Ausgabe 
16.11.1912 Zweites Blatt
 
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sterprüfung in Angriff zu nehmen. Erfahrungsgemä zögern immer noch viele teils aus Läjjigkeit, teils aus Verkennung des Wertes des Meistertitels mit Ablegung der Wieisterprüfung. Jeder junge Handwerker, der durch drungen ist von Berufs- und Standesehre muß es sich aber zur Ehre anrechnen, die Meisterprüfung abzulegen, Bil um damit den Nachweis eines abgeschlossenen dungsganges und die Berechtigung zur Führung des Meistertitels zu erwerben. Der Besitz des Meistertitels wirft achtunggebietend und empfehlend auf den Kunden­freis und legt äußerlich schon Zeugnis davon ab, daß der Inhaber dieses Titels sein Handwerk ordnungsge­män erlernt hat und beherrscht. Auch sonstige materielle Erfolge werden nicht ausbleiben, da immer weiter da­ran gearbeitet wird, bei Arbeitsvergebungen durch Be hörden 2c. in erster Linie bezw. überhaupt nur diejeni gen Handwerker zu berücksichtigen, die die Berechtigung zur Führung des Meistertitels besitzen.

Alle diejenigen, die eine genügende Gesellenzeit zu­rüdgelegt, zurzeit aber noch mit Ablegung der Prüfung gezögert haben, seien ernstlich ermahnt, sich im tommen­den Jahre derselben zu unterziehen, denn die bis Of­tober 1. Js. bestehende Vergünstigung erfährt feine Ver­längerung, für die Folge kann sich aber auch der junge Handwerker die Befugnis zur Anleitung von Lehrlin­gen nur noch durch Ablegung der Meisterprüfung nach verhergegangener Gesellenprüfung erwerben.

Oeffentlicher Sprechlaal.

Völlige Verproletarisierung der Wetterau steht in Sicht! Ein Bürgermeister der südlichen Wetterau schreibt

uns:

Die Verwaltung der Stadt Frankfurt trägt sich mit zu er= dem Gedanken, im Kreise Friedberg Gelände werben, um daselbst Wohnhäuser für ihre Arbeiter zu errichten und diese dauernd dort anzusiedeln. So sehr man auch vom rein geschäftlichen Standpunkte aus einen Fremdenzuzug im Kreise wohl gutheißen mag, so sehr muß man ihn aus anderen Gründen verurtei­len und dem Plane der Stadt Frankfurt keine Verwirk­lichung wünschen.

Die Frankfurter Arbeiter verdienen viel Geld das ist wahr sie sind daher auch faufträftig und in der Lage, Geld auszugeben. Aber sie haben, wie die großstädtische Arbeiterbevölkerung im Allgemeinen stets mehr Anschläge und Bedürfnisse als Mittel. Das poli­tische Denken und die utopistischen Jdeen, in die sie fast alle mit Gewalt hineingezwengt und in denen sie erzogen werden, machen sie unzufrieden und zu Geg­nern der bestehenden staatlichen Ordnung und der Ge­setze. Ihr Vaterland ist die gesamte Welt, Gott und Religion sind bei ihnen überlebte Dinge.

Ganz anders der Bauer und Kleinstädter. Sie ha ben noch Eigentum unter den Füßen, das sie als Erbe der Väter zu erhalten und zu mehren suchen. Sie leben bescheidener und anspruchsloser. Die Bewirtschaftung des Bodens, das Handwerk und die Geschäfte, die sie ausüben, verlangen Arbeit und immer wieder Arbeit. Sie wollen auch noch arbeiten, sparen, vorwärtskom­men. Ihnen ist die Arbeit kein Greuel. Ihr politisches Bekenntnis ist die Liebe zum Vaterland. Sie haben nod einen sittlichen Gehalt in der Religion und im

Glauben.

Welche Gegensätze zwischen ihnen und den Prole­tatiern" der Großstadt, wie sich auch Frankfurts Arbei ter 31: weilen selbst zu bezeichnen pflegen! In der Wetterau verstreut wohnen 3. 3t. schon etliche tausend Arbeiter, die in Frankfurt ihren Verdienst finden. Auch

Veraltete Katarrhe

auszurotten

is eine recht schwierige Sache. Jeder, der schon ein­mal mit einem hartnädigen Katarrh zu fämpfen hatte, fann davon ein Lied singen. Mit den gewöhnlichen Hausmittelchen, wie Husten Bonbons und Pastillen ist da nicht viel anzufangen. Bei einem einfachen fleinen Grfältungshusten, der sowieso schon nach wenigen Ta­gen von selbst zu verschwinden pflegt, mögen derartige harmlose Mittel ja ganz gut sein. Aber die Beseitigung eines chronisch gewordenen, alten, immer wiederkehren­den Hustens, der bei dazu Disponierten gar oft den Keim eines viel schlimmeren Uebels in sich trägt, erfor­dert eine ganz andere Aufmerksamkeit und muß auch mit wesentlich ernsteren Mitteln behandelt werden, die den Feind sozusagen im Innern seines Lagers auf­suchen und ihn dann von innen heraus vertreiben.

Als eines der besten Mittel zur Beseitigung derartig chronisch gewordener Katarrhe mit ihren Folgezustän den wie: alter Husten, Verschleimung, Asthma, Bronchialfatarrb, Lungenspitzenkatarrb usw. galt schon den berühmten Arzten des Altertums und gilt noch heute im ganzen Orient der sogenannte Arabische oder Utu Balsani, der naturreine Harzsaft eines in den Küsten ländern des roten Meeres wachsenden Balsambaumes. Dieser berühmte Arabische Balsam war bis zur Ent deckung Amerikas die einzige Droge, der man den Na men Balsam" gab, und es beziehen sich daher alle älteren Literaturangaben in wissenschaftlichen medizini schen Werken, in denen von Balsam" die Rede ist, ebenso wie die zahlreichen Hinweise der Heiligen Schrift auf den Heilwert des Balsams", nur auf ihn. Schon das Wort Balsam" zeigt uns die Wertschätzung, der das Mittel im Altertum stand: das Wort Balsam stammt nämlich aus dem Alt- Hebräischen und heißt so­

in

diese fiegen zum größten Teil im schärfsten Gegensatz zu der, sagen wir, seßhaften Bevölkerung. Sie, die nach all ihrem Denken und Fühlen weiter nichts als echte Großstadtfinder find, die für den eigentlichen 3wed der Wettera, einer natürlichen Koriammer Deutsch= lands, gar kein Verständnis gaben, sie sind auf dem besten Weg, durch ihr zahlenmäßiges Uebergewicht es dahin zu bringen, daß die gesegnete Wetterau im Reichs­dahin zu bringen, daß die gesegnete Wetterau im Reichs­tag: durch einen Sozialdemokraten vertreten sein wird ein drastischer Beleg für den Unsinn des allgemeinen Wahlrechts. Und nun sollen diese in der Hauptsache Befihlosen noch fünstlich vermehrt werden.

Wenn die Stadt Frankfurt, wie es scheint, mit ihren Leuten schlechte Erfahrungen gemacht hat und sie darum wohl gerne außerhalb ihrer Mauern sehen möchte, so baue sie doch da an, wo gleichgesinnte Leute schon in Massen vorhanden sind und verschone die Wetterau mit Elementen, die nur Unzufriedenheit und Haß brin­Wenn ein hoher hessischer gen, wohin jie kommen.

| Regierungsbeamter, wie man hört, der Stadt Frank furt die Zusicherung gegeben hat, daß in Hessen für ihre Arbeiterhäuser Gelände genug zur Verfügung stehe, so muß das befremden. Lieber schenke doch der hessische Staat die Stadt Vilbel und Neu- Isenburg, die ja beide so eng mit Frankfurt verbunden sind und fast voll= ständig von ihr abhängen, dem preußischen Staate. Dort möge Frankfurt seine Arbeiter ansiedeln, möge mit ihnen glücklich werden Wir gönnen Großfrankfurt neid­los alle seine Errungenschaften, seine demokratischen und sozialdemokratischen Fortschritte. Daß man uns aber in der Wetterau unsere Eigenart läßt, darauf glauben wir auch ein gutes Recht zu haben. Es handelt sich um eine überaus wichtige Frage, tausendmal wichtiger als die ganze Beamtenbesoldungsvorlage und hier soll ten Regierung und Landstände beizeiten von vornherein auf der Hut sein, daß das engere und weitere Vater= lano teinen Schaden nehme und noch gerettet wird, was noch zu retten ist.

Aus Stadt und Land.

M

):( Frankfurt a. M. Das große Loos der preußisch- süddeutschen Klassen- Lotterie, der Haupt= treffer von je 500 000 Mart fiel auf die beiden Num­mern 91 059.

Welchen Umsatz bringt Sarrasani?

Wenn es der Frankfurter Festhalle gelingt, wäh­rend ihrer kommenden Circussaison 15 000 Menschen täglich zu verdauen, so ist damit die Reihe der Re­kerdleistungen, die das kühne Unternehmen des Direk= tors Stosch- Sarrasani zu verrichten gedenkt, noch keines­wegs erschöpft. Dass ein einziger Circus für einen ein­zigen Monat einen Gagenetat von 150 000 Mark ledige lic; an Artistengagen aufstellt, ist gleichfalls ein Unikum, und wenn man die Gehälter der technischen Hilfskräfte hinzurechnet, deren Zahl sich den außergewöhnlichen Dimensionen der Festhalle, des Gesamtarrangements und und des Circus Sarrasani naturgemäß anpaßt, so er­gibi eir einfaches Rechenerempel, daß der Circus Sar­rasani mit Unkosten arbeiten wird, die vier gediegene Opernhäuser bequem am Leben erhalten könnten. Wenn Sarresani auch nur drei Musikorchesters in Särke von je 25 bis 42 Mann unterhalten wird, so treten Ausgaben von anderer Eigenart hinzu, um den Ver­gleich hinsichtlich des Endresultates treffend zu machen. Bei den heutigen Fleischpreisen verzehren 40 fleischfres­sende Bestien( Löwen und Tiger) in aller Seelenruhe tagtäglich für zirka 300 Mt. Roß- Kotelettes, und ein

| viel wie König der Dele". Erst später tamen aus dem neuentdeckten Amerika weitere Balsamarten, wie z. B. der Perubalsam usw., nach Europa, und noch später belegte man sogar eine Anzahl fünstlich hergestellter bal­samähnlicher Erzeugnisse mit diesem Namen, der aber von Rechts und Gerechtigkeits wegen nur dem Arabi­schen oder Utu- Balsam zusteht.

Daß sich dieser echte Arabische Balsam bisher noch nicht in unserem Heilschatz eingebürgert hat, lag an sei­ner großen Seltenheit und dem dadurch hervorgerufe nen, ganz ungeheuer hohen Preise, der Jahrhunderie hindurch sogar den Preis des Goldes um das Doppelte überstieg. Die Schwiengleiten der Beschaffung des echten Arabischen Balsams sind indessen seit einigen Jahren durch die Entdedung größerer Produktionsgebiete be­hoben, und heute sind wir, die sich mit der Einfuhr des berühmten Heilmittels seit einer Reihe von Jahren be fassen, in der Lage, dasselbe schon zu einem Preise in der: Verkehr zu bringen, der seine Anwendung auch Minderbemittelten ermöglicht.

Seit wir den echten Arabischen Balsam vor einer Reihe von Jahren in den Handel gebracht haben, hat­ten zahlreiche Patienten Gelegenheit, denselben zu ver suchen, und heute liegen uns schon Tausende von Briefen usw. vor, die ganz unverlangt bei uns nicht nur von Laien, sondern auch von Aerzten, eingelaufen sind und in denen uns von den gehabten ansgezeich neten Erfolgen berichtet wird. Die Wirkungen des echten Arabischen oder Utu- Balsams, von dem wenige Tropfen pro Tag genügen, sind in Rürze folgende: Der Baljam macht den Auswurf flüssig und vermindert ihn. Insclgedessen hört schon nach verhältnismäßig furzer Zeit der lästige Huftenreiz und damit auch der Husten auf. Infolge der Entfernung der in dem Auswurf ent­haltenen Zerfallprodukte tritt da, wo Fieber vorhanden war, eine Abnahme des Fiebers ein. Aus demselben Grunde vermindern sich auch die Nachtschweiße, die mit

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der

Bestand von mehr als 300 pflanzenfressenden Tieren erferdert einen wöchentlichen Fouragekonsum von zirka 4000 Mart. Unter diesen gelten Elefanten und Nil= pferde als die gefräßigsten Geschöpfe. Außerordentliche finanzielle Anstrengungen erfordert auch die Vorbereit­ung des Gastspieles. Die vollkommene Ausfüllung des Festhallen- Innern mit einem Amphitheater von folgreid Audienz in der Frankfurter Angelegenheit hatte. Größe der antiken Arenen ist sicherlich eine ebenso lost­die [ pielige wie interessante Konstruktion, dazu treten unjangreichen, festen Stall- und Menagerieanbauten und der für die Festhallengesellschaft erfreulich hohe Vachtzins. Für die Vorreklame, an der 120 Mann unter 8 Kolonnenführern seit einer Woche in der nahen und fernen Umgebung Frankfurts und in der Stadt elbit arbeiten, sind von den Druckereien des Circus Sarresani bisher zirka 55 000 Bogen des Formates 60 mal 90 3tmr. und 90 mal 100 3tmr. geliefert wor­den. 450 000 Prospekte werden in der nächsten Woche zur Austeilung gelangen. Das Pressebureau des Cir­cus Sarrasani unterhält ständige geschäftliche und redak­tionelle Verbindung mit 106 3eitungen speziell für das Frankfurter Gastspiel. Eine Spezialdruckerei arbeitet jeit zwei Wochen Tag und Nacht an der Fertigstellung der Eintrittskarten, deren Abstempelung der Steuerbehörde jedenfalls eine harte Nuß zu Inaden geben wird. Als der Circus Sarrajani vor vier Monaten die besten Ar­tisten der Welt in den Fachblättern zur Abgabe von Diierten für das Frankfurter Gastspiel aufforderte, lie­fen beinahe 1000 Bewerbungen bei ihm ein, und dabei waren solche Bewerber, die in Frankfurt bereits aufge­treten sind, von vornherein ausgeschlossen. Man sieht: die Verbereitungen für ein derartiges Unternehmen sind feinesfalls einfach, und es können in einer Statistik noch nicht einmal diejenigen Bemühungen registriert werden. die durch Vorverhandlungen und Unterhandlungen mit Geschäftsleuten und Behörden entstehen. Wie intensiv auch auf diesem Gebiete gearbeitet werden muß, geht allein schon daraus hervor, daß das Umbauprojekt alle Instanzen bis zum Ministerium der öffentlichen Arbei­ten in Berlin durchlief, bei dem eine Spezialfommission des Circus Sarrasani in der vergangenen Woche

er

):( Wiesba de n. Oberbürgermeister v. Jbell, der seit 36 Jahren an der Spitze der Stadtverwaltung Wiesbaden steht, hat dem Magistrat seinen Entschluß mitgeteilt, am 1. April 1913 aus dem Amte zu scheiden.

):( Bingen. Vor den Augen seiner Mutter hat sich der 22 Jahre alte Sohn des Rüfermeisters Kupfer erschossen. Karl Kupfer unterhielt gegen den Willen seiner Eltern mit einem Mädchen ein Liebesverhältnis. Als er von seiner Mutter erneut Vorstellungen gemacht betam, zog der junge Mann den Revolver und erschoß fich.

Literarisches.

? Die verbotene Frucht." Roman von P. Oskar Höder.( Verlag Ullstein& Co., Berlin- Wien.) Preis 1 Mark. In dem vorliegenden Buche Die ver­botene Frucht" hat Höcker den gewaltigen Karawanen­zug des europäischen und amerikanischen Reisepublikums geschildert, der alljährlich zur Winterzeit die vergnüg­ungs- hungerige große Welt in das geheimnisreiche Pha­raonenland, an die Ufer des uralten Nilstromes trägt. Auf dieser großen Reisestraße spielt die Handlung: ein Kampf des freien, fühnen, zielbewußten Menschen gegen alle Standesvorurteile, ein Sieg wahrer Herzensliebe über den Zwang der Scheinehe.

der Zeit ganz aufhören. Ein gesunder Nachtschlaf und damit eine Besserung des Allgemeinbefindens pflegt einzutreten. Außerdem wirkt der Utu- Balsam magen stärfend und appetitanregend und bedingt hierdurch eine Ge größere Nahrungszufuhr und dadurch auch eine wichtszunahme. Der Patient bekommt durch das Ber­schwinden der katarrhalischen Erscheinungen und durch die Besserung seines Allgemein- Befindens wieder neuen Lebensmut und größere Lust und Ausdauer zur Ar­beit.

Wer auch noch so viele andere Mittel bisher ohne Erfclg benützt hat, der möge trotzdem einmal in seinem eigenen Interesse einen fleinen Bersuch auch mit Utu Balsam machen. Er wird von der Wirkung des Mit­leicht tels überrascht sein und den fleinen Verfuch fo nich! bereuen.

Wir versenden kostenlos u. franko eine Probe des Balsams an jeden, der uns den hier angehängten Be stellzettel ausgefüllt einsendet und ihm 20 Pig. für Porto usw. beifügt. Den Herren Aerzten stellen wir zur Versuchszweden ein größeres Quantum des Balsams fostenfrei zur Verfügung. Morgenländische Drogen Import: Gesellschaft Berlin W. 15.

Senden Sie mir eine Probe Utn- Balfam foften los und portofrei zu.

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