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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

erteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. bgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters. eg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung icht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. 6. H.

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Nr. 93

Telephon: Nr. 362.

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 20. November 1912.

Desterreich contra Serbien

Die Adriafrage. Wien, 19. Nov. Die militärischen Vorbereitungen seneich- Ungarns werden fortgesetzt. In der vergan en Nacht ist ein Dampfer mit einer Baradenausrüst und Alimen und Sanitätsmaterial aus Triest abgegangen. Acht Empfehlungen. 11 fanterie- Regimenter sind bereits nach esnien, Herzegowina und Dalmatien entsandt m. b. H. den.

aluiffe, Beo:

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.4359, Wien, 18. Nov. Gestern haben sich die Minister Aeußern, der Reichskriegsminister, der gemeinsame manzminister Bilinski sowie Finanzminister Zalesk und r Landesverteidigungsminister Georgi nach Buda en begeben. Der Kaiser soll sich in Budapest in Igender Weise zu einer hochstehenden Persönlichkeit ge­Bert haben: Ich bin für den Frieden, aber nicht für Frieden um jeden Preis; wir können uns nicht les gefallen lassen!"

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Der Wiener Korrespondent der Frks. Nachr." er­hn von kompetentester Seite, in der Konsulats= nge muß man trotz der Kaltblütigkeit, die die Lei­des Auswärtigen Amtes bewahrt, darauf gefaßt in, daß zu den äußersten Mitteln gegriffen werden ugle, wenn Serbiens Antwort nicht vollständig be­iedigend lauten würde. Die Hafenfrage an

Adria tritt gegenwärtig in den Hintergrund. In Hem Grade bemerkenswert ist, daß sämtliche Mächte, mit auch diejenigen der Triple- Entente, den Stand= unft Desterreichs vollständig billigen. Auch die diplo atischen Vertreter Rußlands, Englands und Frank­ics in Belgrad haben in dringender Weise die güt­the Austragung der schwebenden Fragen mit Dester ich angeraten. In Belgrad indessen sind alle bei er letzten Stellung als untauglich Entlassene neuer­ings zu den Waffen berufen worden.

Belgrad, 19. Nov. Das Regierungs- Organ Samcuprava" schreibt, daß die leitenden Kreise sowohl Desterreich- Ungarns als Serbien bestrebt seien, die zwi han beiden Mächten schwebenden Diskussionen im Tone iner sachlichen Argumentation zu erhalten. Die serbische legierung müßte sich aber auf die Stimmung des ser­ishen Volkes stützen. Der beste Weg für die Herstell­n dauernd freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deferreich- Ungarn und Serbien bestünden darin, daß ha: dem serbischen Volke von seiten Oesterreich- Ungarns n gleicher Weise wie den übrigen Balkanstaaten egenfäme, selbst wenn die Bestrebungen des serbischen Sulfach einem Ausgange zur Adria nicht

Das Glückskind.

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Roman von Irene von Hellmuth ( Nachdruck verboten.) Böhler stand noch immer mit verschränkten Armen Bet und brummte etwas in den Bart, was kein Mensch Derstand, es fümmerte sich auch niemand um ihn.

Nicht lange, nachdem die beiden Frauen das Haus verlassen hatten, Klopfte das Dienstmädchen an die Tür on Böhlers sog. Arbeitszimmer, und meldete: Es jemand da, der Sie zu sprechen wünscht."

So, wer denn?"

Es ist eine Dame, sie wollte aber thren Namen icht nennen, ich weiß nicht, was

Dicht hinter dem Mädchen erschien jetzt eine hohe, to der vorgeschrittenen Jahre schlanken Frauenge alt, mit ernsten strengen Zügen und falt blickenden gauen Augen. Stolz und unbezähmbarer Hochmut rachen deutlich aus dem blaffen Gesicht. Auf dem um ergrauten Haar saß ein eleganter Kapvthut, der amtmantel war nicht nach der neuesten Mode, aber overlieb er der ganzen Erscheinung ein vornehmes Ginsleben.

Sie werden entschuldigen, ich möchte gern Herrn Böhler sprechen, und zwar in einer für mich hochwich­gent Sache, fiel die Angekommer dem Dienstmäd­gen ins Wort, dasselbe bet Sette ine Handbewegung auffordernd, tes fie felbst eintrat und die

d und es durch entfernen; in­, musterte sie fen. und fuhr fich gemale durchs Haar, um dieses in Ordnung zu ingen, efe er feinerseits fragte: Was verschafft mir Chre?

en vor ihr Stehenden mit scharse Böhler zupfte die Krawatte

Die De räusperte sich, es schien fast, ob sie um doch etwas in Verlegenheit wäre, wie sie beginnen ollte. Es tit, wie ich vorhin schon betonte- aller-|

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Vom Baltankrieg.

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die berechtigte Besorgnis für seinen Exporthandel Grundlage hätten. Die Gestaltung der beiderseitigen Be­ziehungen hängt ausschließlich von Desterreich- Ungarn welt, und dadurch die Sympathien Europas für die ab. Serbien sei bestrebt, die Sympathien der Kultur Beieitigung der Kriegsgefahr mit Desterreich- Ungarn zu teilen. Schließlich erklärt das Blatt unter Hinweis da­rauf, daß die Person des österreich- ungarischen Thron= folgers von einzelnen serbischen Blättern häufig in die Pelemiken gegen die österreichische und ungarische Presse in die Diskussion gezogen wurden. Es müßte dagegen Stellung genommen und die Aufmerksamkeit der Kol­legen von der serbischen Presse darauf gelenkt werden, da es unstatthaft ist, die Persönlichkeit von Herrschern ode: deren Thronerben in die Pressepolemiken hineinzu­ziehen.

Der rumänische Gesandte hat den Minister= präsidenten Paschitsch verständigt, daß die rumänische Regierung sich vollständig den Gesichtspunkten Desterreich- Ungarns anschließe.

Belgrad, 19. Nov. Gestern erschienen der hie­sige deutsche Gesandte und der italienische Geschäftsträ­ger beim serbischen Ministerpräsidenten und legten ihm die Ansichten ihrer Regierungen bezüglich der Adriaha­fenfrage und Albanien ganz in Uebereinstimmung der

der früheren vom hiesigen österreich- ungarischen Ge= sandten Paschitsch kundgegebenen Auffassungen dar. Pa­schitsch soll eine hinhaltende Erklärung gegeben haben.

Wien, 19. Nov. Bei Besprechung des gegenwär­tigen Standes der Beziehungen zwischen Desterreich- Un­garn und Serbien schreibt die Neue Freie Presse: Die Stimmung ist dem Frieden sehr schädlich. Der Friede ruht nun gewissermaßen auf des Messers Schneide. Der Dreibund und die Entente- Mächte mögen helfen, ehe es zu spät ist."

Der Figaro" schreibt unter Hinweis auf das Ex­pole des Grafen Berchtold, die Serben würden durch eine unnachgiebtge Haltung den schwersten Feh­ler begehen und würden die ihnen bisher entgegenge­brachte Sympathie verlieren. Sie hätten nichts zu gero innen und nur alles zu verlieren, wenn sie die öffentliche Meinung Desterreichs durch allzu schroffe Erklärungen und Polemiken reizen würden.

No m, 19. Nov. Die Vita" schreibt zu einem Ar­tike! des Temps": Dieser täusche sich, wenn er glaube, dan bezüglich der Lösung des Balkanproblems ein Zwie­ipalt zwischen der öffentlichen Meinung und der Regier

dings eine überaus wichtige, aber etwas heifle Angele= genheit die mich zu Ihnen führt, heitel eben inso­fern, als ich nicht wissen tann, wie Sie die Sache auf­nehmen werden. Dazu muß ich vorausschicken, daß ich gewohnt bin, rasch und sicher auf mein Ziel loszugehen, und mich deshalb mit meinem Anliegen an Sie wende, da ich von Ihnen die beste und richtigste Auskunft zu erhalten hoffen darf."

Böhler fing bereits an, ungeduldig zu werden. Was wollte diese Frau von ihm. Die Zeit, wo er ge­wohnt war, auszugehen, kam allmählich heran, und nun hielt ihn diese hochmütige Fremde hier fest.

Er scharrte mit den Füßen unruhig den Boden. Jene bemerkte dies und beeilte fich, fortzufahren: Ich werde Sie nicht allzu lange belästigen. Herr Böhler, hören Sie zu: Mein Name ist Pächtner Mice Pächtner, geborene Freiin von Falt ich weiß nicht, ob Ihnen der Name bekannt tft?"

Die Gestalt der Frau schien noch gewachsen zu sein bet den letzten Worten, so stolz und hoch stand sie vor dem etwas verwundert dreinschauenden Böhler, diesen fast um eine halbe Kopfeslänge überragend. Die Augen bohrten sich förmlich in die ihres Gegenüber, auf den der so besonders betonte Name nicht den geringsten Eindruck machte.

Dann fuhr sie fort: Durch Zufall habe ich die Cat­deckung gemacht, daß mein Sohn Dr. Hermann Bacht­ner und Ihr Mündel oder Nichte in ziemlich vertrau­lichem Briefwechsel mit einander stehen, aus dem un­zweifelhaft hervorgeht, daß die beiden ein Liebesver­hältnis unterhalten."

Aha, unterbrach Frau Pächtner ihre Rede, das Thema scheint Sie zu interessieren!"

Mit Böhler war denn auch eine furchtbare Verän­derung vorgegangen. Die beiden Hände ballten sich zur Faust, die Augen, die her so gleichgiltig, fast gelang­weilt blickten, traten faj aus den Höhlen, und im exiten

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

24. Jahrg.

ung Italiens herrsche. Der Temps" bezwecke im Gründe auch nur, einen Zwiespalt zwischen Italien und seinen Verbündeten hervorzurufen, was ihnen jedoch nid, gelingen werde. Italien werde auf alle Fölle am Dreibund festhalten. Mehrere Jahre habe die auswärtige Politik Italiens wegen Tri­werde sie die gerade Linie verfolgen und polis nicht immer tonsequent erscheinen fönnen, jetzt nicht mehr umfehren.

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Waffenstillstands: und Friedensverhandlungen. Von authentischer Seite in Athen wird erklärt, daß die Türkei gegenwärtig mit allen Mitteln einen Wa f- fenstillstand mit den Balkanstaaten sucht und die Ansprüche der Verbündeten durchweg afzep= tieren will, wenn sie dadurch den Einzug der Verbün­deten in Konstantinopel verhindern kann.

Der Sultan hat sich direkt an die aus= wärtigen Souveräne gewandt mit der Bitte, bei den Balkanmächten wegen des Friedensschlusses zu intervenieren.

Die Balkanstaaten fangen in ihrem Siegesrausch an, den klaren Blick für die vernünftigen Grenzen zu ver­lieren. Sie stellen als Waffenstillstands- und nun gar als Friedensbedingungen Forderungen auf, die für die Türkei Selbstmord bedeuten würden. Der" Tribuna" zu­stillstand folgende Bedingungen aufstellen:

folge will nämlich der Balkanbund für den Waffen=

Räumung von Adrianopel, Monastir, Skutari,

Janina,

Anerkennung der Türkei, daß sie besiegt ist, Verzichtleistung auf die europäischen Pro­

vinzen,

Einmarsch der verbündeten Armeen in Konstan­tinrpel, wo der Balkanbund proklamiert werden soll; ferner:

Eine von der Türkei zu leistende Kriegsentschä­digung,

Internationalisierung Konstantinopels und Freie Durchfahrt durch die Dardanellen. Das sind wohl für die Türken unannehmbare For­derungen.

Sofia, 19. Nov. Nach dem Einvernehmen mit den verbündeten Kabinetten verständigte die bulgarische Regierung die Pforte, daß sie Bevollmächtigte designiert habe, mit dem türkischen Generalissimus die Bedingun­gen des Waffenstillstandes festzustellen, um dann zum Schluß des Friedens zu schreiten. Entscheidend für dieses Vorgehen Bulgariens dürfte wohl der Umstand sein, daß es der türkischen Armee gelungen ist, in den

Augenblick schien es, als wollte der Erregte sich auf die erschrocken innehaltende Frau stürzen; doch schon in der nächsten Sekunde schoß blitzschnell ein Gedanke durch sein Hirn, an dem er sich anklammerte, den er festzu­halten suchte um jeden Preis.

Infolgedessen veränderten sich seine Züge, eine tiefe Wehmut, spiegelte sich darin wieder, während er wie schmerzverloren dastand, und einen Moment beide Hände vor das Gesicht preßte.

Nicht möglich Sie müssen sich getäuscht haben, gnädige Frau, es es wäre ja ein Unglück," tönte es klagend von den enttäuschten Lippen des Mannes.

Eine Täuschung ist völlig ausgeschloffen, da in dem Briefe, den ich natürlich zufällig fand, sowohl von ewi ger Liebe und Treue, als auch von hoffentlich baldiger Heirat die Rede ist. Da auch Ihr Name mehrfach vor­tommt und zwar in nicht eben schmeichelhaften Aus­drücken, so entschloß ich mich furz, mir von Ihnen Aus­tunft über das Mädchen zu erbitten. Ich will nämlich nicht, daß mein Sohn, vielleicht verblendet durch ein hübsches Gesicht, sich hinreißen läßt, eine unpassende Wahl zu treffen. Seine Studien tosteten viel Geld und legten inir eine Menge Entbehrungen auf, daß ich wohl hoffen darf, im Alter ein ruhiges, sorgenfreies Le­ben führen zu können; denn ist meine Familie anch von altem Adel, so ist sie eben niemals reich gewesen, und ich mußte mich sehr einschränken, sollte mein Sohn standesgemäß erzogen und ausgebildet werden.

Deshalb darf und soll er nur ein Mädchen freien, dem ich meine volle Zuneigung schenken kann, und das reich sehr reich ist dabei Herzensgüte und sparsam häuslichen Sinn besißt, turzum, das mir gefällt. Um nun zu erfahren, in wie weit Ihr Mündel meinen An fordacungen entspricht, bin ich hier."

( Fortsetzung folgt.).