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14.12.1912 Erstes Blatt
 
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Gießener Zeitung

Bezugspreis 40 Dfg. monatlich

( Neuchte Nachrichten)

verreliahrlich 1,2 D. uorate zabib, ans aus Abgeholt ut unierer Grvedition. oder n: den Zweig ausgabestellen vierieliährlich 90 Pig Erichcint Mittwoche und Samstags.-Medaftion: Selters. Für Anibewntrune oder Rücksendung. weg x Hichi Deri nater Mannfriate wird midi garantieri. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b..

Nr. 100.

1. Blatt.

Prinzregent Luitpold+.

Des Königreiches Bayern Verweser, Prinz Luit­pold, dessen nahes Ende nach den am Mittwoch abend veröffentlichten Krankheitsberichten zu erwarten stand, ift Donnerstag früh 4 Uhr 50 Minuten in der Reji­denz zu München gestorben. Um Uhr war ein alules Lungenödem infolge von Herzschwäche eingetre­ten. Die Familienmitglieder waren mit Ausnahme des Brinzen Ludwig, der sich auf einer Reise in Ungarn

1. II, 22 bejano, im Sterbezimmer anwesend.

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Der zweitgrößte deutsche Bundesstaat hat Seinen Verweser, das Reich den Senior seiner Bundesfürsten, einen ferndeutschen Mann verloren. Als Prinzregent Luitpold im vorigen Jahre das Jubiläum seiner fünf undzwanzigjährigen im bayrischen wie im deutschen Sinne ſtreng fonſtitutionellen Regierung beging, strömte ihm die Sympathie ganz Deutschlands zu. Und diese herzliche Sympathie galt der ganzen Persönlichkeit, dem treuen Regenten und dem treuen Menschen. In seiner schlichten, sicheren Vornehmheit bot er den ob mancher Zeiterscheinungen besorgt blickenden Augen deutscher Ba­trioten ein wohlgefälliges Bild und bildete so ein He­gengewicht gegen Aeußerlichkeiten und nervöse Tenden

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14

der

Zu dem Ableben des Prinzregenten schreibt Reichsanzeiger": Eine gesegnete Herrscherlauf­bahn, ein schlichtes deutsches Heldenleben fanden ihren Abschluß, erprobt im Felde während des großen Krie­ges für Deutſchlands Einigung, bewährt im politischen Reid, ein hochfinniger Hüter des Kronrechts seines er­

Rat, voll unerschütterlicher Treue gegen, Kaiser

und

lauchten Hauses, ein väterlich sorgender Landesfürst bis in das höchste Alter allem zugewandt, was Herz und Nation bewegt."

an

Kaiser Wilhelm und der König von Safen haben ihre persönliche Teilnahme den Beisezungsfeierlichkeiten des Prinzregenten anfün­digen lassen. Ebenso wollen nach Möglichkeit auch die anderen Bundesfürsten und Vertreter der freien Städte persönlich dem Regenten die letzte Ehre erweisen.

bis

Der neue Regent Prinz Ludwig traf Donnerstag abend im Sonderzuge in Begleitung des Ministerpräsidenten Frhrn. v. Hertling, der ihm zur Landesgrenze entgegengefahren war, von seiner Reise aus Ungarn in München ein. Es fand ein großer Empfang durch sämtliche Mitglieder der königlichen Fa milie, durch das Staatsministerium und die Spitzen der Militärbehörden statt.

21

Prinz Ludwig Leopold Josef Maria Aloys Alfred Don Bayern ist am 7. Januar 1845 in München çe

Das Glückskind.

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Roman von Frene von Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Na, das tann gut werden heute. Wenns so weiter verſaume i noch die Autunft des Zuges," mmte der Insasse des Schlittens.

Swet Bauern, die ellig die Straße entlang schritten, gen freundlich grüßend die Hüte.

0

Ach, Ste finds, Herr Förster, fa, wo wollen Ste benn heute noch hin? fragte der eine.

Sur Station will ich; das Forsthaus bekommt län­geren Besuch, und nun spielt mir der Malefiz- Gaul den Streich und will nicht weiter."

Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 14. Dezember 1912.

boren. Er ist Dr. oecon. publ. der Universität Mün­chen, Dr. der Universität Erlangen, Dr. ing. hon. c. der Technischen Hochschule München, fgl. bayerischer Ge neraleberst der Infanterie mit dem Range eines Feld= marschalls. Prinz Ludwig ist seit 20. Februar 1863 mit Maria Theresia, Erzherzogin von Oesterreich- Eſte, vermählt. Der Ehe sind 9 Kinder entsprossen. Der älteste Sohn, Prinz Rupprecht, der fünftige König Ban erns, ist 43 Jahre alt.

Die alte und die neue Türkei.

1

Nach dem Friedensschluß wird nur noch ein ge= ringer Teil von der europäischen Türkei vorhanden sein. Wird auch in Konstantinopel der Herrscherſitz und das Zentrum für die internationalen Beziehungen ver­bleiben, so wird doch der Schwerpunkt für die innere Entwidelung der Türtei erst recht in ihrem asiatischen Besitze liegen. Wie man aus der neulichen Erklär­ung des Reichskanzlers erfahren hat, haben sich die Großmächte auf den Grundsatz geeinigt, daß keine die Gelegenheit zu Landerwerb in der Türkei ergreifen foll. Das muß in erster Linie von dem türkischen In­felarchipel gelten, von wo jede Großmacht den kleinasi

atischen Besitz am leichtesten bedrohen könnte.

Politische Rundschau.

Deutschland.

Der Erbprinz Bernhard v. Sachsen­

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 20 Pij.

dre 44 mm breite nierarenzeile. Die 90 mm brei e Zeile im etiameteil 50 Big. Grtrabettagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt tomint bei leberichreitung des Zulungs icles( Zage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Ronfuns in Wegial. Blasvoribriften ohne Berbindlichtet. Druck der Gießener Verlagsdruckerei.

Telephon Nr. 362.

24. Jahrg.

da sämtliche republikanischen Parteien sich auf die Kan­didatur Leon Bourgeois einigen wollen.

Vom Balkan.

Von maßgebender Stelle wird erklärt, da der König der Bulgaren in der nächsten Zeit eine Reise durch die größeren Städte der neueroberten Ge­biete unternehmen und dann Saloniti besuchen wird." Man sieht daraus, daß die Rivalität wegen des Besitzes von Salonili noch nicht beendet ist.

Serbien.

Belgrad. Die Mobilisierung der ge­samten bisher nicht in Anspruch genommenen serbischen Land sturm mannschaften ist angeordnet wor­den. Die Einrückungsbefehle lauten auf Stellung in­nerhalb 24 Stunden. Die unter Waffen stehenden und aus dem Feldzug heimgekehrten Mannschaften erhalten nur kurzen, die Offiziere gar keinen Urlaub. Alle fügbaren Werkstätten sind mit der Anfertigung

Unterkleidern für die Armee beschäftigt.

Aus Stadt und Land.

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von

Meiningen ist von seiner Stellung als Generalin hat wegen des Ablebens des Prinzregenten Luitpold spektor der zweiten Armee- Inspektion zurückgetreten und

zuin Chef des Schlesischen Grenadierregiments Nr. 10 ernannt worden.

* Der neue Verband der Hochsee flotte, die 5. Linienschiff- Division, wurde durch den Kontre- Admi­ral Schmidt formiert. Ihr traten die beiden neuen Ue­ber- Treadnoughts Kaiser( als Flaggschiff) und Fried­rich der Große, sowie die älteren Schiffe Braunschweig und Elbing bei. Damit sind jetzt bei der Hochseeflotte 20 Linienschiffe in der Front.

2017

Neu- Strelig, 12. Dez. Der Kriegsmini­ster General v. Heeringen hat in den Bau 2 neuen Kriegsluftschiffen eingewilligt. Das eine der Luftschiffe soll auf der Zeppelinwerft in Fried­richshafen, das andere von der Parsevalgesellschaft in Biturfeld hergestellt werden.

Frankreich.

Die Präsidentenwahl in Frant reid. Allem Anscheine nach wird die bevorstehende Präsidentenwahl feine großen Schwierigkeiten machen,

Kopfnidend bejahte das Mädchen und legte müde die behandschuhte Rechte in die dargebotene Hand des Försters, indem es leise sagte: Guten Abend, Herr Bernsdorfer, habe ich Ihnen Ungelegenheiten bereitet

s Darmstadt, 12. Dez. Der Großherzog von Bayern eine Hoftrauer von heute bis einschließlich den 21. d. Mts. angeordnet.

Die langersehnte Besoldungsreform, die auf Jahre hinaus die Gehalts- und Pensions- Ver­hältnisse der hessischen Beamten und Lehrer festlegen soll, ist nun an die Zweite Kammer von der Regier­ung abgegeben worden. Manche Beamtenklasse, die schon lange pefitionierte, wurde ihrer Vorbildung und ihrer Bedeutung nach günstiger einrangiert, den Wunsch der Lehrer auf Gleichstellung mit den mittleren Finanz­beamten, der auch von der Zweiten Rammer als be­rechtig: anerkannt wurde, ließ man unberücksichtigt. Ja, die Verhältnisse werden durch die neue Vorlage sogar noch verschlechtert, da z. B. der seitherige Unterschied zwischen den pensionsfähigen Endgehalten der Lehrer und der gleichzurechnenden mittleren Beamten ganz be­deutend vergrößert wird. Um zu der Vorlage Stellung zu nehmen und die nötigen Schritte zu beraten, hält der Vorstand des hessischen Landes- Lehrervereins Sonntag, den 15. Dezember, in Darmstadt eine besondere Sizung ab.

Nein, o nein."

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am

" Ich habe Decken mitgebracht, wickeln Sie nur fest hinein, es ist eine Bärenkälte." Endlich war das Ziel erreicht. Freundlich schim­allmerten die erleuchteten Fenster des Forsthauses durch die stille Winfernacht.

" Ach was," lachte der freundlich blickende Alte, ge= freut haben wir uns wir die Kinder, ich und meine Theres: Ich sage Ihnen, die wußte gar nicht, was sie alles fochen sollte, unserent lieben Gast zu Ehren, na, ich darfja nichts verraten, es ist mir bei Strafe verboten worden, aber Sie werden schauen."

Er schnalzte leicht mit der Bunge:" Fein, sag ich Ihnen, sehr fein, Fräuleinchen, denn das versteht meine

Die beider nahmen das Pferd am Bügel und führte wie feine ist auch nicht zu wundern, war fünf

ten es etite Strecke weit, dabei mit dem Förster plaus berndo

Wie kommt es denn, daß Sie jest, mitten ini Win­ter, Besuch triegen, Herr Förster?"

Im Sommer, da ist's wohl schön bei uns, aber um diese Zeit, mein ich, wärs in der Stadt schöner," fiel der andere ein

"

Es ist einantes Mädel, erwiderte der Hörster, bem fut nichts not als Ruhe und frische, gute Luft, wie.. mir mein Neffe schreibt. Na, befdes ist fa hier in retch­lichstent Maße zu haben," fügte er lachend bet.

Der Zug brauste eben heran, als der Förster vom Schlitten sprang und die durch das lange Sigen steif gewordenen Glieber dehnte.

Heinen Nur ein einziger Fahrgast stieg an der t Station aus Der Förster blidte fuchend umber, schwenkte grüßend den grünen mit einer Auerhahnfeder geschmückten Hut und kam rasch berzirgéfaufen.

Grüß Gott zum Willkommen!" rief er heifer der Angekommenen entgegen, Ste find doch woht Fräif­lein Mabler, die to erwarte?

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Jahre Herrschaftstöchin."

In dem Auge des lebhaft Sprechenden leuchtete es wie Schelmeret; sorgjam half er seinem fchweig­unten Gait the den Schlitten, und fort og derfelbe auf der glatten Bahn, daß der Förster hell auflachend rief: Schau, schau)-wie der Nacker, dieser heillose Gaul, jest Taufen fann, hätt's ihm wirklich nicht zugetraut; der merkt wohl, daß es heimwärts geht."

Immerzu plauderte Bernsdorfer und schten gar daß er feine Antwort bekam. nicht zu merten, " Eine wundervolle Winternacht," begann er eben wieder, o, es wird Ihnen schon gefallen bei uns, Fräu­lein Röschen, wenn Sie erst den herrlichen Wald lieben gelernt haben, so wie ich ihn liebe. Ich sage Ihnen, mit teinem Fürsten möchte ich tauschen. Und erst im Som mer, wenn alles grünt und blüht und duftet rings um das liebe, alte Forsthaus, da gibt es nichts Schöneres in, der ganzen weiten Welt."

Unter der Haustüre, die ein mächtiger Aranz von Tannenreisern schmückte, stand; eine rundliche, fletne Frau, eine Laterne in der Hand haltend, und rief mit wohllautender Stimme den Ankommenden entgegen: Ei, da ſeid Ihr ja schon, das freut mich aber!"

"

Sick Alte, bringe ich Dir unsern Tieben Gaft," sagte der Förster, Röschen seiner Frau zuführend. Willkommen, mein liebes Kind, mögé Ihr Ein­tritt bei uns gesegnet sein!"

Sie traten ins Haus. Aus der blizblauten Küche, mo eine junge Maad emfig. bantierte, strömte gar lieb­licher Duft.

Man fonnte wohl nicht leicht etwas Anheimelade res und Behaglicheres finden. als das neben der Küche Itegende Wohnzimmer. Rings um die Wand Itef eine braune Holzvertäfelung, der große, grüne Kachelofen Derbreitete wohlige Wärme, die mächtige Hängelampe - inmitten der nicht sehr großen Stube spiegelte fich förm lich in dem glänzenden, weißen Tischtuch und den darauf befindlichen Gläsern und Tellern. Wahre Brachtegem­plare von Hirschgeweihen schmückten die belle Band.

Nahe dem Ofen, dicht bei dem Leberbezogenen Lehn­stuhl, lag ein schöner, langhaariger Jagbhund, ber beim Eintritt Nöschens ein Teises Anurren hören Ites: Still, Waldmann, schämst Du Dich nicht", wehrte nadad made ets Die Eugen Augen des Bundes richteten fich auf den der Förster.s Gebieter, der ihm liebtofend über das weiche Fell strich.

Wie lange haben wir noch zu fahren?" fragte Röschen.

Wenns so wetter geht, höchstens eine halbe Stunde. Ste frieren wohl fehr?"

( Bortfezung folgt.)

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