Ausgabe 
19.10.1912 Erstes Blatt
 
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gewinnen, wird auch das 3eppelinluftschiff Vittoria Luise" eine Fahrt von Frankfurt nach Gießen mit Landung und Personenwechsel und Rüc fahrt nach Frankfurt unternehmen. Die Ankunft auf dem Trieb wird etwa um 2 Uhr erfolgen. Wenn auch das Luftschiff schon mehrmals unsere Stadt überflogen hat, so bieten doch Landung und Aufstieg für die meisten Bewohner unserer Stadt und namentlich für die der Umgegend ein ganz neues, noch nie gesehenes Schau- spiel. Die Haltemannschaft wird von der hiesigen Feu­erwehr gestellt werden. Dem Luftfahrerverein Gießen, der die Flugveranstaltung und die Zeppelinlandung ins Leben gerufen hat, ist es gelungen, für die Mitfahrer eine ganz wesentliche Breisermäßigung zu erzielen. Wäh­rend sonst der Preis 200 Mart für die Person für eine einfache Fahrt von 1 bis 1% Stunden beträgt, wird er für Mitglieder des Luftfahrervereins wohl faum über 100 Mark und für Nichtmitglieder nicht über 150 Mt. betragen. Vielleicht läßt sich für letztere bei genügenden Meldungen noch eine weitere Preisermäßigung erzielen. Genauere Angaben lönnen erst in Kürze gemacht wer­den. Anmeldungen müssen aber schon jetzt erfolgen und Interessenten werden gebeten, sich an den Vorstand des Luftfahrervereins, Seltersweg 56, zu wenden, wo alle näheren Einzelheiten zu erfahren sind. Um einer mög lichst großen Zahl auch Minterbemittelter das interes­sante Schauspiel zugänglich zu machen, sind die Preise für die in Aussicht genommenen Bläze niedrig gegrif fen. An alle Besucher wird in ihrem eigenen Interesse die dringende Bitte gerichtet, sich die Karten möglichst im Vorverkauf zu sichern, um ein Gedränge an den Platz tassen am Tage der Veranstaltung zu vermeiden und so eine leichtere Bewältigung des Massenverkehrs zu er­möglichen. Schon bei dieser Gelegenheit muß aber den Besuchern dringend ans Herz gelegt werden, die ge­troffenen Absperrungsmaßregeln unter allen Umständen einzuhalten, da jedes Ueberschreiten der Ab­Sperrungsgrenzen mit Lebensgefahr verbunden ist. Bei der bisher bei derartigen Gelegen heiten bewiesenen Disziplin der hiesigen Bevölkerung ist zu erwarten, daß diesem Wunsche allseits Rechnung ge­tragen wird, und daß die besonnenen Elemente der Be­völkerung die Veranstalter bei dem schwierigen Amte der Absperrung nach Möglichkeit unterstützen. Nur auf diese Weise ist ein Gelingen des Festes möglich. Es wäre er­freulich und im Interesse späterer größerer Veranstaltun gen dieser Art wünschenswert, wenn in dieser Beziehung feinerlei Miton hervorgerufen würde. Für Erfrischun­gen und Militärfonzert ist ebenfalls Sorge getragen.

Das neue Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34

öffnet heute Abend zum ersten Male seine Tore. Es ist ein Bau in seiner Ausführung solid und fräftig, in sei­ner inneren Einrichtung fein, bürgerlich vornehm und äußerst praktisch. Die Baufirma Abermann & Kling und der Architekt Burk haben hier etwas geschaffen, das für Gießener Verhältnisse neu und sehenswert ist. Man fühlt sich in diesem Licht spielhaus nicht beengt, wie es in vielen gleichen Eta blissements der Fall ist, sondern ein weiter, breiter nach hinten ansteigender Parterre- Raum ladet zum Be­suche ein. Gleich einem modernen Theaterbau befinden

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sich über dem Parterre gegenüber der Aufführungswand mehrere Logen und dahinter in ebenfalls ansteigender Ebene der 2. Rang. Für alle Plätze sind Ein- und Ausgänge getrennt vorgesehen. Die Beleuchtungsbremse, doch plötzlich platzt ein Pneumatit, der frage ist recht vorsichtig gelöst, das Auditorium wird eine Blendung gar nicht verspühren. Zu diesem famo­sen Bau mit seiner idealen Einrichtung ein feines de­3entes Programm und das Publikum von Gießen und Umgegend wird bald selbst herausgefunden haben, wo es am interessantesten, lehrreichsten und vor allen Din­gen am gemütlichsten ist.

ter Kronenberg aus Gießen mit drei Insassen,& berg und seiner Tochter und dem Werfführer Bielefeld, im 40 bis 50 Kilometertempo. Su der verschlossenen Schranke zieht Kronenberg di sauste weiter, ein verzweifeltes Treten der Fu ohne Erfolg, die Bremse versagt. Mit m Schmung setzt das Auto über die Schranke gegen den dritten Wagen des Zuges. Die F furchtbar: Wertführer R. liegt zu Tode verw zerschmetterten Gliedern wohl 30 Meter weiter auf dem Bahndamm. Die Vorderseite des vollkommen zerstört, dem Eisenbahnwagen Trittbretter abgerissen, nur Kronenberg und ter sind wie durch ein Wunder unversehrt am blieben. Die Untersuchung der Staatsanwalt gab dann folgendes: Kronenberg betreibt seit in Gießen eine Fahrradhandlung und ist als Vertreter der Dürkopp- Werke in Bielefeld tätig E als hervorragender Kraftwagenführer und und hat im Betrieb der Dürkopp" Autos bej fahrung. Am Tage vor dem Unfall befand e Bielefeld, um ein neues Auto von den Dürle fen abzuholen, das in mancher Hinsicht neuar struktionen aufwies. Werkführer K., der ja spä Folgen des Unfalles verschieden war, machte ihm zunächst in Bielefeld eine Vorführungsja begleitete ihn darauf auf der Reise Bielefeld Gieken, die dann solch tragischen Abschluß fam an dem Vorfall trug, wie festgestellt wurde, des Wagens, Kronenberg. Er handelte fahrlä dem er bei der Schwierigkeit des Geländes, be ben Beleuchtung, der raschen Zugfolge aul de zenden Eisenbahnlinie und vor allem bei fem vertroutheit mit dem neuen Automobil mit ei schwindigkeit fuhr, die ihm ein rasches Anbe drohender Gefahr zur Unmöglichkeit machte. Fahrlässigkeit im ursächlichen Zusammenhang Toe des Wertführers K. Daß im letzten Au Fußbremse versagte und ein Pneumatik pla mochte an Kronenbergs Schuld nichts zu ande wurde daher am 17. Mai 1912 vom Landge burg wegen fahrlässiger Tötung(§ 122 St. 6 Uebertretung der Bestimmungen in der Veror den Verkehr mit Kraftfahrzeugen zu einer 6 nisstrafe von drei Monaten ver Das Gericht fah für überwiesen an, daß Funktionieren der Fußbremse und bei unverfe matiks das Unglück dennoch unabwendbar g würde, und jedenfalls im allzu schnellen Fah Schuldmoment zu finden war. Gegen seine ung legte Kronenberg Revision beim Reichs ein, mit der er nochmals das Tatbestandsm Fahrlässigkeit als nicht erfüllt bezeichnete. Da Gerichtshof verwarf jedoch das Rechtsmittel gründet. Die Gegend war schwer übersichtlich war neu, Kronenberg fuhr trotzdem mit 40­denkilometern, ließ also die im Verkehr nöt falt außer Acht. Diese Feststellung hatte die ohne Rechtsirrtum getroffen, somit war das bestätigen.

Der Circus der Fünfzehntausend in Frankfurt! Die Vorbereitungen für die circen­sischen Festspiele, die im November in der Festhalle zu Frankfurt a. M. beginnen sollen, sind in vollstem Gange. Direktor Hans Stosch- Sarrasani, der Eigentümer des be­rühmten europäischen Refordcircusses Sarrasani, ist seit Wochen aufs eifrigste bemüht, ein Programm zusamnien zustellen, das auf jedem Gebiete der circensischen Kunst das Hervorragendste, das Klassische, bringt. Mit ganz ungeheueren Zahlen soll gearbeitet werden. Die Riesen­dimensionen der Frankfurter Festhalle machen es mög lich, 15 000 Menschen als Publikum aufzunehmen, und dem pompösen Rahmen wird der Aufmarsch der Artisten und der Tiere entsprechen. An diesen Circusfestspielen werden nicht weniger als 400 Tiere, 200 Pferde und 200 exotische Tiere mitwirken. Ferner ein Bersonal von 300 Artisten. Eine komplette Uebersicht über alles, was auf diesen Gebieten die Welt bietet, soll geboten werden. Kaiserlich Japanische Hoffünstler und chinesische Gaukler in großen Trupps werden den fernen Osten repräsen­tieren, eine Bande von Türken und Tripolitanern ver­treten das Mittelmeergebiet, das heute so aktuell ist, und dann kommen große Scharen von Indianern und Cowboys hinzu, die Helden unserer Jugendphantasie. Ein russisches Hofballet von höchster Vollendung, das in Moskau zusammengestellt wurde, wird das choreo­graphische Element in einer Weise vertreten, die sich bisher noch kein Circus geleistet hat. 3irka 30 Reit= fünstler und Reitfünstlerinnen werden ihre Künste in der Manege zeigen; große Clownensembles bilden ein voll­kommen neues Circusgenre, in denen sich die moderne Re­gieluns: betätigt. Und dann werden sich in den Lüften die großartigsten gymnastischen Produktionen abspielen, die ein Circus jemals gezeigt hat. Quer durch die gewaltige Halle wird sich das Drahtseil der Niagarah Brothers spannen, der einzigen Drahtseilfünstler, die außer dem klassischen Blondel den Niagarahfall auf dem Drahtseil überschritten haben. 30 Luftgymnaſtiker wer den gleichzeitig in den Lüften ihre Produktionen ver­richten. 40 Artisten werden sich allein aus Amerika am 30. Oftober von New- York einschiffen.

n Gießen. In der Nacht vom 2. zum 3. Sep­tember 1911 ereignete sich am Bahnübergange der Schnellzugstrecke Marburg- Gießen, unweit der Ortschaft Gieseiberg, das bekannte folgenschwere Unglück, wobei ein Automobilmonteur überfahren wurde. Im ungewissen Licht der Morgendämmerung näherten sich dem Bahnübergang gleichzeitig auf dem Bahnlör­per der Schnellzug von Marburg mit einer Geschwin bigkeit von 80 Stundenfilometern, auf der Landstraße von Gisselberg her das Auto des Fahrradhändlers Pe­

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