Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
secteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den gweigErscheint Rittwochs und Samstags. Redaktion: Selters. weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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Nr. 84.
1. Blatt.
Vom Balkankrieg.
fsstelle: hs Nachf Ronstantinopel, 17. Oft. Die Pforte ließ cute früh um 9½ Uhr der serbischen und der Bulgarischen Gesandtschaft eine Note übermitein, die besagt: Wegen der bulgarischen und serbiWhen Note, die eine Einmischung in die inneren Anbefindet sie gelegenheiten der Türkei darstellt, und wegen der Mobilmachung dieser beiden Staaten und der täglichen Edharmützel sieht die Pforte, trotz ihres Wunsches, den Frieden zu erhalten, daß der Friede zwi hen der Türkei, Serbien und Bulga=
Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 19. Oktober 1912. griechische Grenze endet. Der Eingang der Bucht wird von den türkischen Forts beherrscht, doch sind die Kanonenboote nicht beschossen worden, wie frühere Meldungen besagen, vielleicht weil der türkische Kommandant annahm, der Krieg sei noch nicht erklärt. Wir erhalten folgende Meldung:
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Athen, 17. Oft. Das Marineministerium mit, daß die griechischen Kanonenboote A und D heute früh um 2½ Uhr in die Meerenge von Prevesa und Aftium eingedrungen und um 4% Uhr in Voniza eingetreffen sind. Es gelang den Türken trotz der zahlreich vorhandenen Sperrforts nicht, die Durchfahrt zu
Kien weiterhin unmöglich ist. Sie hat sich verhindern.
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daher entschlossen, der Sendung der Gesandten Don Bulgarien und Serbien ein Ende zu setzen und fordert sie auf, ihre Pässe zu nehmen nd mit ihrem Personal das osmanische Gebiet so nell als möglich zu verlassen."
Dies wird als Kriegserklärung be tet.
Ronstantinopel, 17. Oft. Der serbische Gebte Dr. Nenadowitsch reist heute ab. Der bulgase Gesandte Sarafow weiß noch nicht, ob er heute abreisen fönnen. Der griechische Gesandte it auch abreisen, doch konnte er nicht mit derselben Eisenbahne verabschiedet werden, da noch ein formalistischer cit barüber besteht, ob Griechenland ebenso wie Bulen und Serbien die unannehmbare Forderungsliste illich der Türkei eingehändigt habe. Griechenland hat er nunmehr erklärt, daß es diese Tat vollbracht habe, daraufhin ist denn auch die diplomatische erbindung mit Athen abgebrochen wor
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Belgrad, 17. Oft. Nachmittags übermittelte r Betriebsre serbische Regierung ihrem Gesandten in Konstantibildung zu die Kriegserklärung an die Türkei notifizierte sie den Großmächten. Der Kron ahnverwabin ist mit dem Stab nach Nisch abgereist. Bei Preplle fand gestern ein Kampf zwischen Albanesen und hen Truppen statt.
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Sofia, 17. Oft. König Ferdinand ist heute mittag ins Hauptquartier abgereiſt. Konstantinopel, 17. Oft. Nunmehr erauch der griechische Gesandte die Pässe zugestellt. Athen, 17. Oft. Der türkische Gesandte Intar Ben ist eben mit dem gesamten Gesandtschaftsonal vom Piräus nach Konstantinopel abgereist. Vom Briegsschauplak.
Zwei griechische Kanonenboote sind heute in die Eu von Prevesa eingedrungen, an der die türktsch=
Das Glückskind.
Roman von Irene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
Er aber versicherte ihr, daß das Wiedersehen nach
Cine fabrizia zerer oder längerer Trennung jedesmal ein Fest
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beide sein würde, und schilderte der glücklichen But, was er ihr alles von seinen Reisen mitbringen birde.
Eo gab sie sich ganz dem süßen Glücke hin, das ihr nd Bäderkuer Seite des Geliebten winkte.
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tathilde dagegen wurde es von Tag zu Tag bänams Herz. Der Verlobte Aureliens wollte ihr haus nicht gefallen. Sein Blick hatte etwas LauernUnftetes an sich, er konnte, wenn man mit ihm borach, einem nie offen und ehrlich in das Gesicht sehen, ondern schaute beharrlich ganz wo anders hin, und das Falschheit und Tücke.
Effe entgegit Recht in den meisten Fällen als Zeichen von
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Bon den Kindern konnte auch keines ein rechtes Butramten zu dem„ Ontel" fassen, so viel Borbons und Spielfachen er ihnen auch schenkte, man merkte es ihnen ennoch an, ste ließen sich nur ungern von ihm auf den Eboß nehmen, und duldeten nur mit Hiderstreben eine Schmeicheleien. Dies beirrte ihn aber feiness.. Täglich tam er, seine Braut zu besuchen, und betrieb mit auffallendem Eifer die Vorbereitungen zur Ehzeit.
Murelia glaubte darin nur übergroße Liebe ihres Bloobten erblicken zu dürfen, Mathilde aber las in Einem Augen ab, daß es nur der Geldbesitz war, nach mer strebte. Es entging ihr weder das spöttische hen, das um seinen Mund lag, wenn Aurelia ein, noch die Heimliche Ungeduld in den Zügen, wenn relia gar zu zärtlich wurde.
Oft bat die tiefbekümmerte Frau: Aurelia, Du
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des
Die türkische Flotte, die während türkisch- italienischen Krieges untätig in den Dardanellen gelegen hatte, ist nach dem Schwarzen Meer zu abgefahren. So ist es erklärlich, daß Bulgarien seine offene Küste auf jede Art zu schützen versuchen muß. Konstantinopel, 17. Oft. Offiziell wird gemeldet: Die Schlacht bei Vranja, südlich von Tusi, endete mit einem entscheidenden Sieg der Türfen. Die Verluste der Montenegriner betragen über 500 Tote. Die Montenegriner wurden auf ihr Gebiet zurückgedrängt.
das
* Der Kampf des montenegrinischen Generals Martinowitsch um das Fort von Tarabosch, ihm den Weg auf Stutari versperrt, muß bisher sehr schwer gewesen sein und noch immer fortdauern. Die Befestigungen von Tarabosch sind von deutschen Ingenieuren angelegt worden, ihre Ausrüstung ist vollständig modern. Die Montenegriner famen in ein furcht barcs Kreuzfeuer, das die Türken von Schiffen auf dem See und von der Festung auf sie richteten und wurden niedergemäht. Der„ Times"-Korrespondent in Cetinje will wissen, daß General Martinowitsch dann einige wenige Bataillone vor Tarabosch zurückgelassen und mit dem größten Teil seines Heeres die Bojana über= schritten habe und Skutari vom Süden zu erreichen suche, aber ohne die Einnahme von Tarabosch ist an die Besetzung von Skutari nicht zu denken.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Der Reichstagsabgeordnete und Rittergutsbesitzer von Normann, Vorsitzender der konservativen Reichstagsfraktion, ist am Donnerstag auf Schloßgut Bargos im Kreise Greifenberg in Pommern nach längerem Leiden 68 Jahre alt gestorben.
mußt Deinem Verlobten davon Mitteilung machen, daß Du über die Hälfte Deines Geldes verfügt hast." Aber jene wollte davon nichts wissen. „ Das Geld ist Röschen sicher, und für das andere laß nur mich sorgen," sagte sie jedesmal.
Aurelia wagte sich Artur gegenüber auch nicht mit der Sprache heraus, aus Furcht, er könnte zurücktreten und noch in letzter Stunde die Verlobung aufheben.
,, Bin ich erst seine Frau und des Besizes seiner Person ganz sicher, so werde ich es ihm schon beibringen," tröstete sie sich.„ Unter Eheleuten läßt sich so etwas leichter verhandeln, und überdies hat es noch gute Weile, bis Röschen heiratet, so lange, bleiben wir ja im vollen Besitz des Kapitals.
III.
Schon seit Monaten war Aurelia Artur Böhlers Frau, und noch immer zögerte sie, ihrem Gatten mitzuteilen, was er doch wissen mußte, nämlich, daß sie Röschen die Hälfte ihres Geldes verschrieben.
Und je länger sie wartete, desto härter entschloß sie sich dazu. Artur war in Geldsachen unsäglich peinlich, ja geizig zu nennen. Nun wurde es ihr erst flar, welch' großen Fehler sie mit ihrem Verschweigen begangen hatte, und bang lag thr oft die Frage am Herzen, wie er wohl die Mitteilung aufnehmen würde.
Einmal aber mußte es sein. Aengstlich berichtete sie threm Mann, was er längst wissen sollte.
Die Wirkung war eine furchtbare, und nie in ihrem Leben vergaß Arelia das wutentstellte Gesicht, das er thr nach jener Mitteilung zeigte.
Stirn und Schläfe färbte eine hohe Zornesröte, mit der geballten Faust schlug er auf den Tisch, daß es dröhnte, und fast heiser klang es an das Ohr der bestürzten Frau:
„ Das δας hättest Du getan, 30 000 Mart mir nichts, Dir nichts verschenkt, o über solche
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr.: 862.
24. Jahrg.
* Das Marineluftschiff L. 1 ist nach eingehender Besichtigung durch den Staatssekretär des Reichsmarineamts entgültig von der Marineverwaltung übernommen worden.
Amerika.
Roosevelt hat aus Anlaß des auf ihn verübten Attentates zahlreiche Telegramme er halten, darunter vom deutschen Kaiser, vom Kronprinzen- Baar, vom König von Jtalien und vom Präsidenten Fallieres. Wie jetzt festgestellt wurde, ist die vierte rechte Rippe Roosevelts durch die Kugel ge= brochen worden.
Aus Stadt und Land.
Flugveranstaltung in Gießen auf dem Trieb am 27. Oftober. Die Vorbereitun gen sind in vollem Gange. Die städtischen und staatlichen Behörden, sowie die Militärbehörde leisten dem Unternehmen weitgehende Unterstützung und eine Reihe hiesiger Vereine hat sich in den Dienst der Sache gestellt, indem sie Bertreter in die einzelnen Ausschüsse entsandten. Die Veranstaltung ist in der Weise gedacht, daß am Sonntag nachmittag die bekannten Flieger, Fräulein Charlotte Moehring und Herr v. Stoephasius, Inhaber der unter dem Protektorat des Großherzoglich Hessischen Verbandes für Flugwesen stehenden Fliegerschule in Mainz, auf dem Trieb mit zwei Eindedern eine Reihe interessanter Flüge ausführen, Höhenflüge, Gleit-, Kurven- und Achterflüge. Am Schlusse soll noch unter Wahrung militärischer Gesichtspunkte ein Bombenwerfen auf eine Schützenlinie oder auf besonders errid; tetes Biwak stattfinden. Unter der Voraussetzung, daß es gelingt, eine genügende Zahl von Mitfahrern zu
gutouftan No. 26541.
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Katherineus Malzlaffen eignet sich befondens für Kinder als Zusatz zur Milch
Low Gehalt mouft's!
unerhörte Dummheit! Ha, ha, ha! man muß wirklich lachen über die Borniertheit dieses Weibes. Ja, ist denn so etwas möglich? Du wirst doch nicht denken, daß ich darauf eingehen werde?"
Zitternd wollte Aurelia die Arme um den Hals des Gatten schlingen, doch er stieß sie unsanft von sich. „ Geh mir weg mitt Deinen faden, abgeschmackten Schmeicheleien, sie sind mir in der Seele zuwider." Die arme Frau brach in Tränen aus.
" Nun ja, heulen, das ist eure größte Kunst- hör auf!" herrschte er ste an,„ laß uns lieber beraten, wie wir die Sache ändern können."
Da plötzlich versiegten ihre Tränen, mit einem erstaunten Blick maß sie den Sprecher von oben bis unten.
„ Aendern läßt sich daran absolut nichts, Artur, ich habe mein Wort schriftlich gegeben, und
,, Bah, das ist eine Kleinigkeit, Du forderst einfach den Schein zurück, und die Sache ist abgemacht." O, niemals, niemals wird das geschehen!" Sie war aufgestanden und stand nun in drohender Haltung vor dem Gatten, der vor dem flammenden Blick, welcher ihn traf, sekundenlang den seinigen zu Boden senkte.
„ Hältst Du mich wirklich für so albern, daß ich um einer Abmachung willen, von der ich nichts wußte, mein halbes Vermögen herausgeben werde?" zischte er halblaut.
,, Bitte, mein Vermögen, nicht das Deine." „ Glaubst Du denn, daß ich Dich geheiratet hätte ohne das Geld, Dich, ein abgeschmacktes, verblühtes Weib?"-
Dieser Schlag traf sie vernichtend. Wie gebrochen sant die tiefbeleidigte Frau in den Sessel nieder; aufs neue heftig schluchzend, vergrub sie das Gesicht in beiden Händen. ( Fortsetzung folgt.)


