofür ihr später der königlich württembergische Olgaorden und die Kriegsmedaille 1870 verliehen wurde. Ausgebildet als Viktoriaschwester in der v. Esmarchschen Klinik in Kiel, wurde Schwester Anna Stock zunächst mit der Krankenpflege betraut, dte sich der Verein Viktoriahaus zur ersten Aufgabe stellte, übernahm dann eine verantwortungsvolle Tätigkeit in der Schröderschen Frauenflinit, bis sie als Oberschwester in die königlich chirurgische Universitätsklinik übernom men wurde, wo sie 20 Jahre als Operationsschwester bei Prof. v Bergmann assistierte. Ihr Porträt ist auf dem bekannten Bilde von Starbina festgehalten, das das Auditorium während einer Operation Prof. Berg­manns darstellte. Sie war auch noch eine Zeitlang un­ter Professor Bier tätig, bis ein beginnendes Leiden sie veranlaßte, mit 65 Jahren in den Ruhestand zu treten.

dem

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 21. Februar 1912.

ungen gewidmet. Mittags war Hoftafel des Prinzen und am Abend ein recht gemütlicher Bürgermaskenball. Recht lebhaft war der Fastnacht- Dienstag. Nach dem Gabelfrühstück beim Stadtkommandanten im Hotel Einhorn" gegen Mittag erfolgte 2 Uhr 11 Minuten und etwas später die humoristische Kappenfahrt kreuz und quer durch Gießen. Hierbei machte der Vierer­zug des Prinzen einen noblen Eindruck; der Wagen mit der Prinz- Gemahlin und die anderen 15 Wagen waren ebenfalls Bit Blumen 2c. schön geschmückt. Am Abend war Festvorstellung im Stadttheater. Gegeben wurde Pension Schöller"; dem Stück wurde eine untertänigste Begrüßung des erschienenen Prinzen Josephus 1. vor ausgeschickt. Jm Hotel Einhorn war nach dem Theater offizieller Schluß, denn bald schlug die Glocke 12 Uhr Mitternacht und damit war die Zeit gekommen zur Ab­dankung des Prinzen für dieses Jahr. Heute Mitt­woch gibt's den Trauerklos" im Hotel Schütz nach Münchener Narrhalla- Styl und nachts 12 Uhr ist letztes Hände drücken und Abschiednehmen in dem Bewußtsein, daß die allgemeine Fastnachts- Feier

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Das im nächsten Jahre in Leipzig stattfindende 12. Deutsche Turnfest wird das Frankfurter( 1908) an Größe und Umfang weit übertreffen. Man plant deshalb die Teilung des Festzuges, um Mißstände zu ver­meiden, wie sie in Frankfurt zutage traten, wo die letz­ten Gruppen erst spät am Nachmittag auf dem Festplatz anlangten. Der große Freiübungsplatz, der für 20 000 Turner gleichzeitig Raum bietet, umfaßt 52 000 Qua­dratmeter. Die Festhalle faßt 10 000 Personen. Erst­malig soll nderturnen und Militärtur­nen in größerem Umfange gezeigt werden. Neben dem Sechs und 3wölffamps finden in Leipzig Massenwett fämpfe statt( 3. B. 500 und 100- Meter- Eilbotenian) für die Kreise). Auch sollen Meisterschaften im Fuß ball, Barlauf, Schlag, Schleuderball usw. ausgekämpft werden, sowie in verschiedenen anderen leichtathletischen Uebungen.

o Bad Nauheim. Der Badebetrieb in den staatlichen Badehäusern wird in diesem Jahre schon an­fangs März beginnen.

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o Bad Nauheim. Mit erheblichen Kosten wird gegenwärtig die Strecke Friedrichsdorf im Tounus Friedberg zweigleisig ausgebaut. Die Verbindungs bahnen von Usingen nach Bad- Naudeim, die als Fort

die von Niedernhausen- Reifenberg mit Anschluß in Schmitten würden eine Verbindung zwischen Niedern­

auch nur den Charakter einer Nebenbahn hätte, so wäre eine Verbindung des hessischen Weltbades mit dem Her­zen des Taunus von größter Bedeutung.

s Darmstadt. Die Aufbesserung der hess. Beamtengehälter hat in der vom Fi nanzministerium vorgeschlagenen Skala die Genehmigung des Staatsministers nicht gefunden und muß ciner Neubearbeitung unterzogen werden. Die Aufbesserung fann also am 1. April noch nicht in Kraft treten.

n Gießen hat in diesem Jahre einen vollen Karneval gehabt, nichts halbes gab es da. Ganze Arbeit haben unsere Bürger geleistet, die es sich seit lan gen Jahren wieder einmal zur Aufgabe gemacht haben, tolle und dabei doch angenehme Freude für alle zu schaffetzung der Strecke Schmitten- Anspach gedacht ist, und fen. Am Samstag Nachmittag und am Abend wurde mit der Einholung der Rekruten, dem Fackelzug und dem Zapfenstreich die Feststimmung unter die Bürgerhausen und Bad- Nauheim schaffen. Wenn diese Strecke schaft gebracht. Mit Anbruch des Festsonntags jagte eine Festnummer die andere. Mit jedem Eisenbahnzug kamen Tausende von Menschen nach Gießen, denn das Wetter war geradezu prächtig. Bald stauten sich die Massen an den Hauptkreuzungspunkten. Neben Ausmarsch der gesamten Garden zur Parade vor dem Prinzen Carneval( Herr Josepf Kreuter), dessen Ordensverleihungen 2c., war es am Nachmittag der große Carneval zug, der allgemeine Bewunde­rung gefunden hat. Es waren 24 Wagen in demselben zu sehen, darunter solche, die auf Schönheit, Humoristika und Satyre vollen Anspruch erheben konnten. Die ein­zelnen Gruppen, Wagen 2c. hier näher zu besprechen, wäre vermessen, denn alle Zugteilnehmer haben mit gro­ßer Luft sich der übernommenen freiwilligen Aufgabe unterzogen, nur Gutes zu zeigen. Dem Stadtkomman­danten( Bundespräsidenten Heidecker- Wiesbaden) aber sei gleich vornweg Anerkennung gezollt für alle seine aufregenden Arbeiten, die er für Gießen geleistet hat. Der Rosenmontag, in Mainz, Köln 2c. der Haupt­festtag, war hier mehr den sog. geschlossenen Vergnüg­

Gute Gesundheit und neues

Leben für Geschwächte.

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! Mainz. Der Rosenmontagsfestzug war wie immer großartig. Unzählige Scharen Frankfurter und Wiesbadener weilten in Mainz. Der Großherzog nebst Gemahlin, beide angetan mit Emblemen der Narrheit, ließen den Zug an sich vor­überziehen, um hierauf dem Ministerpräsidenten, Notar Dr. Reen, zu versichern, daß die Darbietungen den vol­len Beifall der Höchsten Herrschaften gefunden haben. Unter den Gruppen waren besonders wirksam ein am­bulanter Ausverkauf der in der Ersten Kammer Darmstadt infolge neuerer Verfügung überflüssig ge­wordenen Fräcke und eine Vereinigung der Bahnhofs= portiers", die mit Anwendung gewaltiger Stimmittel ankündigen, daß alle Bahnzüge, auch die in entgegen­gesetzter Richtung verkehrenden, von jetzt ab über die Weltkurstadt Wiesbaden" geleitet werden. Ein Wagen stellie eine Jugendwehrfestung" dar, aus der ein fran­zösischer Offizier andauernd ausreißt, immer wieder aber eingefangen wird. Auf einem anderen Wagen

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Gute Gesundheit ist das Geburtsrecht eines Jeden. Würden wir leben wie es die Natur verlangt, so würden wir uns immer guter Gesundheit erfreuen und ein hohes Alter erreichen. Aber die Anforderungen an unsere Lebens- Schin- öser" begleiteten den Zug auf Schusters Rappen. kraft die Anspannung unserer Nerven, die Geschäftssorgen, die schlechte Luft, die man in großen Städten einatmet, unter­minieren unsere Gesundheit und reduzieren uns zu physischer und geistiger Schwäche, Blutarmut, Depression, Schlaflosigkeit, Schwäche, Nervenzerrättung sind die Folgen. Ein zeitiger Gebrauch von Leciferrin wird die Kräfte wieder heben, die zerrütteten Nerben auffcischen und neue Lebenslust und Energie werden eintreten. Leciferin ist unumgänglich notwendig bei unserer jetzigen Lebens­weise und wird allenthalben gepriesen und bero: dnet.

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):( Frankfurt a. M. Man rechnet damit, daß der neue Zeppelin- Kreuzer Viktoria Luise" be­reits gegen Ende des Monats den Frankfurter Luftschiff­Die Kleinste Gemeinde Hafen beziehen wird.

):( Aus Kurhessen.

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Telephon: Nr. 362.

24. Jahrg.

Deutschlands ist die Dorfgemeinde Wollstein im Kreise Wizenhausen. Sie zählt nur vier Einwohner, darunter zwei Kinder.

):( Biedenkopf. Der Provisor der hiesigen Apotheke, Herr Apotheker Schaum, hat die priv. Tiau­benapotheke in Marburg fäuflich erworben. Die Ue-, bernahme erfolgt am 1. Mai.

):( Wiesbaden. Die fünf Frankfur­ter", so betitelt sich ein Schauspiel, das in Köln und hier in diesen Tagen gegeben wird. Dieser Titel gab einer Metzgerei E. hierselbst Anlaß zu folgendem Scherz. Sie legte auf einer Schale fünf Frankfurter( Würstchen) ins Schaufenster und das Ganze auf einem Thea, erzet­tel des hiesigen Residenz- Theaters, auf welchem die Auf­führung des Lustspiels Die fünf Frankfurter" bekannt gegeben wird.

):( Limburg. Der Landrat des Kreises Lim­burg wendet sich mit einer beachtenswerten Anregung an die Landbürgermeister seines Kreises, in der es u. a. heißt: Die schön blühenden charakteristischen Pflanzen des alten echt deutschen Dorfgartens mit ihrer bunten Farbenpracht sind in den Haus- und Vorgärten auf dem Lande heutzutage leider nur noch selten und ver­einzelt anzutreffen, die prächtigen Sommerblumen sind zur Seltenheit geworden. Wenn die Liebe zum eigenen Heim und zur Heimat gepflegt werden soll, muß die Anpflanzung der schon von den Vorfahren mit Liebe und Sorgfalt gepflegten schönblühenden alten Garten= blumen in jeder möglichen Weise wieder betrieben wer­den.

o Großhoiba ch. Letzten Sonntag nacht brannte die auch in Touristenkreisen bekannte Gastwirtschaft zum Grünen Wald" völlig nieder. Der Schaden soll durch Bersicherung gedeckt sein.

):( Diez. Das hier garnisonierende 1. Bataillon der 160er soll dem Vernehmen nach Bonn verlegt wer­den. Diez soll dann ein Bataillon eines Regiments des 18. Armeekorps erhalten.

):( Fulda. Hier fand eine Besprechung der Land­räte aus den Kreisen Rotenburg, Melsungen, Gersfeld, Hünfeld, Lauterbach und Fulda statt, um das Projekt einer großzügigen Ueberland 3entrale zu för­

o Gelnhausen. Das in unserer Stadt geplante deutsche Kaiserstift soll so organisiert werden, daß dieses sonst als Kur- und Erholungsanstalt ge= dachte Institut am ersten Mobilmachungstage mit einem Schlage in ein großes zentrales Kriegslazarett verwandelt werden kann.

):( Köln. Der Rosenmontagszug brachte einen gewaltigen Verkehr in die Rheinmetropole. Die Eisenbahndirektion hatte insgesamt 35 Sonderzüge ein­gelegt, die bis auf den letzten Platz besetzt waren. Der außerordentlich glanzvolle Zug verkörperte die Idee: Deutsche Städte huldigen der alten Colonia und dem Prinzen Karneval. Die Musikkapellen spielten die dies­jährigen Karnevalsschlager Marieche, do muß nit friesche!", De Wienanz han nen Has" em Bott, miau" und Mer drinke nor noch Bottermilch!".

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