Der bessische Landtag.
Zweite Kammer.
unsere gebildeten Kreise, denen doch die Pflicht obliege, in aller großen nationalen Fragen die Führer der breiten Masse des Volkes zu sein, nach dieser Richtung hin bisher zum Teil völlig versagt hätten. Allerhand Vereinen gehöre man an, allerhand Vorträge besuche man, für allerhand weniger wichtige Dinge gebe man weld aus, während man den Bestrebungen der deutschen Kolonialgesellschaft zum Teil recht gleichgültig gegenüber
Darmstadt, 10. Dz. Die Zweite Rammer trat heute vormittag 10% Ulr zu einer kurzen Tagung zusammen. Am Ministertijdje Staatsminister Dr. Ewald, der Minister des Inncin von Hombergt, Finanzminister Dr. Braun und Ministerialrat Dr. Hölzinger. Vor Eintritt in die Tagesstehe. Auf das eigentliche Thema übergehend, führte ordnung begrüß, e der Präsident Köhler die Mitglieder des Hauses und wies darauf hin, daß eine große Anzahl Gesetzesvorlagen zur Beratung standen, die bereits am i. Januar in Kraft treten sollen. Er hoffe, daß dies bei einiger Beschränkung der Debatten möglich sein werde. Die Beamtenbesoldungsvorlage fomme wahr scheinlich am Donnerstag zur Beratung. Dann begann die Beratung der Ausführungsbestimmungen zum landwirtsc; aftlichen Unfallversicherungsgesetz. Auf Antrag der Sozialdemokraten wird die Schlußberatung der Vorlage ausgesetzt. Es folgt die Beratung des Gesezent wurfs, betreffend Abänderung des Gesetzes vom 6. Auguit 1902 über die Landeskreditkasse. Abg. Dr. Osann begrüßt die Vorlage, da sie geeignet sei, der Güter= schlechterei entgegenzutreten. Ueber 40 000 Bauern sind heute in der Landwirtschaft weniger als in dem Jahre 1880 tätig. Abg. Dr. Reh hält ebenfalls den Güter hanoel für wirtschaftlich schädlich und hält das Gesetz von 1908 für nicht ausreichend. Die Gesetzesvorlage wurde nach den Ausschußanträgen angenommen. Die Abgg. Ulrich und Eißnert haben dann folgende dringende Anfrage gestellt: Die Unterzeichneten fragen hiermit an:„ Hat die Großherzogliche Regierung Kenntnis davon, daß die preußisch- hessische Eisenbahnverwaltung beabsichtigt, eine Anzahl D- bezw. Schnellzüge, die bisher im Offenbacher Hauptbahnhof gehalten, für die Folge an Offenbach vorbeizulassen und eine weitere Anzahl Züge um Offenbach herumzuleiten, und was gedenkt die Großherzogliche Regierung zum Schuße der Verkehrsinteressen Offenbachs zu tun, falls sich diese Absicht der Eisenbahnverwaltung bestätigen Sollte?"
Aus Stadt und Land.
der Redner dann etwa folgendes aus: Die Kolonien hätten erstens den Zweck, unsere Auswanderer in sich aufzunehmen, die bisher zu vielen Hunderttausenden in verhältnismäßig furzer Zeit nach anderen Ländern gegangen wären, wo sie alsbald sidy zersplittert hätten und ihrer Nationalität verloren gingen. Sie hätten ferner den 3wed, Räufer für die Industrieerzeugnisse des Mutterlandes zu sein. Es wären nach dieser Richtung hin erhebliche Gefahren für einen so grozen Industriestaat wie Deutschland vorhanden. Sollten eines schönen Tages die Chamberlein'schen Pläne verwirklicht werden, wela. bekanntlich darauf hinzielen, die englischen Kolonien durch hohe Schutzzölle gegen die deutsche Konfurrenz abzusperren, so würden mit einem Schlage viele unserer Fabriken ihren Betrieb sehr einschränken müssen. Endlich sollen die Kolonien dem Mutterlande diejenigen Rohstoffe liefern, welche dieses andernfalls mit hohem Aufschlage vom Auslande beziehen müßte, wodurch es in eine gewisse Abhängigkeit von anderen Nationen fame. Das Endergebnis der Betrachtungen nach diesen drei Richtungen ergab, daß unsere deutschen Kolonien vorläufig zwar noch nicht allen diesen Anforderungen geeignet gemacht werden könnten, wenn wir Deutschen in vollem Maße genügten, daß sie aber durchaus hierzu entsprechend dem Verhalten anderer Kolonialmächte gleich wie diese das nötige Anlagekapital in das Geschäft hin einsteckten. Zum Schluß bat der Redner die Anwesenden in eindringlicher Weise, der deutschen Kolonial- Gesellschaft sich anschließen zu wollen, die ohne irgend welche politischen Ziele zu verfolgen, es sich lediglich zur Ausgabe gesetzt hat, das deutsche Volk für seine KoIonien zu erwerben, erwärmen und auf die Gefahren hinzuweisen, denen wir entgegengehen, wenn wir noch mehr als bisher auf diesem Gebiete hinter unseren Konkurrenzmächten zurückblieben.- Der inhaltlich wie sprachlich gleich vollendete, von innerster Begeisterung belebte Vortrag, dem nach einer Pause eine Reihe wohlgelungenster Lichtbilder aus den Kolonien folgte, fesselte Zuhörer zum letzten
a Gießen. An der Landesuniversität studieren im laufenden Wintersemester 1338 Studierende, darunter 24 Damen. Dazu kommen 5 Hospitantinnen, 107 Hörer und 75 Hörerinnen, so daß die Gesamtfrequenz 1525 beträgt, gegen 1505 im Jahre vorher. Es studieren: Theologie 97, Rechtswissenschaft 121, Medizin im engeren Sinne 296( 132 Hessen), Tierheilkunde 205 ( 45), Zahnheilkunde 1, Philosophie 40( 12 Hessen), Pedagogif 13( 5), Mathematik 62( 46), Naturwissen= schaften 80( 68), Chemie 37( 15), Pharmazie 22( 6), Forstwissenschaft 29( 14), Landwirtschaft 64( 49), Geschichte 20( 14), flassische Philologie 63( 48) und neuere Phiclegie 188( 153). Aus Hessen waren 780 Studenten, aus anderen deutschen Staaten 503( 343 aus Preußen). Aus anderen europäischen Staaten waren 47 Studierende, darunter 31 aus Rußland und 4 aus Defterreich- Ungarn. Endlich waren 3 Studierende aus Nord- Amerika und 2 aus Japan. Von den 24 Damen waren 10 aus Rußland, 7 Hessen, 3 Preußen, 2 NordAmerika, und je 1 aus Schweden und Serbien.
Der Großherzog empfing u. a. ven Hohbauaufseher Haller von Gießen.
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franteniasse fonnte ihr 25jähriges Bestehen feiern ! Seppenheim a. d. B. Die hiesige ersolgter Wiederwahl des Vorsitzenden Franz wurde beschlossen, die Kasse auch nach Infraftt
Marburg. Beim hiesigen Jägerbata den Reichsversicherungsordnung beſtehen zu
Redner) außer einem lebhaften Beifall den besonderen
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worden. eine tompagniestarles Radfahrerabteilung ein
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deutsche Wollkämme azu haben bei:
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wi):( Marburg. Auf dem Dannweg chen altes Kind. Den sofort angestellten Nachfo Spaziergänger ein in gute Wäsche gekleidetes gen ist es gelungen, die Mutter in der Berson ullon- Fabrik, Gießener Dienstmädchens ausfindig zu mach
):( Dillenburg. Die 72 Gemeinden des diesem Jahre 8639 Mt. 50 Pig. eingenommen, freises haben aus dem Verkauf des Gemeindeobis Mart 25 Pig. entfallen davon auf Aepfel.
Lohn, daß sofort über 50 Anwesende zu einer Abteilung der deutschen Kolonialgesellschaft für Gießen zu sammentraten. Die deutsche Kolonialgesellschaft hat am 6. Dezember 1912 ihr 30jähriges Bestehen gefeiert und es erscheint hiernach für eine Stadt von so lebhaftem geistigen Interesse, wie Gießen, verwunderlich, daß es erst jetzt zur Gründung einer Abteilung der Kolonialgesellschaft fommt, während schon seit einigen Jahren eine Orisgruppe des Frauenbundes derselben Ge= sellschaft besteht. Die Kolonialgesellschaft, an deren Spitze bekanntlich Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg steht, zählt jetzt nicht weniger als 43 000 ordentliche Mitglieder. Ihr Organ ist die deutsche Kolonialzeitung, die jedem ordentlichen Mitgliede allwöchentlich frei zugebt. Der Jahresbeitrag für ordentliche Mitglieder der Abteilung beträgt Mt. 8.-. Derselbe berechtigt Mitglieder und ihre Familien insbesondere auch zum freien Besuch der von der Abteilung veranstalteten Vorträge( 4-5 in jedem Winter). Korporationen und Vereine fönnen unter besonderen Bedingungen als or dentliche Mitglieder in die Gesellschaft eintreten. Die Der engere Ausschuß der Fortschrittl. außerordentlichen Mitglieder der Abteilung bezahlen nur Veitspartei für das Großherzogtum Hessen wählte 2 Mark Beitrag, der sie persönlich zum freien Besuch anstelle des Geh. Justizrates Gallus, der wegen Krantder Verträge berechtigt. In nächster Zeit werden Listen heit zurückgetreten ist, den Landtagsabgeordneten Ju- zur Anmeldung herumgehen. Auch hat sich Rechtsanstizral Reh Alsfeld zum ersten Vorsitzenden der Lan- wall Engisch, Bahnhofstraße 67, bereit erklärt, Annteldespartei. In Anerkennung der hervorragenden Verdungen entgegenzunehmen. Wer der Kolonialgesellschaft dienste des Geh. Justizrats Gallus um die Partei soll beitrift, dient einer gut nationalen Sache. inder Landesversammlung eine besondere Ehrung des thfeitherigen Vorsitzenden vorgeschlagen werden. Anstelle des Stadtv. Säng- Darmstadt, der im übrigen auch fernerhin dem Vorstande angehören wird, wurde Sanitätsrat Dr. Kolb- Darmstadt zum Kassierer der Landes' partet gewählt. Der nächste Parteitag der hess. Landespartei soll erst im Jahre 1914 stattfinden; voraussicht= lich wird im Mai 1913 eine Versammlung des terer Ausschusses der Landespartei in Oberhessen wahrscheinlich in Bad- Nauheim stattfinden.
Ernannt wurden der Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen Professor Heinrich Lucius zum Oberlehrer an dem Landgraf Ludwigs- Gymnasium zu Gießen und Forstreferendar Hans Rausch aus Gießen zum Forstasseisor.
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n Gießen. Auf Veranlaffung des Frauen bundes der deutschen Kolonialgesell sdy a ft hielt am Freitag abend in der großen Aula der Universität Herr Hauptmann Lehner- Butzbach einen höchst interessanten und lehrreichen Vortrag über fo Ioniale Grund- und Tagesfragen. An Stelle der leider durch Krankheit verhinderten Vorsitzender, Frau Professor Bötticher, begrüßte Frau Staats anwalt Brill den Vortragenden. Hauptmann Lehner hat 2 Jahre lang in der Schuktruppe für Kamerun gestanden und ist außerdem der Verfasser der übrigens auch vom hessischen Ministerium für alle Schulen
):( Altenkirchen. In Hauzelzen Maul- und Klauenseuche wieder ausgebrochen. den Crt wurde die Sperre verhängt.
):( Betzdorf. Am 20. Dezember wird die Betzders- Scheuernfeld- Nauroth eröffnet.
M. abgehaltenen Herbst- Hauptverfan Auf der am letzten Sonntag in Fran Iung des Mittelrheinischen Verbandes evangelisd beiter Vereine fand der Antrag Gießen, die storien zu Kassel, Darmstadt und Wiesbaden m für die nächstjährigen Synodalsitzungen die Förde besonderer Besprechungen machen, einstimmige Anne der evangelischen Arbeitervereinssache zum Gegen
Raiserslautern Anläßlich des 50
gen Bestehens der behmaschinenfabril
Aus aller Welt.
G. Mc. Pfaff, hat Inhaber für eine Sper seine 1800 Arbeiter, sowie für Zuwendungen at o Lollar. Nachdem die elektrische Anlage seit Arbeiter und Beamten- Unterstützungskassen der etwa vierzehn Tagen in Betrieb ist, hat sich die Ueber- für Gemeinde und sonstige Wohltätigteits- Unterre zeugung durchgerungen, daß die elektrische Beleuchtungungen den Betrag von 500 000 Mart gestiftet. tatsächlich billiger als die mit Petroleum ist. Das er= tlärt, daß nunmehr fast sämtliche Wohnungen Strom erhalten. Bei 2400 Einwohnern sind 440 Lichtabnehmer mi! nahezu 3000 Lampen angeschlossen und etwa 40 Bierdestärken an Motoren, die sich bald verdoppeln werden. Diese Rekordzahlen wurden dadurch erreicht, daß die Gemeindevertretung in sozialer Fürsorge billige Strompreise festsetzte und die Beschaffung der elektrischen Einrichtungen der Wohnungen wesentlich erleichterte. Die Gemeinde bezieht die elektrische Energie von Ueberlandzentrale der Buderus'schen Eisenwerfe Wetzlar. Als technischer Berater stand der Gemeinde Herr Ingenieur Dr. Kraeßzer- Bingen zur Seite.
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s Darmstadt. Ein parlamentarischer Abend
beim Staatsminister& wald ist für den 17. Dezember vorgesehen, zu dem die Mitglieder der beiden Stände fammern Einladungen erhalten. Auch der Großherzog wird voraussichtlich, wie üblich, an der Veranstaltung teilnehmen.
Die große Protest versammlung, woh nach Berlin einberufen hatte, um gegen Vorstand des Deutschen Fleischerverbandes auf Mahnahmen auf Ausschaltung des Fleischergenc Stellung zu nehmen, wies einen Massenbejuc allen Teilen des Landes auf. Die Versammlung p von dem Vorsitzenden des Deutschen Fleischer- Be
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des, Obermeister Rarl Mat Frankfurt, geleitet mit Rotb
Referent Obermeister cum a dyer Hamburg u. a. Soweit die Schweinemästung in Betracht fo so muß man die Teuerung in erster Linie den Robe It- Magdeburg, daß die Landwirtschaft un wirten zur Lait legen. In der Diskussion bemerite ten Jahre infolge der Futternot und der Genchen schwer zu kämpfen hatte. Das Bedauerliche jer dag in vielen Städten sich die Fleischer" ge it r haben, mit den Stadtverwaltungen zu gehen. Da
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menipfohlenen Kolonialbroschüren:„ Was müssen wir s Darmstadt. Der Deutsche Frauenverein vom falich gewesen, weil dadurch die Fleischer die Macht am be
von unseren Kolonien wissen?"( Preis 80 bezw. 30 Pfa.), die binnen 3 Jahren in 50 000 Exemplaren Ver breitung gefunden haben. Den Gießener Kolonialfreun den ist Lehner schon durch seinen vorjährigen Vortrag über Kamerun in angenehmer Erinnerung. In seinen
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einleitenden Worten, bells in Deutſchland im Gegen: sak zu anderen großen Nationen nur geringes Inte reise für Kolonialfragen bisher gezeigt hatte und, dak
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Roten Kreuz für die Kolonien hielt in der gegen sich hatten und die breiten Vollsmassen wi Vereinigten Gesellschaft einen Teeabend ab, zu welchem Stoff befamen, sich über die Fleischer zu entrüften. We auch die Großherzogin mit Gefolge, die Mini- man überall mit den Städten gegangen wäre, hate ter und Spizen der Zivil- und Militärbehörden schienen waren. Freifrau von Edenbrecher hielt zunächst eingeführt und wie die Preise gestaltet werden solle die Fleischer darüber mitreden können, wieviel Fl ersten Gesellschaftskreise einen hübschen Reigen aufführten nun weiter auf längere Zeit Lieferungsverträge ber D ten. In der Zwischenzeit wurde Tee serviert. Der Er schließen wollen, weil heute eben hohe Fleischpreise h folg der Veranstaltung dürfte ein sehr guter sein.
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