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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

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weg 83.

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Erscheint Redaktion: Selters­Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 31. Telephon: Nr. 362.)

Alldeutsche Politik.

3m Hansahaus zu Hannover fand am 14. April die Sitzung des Gesamtvorstandes des All deutsch en Verbandes unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, eistliche, Rechtsanwalt CIa- Mainz, statt, zu der Vertreter aus wirte, Lehrer allen Teilen des Vaterlandes in größter Zahl erschienen waren. In der Eröffnungsansprache wurde insbeson­dere das französische Protektorat über Marokko erwähnt,

elche ich vo das eine Niederlage der auswärtigen Politik der deut­isse genomme hen Regierung bedeute. Unter stürmischer Zustimmung ner nur bestä der Versammlung sprach er die Ueberzeugung aus, daß nerkennungen die sogenannte Marokkanische Frage nicht endgiltig ge­klärungen löst fei, sondern daß sie jeden Tag infolge französischer Vertragsbrüche von neuem brennend werden könne. Wir halten daran fest, daß We st marokko das deut nahen Renascin e Siedelungsland einer hoffentlich Zukunft ist, und sind gewiß, daß die alldeutsche Arbeit des letzten Sommers nicht vergeblich war.

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Der Einsiedler.

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Ihre berderbe Rellamen reinfallen ließen."

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zur Strafe dafür, daß Sie mich

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Es wurden dann 4 Vorträge gehalten. Der erste Vortrag des Generalmajors Keim Berlin behandelte Die

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Heeresvorlage.

Daran schloß sich der Bericht des Admirals 3. D. Brewsing Berlin über

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Die Flottenvorlage,

die der Berichterstatter an sich als erfreulich schilderte, deren Schwächen er aber scharf hervorhob. Der Vor­fizende stellte eine Entschließung zur Erörterung, die in folgender Fassung einstimmig angenommen

wurde.

Der Vorstand des Alldeutschen Verbandes hält auf Grund eingehender sachlicher fachmännischer Dar­legungen die angekündigten Wehrvorlagen für unzu­reichend.

Samstags liegt für die Stadtabonnenten der

Illustrierte Wochen- Anzeiger

gratis bei.

Expedition: Selters weg 83.

Mittwoch, den 17. April 1912.

lage den dringlichen Zweck nicht erfüllt, uns sobald wie möglich gegen Ueberfall und Vergewaltigung zur See zu schützen.

Der Vorstand des Alldeutschen Verbandes hält es deshalb für seine vaterländische Pflicht, auf die öffentliche Meinung einzuwirken, damit eine Erwei­terung beider Wehrvorlagen aus dem Volke heraus verlangt wird. Finanzielle oder parla­mentarische Rücksichten dürfen die Regierung nicht ver­ver­hindern, solchem Verlangen nachzukommen, denn das deutsche Volk wird ohne Zweifel bereit sein, bei dem Ernste der Weltlage entsprechende Aufwendungen für die Größe und Sicherheit des Vaterlandes zu machen. An dritter Stelle stand ein Vortrag über

Tatkräftige Siedelungspolitif in unseren Kolonien von Seminaroberlehrer Dr. F. Hänsch- Leipzig. Der Redner wies nach, daß man gerade einer vernünftigen Siedelungspolitik größte Aufmerksamkeit widmen müsse, denn nur dadurch werde eine Kolonie vor Aufständen geschützt, nur dadurch werde sie deutsch.

Als vierter Berichterstatter sprach Regierungsrat a. D. v. Stran 1- Berlin über:

Die deutschfeindliche Haltung der belgischen Politik während der deutsch- englischen Krise im vergangenem Jahre und führte etwa folgendes aus: dmr diri

Der Marokkostreit hat die allgemeine Aufmerksam= feit im Deutschen Reiche auf England und Frankreich als unsere zu allem entschlossenen Gegner gelenkt und man hat ganz übersehen, daß vor unseren Toren im Nordwesten ein Bundesgenosse Frankreichs vorhanden ist, dessen Haltung im nächsten Kriege von großem Ein­fluß werden kann. Es handelt sich um Belgien, das, trotzdem der überwiegende Teil seiner Bevölkerung blä­mischer Abstammung ist, doch in seiner amtlichen Boli­tik vollständig in das Fahrwasser der englisch- französi­

daß Verhandlungen zwischen den beteiligten Regierun gen geschwebt haben, wonach England auf belgischem Boden diejenigen Heereskräfte halten sollte, die zur Un terstützung Frankreichs gegen das Deutsche Reich auf dem Festlande verwendet werden sollten. Es ist kein Zweifel, daß die amtliche Politik sicherlich gegen die Wünsche der vlämischen Mehrheit der Bevölkerung entschlossen gewesen wäre, den Neutralitätsbruch zugun­sten Englands und Frankreichs zuzulassen, vielleicht so­gar selbst feindlich gegen das Deutsche Reich aufzutreten.

Die Heeresvorlage läßt empfindliche Lük­fen organisatorischer Art offen und nützt nicht ge­mügend die verfügbare Volkskraft aus, um dem Deutschen Politik geraten ist. Es ist ja bekannt geworden, schen Reiche zu Lande unbedingt militärisch die erste Stelle zu sichern, wie das früher unbestritten der Fall war. Im Zusammenhange hiermit ist auch un­sere politische Machtstellung in Europa gefährdet." In der Novelle zum Flottengese begrüßt der Vorstand die Schaffung des dritten aktiven Li­nienschiffs- Geschwaders und die Art, wie dies schehen soll, die Vermehrung der Aufklärungsschiffe der Hochseeslotte, besonders Panzerkreuzer, die Ver­mehrung und Organisation der Unterseeboote, sowie die Entwidelung des Flugwesens. Dagegen beklagt der Vorstand, daß infolge der Nichtannahme des Dreiertempos im Bau von Großkampfschiffen die Vor­

Unter Feinden.

Roman von Karl Matthtas. ( Nachdruck verboten.)

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Aber wie starb er," schluchzte das Mädchen. Die­fer Doktor wagt es nicht zu sagen, er nennt Olivier einen Feigling. Sein Tod mag dieses Namens ange= meffen gewesen sein. Owenn Papa das wüßte, der arme, arme Papa!"

" Wo bleibt mein Bruder?" fragte Nataly, froh, burch diese Frage den Kummer Desirees ablenken zu Eönnen. Niemand meldet uns, daß er hier gewesen sei. I muß mich nach Laurence umsehen. Vielleicht er= fahren wir durch ihn Näheres."

" Ach ja, Tantchen, erfundige Dich," bat die Kleine unter Tränen. Ich kann's ja nicht, die Füße versagen mir den Dienst."

Bleib' hier, erhole Dich," sagte Frau von Taran­bal und ging die Treppe hinunter geradewegs nach dem Souterrain. Sie hoffte dort den alten Gärtner zu fin­den und hatte Glück. Bei den Soldaten vorbei, welche in der Küche beschäftigt waren und sich gar nicht um sic Emmerten, gelangte sie nach der Kammer, welche frit­Ger der alte Diener bewohnt hatte. Ste öffnete die Tür und sah Laurence in dem Lichtschacht, mit der Ausbesse­rung eines alten Rockes beschäftigt, sißen. Als der über­Taschte Mann sie erblickte, stieß er einen Freudenschret aus, warf seine Flickerei beiseite und wäre vor Freuden fast der Dame zu Füßen gefallen. " Die gnädige Frau aus Sedan heimgekehrt!" rief et. Ja, ist es denn möglich?" " Machen Sie kein Aufsehen," entgegnete sie, den Singer auf den Mund legend. Ich und das Fräulein Find hier und wollen hier auch bleiben." " In dieser Pesthöhle? Das ganze Haus ist voll Branter und Verwundeter."

Ich weiß es, aber das hindert uns nicht. Wir

Es ist unbestreitbar, daß die belgische Regier­ung ganz dem französischen Einfluß verfal­len ist, und es steht fest, daß der belgische Ministerprä­

haben die enferntesten Gemächer bezogen. Vor allem sagen Sie, haben Sie Herrn Bourlier gesehen?"

" Ja, gnädige Frau. Er war gestern im Garten, nachdem er in der Fabrik solange gesucht, bis er unter Schutt und Trümmern die Leiche des Herrn Leutnant gefunden hatte. Ach, was ich sagen wollte, ich kann Ih­nen nicht beschreiben, wie unser Herr aussah. Als ob er selbst aus dem Grabe gekommen set."

" Gott sei gepriesen! Also lebt er?"

Ja, aber wie? In Jammer und Verzweiflung. Ich fonnte ihn nicht bewegen, in unser Haus einzutreten. Solange die Prussiens hier sind, schwur er, keinen Fuß über die Schwelle zu sehen.

Er wird kommen, sobald er erfährt, daß wir hier find," sprach die Dame mit fester Ueberzeugung. Es liegen ja auch Franzosen bier und sie sind wohl gepflegt wie die

De. Herr wird trotzdem nicht kommen, gnädige Frau. Er dachte nur daran, wie er den Körper seines armen Olivier fortschaffen sollte, damit sie ihn nicht mit den gefallenen Prussiens begraben, und es ist gut, daß Herr Bourlier fortbleibt, denn wenn er den Gewissen Hier findet, dann stehe ich für nichts."

" Von wem reden Ste?"

Ach, gnädige Frau, ich wage es nicht auszuspre= chen," sagte der Alte zitternd, indem er sorgsam die Türe schloß. Die Wärter zwangen mich, neue Kissen und Polster von oben hinabzubringen. Da tam ich auch in das linke Erferzimmer und da lag er wahrhaftig und sein Name stand auf einer Tafel oben am Kopfende." " Der Name?" Turoft vo " Leutnant Waldemar Tyrolt vom 108. sächsischen Schüßen- Regiment, unserer früherer Fabrikdirektor und Verlobter des gnädigen Fräuleins."

D, mein Gott!" rief Nataly heftig erschrocken. Haben Sie das auch Herrn Bourlier gesagt?"

( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

24. Jabrg.

| sident sich im vergangenen Herbst seine Weisungen aus Paris geholt hat und daß das belgische Heer gegen uns gerüstet war.

Eine solche Haltung Belgiens kann man nicht an­ders als politischen Selbstmord ansehen, denn wirt- schaftlich ist Belgien ganz auf das deutsche Hinterland angewiesen; sein Wohlstand und Reichtum beruht auf dem Handel mit dem Deutschen Reich. Letzteres kann nun ganz gewiß nicht dulden, daß ein deutschfeindliches Belgien die Mündungen des Rheins, der wichtigsten Verkehrsstraße in Händen hält, und ebensowenig fann vergessen werden, daß die Gewähr für die Selbständig­feit Belgiens bis her nach den Lehren der Geschichte das Deutsche Reich geboten hat; einem deutschfeindlichen Belgien gegenüber würde das Reich kein Interesse ha­ben, die Selbständigkeit des Landes zu schützen und die selbstmörderische Politik Belgiens fönnte es mit sich brin­gen, daß bei dem nächsten europäischen Zusammenstoß das Schicksal dieses Landes besiegelt wird, wenn seine amtliche Politik in der Deutschfeindlichkeit beharrt.

Der Redner forderte dazu auf, die belgische Politik genau ins Auge zu fassen und jede deutschfeindliche Handlung dem Urteil der deutschen Deffentlichkeit zu un­terbreiten. is mad

Politische Rundschau.

Deutschland.

Der Kaiser hörte am Montag auf Korfu die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Marinekabinetts. Nach den bisherigen Dispositionen wird der Kaiser am 13. und 14. Mai in Straß­burg und am 15. Mai in Metz verweilen.

Der Reichskanzler traf am Sonntag in Bad- Nauheim ein und wurde vom Oberhofmeister Frhrn. von Mirbach auf dem Bahnhof empfangen. Beide Her­ren begaben sich darauf in das Sanatorium Grödel, wo der Reichskanzler das Frühstück einnahm. Nach ihrer Rückkehr vom Bade empfing die Kaiserin den Reichskanzler und zog ihn in ein längeres Gespräch. Darauf begab sich der Kanzler, von Freiherrn v. Mir­bach geleitet, zum Bahnhof, wo um 1 Uhr 30 Min. die Abreise nach Berlin erfolgte.

Berlin. Der neue Gouverneur von To go, den Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, wird in nächsten Wochen in das Reichs- Kolonialamt eintreten, um sich während der nächsten beiden Monate auf seine fünftige Wirksamkeit vorzubereiten.

Kiel. Der große Kreuzer Moltke" wird etwa am 10. Mai, begleitet von zwei kleinen Kreuzern, die Fahrt nach den Vereinigten Staaten an

Ich wagte es nicht, gnädige Frau; denn wissen Ste, der Tyrolt wurde aus der Fabrik herübergetragen. Er hat den Ueberfall geleitet, bei dem unser junger Herr das Leben einbüßte, und was ich sagen wollte

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" Welches Unglück, welch entfeßlicher Zufall," jam­merte die würdige Dame.

Sie taten recht, daran, zu schweigen; aber ich be­schwöre Sie, Laurence, sprechen Sie auch jetzt kein Wort darüber, vor allem nicht zu meiner Nichte. Sie darf nie erfahren, daß der Herr Tyrolt hier im Hause ist. Ver­sprechen Sie mir das?"

" D, gern, gnädige Frau. Warum soll ich denn un­ferer Desiree solchen Kummer bereiten?"

" Ich verlasse mich auf Ste, Laurence, und nun kom­men Sie mit zu meiner Nichte. Aber erzählen Sie vor­sichtig, sie ist sehr angegriffen."

Im Zimmer angelangt, hatte Frau von Tarandal eine Ueberraschung. Der Chefarzt hatte unbenußte Bettstücke geschickt, welche er den Damen zur Verfü gung stellte. Der jüngste Arzt hatte den Wärter be= gleitet, welcher die Sachen trug. Als die Männer in das Zimmer traten, fanden sie Desiree ohnmächtig am Boden liegen.

Sofort hob sie der Doktor auf und rief sie in das Leben zurück. Als sie zu sich tam, brach sie in heftige Weinkrämpfe aus. Der Arzt schickte seinen Begleiter nach einem Beruhigungspulver, und war eben damit beschäftigt, Desiree das Pulver zu rühren, als Frau von Tarandal eintrat.

Ich danke Ihnen von Herzen, mein Herr," sagte die Dame ganz erschrocken, daß sich dergleichen in ihrer Abwesenheit ereignet hatte und nicht weniger, daß der junge Mann Zutritt bet ihrer Nichte gefunden, tch danke Ihnen tausend Mal. Das arme Kind hat einen großen Schmerz gehabt. Sie begreifen, ihr Bruder, thr Vater, thr Verlobter ta so, Ste verstehen mich nicht." Wortsegung folgt.)

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