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Gießener Zeitung
Bezugspreis 40 pfg. monatlich
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( Neueste Nachrichten)
verteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den 3meigausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Müdfending nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der., Gießener Zeitung" G. m. b. H. Telephon: Nr. 362.
Nr. 23.
Der Bergarbetterstreik im Ruhrgebiet beendet!
Bochum, 19. März. Die Revierkonferenz des Dreibundes der Bergarbeiter beschloß die Wiederauf= nahme der Arbeit, da der Streif nutzlos sei. Die Ronferenz faßte eine Resolution, worin es heißt, daß
es nicht mehr möglich sei, den Kampf mit Erfolg weiter zu führen. Die Konferenz beschloß deshalb, den Streit aufzuheben und fordert alle Kameraden auf, dem Beschlusse zu folgen.
Vor Eingang dieser Nachricht lag uns folgender Artikel vor:
Die den sozialdemokratischen und Hirsch- Dunckerschen Bergarbeiter- Verbänden politisch nahestehenden Zeitungen verbreiten fortgesetzt über die Lohnverhältnisse der Bergarbeiter und die Betriebsergebnisse der Kohlenzechen durchaus unzutreffende Nachrichten. In einem Artitel„ Bergarbeiterlöhne und Betriebsüberschüsse" wurden bereits vor einiger Zeit die von 10 Gesellschaften des Ruhrkohlenbezirks in den drei ersten Vierteljahren von 1907 und 1911 erzielten Betriebsüberschüsse in Vergleich gestellt. Es ergab sich, daß alle Werke in dem angegebenen Zeitraum von 1911 wesentlich geringere Betriebsgewinne, ein Teil nicht einmal die Hälfte des Ueberschusses von 1907 zu verzeichnen hatten. In einem Artikel, der in fast allen sozialdemokratischen Blättern erschienen ist, wurde dazu bemerkt, der Verfasser habe nur die Ueberschüsse der reinen Zechen in Vergleich ge30gen; er werde sich hüten, auch die Ergebnis der gemischten Werke zur Berechnung heranzuziehen. Eine ähnliche Auffassung teilt anscheinend auch die„ Frankfurter Zeitung". Sie veröffentlicht in Nr. 63 vom 3. März eine Zuschrift aus dem Ruhrfohlengebiet über die Lohnbewegung der Bergarbeiter, in der es nach einem Hinweis auf die im 4. Vierteljahr 1911 verdienten Bergarbeiterlöhne u. a. heißt:
Es kann von den Bergwerksunternehmern nicht beftritten werden, daß sie mehr zahlen können. Wenn auch einzelne reine Kohlenzechen noch nicht die Höhe des Gewinns vom Jahre 1907 erreicht haben, so liegt dies daran, daß sie ungemein schwer unter der hohen Syndikatsumlage zu leiden haben." Man kann es nur bedauern, daß ein großes Handelsblatt, das sich über die Gewinnergebnisse der Zechen von 1907 und 1911 jedenfalls leicht hätte unterrichten Tonnen, derartigen Mitteilungen, die mit den tatsächlichen Verhältnissen durchaus in Widerspruch stehen, Raum gibt. Es liegen jetzt die Abschlüsse fast sämtlicher reinen Bechen des Ruhrkohlenreviers für das ganze Jahr 1911 wor. In einer Aufstellung, die uns zur Verfügung getellt wird, sind die Betriebsüberschüsse von 30 Gesellschaften enthalten. Es geht daraus hervor, daß mit
Unter Feinben.
Roman von Karl Matthias. ( Nachdruck verboten.)
Wonten landen Tirkos gegenüber, welche über alle griffe schlecht schossen. Mit Hurrah gewann das Baallon dte Landstraße und trieb die Feinde vor sich her, Hihnen Bazeilles im Rücken lag. Das Dorf war von sen Bayern und preußischen Jägern erstürmt worden. In den Straßen sah es entsetzlich aus. Die Türen waen eingeschlagen, dte Fensterflügel aus ihren Angeln aeriffen und zertrimmert. Haufenweise lagen die Letaben auf den Boroschwellen. Viele Häuser standen in ammen, ein herabrechender Anblick für Tyrolt, welher jeden Winkel in dem einst so blühenden Orte geHannt hatte.
Der Befehl„ Vorwärts" ertönte. Jensetts ber Maas Batte sich der Feind verschanzt und bet Balan neue Batren angefahren. Schritt für Schritt verteidigte er den Beg zur Festung. Mitten in der Schußlinie lag die la Bourlier noch unverletzt, denn das wütende Rinmen der Menschen war ihr bisher fern geblieben. Noch angten die Rübenfelder in saftigem Grün, die WetnMerge im Rebenschmuck; die Stoppeln der Weizenschläge, om fleißigen Pflug gewendet, hauchten den jungfräuchen Erdgeruch aus, nicht wie hinter den Bataillonen Blutgestant und Verwesung.
Aber e Gegend war dde und menschenlos; kein bendes Wefen ließ sich blicken. Das Vich war fortgetrieben, das etnst auf den Wiesen geweidet; die Winhäuser standen leer; tein Rauch quoll aus ihren fien; die Wassermühle der Maas war ohne Rad, das Bert zerschlagen, das Mehl fortgeschleppt. Alles hatte in die Festung oder in den Wald geflüchtet. Mit beklommenem Herzen schritt Waldemar vorts. Eaon winkten ihm von fern die Fenster des lauses, wo er das größte Gllick und den größten
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Expedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 20. März, 1912.
Ausnahme von 4 Zechen, die 1911 unter wesentlich veränderten und verbesserten Betriebs- bezw. Abbauverhält nissen arbeiteten als 1907, alle Zechen erheblich geringere Ueberschüsse aufzuweisen hatten. Die Betriebsgewinne betrugen:
1907: 1910: 1911:
88 854 102 Mf.,
69 375 449 Mk., 68 847 963 M.
Insgesamt hatten die 30 Gesellschaften demnach 1911 einen Minderüberschuß gegen 1907 von rund 20 Mill. Mark zu verzeichnen. 6 Werke, und zwar Alte Haase, Eintracht Tiefbau, Johann Deimelsberg, ver. Trappe, Blankenburg und Gottessegen, hatten sogar bei weitem
nicht die Hälfte des Ueberschusses von 1907 aufzuweisen.
Die Aufstellung der Betriebsergebnisse zeigt ferner, daß in 1911 auch im Vergleich zum Geschäftsjahr 1910 der Ertrag der meisten reinen Kohlenzechen zurückgegan gen ist. Von den 30 Gesellschaften hatten 16 eine Verminderung des Betriebsgewinnes zu verzeichnen, bei 9 Werken war der Ueberschup nur unwesentlich höher als in 1910( nicht mehr als 5 Pro3,), während nur acht Werke den Gewinn um mehr als 5 Prozent erhöhen konnten. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeiters ist dagegen nach der amtlichen Lohnstatistik von 1382 Mt. in 1910 auf 1446 Mt. in 1911 oder um 64 Mt., das Jahresverdienst eines Hauers( 50,3 Proz. aller Bergarbeiter) von 1589 auf 1666 Mk. oder um 77 Mt. gestiegen. In den letzten beiden Jahren hat das Einkommen eines Arbeiters eine Erhöhung um 96 Mt., eines Hauers um 110 Mr. erfahren. Einem Rüdgang der Betriebsgewinne der 30 Gesellschaften steht also eine nicht unbeträchtliche Lohnerhöhung gegenüber.
Die Bemerkung der sozialdemokratischen Presse, man habe sich gehütet, die Ergebnisse der Hüttenzechen zu erwähnen, entbehrt überhaupt jeder Logit. Das Vorrecht der Hüttenzechen, die nach dem Syndikatsvertrag für ihren Selbstverbrauch von den Kosten der Syndikatsum lage befreit sind, hat doch auch 1907 bestanden, mithin in beiden Jahren auf das Geschäftsergebnis eingewirkt. Wenn nun auch seit 1907 der umlagefreie Selbstver- brauch der Hüttenwerke gestiegen ist, so wäre es türlich unfinnig, zu behaupten, daß die Verminderung des Ertrages der reinen Zechen um 20 Millionen Mk. auf diese Steigerung des Selbstverbrauchs zurückzuführen sein könnte.
*
Politische Rundschau.
Deutschland.
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die
Berlin. In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses erklärte Minister v. Breitenbach, Eisenbahnen seien auf 78 Wochen mit Koh len versehen.
*
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In Deutsch Südwestafrika ist am 3. März die Bahnlinie Windhuk- Keetmanshoop in ihrer
Schmers feines Bedene erfahren. Da tam der Befehl, rechts abzufchwenken.
Das Bataillon marschterte der einen Sturzacker, bicht neben der Bourlier'schen Partmauer die Anhöhe hinauf. Tyrolt atmete auf, als er den Garten leer fah, kein Gebell von Hunden und fein verdächtiges Geräusch hörte. Pumarquet hatte offenbar die Wahrhett gesprochen. Die Villa stand unbewohnt; die Teuren befanden sich außerhalb der Gefahr. Da Schüsse! Von rückwärts kam der Schall. Dort lag die Fabrit. Sollten die Franzosen die weitläufigen Gebäude als Schanzwerk benußen, sollte am Ende gar Olivier?
Hauptmann Bergetström tommandierte Halt. Wir dürfen nicht weiter, bevor wir nicht jene Ruheftörer zum Schweigen gebracht haben," sagte er zu Tyrolt. Man schießt von jenseits der Maas, das ist wohl eine Fabrik drüben?"
" Meine Fabrik," antwortete der Angesprochene tonlos.
Hm! Soldaten find das nicht," fuhr der Offtzter fort. Ste würden sich nicht nuplos der Gefahr aussetzen oder gründlicher zu Werte gehen. Also Franttireurs, ein paar Verrückte, die über die Klinge springen wollen. Herr Leutnant, sehen Sie mit Ihrem Zug über das Wasser zu kommen und schaffen Sie Ruhe. Ich werde jenseits dieser Mauer heranzukommen suchen." Tyrolt salutierte und ging an seine Sendung. Ein Blick überzeugte ihn, daß die Brücke abgebrochen set. So wandte er sich stromaufwärts und befahl seinen Leuten, ihm paarweise zu folgen. Oberhalb der Fabrik befand sich eine Insel, welche, dicht bewaldet, die Maas in zwet Arme teilte. Zu Friedenszetten lagen hier zwei schmale Stege, auf denen man zum jenseitigen Ufer gelangen konnte. Waren ste noch vorhanden, so vermochte das Tetachement das Itnte Ufer trockenen Fußes zu erreicher, im schlimmsten Falle hieß es durchschwimmen
Zyrolt fand feine Erwartungen teilweise bestätigt.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362. 24. Fabry.
597 Kilometer betragenden vollen Länge dem Verkehr übergeben worden.
England.
!! Wegen des Kohlenstreiks sind die Besuche des englischen Königs an den auswärtigen Höfen, die für den Frühling in Aussicht genommen waren, für 1912 endgültig aufgegeben worden, da die Pflichten, die der König und die Königin in England zu er füllen haben, sie daran hindern, im Sommer oder im Herbst ins Ausland zu gehen. Wenn auch der Ausstand bald beendet werden sollte, werden Not und Unruhen noch einige Zeit andauern.
Das Provinzial- Wasserwerk bei Inheiden
ist soweit vollendet und wird am 30. März If. Js. offiziell in Betrieb genommen. In dem ausgebreiteten Wiesengrunde des Riedbaches zwischen Inheiden, Treis Horloff und Steinheim, am westlichen Abhange des Vogelsberges, liegt dieses Werk großer Technik und Zeugnis deutscher zäher Arbeit und Wissens, zu welchem man vor 6 Jahren die Vorarbeiten aufnahm. Mit größter Vorsicht wurden damals die Bohrungen unternommen, deren Ergebnisse in wochenlangen Beobachtungen geprüft sind, ob das Terrain für lange Jahrzehnte die Erbauung eines solch gewaltigen Wasserwerkes günstig genug ist. Es fam bei diesen Beobachtungen nicht allein darauf an, daß hinreichend Wasser gewonnen wird, kendern, daß auch das Wasser gut ist.. Nun, die Neuba u verwaltung der Provinz Oberhes= sen mit ihrem Leiter, Herrn Oberingenieur Müller, verdient große Anerkennung und Dant, daß sie alles gründlich geprüft hat. Jetzt fließt noch sehr viel Wasser im Quellgebiet unbenutzt fort, obgleich das Werk schon in der Lage ist pro 24 Stunden rund 28 000 Rubikmeter Wasser an die Großabnehmerin, der Stadt Frankfurt, abzustoßen. Bei den 60-80 Meter tiefen Bohrungen nach dem Quellwasser ist man bis auf Basalt gegangen und dementsprechend tief sind auch die 6 Brunnen gebaut worden, sodah nur Quellwaſſer dem Werk zugeführt wird. Dieses ausgezeichnete Resul tat wird noch wertvoller mit der Tatsache, daß das In heidener Wasserwerk auch gutes, gesundes Wasser liefert. Im allgemeinen werden pro Kubikdezimeter zirka 400 Reime im Wasser gefunden, hier im sogenannten Inheidener Wasser hat man nur zirka 120 festgestellt. Es ist das die Folge der tiefen Brunnenanlagen und weil das sogenannte Tagwasser durch die dort für Quellwasserleitungen günstigen oberen Bodenschichten nicht hindurch, nicht nach unten sickern kann.
Das von der Provinz angekaufte Quellengebiet umfaßt rund 130 Morgen, wozu von den angrenzenden Graf Walderdorff'schen Besitzungen noch zirka 50 Morgen gepachtet sind. Inmitten dieses großen Gebietes liegt das Maschinen- und Pumpwerk. Einfach und stark, aber doch solid- geschmackvoll zeigt sich der Bau, wenn
man
Etn Steg war noch benutzbar, der andere von dem Wellen fortgeriffen. Als die Sektion auf die Insel ge langi war, wurde der fehlende Steg durch den vorhande nen ersetzt, und nun schlichen die Schüßen, durch die Uferweiden und das Schilf dem Feinde verborgen, no der Hintermauer der Fabrik. Lautlos sammelte Waldemar seine Leute und drang, mit jedem Weg wohl be kannt, über den Lagerhof in das Gebäude ein. Die Ver teidiger, durch das Feuer der Sachsen jenseits der Maas abgelenkt, hatten sie nicht kommen sehen. Der Leutnant ließ die Türen einschlagen, die Fenster zertrüm mern und seine Leute zu gleicher Zeit einsteigen, dann besetzte er die Treppen, welche zum ersten Stockwert wo sich die Scherfäle befanden, in breiten Stufen hinaufführten. So hatte er die Belagerten in der Hand. Trotzdem der Bau aus Stein und Eisen bestand, war Material genug vorhanden, fie auszuräuchern, sobald sie die Uebergabe verweigerten und das Gewehrfeuer nicht einstellten.
Im Hause befanden sich nur wenige Soldaten. Es waren dies Versprengte vom 96. Linienregiment, die übrigen Verteidiger rekrutierten sich aus Arbeitern und Bauern, die mit Chaffepots bewaffnet waren, also Franktireurs, und die durften nach dem Kriegsgebrauch nicht geschont werden.
Als die Türen und Fenster des unteren Saales dem plöglichen Angriff der Deutschen wichen, sloh ein Tetl der Ueberraschten die Treppen hinauf; einige aber, hauptsächlich die französischen Soldaten, streckten pardonflehend die Waffen. Da mahnte sie eine schrille Stimme, dte Prussiens vom Erdboden zu vertilgen.
Tyrolt schauderte beim Klange dieser Stimme. Er kannte dieselbe nur zu genau, sie gehörte feinem Feinde, seinem Beiniger, Olivier Bourlier. So stand er ihm also gegenüber. Der Wahnsinnige hatte wirklich gewagt, die Verteidigung seiner Fabrif zu inszenieren, sich selbst und seine Arbeiter in den gewissen Tod zu stürzen.
( Fortsetzung folgt


